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Kurz zu den Fakten: Beim Spiel der Roten aus Hannover gegen die Kiezkicker aus Hamburg am 1. Oktober im Niedersachsenstadion fand eine Choreographie in der Nordkurve statt. Der Spruch auf einem Banner über der gesamten Nord sollte – entsprechend der verteilten Flyer – lauten: „Kämpfen bis die Fetzen fliegen“. Parallel wurde dafür geworben, beim Einlaufen der Mannschaften einen Konfettiregen aus der Nordkurve zu starten. Das klappte auch soweit hervorragend. Von den meisten Fans in der Kurve unbemerkt, wurde wenig später das Transparent „leicht“ verändert – mit drastischer inhaltlicher Wirkung. Aus dem „e“ in „Fetzen“ wurde ein St.Pauli-Wappen – es sollte nun ein „o“ darstellen; der Buchstabe „f“ des Wortes „fliegen“ wurde überhangen. Damit wurde aus einem mäßig geistreichen Spruch ein widerlicher, sexistischer, frauenverachtender Spruch, der eine ganze Halbzeit lang das Bild der organisierten hannoverschen Fanszene prägte.

Dieser Spruch, im Nachhinein nicht nur bei Facebook, als gelungen Angriff auf „die Zecken“ gefeiert, markiert einen Tiefpunkt in der Außendarstellung der Ultras aus Hannover. Nicht nur, dass die Empörung darüber mit Kommentaren wie:  „Es wird auf allen Plattformen immer noch darüber diskutiert... Man hat mit dem Banner alles richtig gemacht.“ und „Da hat der Spruch aber jemanden hart getroffen.“ (Quelle: das-fanmagazin.de) auf eine Ebene kleiner Scharmützel zwischen den Fanlagern kleingeredet wird, vielmehr wird hier explizit die antirassistische, antisexistische und antihomophobe Arbeit, die nun einmal bei St.Pauli aktiv gelebt wird und beispielgebend für andere Vereine sein sollte, explizit in den Dreck getreten. Hier begibt man sich – gewollt oder ungewollt – auf eine Stufe mit den Rassist_innen von der AfD. Dieses Spruchband war nicht nur eine Beleidigung an den Fußballgegner, sondern ein Rückfall in frühere Zeiten gesellschaftlicher Emanzipation, gerade auch in der Ultraszene. Es bleibt sehr zu hoffen, dass dies szeneintern, aber auch nach außen, reflektiert wird.

Eine andere Ebene ist aber für das Innenverhältnis in der Fanszene Hannovers bedeutend. Wie eingangs beschrieben, waren die hinter dem Block stehenden Fans nicht über die geplante Umdeutung des Banners informiert. Sie wurden für etwas vereinnahmt, was sicher ein nicht unerheblicher Teil explizit ablehnen würde. In Zukunft kann bei Choreographien oder anderen Aktionen der organisierten Fanszene das bisher vorhandene Grundvertrauen nicht mehr vorausgesetzt werden – Choreos werden so eigentlich unmöglich. Ich werde mich zumindest an keiner mehr beteiligen, solange dieses Vertrauen nicht wieder hergestellt ist.

Auf jeden Fall muss im Verein und unter den Ultras über Sexismus diskutiert werden. Bisher gab es einen einigermaßen emanzipatorischen Grundkonsens einzelner Ultra-Gruppierungen, der solche sexistischen Transparente nicht zugelassen hätte.  Sport hat eine Vorbildrolle. Die Auseinandersetzung ist bei Hannover 96 nötig.

Last but not least: Jedes Jahr feiert sich die organisierte Fanszene mit einem Spaß gegen Stumpf-Konzert. Welche Berechtigung hat dieses Konzert noch, wenn die gleichen Gruppierungen Hass gegen Frauen propagieren?

Im Krieg, so heißt es, stirbt als erstes die Wahrheit. Diese Erkenntnis hat die Bundeswehr verinnerlicht. Vielleicht versteht sie auch den Wettbewerb um Köpfe (ergo Kanonenfutter, neue Rekrut_innen, IT-Krieger_innen) ja auch als Krieg um Köpfe, was den eingangs genannten Satz – mal wieder –  bewahrheiten würde.

Worum geht es?  Über die Werbekampagne, verantwortet von der Werbeagentur Castenow, ist bereits einiges geschrieben worden, auch darüber, dass sie aggressiv und massiv mit dem Sportförderprogramm der Bundeswehr wirbt. Seit Beginn der olympischen Spiele wurde diese im Gesamtheer  verschwindend geringe Zahl an Soldat_innen zur Hauptträgerin der Werbebotschaft der Militärs für ihre Rekrutierungskampagne. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat in völliger Verkennung seiner eigenen Satzung dies massiv unterstützt. Auffällig in diesem Zusammenhang war auch die subjektiv empfunden häufige Erwähnung der Bundeswehrzugehörigkeit in der Reportage.

