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Demonstration am Sa., 19.11., 13.00 Uhr
in Hannover, Bahnhofstraße/Ernst-August-Platz (Hauptbahnhof)
Bleiberecht für alle afghanischen Flüchtlinge!
Abkommen mit Afghanistan soll Abschiebungen forcieren
Am 02. Oktober haben die EU und Afghanistan ein Abkommen geschlossen, das den Titel „Joint Way Forward On migration issues between Afghanistan and the EU“ trägt. Der Name des Abkommens weist bereits auf dessen wesentlichen Zweck hin: Die Zusammenarbeit zwischen der EU und der afghanischen Regierung soll vertieft werden, um irreguläre Migration zu unterbinden und die Rückkehr von abgelehnten Asylbewerber_innen zu forcieren.
Mit diesem Abkommen drohen massenhafte Abschiebungen von Afghan_innen aus Deutschland und anderen Ländern der EU. Laut Angaben der EU sollen bis zu 80.000 Afghan_innen aus Europa abgeschoben werden. (am 30.11.2015 in Nds. 517 geduldete Afghan_innen). Um das zu ermöglichen, sagt die afghanische Regierung umfangreiche Kooperation bei der Unterbindung von unerwünschter Auswanderung und Flucht sowie bei der Rücknahme von abgelehnten Asylbewerber_innen zu. Dazu gehört u.a. die kurzfristige Ausstellung von Pässen oder alternativ die Akzeptanz von der EU ausgestellten Dokumenten, um Personen, die keine Passpapiere haben, abschieben zu können. Um Abschiebungen in größerer Zahl umsetzen zu können, sind sowohl reguläre Linienflüge als auch Sammelabschiebungen vorgesehen, für die dann ein spezielles Terminal auf dem Flughafen in Kabul errichtet werden soll. Auf der anderen Seite sagt die afghanische Regierung zu, irreguläre Migration in die EU durch Informationskampagnen zu
vermindern. Die EU ihrerseits verspricht, die afghanische Regierung bei der Bekämpfung von „Schleuser- und Schleppertätigkeiten“ („trafficking in human beings and migrant smuggling“) zu unterstützen. Die Bundesregierung macht diese Kooperation bei der Rücknahme von afghanischen Flüchtlingen und der Bekämpfung irregulärer Migration zur Bedingung für die Zahlung von weiteren Hilfsgeldern in Höhe von 1,7 Mrd. Euro bis 2020.
politisch intendierte Absenkung der Anerkennungsquote.

Flankiert wird dieses Abkommen in Deutschland durch eine politisch intendierte Absenkung der Anerkennungsquote von Asylanträgen von afghanischen Flüchtlingen. Während im August dieses Jahres die bereinigte Schutzquote noch bei rund 70% lag, ist sie mittlerweile durch das BAMF auf unter 50% gedrückt worden. Bereits im Oktober 2015 hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière angekündigt, verstärkt nach Afghanistan abschieben zu wollen. Dazu wurde die Mär von sicheren Regionen in Afghanistan erfunden. Eine hohe Schutzquote würde diese Behauptung konterkarieren. Gleichzeitig wurde offensichtlich begonnen, den Druck auf die afghanische Regierung zu erhöhen, während der für Flüchtlinge und Wiederaufnahme zuständige afghanische Minister Sayed Hussain Alemi Balkhi Ende Oktober noch darum bat, auf Grund der sich zuspitzenden Sicherheitslage im Land von Abschiebungen Abstand zu nehmen. Bereits eine Woche
später erklärte sich die afghanische Regierung jedoch bereit, bei der Aufnahme von
abgeschobenen Afghan_innen zu kooperieren. Zuvor hatte Bundesinnenminister de Maizère noch mal unumwunden klar gemacht, dass die Entscheidung, Abschiebungen von Flüchtlinge aus Afghanistan zu forcieren, keinesfalls nach sorgfältiger Abwägung menschenrechtlicher Fragen geschehen ist, sondern einzig vor dem Hintergrund, die Zahl ankommender Flüchtlinge zu senken.
Auf einer Pressekonferenz sagt Thomas de Maizière: „Afghanistan steht im laufenden Monat und auch im Verlauf des ganzen Jahres inzwischen auf Platz zwei der Liste der Herkunftsländer. Das ist inakzeptabel. Wir sind uns einig mit der afghanischen Regierung: Das wollen wir nicht.“ Afghanistan ist nicht sicher. Es ist allgemein bekannt, dass sich die Sicherheitslage und die menschenrechtliche Situation in den letzten Monaten keineswegs verbessert hat. Vielmehr lässt sich eine anhaltende Verschärfung der Konflikte beobachten: Im September 2015 hatten die Taliban noch die Stadt Kundus überrannt,
noch immer wird in der Stadt gekämpft. Pro Asyl berichtet, dass es im ersten Halbjahr 2016 über 1.600 Tote und mehr als 3.500 Verletzte in der Zivilbevölkerung gab. Immer wieder werden Anschläge gerade auch in der Hauptstadt Kabul verübt. Auch die Vereinten Nationen sehen sich immer wieder veranlasst, ihre Besorgnis über die Sicherheitslage insbesondere für die Zivilbevölkerung, die durch gezielte Tötungen und Angriffe v.a. auf Mädchen und Frauen terrorisiert wird, zum Ausdruck zu bringen. Und letztlich warnt auch das Auswärtige Amt dringend von Reisen nach Afghanistan und hält dabei das Risiko im gesamten Land für hoch. Angesichts dieser Fakten soll es „sichere Regionen“ in Afghanistan geben, die Abschiebungen vertretbar erscheinen lassen?

