Montagsmahnwachen in Hannover – eine kleine Recherche

ich nehme die Montagsmahnwache beim Wort und informiere mich über sie nicht über klassische journalistische Medien, sondern da, wo sie sich zu Hause fühlt – im Internet. Anlass mal tiefer nachzuschauen sind drei Flyer der Montagsmahnwache Hannover, an die ich eher durch Zufall geraten bin.

Mit ihnen fange ich an. Es sind drei grundsätzlich verschiedene Flyer (Hochglanz, aufwändiger Druck), allen gemein ist, dass sie für den Facebookauftritt der Montagsmahnwache werben. Es gibt einen knallroten zu TTIP, einen Einfachen blauen mit dem Logo der hannoverschen Montagsdemo und ansonsten dem bundesweit identischen Text und einen Flyer in leuchtend gelb mit dem Titel “Warum unser Geldsystem nicht funktioniert”, welcher auch direkt auf Hannover bezogen scheint (direkter Verweis auf Ort und Logo am Ende des Textes). V.i.S.d.P. (Verantwortlich im Sinne des Presserechts) bei den Flyern sind allerdings ein Michael Behringer aus Berlin bzw. ein Cristian Seifert aus Eisenhüttenstadt. Das Internet gibt zu beiden nichts her, so dass auf Fakenamen zu schließen ist, allenfalls wird aus dem wenigen Suchergebnissen deutlich, das zumindest Behringer als V.i.S.d.P. für mehrere Städte auftritt. Hier scheint es also bundesweit einheitliche Flyer zu geben, die lediglich den Anschein erwecken, unabhängig und auf lokale Aktivitäten orientiert zu sein.

Ein Blick auf die Facebookseite könnte vielleicht mehr Klarheit bringen. Doch dort finden sich abseits von wenigen Links zu TTIP vor allem Verlinkungen zu Verschwörungsportalen wie n23.tv, die Rechtspopulisten wie Elsässer goutieren und (objektiv gesehen) alberne Verschwörungstheorien verteilen. Der Liebling ist dort, weil oft erwähnt und verlinkt, genau wie auf der Facebookseite, Lars Mährholz, also der Berliner Gründer der Montagsdemos mit nachgewiesenem Bezug zum rechten Rand (siehe hier) und dem Compact-Autor Ken Jebsen. Compact ist eine rechte, offen rassistisch und homophob agierende Postille.

Auf der Facebookseite verweisen zwei der letzten 20 Meldungen auf N23, zwei auf ähnliche Verschwörungsseiten und elf(!) auf die „Stimme Russlands“, einen staatlichen russischen Nachrichtenkanal. Nun mag es ja durchaus sein, dass auch Informationen aus russischer Sicht hilfreich sein könnten, aber in einer solchen Masse und aus nur einem und zudem staatlichen Medium? Aber auch die gefeuerte Tagesschausprecherin Eva Herrmann, die mit ihren rechtskonservativen Familienvorstellungen hausieren ging, fehlt auf der Seite nicht. Die Frage nach Frieden stellt sich auf der Seite nur ganz am Rande. Noch ein Blick auf den Flyer “Warum unser Geldsystem nicht funktioniert”. Er ist ein Nachdruck der rechten Verschwörungsseite sieleben.wordpress.com, und referiert ihren Stand von 2011. Er ist inhaltlich grober Unfug. Um das zu verstehen muss der_die Leser_in nicht BWL studiert haben, gesundes Nachdenken reicht vollkommen aus (hier und hier wird sich mit der Thematik beschäftigt).

Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass die Präsenz der Montagsdemo in Hannover lediglich eine lokale Filiale darstellt, die insbesondere mit starker Verbindung zur Montagsdemo Berlin und ihren Akteuren bestückt ist. Es werden ‚sexy‘ Themen aufgegriffen – u.a. Monsato, TTIP – und mit rechten Verschwörungstheorien vermischt. Dies zu ignorieren wäre fahrlässig. Es entsteht deutlich der Eindruck, dass mit den Montagsdemos (und ihren Werbemitteln) gezielt versucht wird, die Ängste einer internetaffinen Jugend aufzugreifen und an professionell gemachte rechte Verschwörungsseiten zu binden, um deren Ideologie zu verbreiten. Noch nie hatten diese Seiten eine so große Aufmerksamkeit, sie fristeten nur ein Schattendasein. Aufgabe der Friedensbewegung muss es sein, diesen rechten Querfront-Bestrebungen – also die Montagsdemos insgesamt – zu durchschauen und ihnen entgegenzutreten. Plurale, weltoffene Alternativen für Frieden und gegen Krieg gibt es nur gegen rechts! Das Potential dazu ist da.

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3 thoughts on “Montagsmahnwachen in Hannover – eine kleine Recherche

  1. Trauriger Artikel mit noch traurigeren Links. Wie kann man sich angeblich für den Frieden einsetzen und gleichzeitig Feindbilder aufbauen /wiederholen… Traurig traurig traurig. Mit solchen Gedankengut entsteht kei. Frieden.

  2. Falls du diesen Kommentar von mir freischalten solltest, bitte ich dich noch meine Fehler im letzten Satz zu korrigieren: solchem und kein ohne Punkt.

  3. Im Übrigen tauchen auch Vertreter des Friedensbüros bei den Mahnwachen auf. Sind die Rechts? Die sprechen sogar und bekommen dafür Applaus…

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