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Knorkator - eine im eher linken Milieu zu verortende Band hat ein neues Album herausgebracht. Soweit so gut. Das Cover des Albums ist jedoch an rassistischer Konnotaion - nicht nur auf der Metaebene - nicht zu überbieten.

Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland hat dies auseinandergenommen. Jetzt hat der Musikchef vom rbb eine entsprechende Kritik verharmlosend negiert. Atif Hussein hat ihm bei Mädchenmannschaft geantwortet. Sehr lesenswerter Beitrag über den alltäglichen Rassismus, wie ihn schon Noah Sow in ihrem Buch "Deutschland Schwarz Weiß" hervorragend beschrieben hat.

update: Hier gibt es einen knorke Leitfaden für empörte Betroffenheit. Mal zum Nachdenken

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voss_wolter_queer_anti_kapitalismusKapitalismuskritik Queer-feministische Ökonomiekritik ist in der Diskussion. Das Buch "Queer und (Anti-)Kapitalismus" befeuert sie.

Seit längerer Zeit besteht gegenüber 'Queer' der Vorwurf, dass es sich im deutschsprachigen Raum um eine Theorie ohne Bodenhaftung handele. Statt konkrete gesellschaftliche Ungleichheiten klar zu benennen, vernebele 'Queer Theorie' die Sicht: Rassismus, Klassenverhältnisse, Geschlechterverhältnisse gerieten aus dem Blick.

Wird aber aus etwas anderer Richtung geschaut, wird anderes deutlich: Wegweisende gesellschaftskritische queere Ansätze wurden und werden auch im deutschsprachigen Raum entwickelt, insbesondere von People of Color. Auch im globalen Kontext waren (und sind) queere Theorie und politische Kämpfe immer im Kontext der Kämpfe gegen Rassismus und Klassenunterdrückung zu sehen.

Einen Ein- und Überblick geben nun Heinz-Jürgen Voß und Salih Alexander Wolter in dem Band "Queer und (Anti-)Kapitalismus". Sie bieten einen gründlichen Blick auf Geschichte - und zukünftige Perspektive. Und sie sind immer nah an der Praxis. Der Klappentext skizziert den Inhalt passgenau:

Die 'Erfolgsgeschichte' der bürgerlichen Homo-Emanzipation in den westlichen Industriestaaten während der letzten Jahrzehnte fällt mit der neoliberalen Transformation der Weltwirtschaft zusammen. Während vor allem weiße schwule Männer Freiheitsgewinne verbuchen, kommt es zu einem entsolidarisierenden Umbau der Gesellschaft, verbunden mit zunehmend rassistischen Politiken im Innern; zugleich dient der 'Einsatz für Frauen- und Homorechte' als Begründung für militärische Interventionen im globalen Süden. Dabei waren es schon 1969 in der New Yorker Christopher Street "[S]chwarze und Drag Queens/Transgender of colour aus der Arbeiterklasse", die den Widerstand gegen heteronormative Ausgrenzung und Gewalt trugen und «sich in Abgrenzung zu weißen Mittelklasse-Schwulen und [-]Lesben 'queer' nannten, lange bevor deren akademische Nachfahren sich diese Identität aneigneten" (Jin Haritaworn). Doch auch hierzulande sind es die queer People of Color, die aktivistisch wie theoretisch gesamtgesellschaftliche Perspektiven jenseits des gängigen Homonationalismus entwickeln.
Im Band betrachten wir die aktuell viel diskutierten Ansätze einer 'queer-feministischen Ökonomiekritik' vor dem Hintergrund queerer Bewegungsgeschichte. Wir zeigen mögliche Verbindungen zum 'westlichen Marxismus' Antonio Gramscis, zum postkolonialen Feminismus Gayatri Chakravorty Spivaks, zu den 'Eine-Welt'-Konzepten von Immanuel Wallerstein und Samir Amin auf. Wegweisend ist für uns ein intersektionales Verständnis, wie es Schwarze Frauen und queere Migrant_innen in der Bundesrepublik bereits seit den 1980er Jahren erarbeitet haben. Uns interessiert in diesem Band, wie Geschlecht und Sexualität – stets verwoben mit Rassismus – im Kapitalismus bedeutsam sind, sogar dort erst aufkommen oder funktional werden. Theoretisch, historisch und immer mit Blick auf Praxis untersuchen wir die Veränderungen der Geschlechter- und sexuellen Verhältnisse der Menschen unter zeitlich konkreten kapitalistischen Bedingungen. Wem nützen die geschlechtlichen und sexuellen Zurichtungen der Menschen im Kapitalismus, und was lässt sich aus den historischen und aktuellen Kämpfen für queere Kapitalismuskritik lernen?

Danach gilt es selbst weiterzudenken - und einige der im Literaturverzeichnis empfohlenen Arbeiten zu lesen. Auf jeden Fall ergibt sich eine Perspektive für queeres Streiten, das unterschiedliche Unterdrückungsverhältnisse im Blick hat.

