auch beim Rostocker FC gilt – Bundeswehr aus dem Stadion kicken

rostocker_fc_1An dieser Stelle wurde schon mehrfach über Militärwerbung in Fussballstadien berichtet, insbesondere bei Hannover 96, aber auch über andere Vereine. Einer davon ist der Rostocker FC. Hier ging die Bundeswehr besonders dreist vor und okkupierte praktisch gleich den ganzen Verein. Im April gab es deswegen – analog zur Aktion in Hannover beim Heimspiel gegen Leverkusen – eine Flyeraktion. Das Rostocker Friedensbündnis und die DFG-VK Rostock hatten dort zu Protesten aufgerufen.

Den Flyer gibt es hier.

Gerne dokumentiere ich – auch in Hoffnung auf Nachahmer_innen in anderen Städten, wo die Bundeswehr aktiv ist, sei es Nürnberg, Karlsruhe oder Berlin – den Aufruf der Rostocker_innen:

Bundeswehr aus dem Stadion kicken!
ln den letzten Jahren ging es bunt zu beim Rostocker FC: einerseits das gesellschaftliche Engagement gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Homophobie, andererseits das Premium-Sponsoring mit der Bundeswehr.
Der RFC hat sich in der Verbandsliga etabliert. Eigentlich verkörpern seine Sportler, Mitglieder und Fans das, wofür der RFC steht: Weltoffenheit, Toleranz, Respekt und Fair Play – Werte, die auf und neben dem Spielfeld Bestand haben, aber nicht zusammen mit der Bundeswehr. Die Anhängerschaft bringt sich aktiv in die Gestaltung des Vereins ein und das macht die Lebendigkeit und die Besonderheit des Rostocker FC aus. Und obwohl unter den Anhängern Wehrdienstverweigerer aus DDR- und BRD-Zeiten sind, wurde die Bundeswehr an Bord geholt.
D e r Kontakt besteht schon seit dem 17. Dezember 2011. Damals veranstaltete der RFC einen Sponsoren-Cup für die E- und D-Junioren. Austragungsort des 1. Copy & Paste Cup war die
Sporthalle der Bundeswehrkaserne Hohe Düne. Beim 20. Rostocker Pils Cup 2012 traten zum ersten Mal Spieler in Leibchen mit dem Aufdruck „Bundeswehr – Karriere mit Zukunft“ und Sporttaschen mit „Wir. Dienen. Deutschland.“ auf. Warum? Nils Greese ist bekennender St.-Pauli-Anhänger und gehörte lange zur linksalternativen Fanszene des RFC. Vom Stadionsprecher wurde er zum Vorstandsvorsitzenden, er ist für Öffentlichkeitsarbeit sowie Sponsoren- und Fanbetreuung zuständig und holte sich Jan Kistenmacher und Andreas Murken in den Verein. Von 2006 bis 2010 war Jan Kistenmacher in Neuruppin als Wehrdienstberatungsoffizier und Büroleiter für Öffentlichkeitsarbeit und Personalgewinnung der Streitkräfte verantwortlich. Seit dem 9. Mai 2013 ist er Trainer beim RFC. Seit dem 1. Februar 2014 ist Andreas Murken Teammanager. Gleichzeitig ist er Offizier bei der Deutschen Marine und zurzeit im Bereich der Logistik im 7. Schnellbootgeschwader tätig. Auch einige Fußballspieler sind bei der Bundeswehr angestellt. Die Bundeswehr zahlt dem RFC für die Saison 2014/15 5.500 Euro und hat das Recht auf Logopräsenz auf dem Vereinsbus, auf Shirts, Anzügen, Sporttaschen der 1. Herrenmannschaft und auf Trainings- und Erwärmungsshirts beider Frauenmannschaften. Das Logo erscheint auf der Vereinshomepage, auf Spielankündigungen und Dauerkarten. Die Bundeswehr kann mindestens 4 Meter Bandenpräsenz im zentralen Bereich platzieren, weiterhin eine große Logopräsenz auf der Werbetafel „Die Mannschaft hinter der Mannschaft“ sowie das Logo auf der Homepage und im Programmheft beanspruchen. Dazu kommt noch die mögliche Bedruckung der Reprä-Kleidung
und der Trainingsbekleidung mit dem Logo. Dank der Bundeswehr konnte der RFC Kleinbusse für die Kinder und Jugendlichen kaufen. Die Bundeswehr wirbt auf einem dieser Kleinbusse. Spieler und Vereinsoffizielle stehen der Bundeswehr für repräsentative Zwecke zur Verfügung, wie 2014 bei der Kieler Woche.
Die Bundeswehr hofft, mit ihrer Präsenz beim Fußball die Aufmerksamkeit jener Altersgruppe zu erreichen, die sich in der Phase der Berufsorientierung befindet. Die Bundeswehr will die hohe
Popularität des Sports für ihre Zwecke ausnutzen und sich als ganz normale Arbeitgeberin präsentieren.
240.000 Euro gibt das deutsche Militär für Zusammenarbeit mit dem Sport aus. Gefahren wie Verwundung, Tod, Traumatisierung oder das Töten von Menschen werden nicht angesprochen.
Für die Marine kommt hinzu, dass sie auf diese Weise in Rostock vielleicht noch mehr Sympathien für das Marinekommando und den Stützpunkt Hohe Düne gewinnen kann.
Das Engagement der Bundeswehr hat den Verein gespalten und Protest ausgelöst. Die Bundeswehr wird von einigen als Besatzungsmacht wahrgenommen. Sie möchten nicht Teil ihrer
Imagepolitik werden. Nach Meinung anderer muss Sponsoring im Sport sein, denn das Geld ist rar in MV. Aber die Bundeswehr ist kein Sponsor wie jeder andere. Sie bildet Soldaten aus, damit
sie bei Konflikten tödliche Waffen einsetzen. Im Verein lernen Menschen einen fairen Umgang miteinander. Krieg ist niemals fair.

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