Vor diesem Hintergrund fordern

  • Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V.
  • Jugendkultur-Organisation Hannover
  • Krisenberatung für Afghanische Flüchtlinge und Migranten in Hannover
  • Sympathisanten der Solidaritätspartei Afghanistan in Europa e.V.
  • Afghaninnen und Afghanen in Niedersachsen

die niedersächsische Landesregierung auf, den in Niedersachsen lebenden afghanischen
Flüchtlingen Sicherheit zu geben, indem die Landesregierung

  • einen generellen Abschiebestopp nach Afghanistan verhängt,
  • sich für einen bundesweiten Abschiebestopp einsetzt und
  • auch abgelehnten Asylbewerber_innen aus Afghanistan ein Bleiberecht gewährt!

Am Donnerstag, dem 10. November, wird der Bundestag über die Verlängerung und Ausweitung des Bundeswehrmandats für Syrien entscheiden. Gerade durch die Erweiterung des Mandats um die AWACS-Aufklärungsflugzeuge würde die Beteiligung Deutschlands noch einmal eine völlig andere Dimension bekommen, sie wäre damit faktisch Kriegspartei! Dem stellen sich verschieden Gruppen und Initiativen der Friedensbewegung entgegen. MACHT FRIEDEN, so die Kampagne, der auch die DFG-VK angehört, will gegen eine Ausweitung der Kämpfe streiten und fordert friedliche und zivile Lösungen für Syrien.  Unterr www.macht-frieden.de gibt es Material. In Hannover besteht am 1.11. auf einer Mahnwache am Schillerdenkmal die Möglichkeit etwas aktiv für den Frieden zu tun.

ein Gastbeitrag vom Melissa Schultz

Jason Somervilles Karriere geht derzeit steil bergauf. Der Poker-Profi hat die Gaming-Community im Sturm erobert und hat schon mehr als 3.500.000 $ bei Live-Turnieren gewonnen. Fünf Millionen Zuschauer folgen ihm auf seinem Twitch-Kanal und seine Twitter-Fanbase wächst von Tag zu Tag. Derzeit ist der einzige männliche Profi-Pokerspieler der offen mit seiner Homosexualität umgeht. Er veröffentlichte in einem aufwendigen und innigen Blog-Eintrag sein lang gehütetes Geheimnis, wie auch seine emotionale Belastung.somerville

Die Entscheidung sich zu outen, nahm der Pokerspieler nicht so einfach auf die leichte Schulter. Eigentlich war der Gedanke, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, gar nicht geplant. Das änderte sich allerdings spätestens zu dem Zeitpunkt als sein Freund ihn zu einem Turnier in die Karibik begleiten wollte. Somerville wollte ihn nicht einfach als guten Freund abtun „Ich wollte der Beziehung nicht Respektlosigkeit entgegenbringen“ erklärt er ein einem Interview.

