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Die heutige Aktion, die Stolpersteine wieder zum Glänzen zu bringen, war
sehr erfolgreich. 24 HannoveranerInnen folgten dem Aufruf des
Friedensbüros und versammelten sich am Samstag um 10:00 Uhr am Kröpcke.
Dort wurden Putzmittel verteilt und gab Ralf Buchterkirchen eine kurze
Einführung, wie die Stolpersteine zu reinigen sind, damit sie keinen
Schaden nehmen. Gleichzeitig wurde ein Stadtplan ausgegeben, in dem die
Stolpersteine eingezeichnet waren – die Anwesenden fanden sich in
Zweier-, Dreier- und Viererteams zusammen und übernahmen jeweils einen
kleinen Ausschnitt des Gebietes.
Dann ging es los. Und es konnten alle Stolpersteine in dem Bereich
gereinigt werden – immerhin mehr als 100 der insgesamt 270 Stolpersteine
in Hannover. Vorher- und Nachherbilder ermöglichen den Vergleich. Durch
die Reinigung fallen die Steine jetzt nicht nur besser ins Auge, führen
also zum visuellen ‚Stolpern‘. Vielmehr ergaben sich auch beim Putzen
Gespräch mit Anwohnerinnen und Anwohnern und erhielten die kleinen
Denkmale damit weitere Aufmerksamkeit in der Nachbarschaft. Am Stein für
Robert Gauweiler,
gauw.1 gauw2 der als Vater von 6
Kindern am 11. Dezember 1944 von den Nationalsozialisten hingerichtet
worden war, fragte ein Kind seine Eltern – „was machen die da“, worauf
die Eltern ausführlich erläuterten. Andernorts wurde eine kleine
Feiergesellschaft aufmerksam und dankte für die Putz-Aktion.
Den Teilnehmenden gefiel es: Es war eine kurzweilige Aktion, die zur
Wiederholung anspornt. So haben auch mehrere Teilnehmende und
AnwohnerInnen signalisiert, dass sie Patenschaften für einzelne
Stolpersteine übernehmen wollen.
Wer dem Beispiel folgen will und auch eine Patenschaft übernehmen
möchte, aber am 10. Mai nicht dabei sein konnte, findet auf Homepage der
Stadt Hannover eine Übersicht über die in der näheren Umgebung verlegten
Stolpersteine – und kann sich an das Projekt Erinnerungskultur der Stadt
mit der Patenschaftsanfrage wenden. Abschließend ein kleiner
Reinigungshinweis: Bitte verwenden Sie nur ein weiches Tuch und eine
Zahnbürste sowie einfachen Metallreiniger zum Putzen der Steine.
Hingegen können kratzende Materialien, wie Schwämme zum Geschirrspülen,
sowie andere Chemikalien die Stolpersteine beschädigen.
Wer mehr zu Robert Gauweiler erfahren möchte, hat schon am kommenden
Freitag – den 16. Mai – dazu Gelegenheit. Die Otto-Brenner-Akademie lädt
für diesen Tag zu einer Diskussion mit Ralf Buchterkirchen ein, der sich
in seinem Buch „…und wenn sie mich an die Wand stellen…“ auch mit
Gauweiler befasst hat und auch auf ihn bei seinem Vortrag eingehen wird
– 19 Uhr, Freizeitheim Linden, Geschichtskabinett.

Hannover, 10. Mai, ab 10:00 Uhr Kröpcke
Putzen ist angesagt! Stolpersteine – kleine Denkmale in der Zeit wieder zum Glänzen bringen
Stolpersteine sind kleine Denkmale, die im heutigen Alltag zum Innehalten einladen und Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus ermöglichen. Sie erinnern individuell an eine konkrete Person und sind damit wichtiger Bestandteil einer lebendigen Erinnerungskultur. Zum Beispiel Robert Gauweiler, geboren am 14. Januar 1906, hingerichtet am 11. Dezember 1944. Gauweiler war verheiratet, hatte 6 Kinder und engagierte sich politisch links, zum Verhängnis wurde ihm eine Denunziation. Wegen ‚Zersetzung der Wehrkraft‘ wurde er am 8. August 1944 zum Tode verurteilt.
Wir möchten, dass diese Denkmale sichtbar bleiben und gepflegt sind. Daher laden wir alle Interessierten herzlich dazu ein, jeweils in kleinen Gruppen – zu zweit oder zu dritt – gemeinsam die Stolpersteine zu putzen und damit das Messing wieder zum Glänzen zu bringen und damit noch mehr zur täglichen Erinnerung, zum ‚kleinen Stolpern‘ im Alltag einzuladen.
Wir treffen uns am 10. Mai um 10:00 Uhr am Kröpcke und teilen uns in kleine Gruppen ein. Wer unabhängig davon in seiner Umgebung Stolpersteine putzen möchte, kann sich auch gern melden und bekommt gern per E-Mail oder telefonisch kurze Hinweise, wo sich in der Umgebung weitere Stolpersteine befinden und welche Materialien zum Putzen geeignet sind, um das Messing nicht zu beschädigen.