Nun waren die Ergebnisse in Rio de Janeiro nicht wirklich berauschend, eher peinlich. Mit 42 Medaillen blieb man sogar noch unter der eigenen – niedrig gesteckten – Erwartung von 50 Medaillen. Das alles stört Bundeswehr und ihr Werbepartner nicht. Groß plakatiert und annonciert sie: „Danke für 45% aller Medaillen [für Sportsoldat_innen der Bundeswehr]“.  19 der 42 Medaillen würden an Soldat_innen gehen, so das Kleingedruckte der Anzeige.

Diese Zahl ist, objektiv betrachtet falsch. Sie vereinnahmt still und leise all die Sportler_innen, die in Mannschaftssportarten  (konkret Hockey, Kanu, Ruder, Fußball, Beachvolleyball, Tischtennis, Segeln) gemeinsam mit den sportlichen Militärs an den Start gehen. So ist zum Beispiel die im ersten Spiel verletzt ausgeschiedene Fußballerin Simone Laudehr, eine der (insgesamt sechs) Goldmedaillengewinner_innen, die Bundeswehr für sich reklamiert. Damit vereinnahmt sie den Olympiasieg der Frauen im Fußball komplett für sich[Achtung Link führt zur Bundeswehr]. Nur 8  der 19 Medaillen wurden in Einzelwettbewerben  gewonnen (1 Gold/0/Silber/7 Bronze). Anders gerechnet und mit der gleichen Logik, wie sie die Bundeswehr anwendet – was nicht weniger falsch ist): 34 der 42 Medaillen wurden von Zivilist_innen gewonnen. Das sind erstaunliche 80% und das obwohl nur 70 % der Teilnehmer_innen Zivilist_innen sind.

Man kann es auch konkreter ausdrücken: Für die Bundeswehr hat nur die Sportschützin Barbara Engleder eine Goldmedaille geholt, in der Leichtathletik  gab es gar nur eine Bronzemedaille.  Dies ist insbesondere interessant, da gerade Leichtathletik als Domäne der Bundeswehr gilt.

127 Soldat_innen waren für die Bundesrepublik bei Olympia im Einsatz (von 426 gesamt). Das sind 29,8%. Nimmt man naheliegend alle Sportler_innen, die Medaillen geholt haben (gesamt 157 zu 22 für die Bundeswehr und setzt diese ins Verhältnis (nur so haben wir die gleiche Basis), so erreicht die Bundeswehr nur magere 13,8 % aller Medaillen.

Nun kann man, diese Überlegungen als reines Zahlenspielen zu den Akten legen, allerdings berührt es grundsätzliche Punkte:

  • Sportsoldat_in sein, heißt unterdurchschnittliche Leistungen zu bringen
  • Sportsoldat_in sein, heißt sich fürs „Werben fürs Sterben“ zu engagieren, Botschafter_in der Bundeswehr zu sein, Werbung für Krieg als Mittel der Politik zu machen
  • Sportsoldat_in sein, heißt aufgrund der kurzen Bewilligungszeiten unter ständigem Rechtfertigungsdruck zu stehen,
  • Sportsoldat_in sein heißt, die eigene Karriere nach dem Sport nach hinten stellen zu müssen, bis es möglicherweise zu spät ist.

Die Bundeswehr und ihre Werbeagentur Castenow versuchen mit geschönten Statistiken (das ist die positive Formulierung) ein Positivimage aufzubauen um der mangelnden Attraktivität des Militärs und entsprechend geringer qualifizierter Bewerbungsraten entgegenzuwirken. Wie gering selbst die Attraktivität der Sportförderung ist, zeigt sich beispielsweise am Frauenfußball. Waren 2011 noch sechs Frauen des Nationalkaders bei der Bundeswehr beschäftigt, ist es jetzt nur noch eine. Das zeigt, dass mit zunehmender Attraktivität und dem damit vorhandenen Ansteigen von Alternativen, die Unterschrit bei den Krieger_innen sehr schnell keine Alternative mehr ist.

Was sind die Schlussfolgerungen: Die Bundeswehr hat sich auf ihre Kernaufgaben, die Landesverteidigung zu beschränken, wenn sie sich schon nicht auflöst. „Wir kämpfen für die Freiheit und für Medaillen“(so ein anderer aktueller Slogan der Bundeswehrkampagne) ist eine unzulässige Erweiterung des Aufgabenbereichs und zu unterbinden.

Notwendig ist endlich eine stabile, zivile – staatlich unterstützte – Spitzensportförderung. Die Bundeswehr kann abgeschafft werden.

