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Rheinmetall entwaffnen (hier) hat mich für ihre Aktionstage Ende August zu einem Vortrag Militär und Männlichkeit eingeladen. Ich freue mich sehr darauf. Allerding erfolgt dieser diesmal nicht vor Ort, sondern digital. Hier die Ankündigung:

Militär und Männlichkeit mit Ralf Buchterkirchen am 21.8.2020, 19.00

Militär und Männlichkeit sind zwei eng miteinander verwobene Begriffe, sie scheinen sich sogar direkt zu bedingen. Das Militär als „Schule der Nation“ sollte das Kind bzw. vielmehr den Jungen „zum Manne machen“ – die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht veränderte damit auch die Sicht auf die Geschlechter. Gleichzeitig wurden und werden die beiden angeführten Bilder verwendet, um nicht nur die Soldaten, sondern insgesamt die Gesellschaft zu disziplinieren. Als Gegenstück zu Männlichkeit und Militär werden die konstruiert, die sich dem Militär widersetzen: Deserteure werden als „Feiglinge“ „Drückeberger“ und – ebenfalls geschlechtlich aufgeladen – „Weiber“ stigmatisiert. Ausgehend von Männlichkeitsbildern und konkret am Beispiel der NS-Militärjustiz als willfähriger Repressionsstruktur der Nazis geht Ralf Buchterkirchen der Frage nach, wie und warum Soldaten den Kriegsdienst verweigerten. Eingebunden in konkrete Biografien wird deutlich, wie Männlichkeitsforschung neue Ansätze liefern kann, Militär und Gehorsam zu verstehen und wie daraus resultierend antimilitaristische Arbeit gestaltet werden kann.

Der Input von Ralf Buchterkirchen wird in deutscher Sprache ausgestrahlt, danach Live-Diskussion.

Der Link zur Veranstaltung: https://conference.sixtopia.net/b/rhe-bi3-fyh

Das Grundsatzprogramm von B90/Die Grünen, welches im November verabschidet werden soll, beschäftigt sich im Abschnitt "Globale Sicherheit" auf den Seiten 51 bis 53 mit friedenspolitischen Themen. Das Ergebnis ist für die ehemalige Friedenspartei - gelinde gesagt - schockierend.

B90/Die Grünen sprechen sich allgemein für Abrüstung und eine atomwaffenfreie Welt aus (343), was in Anbetracht der weiteren Ausführungen nur ein Lippenbekenntnis ist.

B90/Die Grünen sind nicht generell gegen Waffenexporte, sondern nur gegen Waffenexporte an Diktatoren, menschenrechtsverachtende Regime und in Kriegsgebiete (344). Dass Waffen über andere Staaten in den Kriegsgebieten landen und dass sich auch Regime zu menschenverachtenden Regimen während der Jahrzehnte langen Nutzungsdauer von Waffen ändern können, wird ignoriert. Kriege werden auch von Regierungen, die von der Bundesregierung als nicht menschenverachtend eingestuft sind wie die USA, Frankreich, etc., mit deutschen Waffen geführt. Gegen diese Waffenexporte haben B90/Die Grünen nichts einzuwenden.

B90/Die Grünen sprechen sich nur gegen autonome Drohnen aus, die keiner Steuerung durch den Menschen bei Auswahl und Bekämpfung von Zielen unterliegen (345). Diese Drohnen gibt es noch nicht. Gegen bewaffnete Drohnen, die von einem entfernten Piloten gesteuert werden und Menschen töten, und die die Bundeswehr jetzt anschaffen will, haben sie anscheinend nichts.

B90/Die Grünen bekennen sich zur Bundeswehr und fordern eine Erhöhung des Rüstungshaushalts „Die Bundeswehr ist eine in internationalen Bündnissen verankerte Parlamentsarmee. Daraus erwächst eine Fürsorgepflicht des Parlaments gegenüber den Soldat*innen sowie die Verpflichtung, sie entsprechend ihrem Auftrag und ihren Aufgaben auszustatten“ (348). Eine Ablehnung der Nato-Forderung zur Erhöhung des Rüstungsetats auf 2% des BIP sucht man vergebens.