Ich mache ja eher selten Werbung für Spendensammlungen - eigentlich nie - aber dieses Projekt verdient es, unterstützt zu werden. Ein spannendes Filmprojekt bei Startnext, welches sich gegen den allgemeinen Weichspülmodus in der Vergangenheitsaufarbeitung wendet. Schon mal davon gehört, wie es Schwarzen Kindern ging, die im Nazideutschland groß wurden? Der Film - so er denn realisiert werden kann, gibt eine Antwort darauf. http://www.startnext.de/rheinland

aus der Ankündigung: RHEINLAND - Der Film handelt von dem 12-jährigen afrodeutschen Jungen Joachim und seiner Familie, deren ohnehin schon von Rassismus geprägtes Leben mit der Machtergreifung Hitlers eine dramatische Wendung erfährt und nun existenziell gefährdet ist...

meine heimat / ist heute / der raum zwischen / gestern und morgen /
die stille / vor und hinter / den worten / das leben / zwischen den stühlen

May Ayim (afrodeutsche Poetin, Aktivistin und Pädagogin, 1960 - 1996)

www.rheinland-movie.com

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Startnext ist eine Plattform, auf der man Projekte unterstützen kann, das Geld wird erst einmal provisionsfrei eingezogen und kommt erst dann zur Auszahlung, wenn das Projektziel erreicht ist. Ansonsten wird es zurück überwiesen. Ich hoffe nicht, das das hier passiert....

gerne verweise ich auf eine spannende neue Buchvorstellung!

Montag, 10. 3. Pavillon – 19.00 Uhr Kulturzentrum Pavillon Lister Meile 4, 30161 Hannover

Lesung »Er wollte ’ne sozialistische Front aufziehen – ob ich bereit wäre, Matrizen zu schreiben.«

antif_frauen

Brunhild Müller-Reiß liest aus ihrem soeben erschienen Buch.

Der politische Widerstand von Frauen wurde vielfach von der Forschung vernachlässigt und gesellschaftlich ignoriert. Auf der Basis von zahlreichen Interviews mit Frauen aus dem Widerstand gegen die NS-Diktatur, die bereits in den 1980er Jahren geführt wurden, entstand im letzten Jahr ein Buch, das jetzt zum Internationalen Frauentag erschienen ist. Die Frauen kommen selbst zum Sprechen und ihre Erfahrungen werden vor dem Vergessen bewahrt. Die Interviews spiegeln die wichtige und zum Teil lebensrettende Rolle von Frauen im Widerstand und ihr Alltagsleben zur Nazi-Zeit. Sie zeigen aber auch die Widersprüchlichkeit des ›weiblichen Lebenszusammenhangs‹ durch eine starke Fokussierung auch auf den ›privaten‹ Raum der Frauen. Denn so zentral ihr antifaschistisches Handeln war – so wenig sichtbar war es weitgehend und so wenig wurde es fast immer gewürdigt.
Veranstalterin: Friedensbürp Hannover e.V.

Fritz Wehrmann
Fritz Wehrmann

Der Leipziger Modellschlosser wurde am 07.07.1919 geboren. Zum Militärdienst verpflichtet, diente er als Matrose der deutschen Kriegsmarine. Nachdem am 4.Mai 1945 die den britischen Streitkräften gegenüberliegenden Teile der deutschen Wehrmacht, einschließlich der Marineeinheiten in Schleswig-Holstein, Holland und Dänemark, kapitulierten, entschlossen sich 4 junge Matrosen, nach Hause sich zu ihren Familien durchzuschlagen. Ihnen drohte entweder die Gefangennahme durch die Engländer oder die kurzfristige Versetzung an die Ostfront. Initiatoren waren der 19 jährige Marinefunker Alfred Gail aus Kassel und Fritz Wehrmann. Ohne besondere Vorsicht machten sie sich auf den Weg. Von bewaffneten dänischen Widerstandskämpfern wurden sie am 07.Mai 1945 festgenommen und zur Einheit zurückgebracht. Diese gingen davon aus, dass die Soldaten sich nur der Gefangennahme entziehen wollten. Gerechnet wurde – vor allem mit Blick auf die angekündigte Kapitulation –  mit einer geringen Bestrafung. Am Morgen des 9.Mai wurden sie dennoch vor ein schnell gebildetes Kriegsgericht gestellt. Alfred Gail, Manfred Schilling und Fritz Wehrmann wurden wegen schwerer Fahnenflucht zum Tode verurteilt und am 10.Mai 1945 hingerichtet. Gerichtsherr war Marineoberst Rudolf Petersen. Er war verantwortlich für die Aufstellung des Gerichtes und billigte das Urteil und setzte es damit in Kraft. Ein juristischer Beistand wurde den Matrosen ebenso verwehrt, wie das Recht auf ein Gnadengesuch. Die schnelle Hinrichtung lässt zudem darauf schließen, das es Petersen vor allem darum ging, Härte zu beweisen und befürchtete Tendenzen zur Meuterei innerhalb der ihm unterstellten Flotte zu begegnen – und das Tage nach der Kapitulation Hitlerdeutschlands. Rudolf Petersen, der Verantwortliche des Kriegsgerichtes wurde nach 1945 von Wehrmanns Mutter vergeblich angezeigt. Dreimal wurde er von Hamburger Gerichten freigesprochen. Rudolf Petersen machte später Karriere als Handelsvertreter und beim Militärischen Abschirmdienst (MAD) der Bundeswehr.

