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Fritz Wehrmann
Fritz Wehrmann

Der Leipziger Modellschlosser wurde am 07.07.1919 geboren. Zum Militärdienst verpflichtet, diente er als Matrose der deutschen Kriegsmarine. Nachdem am 4.Mai 1945 die den britischen Streitkräften gegenüberliegenden Teile der deutschen Wehrmacht, einschließlich der Marineeinheiten in Schleswig-Holstein, Holland und Dänemark, kapitulierten, entschlossen sich 4 junge Matrosen, nach Hause sich zu ihren Familien durchzuschlagen. Ihnen drohte entweder die Gefangennahme durch die Engländer oder die kurzfristige Versetzung an die Ostfront. Initiatoren waren der 19 jährige Marinefunker Alfred Gail aus Kassel und Fritz Wehrmann. Ohne besondere Vorsicht machten sie sich auf den Weg. Von bewaffneten dänischen Widerstandskämpfern wurden sie am 07.Mai 1945 festgenommen und zur Einheit zurückgebracht. Diese gingen davon aus, dass die Soldaten sich nur der Gefangennahme entziehen wollten. Gerechnet wurde – vor allem mit Blick auf die angekündigte Kapitulation –  mit einer geringen Bestrafung. Am Morgen des 9.Mai wurden sie dennoch vor ein schnell gebildetes Kriegsgericht gestellt. Alfred Gail, Manfred Schilling und Fritz Wehrmann wurden wegen schwerer Fahnenflucht zum Tode verurteilt und am 10.Mai 1945 hingerichtet. Gerichtsherr war Marineoberst Rudolf Petersen. Er war verantwortlich für die Aufstellung des Gerichtes und billigte das Urteil und setzte es damit in Kraft. Ein juristischer Beistand wurde den Matrosen ebenso verwehrt, wie das Recht auf ein Gnadengesuch. Die schnelle Hinrichtung lässt zudem darauf schließen, das es Petersen vor allem darum ging, Härte zu beweisen und befürchtete Tendenzen zur Meuterei innerhalb der ihm unterstellten Flotte zu begegnen – und das Tage nach der Kapitulation Hitlerdeutschlands. Rudolf Petersen, der Verantwortliche des Kriegsgerichtes wurde nach 1945 von Wehrmanns Mutter vergeblich angezeigt. Dreimal wurde er von Hamburger Gerichten freigesprochen. Rudolf Petersen machte später Karriere als Handelsvertreter und beim Militärischen Abschirmdienst (MAD) der Bundeswehr.

Heute erinnert ein Gedenkstein von Norgaardholz, der zur Erinnerung an die Todesurteile in der Geltinger Bucht aufgestellt wurde an die Matrosen. In Leipziger Stadtteil Gohlis wurde 2000 eine Straße nach Wehrmann benannt. Seit  Mai 2007 erinnert vor dem Haus Brandvorwerkstraße 46 in der Leipziger Südvorstadt ein Stolperstein an den Soldaten

Quellen: Bürgerverein Gohlis e.V.: Gohliser Historische Hefte Nr.6, Leipzig 2001
Flugschrift Leipziger Komitee für Grundrechte und Friedenszentrum Leipzig e.V.
Der Gedenkstein von Norgaardholz

