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Am 21.09. veranstaltete die Stadt Hannover die lange Nacht der Berufe. Mit dabei - wie schon häufiger - die Bundeswehr mit ihrer Rekrutierungswerbung. Das damit die Stadt Hannover (und selbstverständlich auch die Bundeswehr) gegen die Idee der UN-Kinderrechtskonvention verstößt, die Werbung an Minderjährigen für das Militär untersagt, stört sie offensichtlich dabei nicht. Eine Diskussion über Kinderrechte wäre hier dringend nötig, da hilft es auch nicht sich mit dem Titel 'Mayors for Peace' zu schmücken. Gegen die Militärpropaganda regte sich Widerspruch. Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen und Friedensbüro Hannover stellten sich vor das Zelt der Bundeswehr. Am Rande des Veranstaltungsgeländes gelegen und ohne zu behindern.

->weiterlesen “Protest gegen Bundeswehr auf der ‘Langen Nacht der Berufe’ in Hannover” »

Gastbeitrag von Dirk Hogess

 In Showrooms wird nach Nachwuchs gesucht  - Autogrammzeit im Showroom der Truppe mit Spielern

Beim Berliner Hallenfußball ist die Bundeswehr mit am Ball- insbesondere in publikumsrelevanten Mannschaftssportarten.

Die Bundeswehr tritt als Premium-Partner beim Berliner "AOK Traditionsmasters" auf und der Profi-Budenzauber ist schon bis 2019 finanziell abgesichert. Die Bandenwerbung der Bundeswehr stets live im Blickfeld der über 8.000 Zuschauern in der Berliner Max-Schmeling-Halle und beim Fernsehsender Sport1 die letzten drei Jahre. Diese Werbe-Botschaft auf der Bandenwerbung mit dem Schriftzug  "Nach der Schule liegt dir die Welt zu Füssen" und "Mach Sie Sicherer" flimmerte zudem fünf und eine halbe Stunden live im Fernsehen bei Sport1. am letzten Sonnabend (14.01.17). Bereits zum achten Mal spielten die Fußball-Legenden unteranderen mit den Lokal-Matadoren Union Berlin, Hertha BSC und CO. Die Altstars von Borussia Mönchengladbach setzten sich im Finale gegen Union Berlin mit 3:1 durch. Die Bundeswehr beteiligt sich auch an Sportveranstaltungen die von dritter Seite organisiert werden mit Sportkooperationen um dort beim sportaffinen Publikums für frische Rekruten zu werben. Beim Berliner Bundenzauber lies sich die Bundeswehr 2015 den "Rekrutenwerbefeldzug" 14.784.65 Euro kosten und 2016 waren es dann schon 21.265.30 Euro. Mit umfangreicher Bundeswehr-Werbung: Bundeswehr-Showroom, Kofferstand und Karriereberater, Bandenwerbung, Logo für Rasenfläche, Logo für Internetseite , Online-Beiträge für Turnier-Homepage, Anzeige im Turniermagazin, Video-Clip, Flyer. 2016 warb die Bundeswehr großflächig mit dem Motto: „Wahre Stärke findest du nicht zwischen zwei Hanteln. Mach was wirklich zählt.de“. Nicht zu vergessen: Fußball wurde ja schließlich auch noch gespielt.

Am 10.Juni hat die Bundeswehr nun bereits zum dritten Mal ihre Propagandaschau durchgezogen. Mit Hüpfburg, Clown und Maschinengewehr (selbstverständlich nicht zum Anfassen nach dem Eklat im letzten Jahr) präsentierten sich die Krieger_innen als klinisch saubere Abenteuertruppe, verschweigen aber Riskien des Krieges, nämlich (Unschuldige) zu töten oder zu verleten oder selber verletzt oder getötet zu werden.