Heute erinnert ein Gedenkstein von Norgaardholz, der zur Erinnerung an die Todesurteile in der Geltinger Bucht aufgestellt wurde an die Matrosen. In Leipziger Stadtteil Gohlis wurde 2000 eine Straße nach Wehrmann benannt. Seit  Mai 2007 erinnert vor dem Haus Brandvorwerkstraße 46 in der Leipziger Südvorstadt ein Stolperstein an den Soldaten

Quellen: Bürgerverein Gohlis e.V.: Gohliser Historische Hefte Nr.6, Leipzig 2001
Flugschrift Leipziger Komitee für Grundrechte und Friedenszentrum Leipzig e.V.
Der Gedenkstein von Norgaardholz

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Cetin-Voß-Wolter-Interventionen-gegen-deutsche-BeschneidungsdebatteDie Autoren des Bandes "Interventionen gegen die deutsche Beschneidungsdebatte" leisten Wichtiges in Bezug auf die derzeit impulsiv - teilweise gar "hysterisch" - geführte Debatte um die Vorhautbeschneidung bei Jungen: Sie liefern ein Fundament. Heinz-Jürgen Voß stellt heraus, dass medizinisch einiges für die Vorhautbeschneidung spricht. Harnweginfekte kämen bei 2% der unbeschnittenen Jungen bereits im ersten Lebensjahr vor, hingegen nur bei 0,2% der beschnittenen. Zur Prävention von Krankheiten würden von der Weltgesundheitsorganisation insbesondere in Ländern des afrikanischen Kontinents Vorhautbeschneidungen empfohlen. Gut lesbar bereitet Voß auch den weiteren medizinischen Forschungsstand auf - so diskutiert er Fragen der Sensitivität der Eichel und mögliche psychische Auswirkungen, die mit der Vorhautbeschneidung und dem gesellschaftlichen Umgang mit beschnittenen Jungen verbunden sein können.
Zülfukar Çetin und Salih Alexander Wolter nehmen dagegen den Diskurs selbst sowie die populär vorgebrachten Mutmaßungen über die Vorhautbeschneidung in den Blick. Sie zeigen, wie gerade nicht Selbsthilfeorganisationen von vorhautbeschnittenen Männern die Debatte vorantrieben, sondern wie die Debatte geradezu "lanciert" wurde. Insbesondere gehen sie dabei der Rolle des Strafrechtlers Holm Putzke nach. Mit Bezug zu Horheimer und Adorno arbeiten sie heraus, wie in der Debatte - in abendländischer Tradition - selbst in atheistischen Positionen des "Mehrheitsdiskurses" die christliche Trennung von "Körper" und "Seele" vorausgesetzt und andere Positionen als "barbarische", "noch zu zivilisierende" diskreditiert werden. Die Debatte habe damit an frühere debatten angeschlossen. Hingegen hätten die politischen Entscheidungsträger_innen und die medizinischen Fachkreise weitgehend "unaufgeregt" reagiert - und mit dem aktuell verabschiedeten gesetz dem Recht auf körperliche Unversehrtheit und auf Religionsfreiheit gleichermaßen Rechnung getragen.
Egal wie man in der Debatte steht, bietet der Band wichtige - und zudem wissenschaftlich fundierte! - Anregungen zum Weiterdenken. Er bietet zugleich die unabdingbare Grundlage, auf der man überhaupt nachdenken kann, wie emanzipatorische Religionskritik aussehen kann.

Zülfukar Çetin, Heinz-Jürgen Voß, Salih Alexander Wolter:
 Interventionen gegen die deutsche «Beschneidungsdebatte»
 Edition Assemblage
 96 Seiten, 9,80 Euro
 ISBN 978-3-942885-42-3
 Verlagsinformationen
Erhältlich überall im Buchhandel und beim Verlag.

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