„Nach dem letzten ‚World Series of Poker‘ ging ich nach Hause und sagte mir: Du wirst dich nicht darauf konzentrieren Geld zu verdienen, du wirst darauf konzentrieren glücklich zu werden. Ich war allein und verärgert. Ich nahm einfach die Tatsache hin, dass ich unglücklich war ... Ich sagte mir, jetzt ist es genug.“somerville2

 

Für viele war das Coming-Out von Somerville eine schöne und herzerwärmende Sache. Bei einem Pokerspiel gibt es keine physischen Anforderungen, es besteht aus strategischer Analyse und psychologischer Einsicht – das bringt einen an die Spitze. Man könnte meinen, dass die Poker-Community offenherzig und einladend ist. Doch leider besteht immer noch die alte Vorstellung vom männlichen Ideal in den Köpfen vieler. Dieses alte Denken lässt sich auch aufgrund der Pokergeschichte nicht einfach mal über Bord werfen.

Es ist leider eine Tatsache, dass Bekannte Profi-Pokerspieler nicht gerade offen mit dem Thema um gehen, denn offensichtliche nicht-hetero Männer scheinen im Poker nicht besonders beliebt zu sein. Dies ist ein Überbleibsel einer alten Mentalität, denn die weltliche Standardansicht besagt „nichts fragen und nichts sagen.“ Somerville sieht offenbar zu dieser altmodischen Ansicht einen Nachholbedarf bei der Aufklärung zu dem Thema, denn trotz hunderter männlicher Profi-Spieler, hat sich nur einer öffentlich als schwul geoutet. Das „Poker Face“ impliziert einen emotionslosen Spieler und hat einen klaren Vorteil gegenüber jenen Spielern, die nicht in der Lage sind, ihre Gefühle zu verbergen und die in der weiteren Folge, Hinweise zu ihrem Blatt zugeben. Wer Emotion auf dem Kartentisch zeigt, zeigt zugleich Schwäche.vanessa-selbst

Beleidigungen wie „Homosexueller“ und „Schwuchtel“ werden so schnell wie Poker Chips über den Kartentisch geworfen – und das ständig, ohne das viel darüber nachgedacht wird, welchen Effekt diese Worte haben könnten. Typisch in einer hyper-maskulinen Kultur, in der es viele Alpha-Männchen gibt. In der Welt des Pokers bedeutet dies große Einsätze und die Macht Menschen einschüchtern zu können.

Auch die Casinos und die heteronormative Sexualisierung von Frauen sind damit verbunden. Neben jedem Casino in Las Vegas findet man einen Strip-Club, Millionen-Dollar-Jackpot-Gewinne werden mit einem Bild eines Starlets abgelichtet um sie zu promoten. Alles in allem ist die Umgebung für jene Pokerspieler, die nicht gerade dem „männlichen ideal“ entsprechen, nicht sehr entgegenkommend. Es ist interessant zu hören welche Meinung Vanessa Selbst zu dem Thema Diskriminierung Homosexueller in der professionellen Pokerwelt vertritt. Die offensichtliche homosexuelle Pokerlegende bewegt sich selbst in dieser heterozentrierten Umgebung und ist berühmt für ihre Intelligenz und ihr androgynes Aussehen. Sie behauptet, ihre sexuelle Orientierung sei nie ein Problem in ihrer Karriere gewesen. Eher noch, als ihre sexuelle Orientierung, war aber sehr wohl die Tatsache eine Frau in diesem männerdominanten Sport zu sein, ein Thema. „Ich habe nie Vorurteile gegenüber meiner Homosexualität erfahren, aber sehr wohl dafür eine Frau zu sein“, sagt Vanessa Selbst. Vielleicht gerade weil sie als Poker-Profi ein sehr jungenhaftes Aussehen mitbringt, fühlt sie sich in den Kreisen wohl, in denen sie spielt, aber das macht sie trotzdem nicht immun gegen Sexismus.