B90/Die Grünen geben direkten Einsätze der Bundeswehr im Rahmen der UN Vorrang vor Einsätzen der EU oder der NATO (348). Sie schließen damit Kriegseinsätze der EU und Nato ohne UN-Mandat, d.h. völkerrechtswidrige Einsätze, nicht aus. Mit dem völkerrechtswidrigen Krieg auf dem Balkan haben B90/Die Grünen schon gezeigt, dass sie sich über die UN-Charta hinwegsetzen können.

Für B90/Die Grünen muss die Bundeswehr fest in der Bevölkerung verankert sein (349). Früher nannte man dies Militarisierung. Aussagen gegen Bundeswehr an Schulen, öffentliche Gelöbnisse, Werbung Minderjähriger, Rechtsextremismus in der Bundeswehr, etc. findet man nicht.

B90/Die Grünen sehen den Einsatz von militärischer Gewalt als äußerstes Mittel (350). Dass das „äußerste Mittel“ häufig das erste Mittel war, haben wir schon mehrmals erfahren. Das Führen von Kriegen und Angriffe auf die Souveränität anderer Staaten schließen B90/Die Grünen nicht aus, sie sollen nur unter bestimmten Regeln stattfinden.

B90/Die Grünen wollen die verstärkte Zusammenarbeit der Streitkräfte in der EU ausbauen, militärische Fähigkeiten bündeln und dafür eine geeignete Ausstattung, den Ausbau von EU-Einheiten sowie eine Stärkung des gemeinsamen europäischen Hauptquartiers erreichen (351). Die Militarisierung der EU wird damit vorangetrieben.

Für B90/Die Grünen ist die NATO ein unverzichtbarer und Renationalisierung entgegenwirkender Bestandteil der europäischen Sicherheitsarchitektur sowie der transatlantischen Beziehungen (353). Die Nato benötigt wie jedes Militärbündnis zur eigenen Rechtfertigung einen Feind. Mit dem Festhalten an der Nato werden somit notgedrungen Entspannungspolitik, Völkerverständigung und ein friedliches Zusammenleben untergraben und enorme Rüstungsausgaben für alle Zukunft festgeschrieben. Aussagen gegen die Osterweiterung der Nato, die Aufkündigungen von Abrüstungsverträgen, die Nutzung von amerikanischen Militäreinrichtungen wie Ramstein, etc. oder Forderungen nach Einhaltung bestehender Rüstungskontrollverträgen, Verbote von speziellen Waffensystemen wie z.B. Drohnen oder Ausstieg aus der nuklearen Teilhabe kommen nicht vor.

Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf die Absatznummerierung im Grundsatz-Programm.

Mit großen Plakataktionen und individualisierter Werbung wirbt das Militär mit seiner Arbeit gegen das Coronavirus und nutzt die derzeit bei vielen Menschen vorhandene berufliche Verunsicherung zur Rekrutierung gerade auch Minderjähriger aus. Einsätze der Bundeswehr sind im Inneren verboten, allein im Rahmen der Amtshilfe im Katastrophenfall sind Ausnahmen erlaubt. Jetzt eine solche Ausnahmesituation zu konstatieren und für die Rekrutierung zu nutzen, erscheint obszön, ist aber traurige Realität. Das dafür erhebliche finanzielle Mittel eingesetzt werden, die an anderer Stelle viel besser helfen könnten, macht die aktuelle Kampagne der Bundeswehr doppelt ärgerlich.

