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Heute wurde auf dem Stadtteilfriedhof Fössefeld das vom Ehepaar Breuste geschaffene Denkmal "Ungehorsam 1933-1945" eingeweiht, sowie eine Informationstafel aufgestellt. Damit wird der Ort auch nach außen sichtbar eine Ort des Gedenkens und Mahnens an Deserteure. Offen ist jedoch weiterhin das Schicksal des alten Deserteursenkmals auf dem Trammplatz, welches im Sommer 2014 entfernt wurde. Hier muss dringend die Auseinandersetzung erfolgen. Erfreulicherweise machte Hansjoachim Kreter von der städtischen Erinnerungskultur zwei weitere Punkte deutlich. Dringend müssen, so Kreter auch am Waterlooplatz - dem Ort an dem das Wehrmachtuntersuchungsgefängnis stand - und an der Emmich-Cambrai-Kaserne - dem Ort der Erschiessung - Hinweistafeln oder andere Formen des Erinnerns angebracht werden.

Besonders bewegend an der Veranstaltung war die Anwesenheit der Tochter des wegen Wehrkraftzersetzung in Hannover hingerichteten Soldaten und Lehrers Hubert Breitschaft, Elizabeth Wiehr.

Am 9.Mai um 11.00 Uhr wird auf dem Stadteilfriedhof Fössefeld ein Denkmal und eine Informationstafel enthüllt, die an die Soldaten des zweiten Weltkrieges erinnern soll, die wegen Desertion, „Kriegsverrats“ oder sogenannter Wehrkraftzersetzung verurteilt und in Hannover hingerichtet wurden.

Dazu erklären die Sprecher_innen der Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Hannover Brunhild Müller-Reiß und Ralf Buchterkirchen:

Nachdem im Zuge der Umbaumaßnahmen das „Denkmal für den unbekannten Deserteur“ sang- und klanglos verschwand, wird nun in Umsetzung entsprechender Beschlüsse städtischer Gremien ein Kunstwerk des Ehepaars Breuste auf dem Stadtteilfriedhof Fössefeld aufgestellt, gewidmet den „ungehorsamen Soldaten 1937-1945“. Es wird zusammen mit einer Informationstafel am 9.Mai eingeweiht. Damit wird endlich wieder ein Ort geschaffen, an dem denjenigen gedacht werden kann, die von der NS-Militärjustiz wegen Ungehorsams verurteilt wurden. Für die DFG-VK Hannover, die seit Jahrzehnten zu diesem Thema arbeitet und die sich am Diskussionsprozess und an der Erarbeitung der Informationen der neuen Gedenktafel beteiligt hat, ist der neue Gedenkstein wichtig, aber nur ein erster Schritt. Bedeutsam ist es nun, dass dieser Ort durch Veranstaltungen und Bildungsangebote zu einem zentralen Ort des Gedenkens und Nachdenkens in Hannover wird! Gleichzeitig ist es dringend nötig, dass das Denkmal für den unbekannten Deserteur wieder eingerichtet wird, um einen zentralen Ort in der Stadt als Ort für Diskussion und Würdigung für diejenigen, die sich militärischer Logik widersetzen, zu haben. Die Gedenktafel auf dem Stadtteilfriedhof Fössefeld ist wichtig. Ein Friedhof ist aber ein Ort des Gedenkens, weniger des Streitens. Von daher braucht es zusätzlich einen zentralen Ort zur Diskussion im städtischen Raum. Dafür wird sich die DFG-VK Hannover auch im Folgenden einsetzen.

An der Gedenkveranstaltung wird die Tochter von Hubert Breitschaft, Felicitas („Lizzy“) teilnehmen. Hubert Breitschaft dem Lehrer aus Cham wurde zum Verhängnis, dass er als Reaktion auf die Information zum gescheiterten Hitlerattentat sagte: „Schade, dass es ihn nicht erwischt hat! Der Kerl hat schon zu viele ins Unglück gestürzt.“ Hubert Breitschaft wurde in Hannover hingerichtet. Ein Gnadengesuch seiner damals elfjährigen Tochter Lizzy wurde ignoriert. (Ausführlicher: Ralf Buchterkirchen, „‚... und wenn sie mich an die Wand stellen‘ – Desertion, Wehrkraftzersetzung und ‚Kriegsverrat‘ von Soldaten in und aus Hannover 1933-1945; Neustadt a.R.: AK Regionalgeschichte.)

Dienstag 02.12.2014 Schneiderberg 50 Raum V111 um 18 Uhr

“…und wenn sie mich an die Wand stellen”
Buchvorstellung mit Ralf BuchterkirchenWeiterlesen » » » »

Die gute Nachricht vorneweg: Der Kulturausschuss der Stadt Hannover, hat (teilweise) gegen die Stimmen der CDU am heutigen 19.9.2014 die Errichtung des Deserteursdenkmal auf dem Stadteilfriedhof Fössefeld beschlossen. Damit endet ein zweijähriger Prozess, bei dem am Ende ein mehr schlecht als rechter Kompromiss herauskam.