Ein Gastbeitrag von Dirk Hogess
In Bautzen schlägt am Sonnabend für BAK 07 die Stunde der Wahrheit.
Am letzten Spieltag fällt die Entscheidung, welches Team das Ticket für die Aufstiegsrunde löst.Berliner AK 07 - alter Name, mit neuen Erfolgen in noch höhere Gefilde?
Knisternde Spannung vorm letzten Spieltag in der Regionalliga Nordost. Ein Herzschlagfinale um die Meisterschaft für die Aufstiegsrunde. Punktgleich mit dem Spitzenreiter FSV Zwickau, trennt den hartnäckigsten Verfolger BAK 07 ein Spieltag vor Saisonende nur noch die Tordifferenz, nur hauchdünn dahinter, von Platz eins. Beide Kontrahenten haben 74 Zähler auf dem Konto. Im Spitzenspiel in Zwickau trennte man sich 1:1 und im Rückkampf bei den 07er um die Meisterschaft hatte Zwickau eine 1:2 bittere Niederlage einstecken müssen. Am vergangenen Sonntag zum Saisonabschluss im Poststadion kamen 1.803 Zuschauer-BAK 07 – ZFC Meuselwitz 3:1. Dabei vertraute Steffen Baumgart der gleichen Elf, die wenige Tage zuvor beim Nachholspiel, nach zweimaligem Rückstand in Auerbach, noch mit 3:2 gewann. Die 07er spielen einen sehr effektiven Fußball und sind gespickt mit einigen erfahrenen Spielern, wie dem früheren Rostocker Bundesliga-Profi Zafer Yelen. Die Stärken der 07er liegen vor allem in der Abwehr, mit Ex-Auer Torhüter Stephan Flauder (29) sowie die Innenverteidiger Kevin Kahlert (26) und Maurice Trapp (24). Der neue Trainer mit Einjahresvertrag Steffen Baumgart hatte Ex-Union Berlin Stürmer Karim Benyamina als Kapitän vor der Saison für die kommende Spielzeit im Amt bestätigt. Der 34 Angreifer Benyamina wechselte zur Winterpause vom Berliner AK zum Ligakonkurrenten FC Viktoria 1899 Berlin. Die Rot-Weißen rüsteten sich mit Neuverpflichtung vor der neuen Saison auf und auch in der Winterpause hat es enorme Veränderungen im Aufgebot gegeben, mit Myroslav Slavov dem ukrainische Stürmer vom österreichischen Landesligisten Kremser SC. Der Ukrainer erzielte in der vergangenen Saison 36 Treffer in 28 Partien in der vierthöchsten Spielklasse. Zum Erfolg trägt auch die bisherige Arbeit von Ex-Union- und Hansa-Profi Steffen Baumgart auf der Trainerbank bei. Das ist die Chance sich als dritte Kraft im Berliner Fußball zu etablieren. Im Gegensatz zu vielen Berliner Traditionsvereinen, deren Glanz früherer Zeiten längst verblasst ist und die heute irgendwo zwischen Verbands- und Kreisliga herumdümpeln, läuft der Trend beim BAK anders herum. Was die Zuschauerzahlen betrifft, geht der Trend nach oben. Zu Topspielen kommen um die 2000 Zuschauer ins altehrwürdigen Poststadion und dort haben die 07er nach einigen Umzügen jetzt Ihr Heimdomizil gefunden. Es wurde zwischen 1926 und 1929 auf einem ehemaligen Exerziergelände für den Postsportverein e. V. im Auftrag der Reichspostverwaltung gebaut. Seit April 1990 steht das Poststadion unter Denkmalschutz. Nach einigen Baumaßnahmen und Modernisierungen fasst das Stadion momentan wieder fast 10.000 Zuschauer. Die Haupttribüne ist wieder komplett mit Sitzen ausgestattet. Auch der erste offizielle Fanklub des BAK 07 wurde vor zwei Jahren gegründet, der Name „harter toBAK“ ist Programm. Das Vereinsmotto ist „WIR SIND BERLIN. VIELFALT IST UNSERE STÄRKE.“ Der ehemals türkische Verein BAK 07 besinnt sich auf seine Berliner Wurzeln. Immer wieder kämpfte man gegen den Abstieg, es drohte sogar die Insolvenz. Vor vier hatte man mit strukturellen Veränderungen und den damit verbundenen eingeschlagenen Weg zur professionellen Arbeit innerhalb des Berliner Athletik Klub 1907 eingeleitet, wo man heute steht.
Von Dirk Hogess
Quelle: Facebook-Auftritt der Berliner AK
Quelle: Facebook-Auftritt der Berliner AK
Sportkooperation mit der Bundeswehr seit 2015

Seit letztes Jahr Anfang August verkündete der Verein auf seiner Webseite: Ein starker Bund: BAK begrüßt die Bundeswehr als neuen Partner. Der BAK 07 hat mit der Bundeswehr eine Sportkooperation abgeschlossen und die läuft seit dem 01.08.15, die Partnerschaft zwischen dem KLUB und dem Karrierecenter der Bundeswehr Berlin. „Entschieden gut. Gut entschieden: Ihre Karriere in der Bundeswehr.“ Unter diesem Slogan wird einer der größten Arbeitgeber unseres Landes sich künftig als Kooperationspartner auf der zweithöchsten Ebene beim BAK engagieren. Seit dem 01.08. läuft die Partnerschaft zwischen dem KLUB und dem Karrierecenter der Bundeswehr Berlin. Über weitere Vertragsdetails vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. „Wir freuen uns sehr, mit dem BAK einen neuen starken Partner im Bereich der Sport-Kooperationen gefunden zu haben und blicken der künftigen Zusammenarbeit optimistisch entgegen“, führte Jan Schleese, Oberleutnant der Karriereberatung Berlin-Wedding, aus. Auch Florian Muth, Marketing-Mitarbeiter beim BAK, zeigte sich erfreut über den Vertragsabschluss: „Es ehrt uns als Verein sehr, dass sich einer der größten Arbeitgeber Deutschlands bei uns engagieren möchte. Wir möchten mit dieser Kooperation in erster Linie auch den zahlreichen Jugendlichen in unserem Verein einen alternativen Ausbildungsweg aufzeigen.“ Auch bei den Rot-Weißen versucht die BW mit ihren Werbefeldzug frisches Kanonenfutter zu ködern.