Dabei offenbart ein Blick auf das Wirken der Bundeswehr insgesamt in der Coronakrise ein zweischneidiges Bild:

Amtshilfe und Werbetour

Gerade einmal 550 Soldat*innen außerhalb des Sanitätsdienstes sind auf Amtshilfe im Einsatz. 260 Amtshilfeverfahren (wovon 99 bereits abgeschlossen sind) wurden beschlossen (Stand: 12.5.2020 Quelle). Die Bundeswehr selber spricht von über 700 Soldat*innen insgesamt (Quelle: Bundeswehr). Wir reden hier also von einem durchaus überschaubaren Umfang, ganz anders als die Eigenwerbung vermuten lässt. Generalmajor Breuer umreißt auf bundeswehr.de die Aufgaben: „Angefangen von Lagerungsmöglichkeiten in freien Hallen, der Herstellung von Desinfektionsmitteln, der Unterstützung an den Abstrichstellen wie bald in Aichach (BY), die Unterstützung in den Pflegeeinrichtungen, bis hin zur Mitarbeit in den Gesundheitsämtern bei der Nachverfolgung der Infektionsketten […}“
Ich bin mir sicher, eine vernünftige Ausstattung von Altenpflegeheimen, Krankenhäusern und dem zivilen Katastrophenschutz würde die Arbeit nicht nur effizienter, sondern auch preiswerter machen. Bundeswehrsoldat*innen als helfende Hände in der Altenpflege (außerhalb des Sanitätsdienstes, wie bei augengeradeaus beschrieben)? Stattdessen wären Fachkräfte für die Qualität der Pflege und für die zu Pflegenden sinnvoller. Stattdessen läuft die Propagandamaschinerie. Auftritte des Musikcorps der Bundeswehr vor Altenheimen (Achtung: Quelle geht zur Bundeswehr) gehören sicher nicht zum Auftrag, schaffen aber Prestige und Akzeptanz. Lokalen Künstler*innen sind solche Werbeaktionen im Allgemeinen verboten.

Defender 2020 und Corona

Dabei hat die Bundeswehr selbst zur Coronaverbreitung beigetragen. Stand 12.5.2020 sind 359 Fälle in „der Truppe“ dokumentiert, dazu kommen über hundert begründete Verdachtsfälle. Dazu beigetragen hat sicher auch die erst zurückgefahrene und später ganz abgesagte Machtpräsentation Defender 2020, eine NATO-weite militärische Übungsaktion. Auch wurden die Kasernen nicht zwischenzeitlich geschlossen, wie etwa Kindertagesstätten, Schulen, Bildungseinrichtungen.

Leider ist Defender 2020 noch nicht vom Tisch. Ungeachtet einer zu erwartenden zweiten Corona-Welle, soll mit „Defender-Europe 20 Plus“ ein erneuter Anlauf gestartet werden, Teile des  größten Manövers in Europa seit 25 Jahren durchzuführen. Das dieser Unsinn jetzt konsequent gestoppt werden sollte, sollte nicht nur Pazifist*innen ein Anliegen sein.

Verteidigungshaushalt endlich verkleinern!

Die Debatte um die Finanzierung der Corona-Krise spart auffällig einen Punkt aus: Wie soll die Bundeswehr dem 2%-Ziel der NATO näherkommen und dies plausibel begründen in Zeiten leerer Kassen? Und warum sollte sie dem Ziel näherkommen, angesichts fehlender Bedrohungen? Überhaupt wird es Zeit, dieses ominöse 2%-Ziel zu hinterfragen. Welchen Sinn macht es, eine fiktive Zahl als Ausgabenwert festzulegen, ohne überhaupt zu planen und zu wissen, wozu etwas benötigt wird? Das ist absurd!

Die zuständige Ministerin Kramp-Karrenbauer versucht inzwischen vollendete Tatsachen zu schaffen: Sie sagt Flugzeugkäufe zu, obwohl die dafür notwendigen Entscheidungen nicht getroffen sind… Immerhin führt dies dazu, dass erstmals seit Jahren wieder über nukleare Teilhabe gestritten wird, auch wenn das Ergebnis vorhersehbar ist.