In Weissenfels sollte der erste Höhepunkt ein feierliches Gelöbnis der Rekrut_innen werden. Wir waren der Ansicht, das dies ser passende Ort wäre deutlich zu machen: ->weiterlesen “Protest zum Tag der Bundeswehr in Weissenfels” »

Eine Analyse aktueller Bundeswehr-Werbekampagnen der „Informationsstelle Militarisierung“ in Zusammenarbeit mit der „Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen“ zeigt, wie skrupellos das Verteidigungsministerium bei seiner Nachwuchswerbung und Öffentlichkeitsarbeit vorgeht. Es wird getrickst, getäuscht und gelogen.

„Es bedarf dringend einer politischen Debatte über die Außendarstellung der Bundeswehr“, zu diesem Fazit kommt der Politikwissenschaftler Michael Schulze von Glaßer in einer gerade veröffentlichten Studie über die aktuellen Werbekampagnen der Bundeswehr. Seit November 2015 ist die Armee mit ihrer Kampagne unter dem Motto „Mach, was wirklich zählt“ im öffentlichen Raum präsent: „Es wird ein Bild von der Bundeswehr präsentiert, das nicht der Realität entspricht“, heißt es in der bei der „Informationsstelle Militarisierung“ (IMI) in Tübingen veröffentlichten Studie. Darin sind die verschiedenen Teile der „Mach, was wirklich zählt“-Kampagne der Armee sowie die Bundeswehr-YouTube-Serie „Die Rekruten“ detailliert beschrieben – und werden analysiert. „In der Werbung wird das Soldatin- und Soldat-sein sehr unpolitisch, dafür aber der persönlichen Entwicklung dienlich dargestellt“, kritisiert Michael Schulze von Glaßer. Heikle Themen wie Auslandseinsätze, Tod und Verwundung würden kaum oder nur oberflächlich angesprochen. Teilweise werde gar versucht, den militärischen Charakter der Bundeswehr herunterzuspielen. Während der letzten Olympischen Spiele warb die Bundeswehr beispielsweise mit ihren Sportsoldatinnen und -soldaten und dem Spruch „Ausbilder von Vorbildern“ für den Dienst an der Waffe: „Die Bundeswehr ist aber kein Sportverein“, so Schulze von Glaßer: „Die Bundeswehr versucht junge Leute mit Versprechungen zu sich zu locken, die sie dann nicht halten kann“, fasst der Politikwissenschaftler zusammen.

Ralf Buchterkirchen, Bundessprecher der „Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen“ (DFG-VK) fordert nun Konsequenzen: „Die Täuschungs-Kampagnen der Bundeswehr müssen sofort eingestellt werden“, so der Friedensaktivist. Die Organisation hat die Herausgabe der Studie unterstützt: „Es muss Aufklärung darüber geleistet werden, wie die Armee versucht, auf junge Leute und auch die öffentliche Meinungsbildung in Fragen der Sicherheitspolitik Einfluss zu nehmen“, erklärt Buchterkirchen dazu. Dem pflichtet Jürgen Wagner, Geschäftsführer der „Informationsstelle Militarisierung“ bei: „Wir beobachten seit Jahren einen steigenden Werbeetat bei der Bundeswehr.“ Die Organisation kündigte an, die Armee-PR auch in Zukunft kritisch im Blick zu haben.

 

Studie:

Bundeswehr: Der neue Werbefeldzug – Analyse der „Mach, was wirklich zählt“-Kampagne und der YouTube-Doku-Serie „Die Rekruten“ (PDF)

 

Wie jedes Jahr hat die Linksfraktion im Deutschen Bundestag eine Kleine Anfrage zur Werbung der Bundeswehr im zivilen Sport, insbesondere in publikumsrelevanten Mannschaftssportarten wie Fußball und Handball mit Zielgruppe Minderjähriger, gestellt. In den letzten Jahren wurden von der Bundeswehr ohne erkennbare Systematik insbesondere Fußballvereine mit Werbung gefördert. Herausragendes Beispiel ist Hannover 96; aber auch der HSV aus Hamburg, Hertha BSC und andere bekamen vom Militär Geld. Zentrales Ziel der Militärwerbung ist es dabei, Kinder und Jugendliche zu erreichen und das Zivile nach und nach zu militarisieren. So wurden selbst bestenfalls regional relevante Vereine, wie der Rostocker FC oder der FV Lörrach-Brombach, teils großzügig gefördert. Die Auswahl legt aber auch den Verdacht nahe, dass auch persönliche Bekanntschaften im Spiel sind und von Förderungen profitieren – ein Werbekonzept wurde in den vergangenen Jahren nicht sichtbar.