Die Bundeswehr Sportnah im Einsatz!
Das Logo mit "Eiserne Kreuz" Bundeswehr - Wir. Dienen. Deutschland. erscheint auf der Vereinshomepage mit Verlinkung zum Werbefledzug für frischen Kanonenfutter-Jugend-Teamsport-Events, Bw-Olympix. Auch für  die Cyberarmee wird geworben mit Projekt "Digitale Kräfte". Vielleicht eine Karriere vom einfachen IT-Lanzer, IT-Krieger zum „Krieg im ‚Cyber-Raum.
Bei der kaum kaschierten Werbeshow für die Bundeswehr wird der Jugend Spaß, Action und Abenteuer in Form eines sportlichen Erlebnis suggeriert.

Am 23.4.2016 (ab 15.00) Uhr wird im Erika-Fisch Stadion gegen Homophobie und für Akzeptanz und Respekt geworben. zum wiederholten Male lädt die Stadt Hannover ein, wenn ein bunt zusammengewürfeltes Team aus Lesben (bzw. in einem zweiten Spiel) aus Schwulen gegen diverse Sportler_innen und Politiker_innen antritt um gegen den Ball zu treten.
Plakat Respekt Spiel
Solche Aktionen gibt es bundesweit in mehreren Städten. Auch wenn der Termin wohl kaum schlechter gelegen sein könnte (TTIP-Demo, Obama-Besuch) und damit ein Minimum an Aufmerksamkeit erreichen dürfte, lohnt es sich vielleicht trotzdem mal vorbeizuschauen.

PS: ich werde auch da sein. Auf dem Rasen.

SpFördGrpBw.svgBei (inter-)nationalen Wettbewerben, sei es im Wintersport oder der Leichtathletik, taucht es immer wieder auf, – das Eiserne Kreuz. Das Symbol, mit dem sich die Bundeswehr nach außen präsentiert, kommt beim Sport nicht nur in Form von immer penetranterer Werbung zur Geltung, auch tragen es viele Sportler_innen auf ihrer Sportkleidung. Sie sind Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. 1968 wurde die Sportförderung der Deutschen Bundeswehr eingerichtet. Der Bundestag verband damit insbesondere ein repräsentatives Anliegen – junge Männer sollten durch sportliche Höchstleistungen das Image der Bundesrepublik Deutschland nach außen aufwerten. Der Osten hatte es vorgemacht: Während in Westdeutschland auch die Sportler damit beschäftigt waren,  Kasernenhöfe entlangzumarschieren – sprich den Wehrdienst zu leisten –, waren in Ostdeutschland (und im Ostblock) viele Sportlerinnen und Sportler beim Militär Beschäftigt. Auch dort ging es um Imagegewinn und –pflege; im Westen wurden diese Sportlerinnen und Sportler hingegen gern als „Staatsamateure“ bezeichnet und mit Sanktionen belegt. Am 8.Mai 1968 entschied der Bundestag eine Sportfördergruppe einzurichten und (damals noch ausschließlich männliche) Soldaten vom Großteil der Wehrpflicht zu befreien und ihnen die Möglichkeit zu bieten, ihrem Sport nachzugehen. Ein entsprechendes Äquivalent für Kriegsdienstverweigerer gab es nicht. Aus sportpolitischer und nicht-pazifistischer Sicht war der Schritt der Gründung einer Sportfördergruppe logisch und folgerichtig. Die Vorteile für das Militär lagen auf der Hand: Mit wenig Aufwand konnte so ein positives Bild der Bundeswehr transportiert werden; Symphatieträger(innen) ließen sich mit der Bundeswehr verbinden. Noch 2010 stellt der inzwischen als IOC-Präsident amtierende Thomas Bach in einer Broschüre des Bundesverteidigungsministeriums fest: „Weit über die gewonnenen Titel und Medaillen hinaus geben die Erfolge der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr ein attraktives Gesicht. Sie tragen das Bild einer demokratischen, sympathischen und der Verständigung verpflichteten Bundeswehr in alle Welt. Innerhalb der Bundeswehr dienen die Soldatinnen und Soldaten als hervorragende Vorbilder für Erfolge durch Leistung, Disziplin und Organisationsfähigkeit. Damit fördern sie einen gesunden Patriotismus ohne Nationalismus“[1] Auch für die Athleten (ab 1992 wurden Frauen zugelassen) war die Sportförderung erst einmal von Vorteil. Sie konnten dem Wehrdienst größtenteils entgehen und waren finanziell weitgehend abgesichert. Das zugehörige Sportstättenkonzept schaffte zudem entsprechende Trainingsbedingungen, von denen nichtmilitärische Sportler_innen häufig nur träumen konnten.

