Werben fürs Sterben schon im Kindergarten? Wie die Bundeswehr in die frühkindliche Erziehung wirkt

Es klingt unglaublich. Nicht nur das sich die Bundeswehr an Heranwachsende heranmacht und in Stadien, Schulen auf Messen oder dem Arbeitsamt ungeniert für den Beruf des Tötens wirbt, geht sie jetzt noch einen Schritt weiter. Wie eine Anfrage der Fraktion die Linke (DS 18/7494) ergab, wirbt die Bundeswehr unverhohlen in Kindertagesstätten.

Ein paar Beispiele: In Bad Salzungen, Sanitz, Wittmund, Blankenberg, Blankenburg und Marienberg, wurden im Rahmen einer „Patenschaft“ die Kinder von Soldatinnen und Soldaten besucht. Selbst das SOS Kinderdorf(!) in Dießen am Ammersee erhielt Besuch. In Königsbrück durften die Kinder (Alter 5-6) die örtliche Kaserne besuchen, ebenso in Sanitz, Wilhelmshaven. In Rendsburg wurden drei Kindergärten (insgesamt 54 Kinder) eingeladen eine Transall zu besichtigen, in Rostock war es die Marineeinheit, in Gardelegen gar der Truppenübungsplatz. In Erbeskopf wurden Kindern im Rahmen der vorschulischen Ausbildung gar explizit der Soldatenberuf vorgestellt. Zahlreiche weitere Kindertagesstätten wurden im Rahmen von Besichtigungen und Sommer- und Weihnachtsfesten besucht.

Aber auch in der Jugendhilfe ist die Bundeswehr ähnlich präsent: Patenschaften mit Berlin, Dresden, Karlsruhe, Augsburg, Braunschweig, Trebbin und Waldeck wurden in der Antwort der Bundesregierung benannt. Es erfolgten entsprechende Besuche der Minderjährigen auf Bundeswehrstandorten. So wurde in Trebbin mehrfach die Fregatte BRANDENBURG aufgesucht, in Karlsruhe die Fregatte KARLSRUHE, in Neuburg das örtliche Geschwader oder in Cochem-Büchel der Fliegerhorsts Büchel. Büchel ist Atomwaffenstandort.

Es geht aber noch weiter. Die Ferienspaßaktion(!) „Ein Tag bei der Bundeswehr“ in Mechernich wird seit 2010 mit knapp 3000,- EUR jährlich finanziert und durchgeführt. Kriegshandwerk als Ferienspaßaktion. Geht’s noch zynischer? Die Zusammenarbeit mit Mechernich geht noch weiter. Fußballcamps werden mit rund 2000 EUR jährlich unterstützt.

Das Ziel ist klar. Die Bundeswehr wird als normale Arbeitgeberin präsentiert. Schon Kleinkinder sollen sich daran gewöhnen und Begeisterung fürs Militärische entwickeln. Kindliche Begeisterung wird hier schamlos ausgenutzt um langfristig neue Rekrut_innen fürs Feld zu gewinnen und das eigene miserable Image zu polieren. Das widerspricht erheblich der UN-Kinderrechtskonvention, die Werbung für das Militär bei Minderjährigen untersagt. Gezielt wird die Grauzone zwischen offener Werbung und Information ausgenutzt. Aber selbst, wenn man sich auf den Standpunkt der Bundeswehr stellt und die Vorstellung des Soldat_innenberufes als Information deklariert, hat dies nichts in der frühkindlichen Erziehung zu suchen. Wenn Kinder Flugzeuge ansehen und an technische Berufe herangeführt werden sollen, (sofern das im Kindergarten überhaupt eine Relevanz hat) gibt es ausreichend zivile Möglichkeiten dies zu realisieren.

Aber der Wahnsinn geht weiter. Ganz im Stile klassischen Fundraisings wirbt das Militär für sich selber, in dem es Spendensammlungen an Kitas und Organisationen der Jugendhilfe übergibt. Die stolze Summe von 150.000 EUR ist dabei zusammengekommen. Schlimm genug, das wir in einer Gesellschaft leben, in der Kindergärten und Einrichtungen der Jugendhilfe auf Spendenfinanzierung angewiesen sind, so hat die Arbeitgeberin Bundeswehr aber überhaupt nichts in diesem Zusammenhang zu suchen. Wenn Angehörige der bewaffneten Streitkräfte dies privat tun wollen, können Sie das gerne tun, als Form der militärischen Eigenwerbung, organisiert durch die Bundeswehr ist es einfach nur widerlich.

Die Bundeswehr breitet sich auf allen Feldern der Zivilgesellschaft aus. Waren es in den letzten Jahren neben massiven Werbekampagnen in Zivilgesellschaft und Sport vor allem die Sportförderung, die dem Militär Zuspruch versprach, dringt sie zunehmend in weitere, scheinbar harmlose Bereiche ein, die sich nicht laut und entschlossen dagegen wehren können. Kindergärten, die auf fremde Unterstützung angewiesen sind, weil es eine Gesellschaft nicht schafft, diese unabhängig auszustatten sind dabei offensichtlich besonders gefährdet.

Diese Politik wird nicht generalstabsmäßig (man verzeihe mir die militaristische Vokabel) organisiert, vielmehr wird auf unterster Ebene über persönlichen Bekanntschaften über städtische Patenschaften ein schleichendes Selbstverständnis von Militär erzeugt, dem nur schwer gezielt etwas entgegengesetzt werden kann.

Daher kann die Forderung nur lauten: Bundeswehr raus aus den Kitas und den Jugendhilfeeinrichtungen! Keine städtischen Patenschaften mit der Bundeswehr!

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