Das wird nun radikal anders. Die Bundeswehr hat, so die Antwort auf die Kleine Anfrage (Bundestags-Drucksache 18/9463, vom 23.8.2016) einen kompletten Schwenk in ihrer Werbepolitik vollzogen. Die Ursache hierfür liegt vor allem in einer, mit den olympischen Spielen von Rio de Janeiro begonnenen, Fokussierung auf Sportsoldat_innen. Aber auch potentiellem Ärger mit dem Bundesrechnungshof geht die Bundeswehr so ein Stück weit aus dem Weg. ->weiterlesen “Spitzensport in der Werbemaschinerie des Militärs – zum Umbau der Sportförderung in ein Propagandainstrument zur Soldatengewinnung” »

Im Krieg, so heißt es, stirbt als erstes die Wahrheit. Diese Erkenntnis hat die Bundeswehr verinnerlicht. Vielleicht versteht sie auch den Wettbewerb um Köpfe (ergo Kanonenfutter, neue Rekrut_innen, IT-Krieger_innen) ja auch als Krieg um Köpfe, was den eingangs genannten Satz – mal wieder –  bewahrheiten würde.

Worum geht es?  Über die Werbekampagne, verantwortet von der Werbeagentur Castenow, ist bereits einiges geschrieben worden, auch darüber, dass sie aggressiv und massiv mit dem Sportförderprogramm der Bundeswehr wirbt. Seit Beginn der olympischen Spiele wurde diese im Gesamtheer  verschwindend geringe Zahl an Soldat_innen zur Hauptträgerin der Werbebotschaft der Militärs für ihre Rekrutierungskampagne. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat in völliger Verkennung seiner eigenen Satzung dies massiv unterstützt. Auffällig in diesem Zusammenhang war auch die subjektiv empfunden häufige Erwähnung der Bundeswehrzugehörigkeit in der Reportage.

Nun waren die Ergebnisse in Rio de Janeiro nicht wirklich berauschend, eher peinlich. Mit 42 Medaillen blieb man sogar noch unter der eigenen – niedrig gesteckten – Erwartung von 50 Medaillen. Das alles stört Bundeswehr und ihr Werbepartner nicht. Groß plakatiert und annonciert sie: „Danke für 45% aller Medaillen [für Sportsoldat_innen der Bundeswehr]“.  19 der 42 Medaillen würden an Soldat_innen gehen, so das Kleingedruckte der Anzeige.

Diese Zahl ist, objektiv betrachtet falsch. Sie vereinnahmt still und leise all die Sportler_innen, die in Mannschaftssportarten  (konkret Hockey, Kanu, Ruder, Fußball, Beachvolleyball, Tischtennis, Segeln) gemeinsam mit den sportlichen Militärs an den Start gehen. So ist zum Beispiel die im ersten Spiel verletzt ausgeschiedene Fußballerin Simone Laudehr, eine der (insgesamt sechs) Goldmedaillengewinner_innen, die Bundeswehr für sich reklamiert. Damit vereinnahmt sie den Olympiasieg der Frauen im Fußball komplett für sich[Achtung Link führt zur Bundeswehr]. Nur 8  der 19 Medaillen wurden in Einzelwettbewerben  gewonnen (1 Gold/0/Silber/7 Bronze). Anders gerechnet und mit der gleichen Logik, wie sie die Bundeswehr anwendet – was nicht weniger falsch ist): 34 der 42 Medaillen wurden von Zivilist_innen gewonnen. Das sind erstaunliche 80% und das obwohl nur 70 % der Teilnehmer_innen Zivilist_innen sind.