 Foto: picture-alliance
Foto: picture-alliance

Der Weg, den der Bundestag und die Bundesregierung dabei beschritt war kein außergewöhnlicher. Wie bereits ausgeführt, war er vor allem in den osteuropäischen Ländern, der DDR und der Sowjetunion, fester Bestandteil der Sportpolitik. Ebenso wurde und wird das Modell  in vielen westeuropäischen Ländern umgesetzt und hat inzwischen dazu geführt, dass ein Großteil der Medaillen auf militärische „Staatsathleten“ (und „Staatsathletinnen) zurückgeht und nicht auf Zivilist_innen. So vermeldet die Bundeswehr noch heute stolz, dass 2010 in Vancouver 56 % aller Medaillen an Bundeswehrangehörige gegeben wurden.

Dieses System etablierte sich, teilweise kamen bis zu 840 Spitzensportlerinnen und Sportler gleichzeitig in den Genuss der Förderung. Sie mussten nur einen verkürzten Wehrdienst ableisten, regelmäßig an militärischen Übungen teilnehmen (ca. 30%), konnten sich aber sonst ihrem Sport widmen (ca. 70%). Ziel dieser Förderung war und ist dabei ausschließlich der präsentierbare internationale Spitzensport – überwiegend in Randsportarten wie Skispringen, Bob, Biathlon, diversen Leichathletikdisziplinen und neuerdings auch Frauenfußball. Dabei macht sich die Bundeswehr die prekäre ökonomische Lage der Disziplinen zu nutze.

Mittlerweile wurden von der Bundeswehr 18 (seit 2006 kamen 15 zu den zunächst 3 hinzu) Sportfördergruppen eingerichtet. Zentrale Dienststelle ist die Emmich-Cambrai-Kaserne in Hannover, die zentrale Feldjägerschule der Bundeswehr. Neben der Bundeswehr unterhalten auch Bundespolizei, Zoll und Feuerwehren Stipendienprogramme für Sportler_innen, allerdings in deutlich geringerem finanziellem Ausmaß (zusammen ca. 200 Stellen) als die Bundeswehr.

Dieses Verfahren hat sich bis heute nicht geändert. Obwohl die Wehrpflicht lange ausgesetzt ist und damit die Sportförderung ihrer inhaltlichen Begründung beraubt ist, existiert sie ungekürzt weiter. Aktuell gibt die Bundeswehr jährlich 28 Millionen Euro für bis zu 744 zu Fördernde aus. Die Fluktuation der Geförderten beträgt etwa 250 pro Jahr. Stark leistungsgetrieben werden Verträge für ein Jahr, in Ausnahmefällen für zwei Jahre geschlossen. Mit dieser Förderung ist die Bundeswehr ein zentraler Bestandteil der bundesdeutschen Spitzensportförderung. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) feiert die Sportfördergruppe der Bundeswehr gar als unverzichtbaren Bestandteil  des „nationalen Spitzensportkonzeptes“. Das hat Gründe. Bis heute versäumt es das für den Sport verantwortliche Innenministerium eine zivile Förderstruktur aufzubauen. Entsprechend ist für Sportler_innen ohne entsprechende Mittel und Lobby die Bundeswehr oder die Polizei die einzige Möglichkeit, ihre Aktivitäten im Spitzensport zu finanzieren. Die Kugelstoßerin Christina Schwanitz macht das in einem Jubelbeitrag auf der Bundeswehrseite deutlich: „Für mich persönlich sage ich ganz klar: Hätte ich die Bundeswehr nicht, könnte ich meinen Leistungssport nicht betreiben.[…] Deswegen trete ich auch gerne als Sportsoldatin in der Öffentlichkeit auf.“[2]

Wem nützt es?

Sportler_innen haben wenige Alternativen, wollen sie im Spitzensport – einigermaßen finanziert – aktiv sein. Ohne Stipendienförderung, so eine Studie der Sporthochschule Köln aus dem Jahr 2010, leben viele nur knapp über dem Hartz–IV-Satz.[3] Der ehemalige Olympiasieger und Professor für Wirtschaftspolitik Wolfgang Maenning kritisierte die Sportförderung der Bundeswehr auch inhaltlich, methodisch: Erst seit kurzem ist es den geförderten Sportler_innen überhaupt erlaubt, nebenbei eine Ausbildung zu machen; zudem sei der militärische Dienst langweilig und sinnlos und entstehe, aufgrund der starken Fokussierung auf die Pflichtzeiten beim Militär, eine eindimensionale Verengung, die sich negativ auf die sportliche Leistung auswirke.[4] Unabhängig davon bestünden wenige Möglichkeiten sich eine berufliche Laufbahn für die Zeit nach dem Sport aufzubauen. Die Bundeswehr selber interessiert sich wenig für die Menschen nach der öffentlichkeitswirksam genutzten Karriere. Dem Argument versucht die Bundeswehr inzwischen ein wenig vorzubeugen, indem sie mit einer teuren Zusatzfinanzierung, abhängig von der Dauer der Sportförderung, eine zusätzliche Unterstützung für die Zeit nach dem Sport gewährt. Das mag entsprechend für besonders erfolgreiche Sportler_innen hilfreich sein, sind sie es nicht (die Fluktuation wurde bereits angesprochen) hilft ihnen das wenig.