„... Manchmal werde ich nicht zu den Spielen eingeladen, weil die Männer nur unter sich sein wollen und das wird mir auch explizit so vermittelt.“NAPT Mohegan Sun 2011_5K Main Event_Day 1

Nach altem Klischeedenken ist Poker ein Spiel in der Herren-Zigarren-Lounge, wo keine Frauen erlaubt sind. Gespielt wird Poker, in anderen Worten, ein traditionelles Männer Spiel, mit allem, was dies mit sich bringt: Whiskey trinken, über Frauen reden und gelegentliches Geplänkel. Im Falle der Spieler Dan Bilzerian und Jeff Gross, die das „kleine Geplänkel“ einmal mehr wegen einer extremen Wette für zu voll genommen haben. Die Proposition Bets der Las-Vegas-Pros werden immer absurder, wobei Bilzerian Gross für ein LGBT Regenbogen-Tattoo auf dem Rücken $ 550.000 bezahlt haben soll. In anderen Worten, hält Bilzerian eine Tätowierung in Form eines Regenbogens für so erniedrigend und empfindet dies sogar als „Strafe“, dass er sogar $ 550.000 für eine Wette hingeblättert hat.

Was zweifelsohne als harmloser Spaß gedacht war, kam dann doch wohl anders rüber. Bilzerian und Gross könnten sich nicht weniger um die Rechte homosexueller Menschen scheren. Die LGBT-Bewegung ist nichts anderes als ein Gegenstand des Spottes für sie. Wegen Spielern wie Bilzerian und Gross werden homosexuelle Spieler sich zweimal überlegen, ob sie ihre sexuelle Orientierung enthüllen oder es doch lieber sein lassen.

Wie auch immer – Someville bereut sein öffentliches Coming-Out nicht, im Gegenteil. Dieser spricht von einer neugewonnen Freiheit und verrät, dass er überwiegend positives Feedback aus der Pokerwelt und der gesamten homosexuellen Gemeinde erfahren hat. Die Reaktionen der Menschen waren freundlich und hilfsbereit und er geht sogar so weit zu sagen, dass es der beste Tag seines Lebens gewesen sei. „Ich habe die Entscheidung getroffen, weil ich dachte, es wäre das Beste was ich für mich tun konnte, vielleicht kann mein Coming-Out-Prozess auch anderen helfen. Ich würde mich geehrt fühlen.“ sagt Somerville. Er ist zu einem Sprecher für homosexuellen Profi-Spieler avanciert und erntet dafür überwiegend positive Resonanz. Dieses vielversprechende Zeichen lenkt die Poker-Community in die richtige Richtung.

Können homosexuelle und transgender Spieler in Zukunft ihr Glück beim Online-Poker versuchen ohne dabei auf Vorurteile und Diskriminierungen auf dem Kartentisch zu stoßen? Dieser Gedanke bezieht sich natürlich auch auf die Diskriminierungen während den Live-Turnieren. „Poker sollte ein Spiel für jedermann sein, egal ob weiß, schwarz, christlich, jüdisch, weiblich, körperlich behindert, ein Ausländer oder sonst etwas“ so Somerville. Es wird Zeit, dass sich Poker ins 21. Jahrhundert bewegt.

– Syrien-Mahnwachen am 18. 10. 25. 10. und 1. 11. jeweils um 16.30 am Kröpcke.

Krieg kann kein Mittel sein, um den Terror zu beenden –
Macht Frieden! Zivile Lösungen für Syrien!

Unter diesem Motto führen Friedensbüro und DFG-VK Hannover an drei Dienstagen hintereinander am Kröpcke Mahnwachen durch. Diese Mahnwachen finden im Rahmen des Bündnisses ‚Macht Frieden‘ statt, zu dem sich bisher 17 Friedensgruppen (u. a. Pax Christi; Kooperation für den Frieden und die DFG-VK bundesweit) zusammengeschlossen haben.