Man kann es auch konkreter ausdrücken: Für die Bundeswehr hat nur die Sportschützin Barbara Engleder eine Goldmedaille geholt, in der Leichtathletik  gab es gar nur eine Bronzemedaille.  Dies ist insbesondere interessant, da gerade Leichtathletik als Domäne der Bundeswehr gilt.

127 Soldat_innen waren für die Bundesrepublik bei Olympia im Einsatz (von 426 gesamt). Das sind 29,8%. Nimmt man naheliegend alle Sportler_innen, die Medaillen geholt haben (gesamt 157 zu 22 für die Bundeswehr und setzt diese ins Verhältnis (nur so haben wir die gleiche Basis), so erreicht die Bundeswehr nur magere 13,8 % aller Medaillen.

Nun kann man, diese Überlegungen als reines Zahlenspielen zu den Akten legen, allerdings berührt es grundsätzliche Punkte:

  • Sportsoldat_in sein, heißt unterdurchschnittliche Leistungen zu bringen
  • Sportsoldat_in sein, heißt sich fürs „Werben fürs Sterben“ zu engagieren, Botschafter_in der Bundeswehr zu sein, Werbung für Krieg als Mittel der Politik zu machen
  • Sportsoldat_in sein, heißt aufgrund der kurzen Bewilligungszeiten unter ständigem Rechtfertigungsdruck zu stehen,
  • Sportsoldat_in sein heißt, die eigene Karriere nach dem Sport nach hinten stellen zu müssen, bis es möglicherweise zu spät ist.

Die Bundeswehr und ihre Werbeagentur Castenow versuchen mit geschönten Statistiken (das ist die positive Formulierung) ein Positivimage aufzubauen um der mangelnden Attraktivität des Militärs und entsprechend geringer qualifizierter Bewerbungsraten entgegenzuwirken. Wie gering selbst die Attraktivität der Sportförderung ist, zeigt sich beispielsweise am Frauenfußball. Waren 2011 noch sechs Frauen des Nationalkaders bei der Bundeswehr beschäftigt, ist es jetzt nur noch eine. Das zeigt, dass mit zunehmender Attraktivität und dem damit vorhandenen Ansteigen von Alternativen, die Unterschrit bei den Krieger_innen sehr schnell keine Alternative mehr ist.

Was sind die Schlussfolgerungen: Die Bundeswehr hat sich auf ihre Kernaufgaben, die Landesverteidigung zu beschränken, wenn sie sich schon nicht auflöst. „Wir kämpfen für die Freiheit und für Medaillen“(so ein anderer aktueller Slogan der Bundeswehrkampagne) ist eine unzulässige Erweiterung des Aufgabenbereichs und zu unterbinden.

Notwendig ist endlich eine stabile, zivile – staatlich unterstützte – Spitzensportförderung. Die Bundeswehr kann abgeschafft werden.

Seit Jahren schreibe ich hier im Blog über Beispiele der Ausnutzung ziviler, militärfremder Bereiche durch die Bundeswehr. Seien es Jobmessen, sei es der Fußball bei Hannover 96, dem Rostocker FC, dem Berliner AK07 oder im Kindergarten.