Alternativen

Es gibt keine logische nicht-militärische Begründung mehr, die Sportfördergruppen aufrecht zu erhalten. Vielmehr ist es dringend nötig, ein ziviles Stipendiensystem zu etablieren, welches Förderung nicht an einer militaristischen Gesinnung, sondern an den Leistungen und/oder der Freude am Sport festmacht (es würde an dieser Stelle zu weit führen, das Grundverständnis von Spitzensport und das Leistungssystem in Frage zu stellen, daher bleibt diese weitergehende Debatte an dieser Stelle ausgeklammert). Gegenwärtig existiert in der BRD zivil nur die private Stiftung Deutsche Sporthilfe, die bis zu 10 Millionen Euro jährlich für 3800 Sportler_innen im Spitzensport ausgibt. Eine zivile Alternative ist – sofern Spitzensportförderung als  wichtige und landesweite Aufgabe begriffen wird – zivil zu regeln, um Chancengleichheit unabhängig von der Weltanschauung und neutrale Entwicklungsmöglichkeiten zu etablieren. Dass der Bundeswehr damit ein werbewirksames Spielzeug weggenommen würde, wäre nicht nur aus pazifistischer, sondern auch aus sportpolitischer Sicht zu begrüßen.

 

[1] Broschüre des Bundesverteidigungsministeriums »Konstant in der Erfolgsspur. Die Spitzensportförderung der Bundeswehr«, September 2010, S. 9

[2]Quelle http://www.bundeswehr.de (Stand 07.02.2016)

[3] http://www.zeit.de/sport/2010-02/olympia-guttenberg-steuern-sportsoldaten/seite-2(Stand 07.02.2016)

[4] http://www.zeit.de/sport/2012-08/sportfoerderung- (Stand 07.02.2016)

Bereits in den vergangenen Jahren bewegte sich die Werbung der Bundeswehr im Sport auf hohem Niveau. Das ergaben frühere Anfragen der Linksfraktion. Auf diesem Blog habe ich dazu bereits mehrfach berichtet, insbesondere über die besondere Rolle bei Hannover 96 und dem Rostocker FC. Ziel der Werbung der Bundeswehr sei es, primär 17-35 Jährige sowie sekundär alle bis 65 als Multiplikator_innen anzusprechen, so geht es zumindest aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion vom August 2015 (Bundestags-Drucksache 18/5942) hervor.

An Minderjährige würde sich die Werbung nicht gezielt richten. Dazu gleich mehr. Inhaltlich wird aus der Drucksache deutlich, worum es ihm geht, nämlich darum, die Schnittmengen zwischen Sport und Kriegshandwerk für die eigenen Zwecke zu nutzen. So heißt es: „Kommunikationsinhalte bei Maßnahmen im sportlichen Umfeld sind Fähigkeiten und Eigenschaften, die sowohl im Sport als auch bei einer Tätigkeit in der Bundeswehr als Voraussetzung gelten: Teamgeist, Kameradschaft, Leistungsbereitschaft, körperliche Fitness, hohe Motivation und Flexibilität“. Selbstredend sind andere Tugenden des Sports, wie Fairplay und die Friedlichkeit des Wettstreits und gegenseitige Achtung nicht Bestandteil der Aufzählung. Offen wird die Vereinnahmung der Begeisterung insbesondere junger, aber auch älterer Menschen für Mannschaftssport (insbesondere Fußball, aber auch Handball, Basketball und Volleyball) als wichtiger Ankerpunkt benannt, an dem das Militär ansetzen will. Die Bundeswehr schätzt den Erfolg ihrer Maßnahmen als hoch ein, spricht insbesondere von einer hohen positiven Resonanz, kündigt jedoch gleichzeitig eine Neukonzeption der Sportkooperation an, sicher auch um der in den letzten Jahren vermehrt vorgetragenen Kritik der lokalen Günstlingswirtschaft entgegenzutreten (so beim Rostocker FC).

Der eigentlich spannende Teil der jährlichen Analyse der Werbung der Bundeswehr im Sport muss leider weitgehend ausfallen – und das ist ein politischer Skandal. Das Bundesministerium für Verteidigung sieht es inzwischen als gefährlich an, wenn Informationen über die Höhe der verwendeten Mittel ruchbar würden. Im Gegensatz zu den letzten Jahren hat sie die Informationen über ihre Sportförderung als „Vertraulich – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft, um so Transparenz über ihre Werbeaktivitäten zu verhindern.