Noch einmal zur Erinnerung: Seit Anfang der 90er Jahre steht ein Denkmal für den unbekannten Deserteur – initiiert von einer Friedensinitiative auf dem dem Trammplatz. Das Denkmal – nicht für einen solchen langen Zeitraum ausgelegt, war als solches jedoch kaum noch zu erkennen und wurde im Juli 2014 im Rahmen der Baumaßnahmen zur Umgestaltung des Platzes vor dem Rathaus entfernt und auf den Bauhof verbracht.

2012 beschloss der Kulturausschuss, das ein Denkmal neu ausgeschrieben und in einem Wettbewerb das vorhandene ersetzen solle (ausführlich dazu hier). Stattdessen schlug die Verwaltung im Antrag 1645/2014, welcher am 19.09.2014 im Kulturausschuss beschlossen wurde, vor, das ein Kunstobjekt auf dem Fössefeldfriedhof aufgestellt werden solle. Dieses Denkmal wurde vom Künstler_innenehepaar Breuste konzipiert und trägt den Titel 'UNGEHORSAM 1939-1945'.

Parallel – so sieht es der Beschluss vor – wird eine Informationstafel aufgestellt, die einen erläuternden Text enthalten soll. Dieser Text wurde federführend von der Otto-Brenner-Akademie unter Mitwirkung der DFG-VK bzw. des Friedensbüros erstellt und stand mit zur Abstimmung.

Soweit so unspektakulär. Bereits im Juli sollte dieser Entwurf abgestimmt werden, da hatte aber die CDU etwas dagegen. Für die Septembersitzung des Kulturausschusses brachte sie folgerichtig einen Änderungsantrag ein.

Zu Beginn der Sitzung bat Klaus Falk im Rahmen der Einwohner_innenfragestunde, sich des Andenkens an die wegen Desertion, Wehrkraftzersetzung oder Kriegsverrat hingerichteten Soldaten wegen über kleinere inhaltliche Differenzen hinwegzusehen und dem Beispiel Kölns zu folgen und einstimmig für die Einrichtung des Deserteursdenkmals zuzustimmen.

Leider war die Hoffnung vergebens. Die CDU forderte in ihrem Antrag, das an prominenter Stelle in der Hinweistafel ein Text eingefügt werden soll: „Fahnenflucht ist in allen demokratischen Staaten ein Verbrechen. Erinnert werden soll daher an diejenigen Menschen, die sich mit ihrer Desertion oder ihrem sonstigen Verhalten ausdrücklich im Widerstand gegen ein Unrechtssystem positionieren wollten.“

Begründet wurde dies damit, das im Gedenkteil nicht ausdrücklich genug auf die NS-Zeit hingewiesen worden sei und der Eindruck vermittelt würde, Desertion sei immer gutzuheißen.

Vom inhaltlichen Unsinn abgesehen – schließlich ist Desertion beispielsweise im deutschen Recht maximal ein Vergehen – versuchen die Christdemokraten das Denkmal umzudeuten und gerade die einzelne individuelle Sicht, die individuelle Entscheidung, die meist gerade nicht politisch besetzt war zum Verschwinden zu bringen. Oder um es mit Alfred Andersch zu sagen: Der Wille zum Leben.

In ihrer mündlichen Begründung wurden sie noch deutlicher: Es wäre problematisch, einzelnen Opfergruppen zu gedenken, da andere damit implizit herabgewürdigt würden.

Entsprechend war der Widerspruch aller anderen Parteien (B90/Grüne, SPD, Linke und FDP). So sagte der Vertreter der Grünen: Desertion sei ein Menschenrecht, wie das Recht auf Überleben“.

Der CDU Antrag wurde gegen die Stimmen der einreichenden Fraktion abgelehnt. Entsprechend lehnte die CDU – entgegen dem eingangs zitierten Wunsch von Klaus Falk – den Antrag zur Aufstellung einer Informationstafel ab. Die anderen Parteien waren einstimmig dafür. Beim Antrag über die Aufstellung des Breuste-Denkmals konnte sich nur der schon bisher als Scharfmacher in Erscheinung getretene Stadtrat Fischer von der CDU nicht durchringen, dem Antrag seine Zustimmung zu geben.

Abschließend muss der Antrag noch in den Verwaltungsausschuss, dort dürfte die Verabschiedung nur noch eine Formalie sein. Mit einer Aufstellung ist witterungsabhängig im November oder im nächsten Frühjahr zu rechnen.