Sie nutzen international als neutral anerkannte Organisationen, wie das Deutsche Rote Kreuz.  Die Vereinnahmung ziviler humanitärer Hilfe erfolgt hier nicht nur verbal, sondern auch aktiv mit dem Konzept der „Zivil-Militärischen-Zusammenarbeit“. Das Militär stellt sich diese Zusammenarbeit so vor, dass bei einer Auslandsmission alle Akteure Teil einer hierarchisch integrierten Mission sind, auch wenn sich das bei gemeinsamen Übungen in der Praxis noch nicht als durchführbar erwiesen hat. Im Inland stellt man sich die „Zivil-Militärischen-Zusammenarbeit“ seitens des Militärs unter anderem als enge Kooperation im Personalwesen vor. So erklärt Dr. Johannes Backus vom Führungsstab des Sanitätsdienstes im Bundesministerium der Verteidigung, in der DRK-Zeitschrift „Humanitäres Völkerrecht“ (Ausgabe 1/2012, S. 11):  „Wir haben ein und denselben Personalkörper, an dem wir ein Interesse haben, und im Zeitalter der schwierigen demographischen Entwicklung in unserem Land müssen wir uns Gedanken darüber machen, wie wir dieses Problem gelöst bekommen. Sie haben einen guten Zugang zu Jugendlichen, die bei ihnen ehrenamtlich in den Landesverbänden des DRK mitarbeiten; wenn wir gemeinsame Patenschaften aufbauen, lernen sie automatisch das System Bundeswehr kennen, nicht nur über die Schule oder aus Erzählungen, sondern auch mit tagtäglichem Erlebnisbezug. Die Bundeswehr kann diesen Personen später, wenn sie 18 Jahre und älter sind, eine fundierte Ausbildung bieten. Diese kann das Rote Kreuz nach einer bestimmten Zeit wiederum nutzen, wenn bei uns ihre Zeit als Zeitsoldaten zu Ende ist. Danach haben wir aber immer noch ein enormes Interesse an ihnen als Reservisten.“

Zusammengefasst, die zivilen Helfer_innen, deren Motivation beim DRK genau dem Gegenteil entsprechen dürfte was das Militär will, sollen als Personalreserve des Militärs dienen, und das DRK macht mit. (Quelle: bleibt-zivil.de).

Anderes Beispiel, über das ich hier schon mehrfach geschrieben habe: Über die konzeptionell und inhaltlich völlig veraltete Konstruktion des Sportsoldaten (und der Sportsoldatin) werden junge Sportler_innen ins Militär gepresst, wollen sie ihrem Leistungssport nachgehen. Der Preis ist die Karrierelosigkeit nach dem Sport, wie es die Sendung Streitkräfte und Strategien plastisch herausarbeitet (Skript als pdf) und das Eintreten für militärische Werte im eigentlich antimilitärische internationalen Wettstreit.

Dies wäre "nur" auf die Soldat_in direkt bezogen, indem die Bundeswehr pasend zu Olympia militärische Fähigkeiten und sportliche Fähigkeiten zusammenwirft und offensiv mit der Sportförderung für Militär wirbt, überschreitet sie mal wieder eine Grenze und nimmt sie Sportförderung aus dem Schattendasein. Mit dieser Werbung wird sie zwei Dinge erreichen: Der Frust der eigenen Soldat_innen wird wachsen, da bei ihnen die Sportförderung immer einen sehr schlechten Ruf hat und als ungerecht empfunden wird und es wird eine Debatte über die Spitzensportförderung geben, insbesondere, wenn in Rio de Janeiro, wie bereits in London 2012 die Medaillienträume weit hinter den Erwartungen zurückbleiben. Der DOSB wird sich - hoffentlich - intern die Frage gefallen lassen müssen, wie diese Kooperation mit der eigenen Satzung und dem eigenen Anspruch sich verwirklichen lässt. Unter militärfestspiele.de gibte s zum Themenkomplex weitere interessante Informationen.

Diese konkreten Beispiele zeigen, wie brachial die Bundeswehr inzwischen zivile Strukturen für militärische Zwecke, insbesondere in der Nachwuchswerbung zu nutzen versucht. Altersgrenzen und das Recht auf ein Leben ohne Militär spielen dabei keine Rolle mehr. Enthemmt - oder besser verzweifelt - begeht die Bundeswehr zivile Tabubrüche, sei es Werbung im Sport bei Kindern, sei es im Kindergarten, sei es bei Helfer_innen des DRK...

Nicht zu vergessen: Das sie keine Probleme haben, Kinder an Waffen (1, 2) spielen zu lassen, diesen zivilisatorischen Rückschritt haben sie auch schon bewiesen.

Nachtrag: Mir ist klar, das der Begriff der zivil-militärischen Zusammenarbeit weit weiter gefasst ist. ich habe mich hier auf die Nachwuchrekrutierung beschränkt, andere Themen wären beispielsweise dual use, zivile Forschung für Militär, die Arbeit des Zentrums für zivil-militärische Zusammenarbeit....