Einige wenige Zahlen gibt es dann doch: Für das bundeswehreigene Jugendsportevent „BW-Olympix“ im Jahr 2014 wurden 490.000 EUR ausgegeben. Daran teilgenommen haben ca. 800 Personen zwischen 16 und 17 Jahren. 2015 fand „Bw-Beachen“ in Ingolstadt und Warendorf statt. Kosten 545.000 EUR, erreichte Zielgruppe: 1.000 Jugendliche von 16-17 Jahren. Da kommen wir wieder zurück auf die eingangs gemachte Aussage zur Zielgruppe der Bundeswehrwerbung: Sie scheint sich entgegen der in der Drucksache dargestellten Sicht sehr deutlich im Bereich der Heranwachsenden zu bewegen. Um nicht die völkerrechtlichen Normen bzw. Empfehlungen zur Rekrutierung Minderjähriger zu verletzen, bezeichnet die Bundeswehr diese Veranstaltungen nicht als Rekrutierungsmaßnahme, sondern als „authentische persönliche Dialogplattform im Rahmenprogramm mit Soldatinnen und Soldaten“, mit dem Ziel allgemeines Interesse zu wecken.

Doch zurück zu den originären Werbemaßnahmen, also solchen unabhängig von eigenen Veranstaltungen. Sie dürfte sich mindestens auf dem Niveau des Vorjahres bewegen. Im Jahr 2014 betrug der Etat der Bundeswehr für Sportsponsoring im Fußball 349.000 Euro (TAZ v. 28.9.2014). Hinzu kommt noch die Förderung anderer Veranstaltungen und von Vereinen außerhalb des Fußballs sowie die Durchführung von bundeswehreigenen Veranstaltungen. Ebenso hinzuzurechnen sind die so genannten „Sportsoldaten“, Frauen und Männer, deren Einsatz von Seiten der Bundeswehr gerade mit Blick auf Werbewirkung und Prestige erfolgt. (Der Etat für den letzteren Bereich müsste sonst nicht über die Bundeswehr laufen, sondern es könnten die Mittel aus dem Staatshaushalt direkt in die Sportförderung gehen, ohne Umweg über das Militär.)

Die Ergebnisse dieser hohen Investition (und damit verdeckter staatlicher Förderung einzelner Vereine) sind überschaubar. Die Interessent_innen-Datenbank – darin werden Jugendliche aufgenommen, die der Nutzung ihrer Dtaen zugestimmt haben, – umfasse, laut Angaben der Bundeswehr, im Zeitraum von 2010 und 2014 zwischen 620 (2014) und 1.080 (2011) Interessent_innen jährlich. An diese Interessent_innen werden (obwohl nur einmal jährlich) insgesamt 10.000 Anschreiben erstellt.

Wer sind aber nun die Begünstigten des finanziellen Engagements der Bundeswehr? Insgesamt wurden 2014 56 Vereine durch die Bundeswehr gefördert, im ersten Halbjahr 2015 waren es 47.

Konkret für den Fußball sagen die Zahlen folgendes (wenn nicht anders angegeben bezieht sich die Förderung der Bundeswehr auf die beiden Jahre 2014 und 2015): Als Erstligist ist zum langjährigen Partner und dessen militärfreundlichen Präsidenten Martin Kind Hannover 96 ein zweiter Bundesligist gestoßen – und zwar Bremen. Seit 2014 wirbt Werder Bremen nicht nur mit unappetitlichen Hühnern aus Massentierhaltung, sondern auch mit dem deutschen Militär.

Der VfR Aalen(2014), KSC Karlsruhe(2014), Holstein Kiel, Union Berlin, der 1.FC Nürnberg(2014), Carl Zeiss Jena(2014) und der Chemnitzer FC (2014) zeigten sich ebenfalls militärfreundlich. Unterstützt wird weiterhin der gesamte Berliner Fußballverband. Aus den unterklassigen Ligen werden finanziell gefördert:

  • BV Cloppenburg
  • FV Lörrach-Brombach
  • Rostocker FC 1895 e.V.
  • FC Grün-Weiß Piesteritz (2014)
  • TSV Rudelzhausen 1948 e.V.
  • FC Donauwörth 08 e.V. (2014)
  • Sportverein Puch e.V.
  • TSV 1960 Herbertshofen (2014)
  • TSV 1863 Schwabmünchen (2014)
  • JFG Höllental (2014)
  • ASV Stockenroth
  • SV Schalding Heining
  • JFG Bayreuth West e V
  • SpVgg SV Weiden e.V.
  • VfR 1925 Schneckentohe e V
  • TSV Wolkersdorf 1956 e.V.
  • TSV 1861 Nördlingen e.V.
  • SV Union Neuruppin (2015)
  • SV Blau-Weiß Petershagen/Eggersdorf (2015)
  • VfL Halle 1896 e.V. (2015)
  • JFG Bayreuth West e.V. (2015) - nur Kinder- und Jugendmannschaften
  • WSC Frisia WHV (2015)

Kaum beachtet wurde bisher der Handball. In der angeblich stärksten Liga der Welt ist die Bundeswehr Hausherrin in der halben Liga! Vielleicht sollte angesichts der Zahlen eine Umbenennung in Bundeswehr-Liga vorgenommen werden (dieser kleine Sarkasmus sei hier gestattet). Den DKB Handball Supercup unterstützt das Militär bereits:

  • SG Flensburg-Handewitt
  • VFL Schwartau
  • HSG Varel-Friesland
  • FrischAuf! Göppingen
  • Füchse Berlin GmbH
  • SC Magdeburg (2014)
  • Wilhelmshavener HV (2014)
  • SG Suhrheide/Schiffdorferdamm (2014)
  • HSG Wilhelmshaven (2014)
  • TSV 1846 Isny e.V. (2014)
  • EHV Aue (2015)

Weitere Kooperationspartnerschaften finden sich im Volleyball, im Basketball, dem Ringen, dem Boxen und dem Motorsport

Um den Rahmen nicht zu sprengen wird an dieser Stelle auf eine Analyse der unterstützen Sportevents verzichtet. Diese sollen in einem gesonderten Artikel beleuchtet werden.