Die Haushaltsdebatte kann eine Chance sein, hier eine Trendwende weg von zunehmenden Militärausgaben zu leisten. Aktuell werden schon knapp 45 Milliarden im Jahr 2020 für das Militär ausgegeben. Angesichts der Corona-Krise sollte der Betrag auf den Prüfstand. Reichen als Übergang und für die Aufgaben der Verteidigung nicht zunächst 20 Milliarden Euro aus, wenn man überporportionierte und zudem auf Angriffswaffen fokussierte Käufe unterlassen würde? Die freigestellten Milliarden könnten gut in die Abminderungen der Auswirkungen der Corona-Krise gehen. Perspektivisch wäre auch darüber nachzudenken, ob Deutschland nicht deutlicher auf eine neutrale Position gehen und das Militär ganz abschaffen könnte.

Zeit dafür wäre es.

Anhand der Konstruktion hegemonialer Männlichkeit im Militär wird in diesem Beitrag untersucht, wie Geschlecht als Kategorie genutzt wird, um widerständiges Verhalten zu sanktionieren und zu verhindern. Ausgangspunkt ist dabei der Umgang der NS-Militärjustiz mit Deserteuren und so genannten Wehrkraftzersetzern. Aus diesem Blickwinkel wird herausgearbeitet, welche Folgen sich aus diesen Erkenntnissen für die Friedensarbeit ziehen lassen.

Ansatzpunkte für die Friedensarbeit

Der Beitrag ist leicht gekürzt unter der Überschrift „Männlichkeit im Militär“ in der Ausgabe 03/2018 der Zeitschrift Wissenschaft und Frieden erschienen.

Anhand der Konstruktion hegemonialer Männlichkeit im Militär wird in diesem Beitrag untersucht, wie Geschlecht als Kategorie genutzt wird, um widerständiges Verhalten zu sanktionieren und zu verhindern. Ausgangspunkt ist dabei der Umgang der NS-Militärjustiz mit Deserteuren und so genannten Wehrkraftzersetzern. Aus diesem Blickwinkel wird herausgearbeitet, welche Folgen sich aus diesen Erkenntnissen für die Friedensarbeit ziehen lassen.

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28.5. 2018, 18:00 Uhr FH Dortmund (Emil-Figge-Strasse 40-44) Raum E24

Militär, Männlichkeit, Gender – die Geschlechterperspektive und Frieden

Die Frage nach der Geschlechterperspektive spielte bei der Analyse von Konflikten und Kriegen bisher eine untergeordnete Rolle. Das Motiv „FrauenundKinder“ wurde in der feministischen Friedens- und Konfliktforschung betrachtet. Kritisiert wurde dabei, dass „FrauenundKinder“ in den aktuellen gesellschaftlichen Aushandlungen meist als Opfer militärischer Konflikte betrachtet werden – als zu beschützende Objekte. Sie kommen damit nicht als eigenständige und handelnde Akteur*innen in den Blick. Sie werden einmal mehr entmündigt. Männlichkeiten gilt es genauer zu prüfen – hegemoniale Männlichkeit unterstützt militaristische Logik; andere Männlichkeiten können hingegen anschlussfähig für Friedensbestrebungen sein. Klar ist mittlerweile, dass auch in militärischen Konflikten auch Männer etwa von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Die Analyse von Männlichkeit, Machtstrukturen und Gehorsamsproduktion zu verstehen und zu dekonstruieren, ist für die Entwicklung friedlicher Konfliktlösungsstrategien bedeutsam.Weiterlesen » » » »

Der Spagat zwischen Mythos und Realität
Under Armour („Unter der Rüstung“) hat zwei Gesichter, das martialische und soziale.

Ein Gastbeitrag von Dirk Hogess

Geballtes wirtschaftliches Kalkül mit sozialen Beibrot
Der FC St. Pauli geht mit einem neuen Ausrüster in die nächste Saison, aber stellt der Deal nicht die Glaubwürdigtkeit der Braun-Weißen in Frage.
Nächstes Jahr zieht der FC St Pauli mit Under Armour in die Fußballschlacht