 

 

 

Eigentlich möchte man es ja nicht für möglich halten, aber das deutsche Militär schafft es immer wieder negativ zu überraschen. Nicht nur das sie eine unsinnige Propagandaschau genannt "Tag der Bundeswehr" abhält, wie beispielsweise in Bückeburg, die vor allem das Ziel hat Kinder und Jugendliche  zu beeindrucken und für den Beruf des Tötens zu begeistern (was gegen die Intention der Kinderrechtskonvention verstößt), mancherorts geht sie noch weiter. Beim Tag der Bundeswehr in Stetten durften Kinder sogar mit Waffen spielen, etwas was selbst die internen Richtlinien der Bundeswehr untersagen (hier konkrete weitere Informationen zum Vorfall).

Der nächste Schritt dürfte dann ein Probetraining für 15jährige in Afghanistan sein, oder?

Hier müssen dringen Konsequenzen gezogen werden. Werbung an Minderjährigen muss untersagt werden, der Tag der Bundeswehr gehört ersatzlos gestrichen.

An dieser Stelle weise ich auch gern auf die Kampagne www.unter18nie.de hin, die ein Werbeverbot für die Bundeswehr an Minderjährigen fordert, sei es duch Actioncamps, Werbung oder den Jugendoffizier an der Schule.

11.Juni 2016 - Tag der Bundeswehr – An 16 Bundeswehrstandorten lädt die Bundeswehr Gäste ein! Mit Bratwurst – Unterhaltungsprogramm – Flugvorführungen – etwas für die gesamte Familie! „Wir im Einsatz“?  ??- Wir sagen Nein!

Auch das Internationale Hubschrauberausbildungszentrum in Bückeburg öffnet am Samstag von 10 Uhr bis 17 Uhr seine Tore für die Öffentlichkeit.

Auf der Internetseite der BW heißt es u. a.:  „Auf dem Heeresflugplatz (…) haben Gäste die Möglichkeit, sich über aktuelle Entwicklungen der Bundeswehr und der Heeresfliegertruppe aus erster Hand zu informieren.“ Bei einem umfangreichen Programm kann Rostbratwurst geschmaust „oder einfach nur ein Ausflug mit Familie und Freunden“ gemacht werden.“  Die Kleinen und Großen werden sich von „der Baumaschine bis hin zum Panzer (über eine) Vielzahl an Waffen und Großgerät der Bundeswehr“ sicher freuen – ebenso über die „Leistungsfähigkeit der Hubschrauber“.
Und nicht zu vergessen: „Darüber hinaus können Besucher im Karrieredorf Ihre individuellen Möglichkeiten herausfinden.“
Also: ein spannender Familienausflug mit Karriereperspektive für die Sprösslinge wartet auf Gäste!

Aber was wird mit den Waffen und dem Großgerät der Bundewehr im Ernstfall gemacht? Sollte den Leuten, die sich die Show ansehen, nicht eigentlich die ‚Rostbratwurst‘ im Halse stecken bleiben?

Ausbildung zum Töten und Sterben ist kein Scherz! Und kein Familienabenteuer! Und eine Karriere bei der Bundeswehr ist nicht vergleichbar mit einer zivilen Tätigkeit z. B. für kranke Menschen.
Ausbildung an der Waffe impliziert den Einsatz der Waffe.  Der Einsatz in Kriegen, an denen auch die Bundeswehr wieder überall in der Welt beteiligt ist, kann den eigenen Tod und den Tod der ‚Feinde‘ bedeuten. Wer sind diese‘ Feinde‘? Leben unsere ‚Feinde‘ in Syrien, im Sudan, in Mali? Dort überall und noch in vielen anderen Ländern finden Bundeswehreinsätze statt.

Gerechtigkeit und Frieden sind das Gebot der Stunde! Militärische Einsätze, als ‚Friedenseinsätze‘ getarnt, bewirken das Gegenteil.
Mit dem Ziel, für einen ‚Frieden ohne Waffen‘ zu werben, werden Friedensbüro und DFG-VK  Hannover nach Bückeburg fahren. Kommt mit uns! Zeigen wir den Besucher_innen: Eine Welt ohne Kriege ist möglich!