Seit der Wiederaufnahme der Luftangriffe auf die Rebellengebiete in Aleppo sind in den letzten Tagen mehr als 150 Menschen getötet worden. „Dennoch“, so sagt Brunhild Müller-Reiß von Friedensbüro und DFG-VK „gibt es immer wieder kleine Funken Hoffnung für Syrien: Möglicherweise verhandeln Russland und die USA nun doch wieder über eine Feuerpause. Diese Funken müssen zu einer gewaltigen Flamme werden, damit wirklich etwas in dem mörderischen Krieg passiert. Und dazu wollen wir beitragen, wenn auch zunächst im bescheidenen Rahmen.“

Wir laden deshalb herzlich ein, an unserer  Mahnwache auf dem Kröpcke teilzunehmen – gerne mit Kerzen, um unsere Sichtbarkeit zu erhöhen.

Ich möchte auf eine spannende Neuerscheinung hinweisen:

„Schwule Sichtbarkeit – schwule Identität: Kritische Perspektiven“ von Zülfukar Çetin und Heinz Jürgen Voß.

Zentral wird im Band die Rolle von Identäten, dem Konzept „Homosexualität“ bei der Abgrenzung zu "Anderen" beleuchtet und gehen die Autor_innen historisch, aber auch aktuell den Auswirkungen des Konzeptes schwuler Identität nach. Für eine weitergehende Debatte über Selbstbestimmung und ein kritisches Hinterfragen normativer Strukturen ist das Werk enorm hilfreich. Unbedingt Lesen!

Zülfukar Çetin, Heinz-Jürgen Voß:
Schwule Sichtbarkeit – schwule Identität: Kritische Perspektiven

# Oktober 2016; 146 Seiten; 19,90 Euro
# ISSN: 2367-2420
# Psychosozial-Verlag, https://www.psychosozial-verlag.de
# Informationen zum Buch beim Verlag

# Klappentext:
Vorangetrieben von »Schwulen« selbst wurde seit dem 19. Jahrhundert das Konzept schwuler Identität durchgesetzt. Noch heute gelten »Sichtbarkeit« und »Identität« weithin als Schlüsselbegriffe politischer Kämpfe Homosexueller um Anerkennung und Respekt. Jedoch wird aktuell immer deutlicher, dass auf diese Weise ein Ordnungsregime entsteht, das auf Geschlechternorm, Weißsein, Bürgerlichkeit und Paarbeziehung basiert. So werden beispielsweise Queers of Color und Queers mit abweichenden Lebensentwürfen marginalisiert.

Die Autoren des vorliegenden Bandes hinterfragen die Gewissheit, dass eine einheitliche schwule Identität existiert, aus unterschiedlichen Perspektiven: bewegungsgeschichtlich, wissenschaftstheoretisch und mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Auseinandersetzungen um Homonationalismus und rassistische Gentrifizierung.

Veranstaltung: am 3. November, 18.00 Uhr,  Freizeitheim Linden (Windheim Str. 4)

Es referieren: Lars Skowronski (Historiker), Dr. Karljosef Kreter (Projekt Städtische Erinnerungskultur der Stadt Hannover)

Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) und das Friedensbüro Hannover starteten im Mai 2016 ein Projekt zur  systematischen Recherche zu den in der Nazi-Zeit wegen Desertion, Wehrkraftzersetzung oder Kriegsverrat verurteilten Soldaten in und aus Hannover. Erste Ergebnisse werden am 3.November 2016 im Freizeitheim Linden präsentiert.

Seit vielen Jahren beschäftigen sich die DFG-VK Hannover und das Friedensbüro Hannover mit der Erforschung und Würdigung von durch die NS-Militärjustiz verurteilten und hingerichteten Soldaten in und aus Hannover.  Unterstützt von der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, der Rosa-Luxemburg-Stiftung  und der Stadt Hannover starteten wir im Mai 2016 ein wissenschaftliches Rechercheprojekt, um   – soweit möglich – die Namen noch unbekannter Opfer der NS-Militärjustiz, die aus Hannover stammten oder dort hingerichtet und auf dem Fössefeldfriedhof beerdigt wurden, zu rekonstruieren.