St-pauli-under-armour-640x400In dieser Saison verteidigt und stürmt der FC St. Pauli noch mit dem dänischen Sportausrüster Hummel. Der Zweijahresvertrag mit Sportartikelhersteller Hummel von 2014-2016 hatte für den Verein einen Wert von 500000 Euro. Laut dem "manager magazin" hat US-Newcomer Under Armour den jetzigen Trikot-Ausrüster Hummel überboten, auch wenn Hummel ihr Angebot stark verbessert hat, um weiterhin Trikot-Ausrüster zu sein. Der US-Sportartikelhersteller Under Armour wird ab der Saison 2016/2017 den Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli ausrüsten. Diese beginnt ab dem 1. Juli 2016 und umfasst die komplette Ausrüstung von Trikots bis zur Trainingsbekleidung von der Profimannschaft bis zur U10. Wie aus der Deutschland-Zentrale in München verlautet, ist der Vertrag langfristig angelegt. Grund ist ein Ausrüstervertrag, der dem Zweitligist erhebliche Mehreinnahmen einbringt.
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Die US-Firma " Under Armour" hat einen fragwürdigen Ruf, verdient Millionen mit militärischer Funktionswäsche und Jagdkleidung. Der Deal wurde bereits letztes Jahr im Sommer eingetütet und spült dem Kiez-Klub pro Jahr 1,5 Million Euro in die Vereinskasse. Das ist viel Holz. Zuletzt schloss die Firma laut US-Medien einen Vertrag über 4,2 Millionen US-Dollar mit dem amerikanischen Verteidigungsministerium ab. Die Firma unterstützt verschiedene umstrittene Jagdshows. Die Sportmarke Under Armour ging Anfang Dezember letzten Jahres auch in der Bundesrepublik an den Start. Mit dem Büro in Thalkirchen will die Marke ihre Präsenz in der Bundesrepublik und Österreich ausbauen. Auf einem ehemaligen Rangierbahnhofsareal im Isarwinkel in München sind ab sofort in einem zweistöckigen Gebäude das Marketing- und Salesteam für Deutschland und Österreich von der US-Firma untergebracht. Konzernchef Kevin Plank rief in München den Großangriff auf Platzhirsch Adidas aus – bleibt beim Fußball-Sponsoring aber zweitklassig. Vorerst? Kevin Plank Gründer von Under Armour vor genau 20 Jahren, sagt markige Sätze wie „Wir wollen die Nummer eines unter den globalen Sportmarken werden“. Der Start 1996 begann jedoch in der Nische, mit atmungsaktiver Spezialwäsche für Footballspieler – und 60.000 Dollar Startkapital. Kevin Plank der jetzt 42-Jährige Firmengründer eine klassische Tellerwäschergeschichte-jetzt ist er mittlerweile Milliardär. Dem in Baltimore ansässigen Unternehmen wird eine Nähe zur mächtigen Waffenlobby National Rifle Association (NRA) nachgesagt, es wirbt in Nordamerika auf der Homepage mit martialischen Bildern und sponsert im US-Fernsehen Jagdsendungen, in denen es nur darum geht, Tiere als Trophäen zu erlegen. Under Armour führt eine ganze Linie mit Kleidung und Accessoires im Militär-Style. Auf seine Website preist das Unternehmen diese mit Soldaten in Kampfmontur an. Der Handwarmer für die Winterkampfausbildung ist bei US-Soldaten beliebt und an der Hüfte zu sehen.
Die Marke hat eine Linie mit US-Flaggen und dem Aufdruck «Army», die GIs im Irak und Afghanistan schwören auf Under-Armour-Unterwäsche und Veteranen bekommen auf Artikel zehn Prozent Rabatt. Allerdings gilt es festzuhalten, dass auch andere Sportartikelhersteller Soldaten einkleiden und fragwürdige PR-Maßnahmen im Programm haben. Letztes Jahr im Sommer war eine größere Abordnung des FC St. Pauli in der Konzernzentrale von Under Armour (UA) in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland zu Besuch, darunter Geschäftsführer Andreas Rettig, Vizepräsident Joachim Pawlik, aber auch Fanvertreter, denn die Thematik ist brisant. Die Gespräche und Workshops vor Ort seien „sehr konstruktiv und von Offenheit und Transparenz geprägt“ gewesen, so Pawlik, der bei dem Deal, der im Juli offiziell besiegelt worden war, federführend war. Under Armour wolle auch Sozialprojekte des Vereins unterstützen. Hebt der Pauli-Boss Oke Göttlich hervor. "Wir freuen uns, dass Under Armour nicht nur unser neuer Ausrüster ist, sondern wir die Partnerschaft auf die Bereiche soziales und stadtteilbezogenes Engagement und Athletiktraining ausweiten", sagte Göttlich nach Vertragsabschluss im Sommer 2015. Beide Seiten stünden für Leidenschaft, Innovation und Offenheit für unkonventionelle Denkweisen. "Under Armour liebt es, die Dinge anders zu sehen als die Konkurrenten. Eine Einstellung, die dem FC St. Pauli sehr nahe kommt. Dazu Geschäftsführer Andreas Rettig: „Nach einer Marktanalyse und der Auseinandersetzung zu allen kritischen Punkten sowie einer offenen und transparenten