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Noch in diesem Jahr wird meine zweite Monografie erscheinen. Einen Titel und den Klappentext gibt es schon:-) Er erscheint beim Verlag Region und Geschichte, Neustadt am Rübenberge. Mehr Infos folgen zeitnah.

Titel: "Du brauchst dich wegen meiner Hinrichtung nicht zu schämen..." - Ungehorsame Soldaten in Hannover 1933-1945

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Hannover, 5.-7. April 2019, Naturfreundehaus

Gerne weise ich auf eine Veranstaltung in Hannover hin. Der Bund für soziale Verteidigung (BSV) wird auf der Tagung versuchen Kunst und Frieden zusammenzudenken und welchen Beitrag Kunst in Friedensarbeit und ziviler Konfliktbewältigung leisten kann. Ich werde mit einem Workshopangebot "Denkmäler für Frieden/Deserteursdenkmäler" beteiligt sein.

Hier geht es zu dem Flyer mit dem Programm der Tagung.

Regelmäßig veranstaltet der Verein "Gegen das Vergessen ./. NS-Zwangsarbeit" e.V. eine Gedenkstättenfahrradtour zu ausgewählten Stationen in der Region Hannover, die an die Verbrechen der NS-Zeit erinnern. An konkreten Beispielen werden die Orte dargestellt und durch Experten und Fachkundige beschrieben. An den aufgesuchten Stationen finden Gespräche und ein Austausch zu den jeweiligen Themen statt.

In diesem Jahr geht die Tour beginnend an der Schulenburger Landstr./Ecke Friedenauer Str., über die Stationen Hackethalstraße, Alter Flughafen, Emmich-Cambrai-Kaserne, zur Neuen Bult und zum Stadtpark Langenhagen. In Godshorn am Mahnmal Ziegeleistraße findet eine kleine Gedenkfeier statt, bevor die Tour am Le-Trait-Platz endet.

Die 6. Gedenkstättenfahrradtour umfasst etwa 20 Kilometer über die gesamte Strecke. An den einzelnen Stationen kann "zugestiegen" werden.

Sonntag, 3. September 2017, Beginn 10 Uhr an dem Treffpunkt: Stadtbahnlinie 6, Haltestelle Schulenburger Landstraße/Ecke Friedenauer Straße.

PS: Ich bin auch dabei und werde etwas zu Deserteuren an der Emmich-Cambrai-Kaserne erzählen.

Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen und das Friedensbüro Hannover starten systematische Recherche zu wegen Desertion, Wehrkraftzersetzung oder Kriegsverrat verurteilten Soldaten in und aus Hannover. Dazu erklären Klaus Falk und Ralf Buchterkirchen, Sprecher_innen der DFG-VK Hannover:

Seit vielen Jahren beschäftigen sich die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Hannover und das Friedensbüro Hannover mit der Erforschung und Würdigung von durch die NS-Militärjustiz verurteilten und hingerichteten Soldaten in und aus Hannover. Bisher sind die Namen von 36 Soldaten aus Hannover und 15 Namen von in Hannover wegen Gehorsamsverweigerung hingerichteter Soldaten bekannt und belegt. Unterstützt von der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Einzelspenden haben wir das Ziel – soweit möglich – die Namen noch unbekannter Opfer der NS-Militärjustiz, die aus Hannover stammten oder dort hingerichtet und auf dem Fössefeldfriedhof beerdigt wurden, zu rekonstruieren. Zu diesem Zweck startet das wissenschaftliche Rechercheprojekt.

Im Herbst werden wir mit den bis dahin erzielten Ergebnissen an die Öffentlichkeit gehen. Mit den Ergebnissen können – so hoffen die Organisator_innen– Schulprojekte entwickelt und eine aktive Erinnerungskultur befördert werden. Ziel ist es – wie von der Stadt Hannover vorgesehen – den Stadtteilfriedhof Fössefeld zu einem zentralen Lern- und Erfahrungsort in Hannover zu entwickeln. Das Projekt wird dazu einen wichtigen Baustein leisten.

Hintergrund:

In Hannover wurden während des Zweiten Weltkrieges von der NS-Militärjustiz verurteilte Soldaten auf dem Gelände der Kaserne Vahrenheide (heute Feldjägerschule der Bundeswehr, Emmich-Cambrai-Kaserne) hingerichtet. Zuvor wurden Sie im Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis am Waterlooplatz inhaftiert. Die hingerichteten Soldaten sind auf dem Stadtteilfriedhof Fössefeld beerdigt.