Wie schon 2015 will die Bundeswehr auch in diesem Jahr einen großangelegten "Tag der Bundeswehr" begehen. Im Letzten Jahr präsentierte sie sich beispielsweise in Hannover. Dort durften Kinder auf Panzer klettern, wurde Krieg und der Beruf des Tötens systematisch verharmlost. Diesen Tag will die Bundeswehr offensichtlich weiter etablieren: Am 11. Juni 2016 präsentiert sie sich an 16 Standorten. Lassen wir den Propaganda-Tag des Militärs nicht unkommentiert: www.kein-tag-der-bundeswehr.de Material gibt es hier: www.dfg-vk.de/shop

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SpFördGrpBw.svgBei (inter-)nationalen Wettbewerben, sei es im Wintersport oder der Leichtathletik, taucht es immer wieder auf, – das Eiserne Kreuz. Das Symbol, mit dem sich die Bundeswehr nach außen präsentiert, kommt beim Sport nicht nur in Form von immer penetranterer Werbung zur Geltung, auch tragen es viele Sportler_innen auf ihrer Sportkleidung. Sie sind Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. 1968 wurde die Sportförderung der Deutschen Bundeswehr eingerichtet. Der Bundestag verband damit insbesondere ein repräsentatives Anliegen – junge Männer sollten durch sportliche Höchstleistungen das Image der Bundesrepublik Deutschland nach außen aufwerten. Der Osten hatte es vorgemacht: Während in Westdeutschland auch die Sportler damit beschäftigt waren,  Kasernenhöfe entlangzumarschieren – sprich den Wehrdienst zu leisten –, waren in Ostdeutschland (und im Ostblock) viele Sportlerinnen und Sportler beim Militär Beschäftigt. Auch dort ging es um Imagegewinn und –pflege; im Westen wurden diese Sportlerinnen und Sportler hingegen gern als „Staatsamateure“ bezeichnet und mit Sanktionen belegt. Am 8.Mai 1968 entschied der Bundestag eine Sportfördergruppe einzurichten und (damals noch ausschließlich männliche) Soldaten vom Großteil der Wehrpflicht zu befreien und ihnen die Möglichkeit zu bieten, ihrem Sport nachzugehen. Ein entsprechendes Äquivalent für Kriegsdienstverweigerer gab es nicht. Aus sportpolitischer und nicht-pazifistischer Sicht war der Schritt der Gründung einer Sportfördergruppe logisch und folgerichtig. Die Vorteile für das Militär lagen auf der Hand: Mit wenig Aufwand konnte so ein positives Bild der Bundeswehr transportiert werden; Symphatieträger(innen) ließen sich mit der Bundeswehr verbinden. Noch 2010 stellt der inzwischen als IOC-Präsident amtierende Thomas Bach in einer Broschüre des Bundesverteidigungsministeriums fest: „Weit über die gewonnenen Titel und Medaillen hinaus geben die Erfolge der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr ein attraktives Gesicht. Sie tragen das Bild einer demokratischen, sympathischen und der Verständigung verpflichteten Bundeswehr in alle Welt. Innerhalb der Bundeswehr dienen die Soldatinnen und Soldaten als hervorragende Vorbilder für Erfolge durch Leistung, Disziplin und Organisationsfähigkeit. Damit fördern sie einen gesunden Patriotismus ohne Nationalismus“[1] Auch für die Athleten (ab 1992 wurden Frauen zugelassen) war die Sportförderung erst einmal von Vorteil. Sie konnten dem Wehrdienst größtenteils entgehen und waren finanziell weitgehend abgesichert. Das zugehörige Sportstättenkonzept schaffte zudem entsprechende Trainingsbedingungen, von denen nichtmilitärische Sportler_innen häufig nur träumen konnten.