Diskussion mit allen relevanten Gremien des Vereins und der Fanszene haben wir uns entschlossen, Under Armour als neuen Ausrüster zu wählen, weil das Gesamtpaket das Beste für den Verein ist. FC St. Pauli Fan-Vertreter stehen zu Ausrüster-Deal mit „Under Armour“. Vertreter des Fanclubsprecherrat (FCSR) hatten beim Besuch der „Under Armour“-Zentrale in Baltimore zur St. Pauli-Abordnung gehört. Man habe sich „postvertraglich und auf Einladung des Vereins entschlossen, den Weg des beratenden, kritischen und entwickelnden Gremiums zu übernehmen“, heißt es in einem publizierten Statement. Wohl wissend, dass man nur solange zur Seite stehen könne, „wie die negativen Merkmale des Ausstatters uns nicht über Gebühr strapazieren“. Dass die Thematik auch in Fankreisen schon lange sehr kontrovers diskutiert wird, ist kein Geheimnis. Und so klingt das Fazit zwar offen, aber nicht restlos überzeugt: „Im Vertrauen, dass unser junges Präsidium und der Aufsichtsrat die Interessen des FC St. Pauli fest im Blick haben, glauben wir, hier die richtige Entscheidung getroffen zu haben.“ Öffentliche Kritik zum Sponsorendeal kam bisher nur vom Ex-Trainer Holger Stanislawski- über die neue Ausrichtung des Kultklubs aus Hamburg: "Dass St. Pauli mit einem Ausrüster zusammenarbeitet, der mit Waffen wirbt – dafür wären wir früher vom Hof gejagt worden...". Mittlerweile ist Stanislawski sogar seine vom Klub geschützte Rückennummer 21 egal: "Meinetwegen können sie die ruhig weitergeben." Im Herzen habe er den Kiez-Klub trotz aller Kritik aber immer noch. Auch auf der Jahreshauptversammlung Mitte November 2015 stieß der neue Ausrüstervertrag mit der US-Firma Under Armour (Unter der Rüstung), die Millionen Dollar mit militärischer Funktionswäsche und Jagdkleidung verdient auf Kritik. Wenn auch nur ein Mitglied rief zum Kauf-Boykott des Trikots auf. Göttlich beteuerte, die Firma habe keine Beziehungen zur US-Waffenlobby. Früher hätte das für reichlich Diskussionsstoff gesorgt. Für Under Armour ist der St. Pauli Sponsoringvertrag ihr erstes bedeutendes Sponsoring in Deutschland, nachdem ihr Ausrüstervertrag mit Hannover 96 2011 ausgelaufen ist. Under Armour war von 2008 bis 2011 Hannovers Trikot-Ausrüster. Der US-Sportartikel-Anbieter hat für die kommenden Jahre eine Europa-Offensive angekündigt.
Zum Expansionskurs des US-Unternehmen wurde mit der Otto-Tochter Sport Scheck hat Plank einen Vertrag über sogenannte Shop-in-Shop-Flächen unterzeichnet. Kürzlich präsentierte Under Armour die Vision von Hightech-Sportartikeln während einer Vorstellung im Hauptsitz in Baltimore. Dabei sollen Sensoren in Kleider eingebettet werden, die dann allerlei Daten über das Befinden des Sportlers messen können. "Under Armour hat selbstbewusste Expansionspläne für den deutschen Markt", sagt Dietmar Kruse, Europachef von Ebiquity. "Aber aus Mediasicht spielt das Unternehmen in Deutschland bisher kaum eine wahrnehmbare Rolle." Während Adidas (14,5 Milliarden Euro Umsatz) seit Anfang vergangenen Jahres laut der Studie mehr als 23 Millionen Euro in Werbung im deutschen Markt gesteckt hat, kam Under Armour im gleichen Zeitraum auf nur 216.485 Euro. Letztes Jahr Dezember startete Under Armour mit „Slay your next Giant“ ihre erste Fußballkampagne im deutschsprachigen Raum. Gesichter der Kampagne sind Memphis Depay von Manchester United, Cameron Carter-Vickers aus der Akademie der Tottenham Hotspurder zusammen mit Amateursportlern und Jugendlichen in diversen Videoclips zu sehen sein wird. Das verstärkte Engagement im Fußball ist Teil der globalen Wachstumsstrategie, mit der Under Armour den Abstand zu den Wettbewerbern verkürzen will. Under Armour ist vergangenes Jahr um 28 Prozent gewachsen und kommt nun auf umgerechnet 3,7 Milliarden Euro Umsatz. Der Branchenprimus Nike steht unangefochten an der Spitze, der globale Sportmarken. Dahinter folgt mit einigem Abstand Adidas, dann Under Armour und dann Puma mit dem Raubtier-Logo. Die Franken waren bisher die Nummer drei der Sportindustrie. In den USA hat Under Armour den deutschen Rivalen Adidas als Nummer zwei in den Sportgeschäften bereits abgelöst. Darüber hinaus will der börsennotierte US-Konzern in den kommenden Jahren auch Ausrüsterverträge mit Erstligisten abschließen. Oben auf der Wunschliste steht Borussia Mönchengladbach. Aber auch erste Kontakte zum FC Schalke 04 hat es nach Informationen von manager magazin gegeben. So sind die Amerikaner als Sponsor von Bayer Leverkusen im Gespräch, Plank soll sich auch für Bayern-Star Thomas Müller interessieren.