Bleibt die Frage: Wie jetzt weiter. Zum Einen ist dringend zu klären, wie es mit dem vorhandenen alten Denkmal weitergeht und es nicht still und leise verschwindet. Zweitens müssen sich alle am Thema Interessierten – so wie es der Antrag vorsieht – zusammensetzen, um den Gedenkort Fössefeldfriedhof zu einem wirklichen Ort des (Ge-)denkens und Mahnens zu machen.

Langenhagen - am nördlichen Stadtrand von Hannover gelegen - ist vor allem aufgrund seines Flughafens ein Begriff. Wie in vielen deutschen Städten finden sich hier aber auch - versteckt und offen - Zeugnisse der nationalsozialistischen Vergangenheit.

Beispielhaft genannt seien hier - die inzwischen nach Hannover eingemeindeten - Emmich-Cambrai Kaserne, auf deren Gelände nicht nur eine Kriegsschule und mehrere Militäreinheiten stationiert waren, sondern auch wegen Desertion verurteilte Soldaten erschossen wurden oder das Industriegebiet Brink-Hafen, welches ein Frauenkonzentrationslager beherbergte genannt.

Diese Orte sind weitgehend bekannt. Kaum städtisch behandelt wird jedoch beispielsweise die Rolle der Psychatrie in Langenhagen bei Euthansieverbrechen. Ein städtisches Hinweisschild "vergisst" diesen Teil der Geschichte.  Weitgehend wiederspruchslos finden sich auch zahlreiche Kriegerdenkmäler, wie das der Flakhelfer, die 1943 ums Leben kamen. Das Denkmal wurde noch während des Krieges aufgestellt und nach der Befreiung durch ein Provisorium ersetzt, da es volles NS-Ikonen war. Zum 30.Jahrestag wurde das  Kriegerdenkmal neu erstellt und 1987 auf das Gelände der Pferderennbahn Langenhagen verlegt.

Breuste: Psychatrie LangenhagenDieser und anderer Geschichten widmet sich das Langenhagener Aktionsbündnis gegen rechte Gewalt. Um diese Orte nicht zu vergessen und immer wieder neu zu thematisieren hat das Aktionsbündnis einen Flyer herausgebracht, welcher die genannten und andere Orte in Langenhagen in Erinnerung ruft. Mit einem antifaschistischen Stadtrundgang können diese Orte besucht und diskutiert werden. Eingeweiht wurde das Projekt am 5.September 2014 mit einer spannenden und informativen Fahrradrundfahrt, die an einigen Orten vorbeiführte.

 

Der Flyer ist bei der Stadtverwaltung und unter langenhagengegenrechts.de zu finden.

 

Das Bild zeigt ein Werk des Künstlerpaares Breuste an der Psychatrie Langenhagen mit dem Titel "Anhalten alle Uhren"

 

Heute tagte der Kulturausschuss, für mich leider nur von sehr kurzzeitiger Relevanz. Bereit 14:05 waren das Thema Deserteursdenkmal erledigt.

Auf Antrag der CDU-Fraktion wurde die Entscheidzng über das Denkmal auf dem Stadtteilfriedhof Fössefeld vertagt. Die CDU begründete dies damit, das zum Text der Tafel noch Diskussionsbedarf in der Fraktion bestünde. Der Text der Tafel  im Antrag ist hier dokumentiert.

Nun wird der Antrag im September erneut zur Abstimmung stehen. Ich bin gespannt, was für Kritikpunkte die Konservativen finden werden.

 

 

Heute tagt der Stadtbezirksbeirat Linden Limmer (19.00 Uhr im Freizeitheim Linden) und am Freitag wird sich der Kulturausschuss damit befassen (ab 14.00 Uhr Kestner-Museum). Beide Veranstaltungen sind öffentlich.

Die Verwaltung hat vorgeschlagen, auf dem Stadtteilfriedhof Fössefeld eine Breuste-Statue aufzustellen (siehe Anlage) und den Friedhof zu einem Schwerpunkt der Erinnerungskultur für wegen Desertion, Fahnenfluch oder "Kriegsverrat" Verurteilte herzurichten. Eine verbindliche Aussage wie mit den alten - inzwichen entfernten Denkmal umgegagen werden soll fehlt weiterhin. Der BV der Opfer der NS-Militärjustiz hat die Ratsdokumente gespiegelt. ich verlinke sie hier, sie können aber auch auf den Seitend er Stadtverwaltung eingesehen werden.

Sitzung des Kulturausschusses Hannover am 18. Juli 2014: Info zum Top "Denkmal für Deserteure", Beschlussdrucksache 1645/2014, Anlage 1 (Tafeltext), Anlage2-1 Skulptur und Anlage 2-2 Skizze

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