In jahrelanger Kleinarbeit hat Klaus Falk die Daten einzelner Soldaten erforscht und über umfangreiche Recherchen die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass der wegen „Wehrkraftzersetzung“, „Kriegsverrat“ oder „Desertion“ in Hannover hingerichteten Soldaten gedacht wird. Auf Basis dieser Daten hat Ralf Buchterkirchen im Jahr 2011 eine wissenschaftliche Abhandlung zur NS-Militärjustiz veröffentlicht, die ausgehend von einer regionalen Perspektive einzelne Biographien thematisiert und so der Allgemeinheit zugänglich macht (Buch: „…und wenn sie mich an die Wand stellen…“ – Desertion, Wehrkraftzersetzung und Kriegsverrat von Soldaten in und aus Hannover, Neustadt 2011).

Seit 1990 (von der Stadt 1992 als Schenkung angenommen) existiert ein Denkmal „Für den unbekannten Deserteur“. Es war auf dem Trammplatz direkt gegenüber dem Neuen Rathaus positioniert. Im Zuge der Umgestaltung des Platzes im Jahr 2015 wurde es entfernt. Die weitere Verwendung ist noch nicht geklärt. Ebenfalls im Jahr 2015 wurde durch die Stadt Hannover ein Denkmal auf dem Stadtteilfriedhof Fössefeld errichtet. Damit wurde der ehemalige Garnisionsfriedhof zu einem Gedenkort für die hingerichteten Opfer der NS-Militärjustiz erhoben.

Mal ein Hinweis in eigener Sache: Ich freue mich, das mich die IG Metall zu einem Vortrag eingeladen hat. Am 9.5. werde ich ab 17:00 Uhr über wegen Desertion, Wehrkraftzersetzung oder "Kriegsverrat" hingerichtete Soldaten in und aus Hannover referieren. Einen Schwerpunkt wird dabei die Situation in Hannover bilden. De Eintritt ist frei.

Ort: IG Metall Hannover, Postkamp 12, 30159 Hannover
Wann: Montag, 9. Mai 2016, 17:00 Uhr

Veranstalter_in: IG Metall Hannover in Kooperation mit dem Friedensbüro Hannover e.V. und der Deutschen Friedensgesellschaft - Vereingte KriegsdienstgegnerInnen Hannover

Am 24. November wurde in Hamburgs Innenstadt das Deserteursdenkmal eingeweiht.
Schon im Jahr 2010 wurde bei einer öffentlichen Veranstaltung in Ohlsdorf, wo die Willi-Bredel-Gesellschaft an 68 namentlich bekannte Opfer der NS-Militärjustiz erinnert hatte, die Frage gestellt, wo denn in Hamburg ein Gedenkort für die hingerichteten Deserteure entstehen sollte. Hier kam erstmals der Vorschlag auf, solch einen Gedenkort beim Kriegsklotz am Dammtor zu errichten. Es sollte noch einige Zeit dauern, aber nun ist es endlich so weit.
Hamburg hat einen Gedenkort für Deserteue und andere Opfer der NS-Militärjustiz. Vor dem Kriegsklotz steht nun eine kleine Mauer mit der Aufschrift: "Der zweite Weltkrieg war ein Anggriffs- und Vernichtungskrieg, ein vom nationalsozialistischen Deutschland verschuldetes Verbrechen". Dieser Beschluss des Bundestages vom 15.Mai 1997 steht damit sinnbildlich für den neuen Umgang. Seitlich des Kriegsklotzes in direkter Erwiderung des dort angebrachten Spruches "Deutschland muss leben und wenn wir sterben müssen" verästeln sich am neuen Deserteursdenkmal die Worte Helmut Heißenbüttels des Textes Deutschland 1944. - eine Installation die zum Blickwinkel verschieben, nachdenken und hinterfragen einlädt. Ergänzt wird das Denkmal durch eine integrierte Hörcollage, die mit Lebensdaten der Hingerichteten aufwartet. Alles in allem eine rundum spannende und moderne Gedenkinstallation. Schade nur das Hannover nicht den Mut hatte einen ähnlichen offenen Weg zu gehen.
Begleitet wurde die Eröffnung - gehalten vom Hamburger Bürgermeister Scholz und dem Deserteur Ludwig Baumann - von der Forderung einiger DFG-VK Aktiver für ein Asylrecht für Deserteure, verbunden mit der Forderung, die Bundeswehr abzuschaffen.