Keine Werbung an Minderjährigen

Die Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Hannover wird am 12.02.2016 im Rahmen einer weltweiten Kampagne ab 17 Uhr auf dem Kröpcke gegen den Missbrauch von Kindern als Soldatinnen und Soldaten protestieren und informieren.

Ob Syrien, Afghanistan, Kolumbien oder Kongo: Überall auf der Welt werden Kinder gezwungen, in kriegerischen Auseinandersetzungen zu kämpfen. Dabei ist es ein schweres Verbrechen und eine eklatante Verletzung der UN-Kinderrechtskonvention, wenn Kinder und Jugendliche als Soldat*innen eingesetzt werden. Diese Kinder zu schützen und gleichzeitig auch in Deutschland die Anwerbung Minderjähriger von Seiten der Bundeswehr zu stoppen, sind zentrale Forderungen des Deutschen Bündnis Kindersoldaten zum „Red Hand Day“ 2016.

Die DFG-VK Hannover unterstützt die weltweiten Aktionen gegen den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen als Soldat*innen. Auch in Deutschland werden Unter-18-jährige in das Militär aufgenommen, wird massiv bei Jugendlichen geworben, sei es in Schulen, in Jugendzeitschriften oder im Stadion. In einer Postkartenaktion wenden wir uns direkt an die Bundesverteidigungsministerin von der Leyen mit der Forderung die Kampagnen zur Rekrutierung und Werbung von Minderjährigen für die Bundeswehr sofort zu stoppen und die Aufnahme von Minderjährigen in die Bundeswehr zu verbieten.

Protest: Am „Red Hand Day“, 12.2.2016, von 17 bis 19 Uhr, Kröpcke (Hannover).

PS: Materialien gibt es auch hier:

RedHandDay2016 bestellen

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