Buchdaten:
Voß, Heinz-Jürgen / Wolter, Salih Alexander:
Queer und (Anti-)Kapitalismus
Schmetterling-Verlag (Informationen zum Buch)
1. Auflage 2013 / 160 Seiten / 12,80 EUR
ISBN 3-89657-061-7

Wie queer.de berichtet, mein der ehemalige DFB-Chef Theo Zwanziger, das ein Coming out eine Fußballprofis, welches offensichtlich von DFB geradezu herbeigesehnt wird, von den Fans gefeiert würde. Allerdings so relativiert er - und jetzt wirds xenophob - , könne es Probleme mit Mannschaftskameraden aus "anderen Kulturkreisen" geben, was wiederum dazu führen würde, das ein Trainer lieber auf einen schwulen Mitspieler verzichten würde, um das Mannschaftsklima nicht zu gefährden. Wir haben hier als den guten weißen Deutschen Fan auf der einen Seite, der nie durch rassistische oder homophobe Pöbeleien auffallen würde und auf der anderen Seite den hochbezahlten Profi, welcher dem offenen toleranten Deutschland entgegensteht. Dazwischen noch der Trainer, der solchen Konflikten ausgeliefert sei und den einfchsten Weg wählen würde. Welche Bretter muss Mensch vor dem kopf haben um eine solche Aussage zu tätigen? Solange solche offen rassistisch Agierenden ohne Widerworte die Rechte für Lesben und Schwule gegen die Anderer auspielen können ist es noch weit, bis zu einer wirklichen Gleichberechtigung. Zwanziger projiziert hier seine eigenen Vorurteile. Mehr nicht.

Das Landgericht Köln hat entschieden, das die Beschneidung muslimischer Kinder gegen geltendes Recht verstößt. Was auf den ersten Blick, wie ein Fortschritt im Ringen um das Selbstbestimmungsrecht aussieht, bekommt auf den zweiten Blick einen mehr als nur schalen Beigeschmack. Denn eine Beschneidung ist weder mit Geniitialverstümmelung von Frauen oder mit den gewaltsamen Operationen an Intersexuellen zu vergleichen, wie dasendedessex schön deutlich macht. Vielmehr ist es ein schwerwiegender Eingriff in die Religionsfreiheit, eine Frage, über die keine Abwägung stattgefunden hat. Vielmehr wird hier das vermeintlich "Andere" gegen das "christliche" Selbstverständnis entgegengehalten. Dieses Geselllschaftsbild, welches so Religionen und Wertverständnisse verschieden wichtet macht nachdenklich. Im Kontext der gesellschaftlichen Stigmatisierung muslimischen Glaubens offenbart sich ein Konsens, der Angst machen kann.

Judith Butler bringt es auf den Punkt und kritisiert Ausschlüsse und Rassismus:
Warum wird nur noch gefeiert, dass etwas mehr Rechte für die Homo-Ehe herausspringen, dass sich nun auch langsam die konservativsten Lesben und Schwulen outen und dass Homosexualität zur Begründnung von Kriegen herangezogen werden darf?

Der eigentliche, der transgeniale CSD kritisiert all dieses noch, fordert andere Politik, ökonomische Umverteilungen, ein Ende von Rassismus und Sexismus, und von Kriegen. Vielfältige Lebensweisen sollen möglich sein, statt Ehe zu fordern. Sexistische, rassistische, homophobe Diskriminierungen sollen ein Ende haben.

Die konservative Abspaltung des Berliner CSD, die am Samstag stattfand, erlebte einen Eklat, als Judith Butler an diese Forderungen erinnerte. Sie lehnte den Zivilcourage-Preis ab, weil sich rassistisch arbeitende Gruppen am konservativen Berliner CSD beteiligen - und rief zum transgenialen CSD auf, der am 26.6. in Berlin stattfindet.

Mehr Infos + VIDEO von Judith Butlers Auftritt! --> Hier!

Berichte in den Medien: Spiegel, Frankfurter Rundschau, taz, Queer.de.

geschrieben von heinzi, 6.5.06

Die konservative Regierung der Bundesrepublik Deutschland beginnt von Schweden zu lernen. So weit, so gut erst einmal. Eltern sollen zwölf Monate lang ein Elterngeld erhalten, dass 67 % des letzten Netto-Einkommens entspricht. Wenn beide Elternteile die Kinderbetreuung übernehmen, kommen weitere zwei Monate Elterngeld hinzu. Damit haben CDU/CSU und SPD die Tür zu einer stärkeren Verantwortung beider Elternteile für die Babybetreuung einen Spalt weit aufgestoßen. Bei der z.T. sehr konservativen Klientel, die auch im 21. Jh. noch das Prinzip ‚der Mann geht arbeiten, die Ehefrau ist seine unentgeltliche Haushälterin’ vertritt (analog gilt das natürlich auch für zahlreiche Lesben und Schwule), ist das durchaus eine bemerkenswerte Leistung. Elterngeld sollen nach dem vorgestellten Kompromis auch ALG II EmpfängerInnen in einer Höhe von 300 Euro erhalten, die nicht auf das Arbeitslosengeld II angerechnet werden sollen. Noch eine Kröte für die erzkonservative Klientel: auch Alleinzerziehende sollen das Elterngeld über einen Zeitraum von vierzehn Monaten erhalten.*Weiterlesen » » » »

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