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Cetin-Voß-Wolter-Interventionen-gegen-deutsche-BeschneidungsdebatteDie Autoren des Bandes "Interventionen gegen die deutsche Beschneidungsdebatte" leisten Wichtiges in Bezug auf die derzeit impulsiv - teilweise gar "hysterisch" - geführte Debatte um die Vorhautbeschneidung bei Jungen: Sie liefern ein Fundament. Heinz-Jürgen Voß stellt heraus, dass medizinisch einiges für die Vorhautbeschneidung spricht. Harnweginfekte kämen bei 2% der unbeschnittenen Jungen bereits im ersten Lebensjahr vor, hingegen nur bei 0,2% der beschnittenen. Zur Prävention von Krankheiten würden von der Weltgesundheitsorganisation insbesondere in Ländern des afrikanischen Kontinents Vorhautbeschneidungen empfohlen. Gut lesbar bereitet Voß auch den weiteren medizinischen Forschungsstand auf - so diskutiert er Fragen der Sensitivität der Eichel und mögliche psychische Auswirkungen, die mit der Vorhautbeschneidung und dem gesellschaftlichen Umgang mit beschnittenen Jungen verbunden sein können.
Zülfukar Çetin und Salih Alexander Wolter nehmen dagegen den Diskurs selbst sowie die populär vorgebrachten Mutmaßungen über die Vorhautbeschneidung in den Blick. Sie zeigen, wie gerade nicht Selbsthilfeorganisationen von vorhautbeschnittenen Männern die Debatte vorantrieben, sondern wie die Debatte geradezu "lanciert" wurde. Insbesondere gehen sie dabei der Rolle des Strafrechtlers Holm Putzke nach. Mit Bezug zu Horheimer und Adorno arbeiten sie heraus, wie in der Debatte - in abendländischer Tradition - selbst in atheistischen Positionen des "Mehrheitsdiskurses" die christliche Trennung von "Körper" und "Seele" vorausgesetzt und andere Positionen als "barbarische", "noch zu zivilisierende" diskreditiert werden. Die Debatte habe damit an frühere debatten angeschlossen. Hingegen hätten die politischen Entscheidungsträger_innen und die medizinischen Fachkreise weitgehend "unaufgeregt" reagiert - und mit dem aktuell verabschiedeten gesetz dem Recht auf körperliche Unversehrtheit und auf Religionsfreiheit gleichermaßen Rechnung getragen.
Egal wie man in der Debatte steht, bietet der Band wichtige - und zudem wissenschaftlich fundierte! - Anregungen zum Weiterdenken. Er bietet zugleich die unabdingbare Grundlage, auf der man überhaupt nachdenken kann, wie emanzipatorische Religionskritik aussehen kann.

Zülfukar Çetin, Heinz-Jürgen Voß, Salih Alexander Wolter:
 Interventionen gegen die deutsche «Beschneidungsdebatte»
 Edition Assemblage
 96 Seiten, 9,80 Euro
 ISBN 978-3-942885-42-3
 Verlagsinformationen
Erhältlich überall im Buchhandel und beim Verlag.

am 4. November 2011 wurde bekannt, dass eine aus Jena in Thüringen
stammende und in Chemnitz und Zwickau in Sachsen untergetauchte
rechtsextreme Gruppierung namens "Nationalsozialistischer Untergrund"
(NSU) über einen Zeitraum von 13 Jahren zehn Menschen mit
Migrationshintergrund getötet und durch zwei Bombenanschlägen zahlreiche
Menschen verletzt hat. Finanziert und getragen wurde der
"Nationalsozialistische Untergrund" (NSU) die gesamten Jahre durch ein
bundesweites Netzwerk aus
rechtsextremen Unterstützerinnen und Banküberfälle sowie nicht zuletzt
direkt oder indirekt über V- Männer durch den Verfassungsschutz.

Unter dem Motto: Ein Jahr nach Aufdeckung der Terrorzelle
"Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU)" findet am Sonntag, dem 4.
November 2012, eine Informationsveranstaltung des Friedenszentrums
Leipzig e.V. und des Friedensweg e.V. statt. Sie beginnt um 18:00 Uhr in
der Alten Handelsbörse am Naschmarkt.

Die Leipziger Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/ Die Grünen Monika
Lazar, Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus, wird zur
Einführung die Taten des NSU in Erinnerung rufen und Schlussfolgerungen
und Forderungen aus ihrer Sicht folgenden darlegen. Anschließend
berichtet der Obmann von Bündnis 90/ Die Grünen im NSU- Ausschuss des
Bundestages, Wolfgang Wieland, über die Arbeit und die bisherigen
Ergebnisse des Ausschusses. Moderiert wird die Veranstaltung von
Christoph Wittwer.

Nachdem viele Politikerinnen den Opfern und der Öffentlichkeit schnelle
Aufklärung versprachen, müssen die Opfer und die Öffentlichkeit immer
wieder miterleben, wie die Sicherheitsbehörden eklatante
Ermittlungspannen begangen haben, enttarnte V-Leute und heimliche
Schredder Aktion verschweigen und vertuschen wollen. So kommen
wöchentlich neue und immer unglaublichere Informationen über die NSU und
deren Unterstützer und das Versagen der Sicherheitsbehörden an die
Öffentlichkeit. Wolfgang Wieland wird versuchen, ein "vorläufiges Bild"
der Ereignisse, Abläufe, Pannen und Verbindungen aufzuzeigen.

Der Eintritt für die Veranstaltung ist frei, um eine Spende wird gebeten.

Im ersten Quartal 2013 ist eine weitere Veranstaltung zum Thema geplant.
Dann soll mit Vertretern der Landtags- Untersuchungsausschüsse aus
Sachsen und Thüringen über die Fehler der Landesämter für
Verfassungsschutz diskutiert werden.

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