breuste3Leider konnte die DFG-VK, obwohl jahrelang maßgeblich an der Forschung und Problematisierung des Gedenkens an von der NS-Militärjustiz verurteilte "ungehorsame" Soldaten beteiligt, keinen Redebeitrag bei der Einweihung eines Denkmals für Deserteure halten. Deshalb hier dokumentiert - die nicht gehaltene Rede:

Heute gedenken wir hier der Menschen, die sich aus ganz individuellen Gründen der Kriegslogik entzogen: Sei es aus die Erkenntnis, dass militärische Mittel keine Lösung sind, sei es erlittene Schikane, sei es Kriegsmüdigkeit oder um es mit Alfred Andersch zu sagen: Der Wille zum Leben. Wir gedenken hier und heute der Menschen, die wegen Desertion, wegen sogenannter Wehrkraftzersetzung oder Kriegsverrat verurteilt und hingerichtet wurden. Hubert Breitschaft, dem Lehrer aus Cham wurde zum Verhängnis, als Reaktion auf die Information zum gescheiterten Hitlerattentat gesagt zu haben: „Schade, dass es ihn nicht erwischt hat! Der Kerl hat schon zu Viele ins Unglück gestürzt.“ Auf dem Waterlooplatz im Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis erlebte er seine letzten Tage, bevor er ‚An der Kugelfangtrift‘ – auf dem Gelände der heutigen Emmich-Cambrai-Kaserne - am 12.Dezember 1944 erschossen wurde Er liegt hier auf dem Fössefeldfriedhof begraben.

 

Anton Biesterfeld aus dem holländischen Breda ertrug die Schikanen seiner Kameraden nicht und versuchte zu fliehen. Auch er wurde in Hannover hingerichtet und liegt hier begraben. Zwei Beispiele von Vielen.

Die Täter – die Richter, die Gerichtsherrn, die NS-Militärjustiz - gingen komplett straffrei aus. Die vollständige Rehabilitierung der Opfer der NS-Militärjustiz dauerte hingegen noch bis 2009. Erlebt hat das von den Opfern, die damals überlebten, fast niemand mehr.

Jeder, der sich der Wehrmacht entzog, wusste was er tat. Die NS-Militärjustiz war allgegenwärtig, in kurzen Zeitabständen erfolgten Belehrungen für jeden Soldaten. Es war immer die einzelne individuelle Entscheidung „NEIN“ zu sagen. Humanität beispielsweise gegenüber Häftlingen zu zeigen galt bereits als Kriegsverrat. Bedroht waren auch die, die desertierten. Dass Zehntausende es dennoch taten, sich dafür entschieden ihr Leben zu riskieren – jeder für sich -, zeigt, dass die persönliche Entscheidung zum Leben über der Willkür des Militärs stehen kann. Jede dieser Taten war ein wenig Sand im Getriebe, war – aus was für Gründen auch immer - eine Tat gegen die militärische Logik und damit gegen Krieg als Mittel der Politik. Das Gedenken, das Nachdenken über diese mutigen Menschen und ihre Entscheidungen wirft auch für die heutige Zeit und für heutige Entscheidungen Fragen auf: Fragen nach der persönlichen Moral und nach der Sinnhaftigkeit des Krieges. Es stellt sich auch die Frage nach Alternativen. Dazu gehören die aktuellen Entscheidungen von Soldatinnen und Soldaten oder zivilen Beschäftigten, sich der Logik von Befehl und Gehorsam zu entziehen. Dazu gehörte und gehört auch, sich als ungerecht empfundenen Kriegen bzw. Militäroperationen zu entziehen. So haben es beispielsweise amerikanische und deutsche Soldaten im zweiten und dritten Golfkrieg getan, ebenso wie Deserteure im damaligen Jugoslawien und anderswo.
Auch in der heutigen Ukraine verweigern sich Soldat_innen dem Kampf im ‚Geschwisterkrieg‘.

In Hannover hat das Gedenken an Deserteure zumindest etwas Tradition. Bereits 1990 wurde ein Denkmal für den Unbekannten Deserteur aufgestellt. Jetzt liegt es an uns, dieses neue Denkmal zu nutzen, um die Auseinandersetzung um Gewissen, Menschenwürde und Toleranz, zur Frage nach Motiven und Rahmenbedingungen von Kriegen zu führen. Wir wollen dieses Denkmal zum Anecken und Hinterfragen scheinbar nicht hinterfragbarer Kategorien nutzen, ohne das alte Denkmal zu vergessen. Um abschließend noch einmal Alfred Andersch zu zitieren:
„Die meisten Desertionen geschahen […] aus dem Willen, zu leben“.

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