Zusammenfassend ist festzustellen: Die Auswahl der Vereine lässt auch in diesem Jahr keine klare Struktur erkennen. Ein Großteil der Zweitligisten hat – auch durch zunehmende öffentliche Problematisierung – mittlerweile keine Verträge mehr. Dazu gekommen sind hingegen verschiedenste unterklassige Vereine, andere steigen aber auch hier aus der Militärwerbung aus. Insgesamt lässt sich eine hohe Fluktuation erkennen, mit nur einigen wenigen Konstanten, die sich durch die konkrete Unterstützung vor Ort erklären lassen. Hannover 96, Union Berlin, der Rostocker FC, Holstein Kiel und FV Lörrach-Brombach sind solche Vereine. Hier lässt sich die Bundeswehr die Unterstützung der Militärfreundlichkeit einiges kosten. Das heißt im Umkehrschluss auch – Widerstand gegen die Militärwerbung muss gerade auch direkt lokal, vor Ort geschehen. In Rostock und Hannover gibt es schon entsprechenden Widerstand, der bei den Vereinschefs aber noch nicht fruchtet.

Die Bundeswehr hat ein politisches Interesse, im öffentlichen Raum als „normale Arbeitgeberin“ wahrgenommen zu werden. Die geringen Zahlen an Interessierten zeigen aber, dass ihr Konzept über Sportförderung Interessent_innen zu werben, nicht aufgeht. Der Erfolg ist überschaubar, bei hohem finanziellem Aufwand. Dennoch: Die Sportförderung durch das Militär führt dazu, dass es zunehmend das Zivile prägt und der Militarisierung der Gesellschaft Vorschub leistet. Gerade auch deshalb ist weiter die tägliche Auseinandersetzung notwendig, um der zunehmenden Militarisierung des Zivilen etwas entgegen zu setzen.

ein Gastbeitrag von Dirk Dumke

Die Vertragsverlängerung mit dem Trainer und BW-Sponsoring stand ganz weit oben auf der Prioritätenskala des Verein
Das 120. Jubiläum mit Bundeswehrbeigeschmack beim Verbandsligisten Rostocker FC

Für die Anwerbung von Freiwilligen kann die Bundeswehr in diesem Jahr 35,3 Millionen Euro ausgeben, mehr als je zuvor. Das sind 5,3 Millionen Euro mehr als im letzten Jahr, da waren es noch knapp 30.000 Mio.€ und sogar dreimal so viel wie 2010. Damals gab es allerdings noch eine Wehrpflicht. Nach deren Wegfall benötigt die Bundeswehr jedes Jahr 25.000 neue Frauen und Männer.
Das die Bundeswehr nun auch verstärkt im Amateurfußball Präsenz zeigt hat Gründe. Schließlich finden sich hier Jugendliche, die sich für „Teamgeist, Kameradschaft und Einsatz“ begeistern lassen, so begründet die Armee ihren Einsatz dort. In den Kommandozentralen der Bundeswehr ist man sich da ganz sicher, Sommer- und Wintersportler in Uniform haben viel Edelmetall für die Bundeswehr gewonnen. Doch mit Triathleten und Biathleten allein lässt sich keine Freiwilligenarmee füllen. Aber mit fußballbegeistetern jungen Menschen schon. Die BW verkauft sich auch gerne als Event-und Marketingagentur, seit 2014 kümmert sich eine eigene Abteilung Jugendmarketing um Events. Dort sind sieben Mitarbeiter aus dem Kölner Bundesamt für Personalmanagement beschäftigt und die jährlichen Personalkosten belaufen sich auf 397.197 €.
Die im Kriegsgebiet drohenden Gefahren wie Verwundung, Tod, Traumatisierung oder das Töten von Menschen werden in der Kampagne nicht angesprochen.
Ob nun im Profisport oder im Amateursport spielt für die BW keine Rolle, es soll nach "betriebswirtschaftlichen Parametern" ausgewählt werden, aber tatsächlich initiiert eher ein Bundeswehrangehöriger die Kooperation vor Ort wie beim RFC.
Der Etat für Sportkooperationen mit Vereinen betrug im Jahre 2014 (420.000€), deutlich weniger als im Jahr 2013 (453.000 Euro), erheblich mehr aber als 2012 (253.000 Euro). Der Löwenanteil floss dabei für Reklame an Fußballvereine.Weiterlesen » » » »

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