Wir freuen uns, Ihnen am 3. November 2016, um 18.00 Uhr, im Freizeitheim Linden erste Ergebnisse der Arbeiten präsentieren zu können. Gemeinsam mit dem Historiker Lars Skowronski, der die Recherchen durchführte und Dr. Karljosef Kreter (Projekt Städtische Erinnerungskultur der Stadt Hannover ) werden wir auf dieser Veranstaltung erste Ergebnisse präsentieren und über  Opfer der NS-Militarjustiz in Hannover sprechen. Wir freuen uns auf eine anregende Diskussion.

Mit den Ergebnissen wollen wir Schulprojekte entwickeln und eine aktive Erinnerungskultur auch für diese Opfer des Nationalsozialismus etablieren.

Hintergrund:
In Hannover wurden während des Zweiten Weltkrieges von der NS-Militärjustiz verurteilte Soldaten auf dem Gelände der Kaserne Vahrenheide (heute Feldjägerschule der Bundeswehr, Emmich-Cambrai-Kaserne) hingerichtet. Zuvor wurden Sie im Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis am Waterlooplatz inhaftiert. Die hingerichteten Soldaten sind auf dem Stadtteilfriedhof Fössefeld beerdigt.

In jahrelanger Kleinarbeit hat Klaus Falk die Daten einzelner Soldaten erforscht und über umfangreiche Recherchen die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass der wegen „Wehrkraftzersetzung“, „Kriegsverrat“ oder „Desertion“ in Hannover hingerichteten Soldaten gedacht wird. Auf Basis dieser Daten hat Ralf Buchterkirchen im Jahr 2011 eine wissenschaftliche Abhandlung zur NS-Militärjustiz veröffentlicht, die ausgehend von einer regionalen Perspektive einzelne Biographien thematisiert und so der Allgemeinheit zugänglich macht (Buch: „…und wenn sie mich an die Wand stellen…“ – Desertion, Wehrkraftzersetzung und Kriegsverrat von Soldaten in und aus Hannover, Neustadt 2011).

Seit 1990 (von der Stadt 1992 als Schenkung angenommen) existiert ein Denkmal „Für den unbekannten Deserteur“. Es war auf dem Trammplatz direkt gegenüber dem Neuen Rathaus positioniert. Im Zuge der Umgestaltung des Platzes im Jahr 2015 wurde es entfernt. Die weitere Verwendung ist noch nicht geklärt. Ebenfalls im Jahr 2015 wurde durch die Stadt Hannover ein Denkmal auf dem Stadtteilfriedhof Fössefeld errichtet. Damit wurde der ehemalige Garnisionsfriedhof zu einem Gedenkort für die hingerichteten Opfer der NS-Militärjustiz erhoben.

Mi, 2. November 2016, im Pavillon, kleiner Saal,
Desertion und Kriegsdienstverweigerung in Vergangenheit und Gegenwart
Referenten: Friedhelm Schneider (Ev. Friedensarbeit; Büro für Kriegsdienstverweigerung, Europäisches Büro für Kriegsdienstverweigerung -EBCO) und Klaus Falk, Hannover, (DFG-VK; langjähriger Berater für KDV), Moderation Lutz Krügener, Referent für  Friedensarbeit der Ev. luth. Kirche Hannovers
Veranstaltung im Rahmen der Friedensdekade der Evangelischen Kirche: ‚Kriegsspuren‘.
Veranstaltet von: DFG-VK und Friedensbüro Hannover in Kooperation mit dem Haus kirchlicher Dienste Hannover – Friedensarbeit

Im Rahmen internationaler Kriege kommt der Kriegsdienstverweigerung und der Desertion eine große Bedeutung zu. Dies gilt weltweit, aber durchaus auch für Deutschland, obwohl wir gegenwärtig eine Freiwilligenarmee haben. Wir thematisieren die Vergangenheit - vor allem in Deutschland - aber der Schwerpunkt liegt auf der Gegenwart, insbesondere, wie die Situation  der KDV international aussieht. Welche Schlussfolgerungen kön­nen wir ziehen? Welche Rolle spielen KDV und Desertion für die Vermeidung und Beendigung von Kriegen?

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