 Foto: picture-alliance
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Der Weg, den der Bundestag und die Bundesregierung dabei beschritt war kein außergewöhnlicher. Wie bereits ausgeführt, war er vor allem in den osteuropäischen Ländern, der DDR und der Sowjetunion, fester Bestandteil der Sportpolitik. Ebenso wurde und wird das Modell  in vielen westeuropäischen Ländern umgesetzt und hat inzwischen dazu geführt, dass ein Großteil der Medaillen auf militärische „Staatsathleten“ (und „Staatsathletinnen) zurückgeht und nicht auf Zivilist_innen. So vermeldet die Bundeswehr noch heute stolz, dass 2010 in Vancouver 56 % aller Medaillen an Bundeswehrangehörige gegeben wurden.

Dieses System etablierte sich, teilweise kamen bis zu 840 Spitzensportlerinnen und Sportler gleichzeitig in den Genuss der Förderung. Sie mussten nur einen verkürzten Wehrdienst ableisten, regelmäßig an militärischen Übungen teilnehmen (ca. 30%), konnten sich aber sonst ihrem Sport widmen (ca. 70%). Ziel dieser Förderung war und ist dabei ausschließlich der präsentierbare internationale Spitzensport – überwiegend in Randsportarten wie Skispringen, Bob, Biathlon, diversen Leichathletikdisziplinen und neuerdings auch Frauenfußball. Dabei macht sich die Bundeswehr die prekäre ökonomische Lage der Disziplinen zu nutze.

Mittlerweile wurden von der Bundeswehr 18 (seit 2006 kamen 15 zu den zunächst 3 hinzu) Sportfördergruppen eingerichtet. Zentrale Dienststelle ist die Emmich-Cambrai-Kaserne in Hannover, die zentrale Feldjägerschule der Bundeswehr. Neben der Bundeswehr unterhalten auch Bundespolizei, Zoll und Feuerwehren Stipendienprogramme für Sportler_innen, allerdings in deutlich geringerem finanziellem Ausmaß (zusammen ca. 200 Stellen) als die Bundeswehr.

Dieses Verfahren hat sich bis heute nicht geändert. Obwohl die Wehrpflicht lange ausgesetzt ist und damit die Sportförderung ihrer inhaltlichen Begründung beraubt ist, existiert sie ungekürzt weiter. Aktuell gibt die Bundeswehr jährlich 28 Millionen Euro für bis zu 744 zu Fördernde aus. Die Fluktuation der Geförderten beträgt etwa 250 pro Jahr. Stark leistungsgetrieben werden Verträge für ein Jahr, in Ausnahmefällen für zwei Jahre geschlossen. Mit dieser Förderung ist die Bundeswehr ein zentraler Bestandteil der bundesdeutschen Spitzensportförderung. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) feiert die Sportfördergruppe der Bundeswehr gar als unverzichtbaren Bestandteil  des „nationalen Spitzensportkonzeptes“. Das hat Gründe. Bis heute versäumt es das für den Sport verantwortliche Innenministerium eine zivile Förderstruktur aufzubauen. Entsprechend ist für Sportler_innen ohne entsprechende Mittel und Lobby die Bundeswehr oder die Polizei die einzige Möglichkeit, ihre Aktivitäten im Spitzensport zu finanzieren. Die Kugelstoßerin Christina Schwanitz macht das in einem Jubelbeitrag auf der Bundeswehrseite deutlich: „Für mich persönlich sage ich ganz klar: Hätte ich die Bundeswehr nicht, könnte ich meinen Leistungssport nicht betreiben.[…] Deswegen trete ich auch gerne als Sportsoldatin in der Öffentlichkeit auf.“[2]

Wem nützt es?

Sportler_innen haben wenige Alternativen, wollen sie im Spitzensport – einigermaßen finanziert – aktiv sein. Ohne Stipendienförderung, so eine Studie der Sporthochschule Köln aus dem Jahr 2010, leben viele nur knapp über dem Hartz–IV-Satz.[3] Der ehemalige Olympiasieger und Professor für Wirtschaftspolitik Wolfgang Maenning kritisierte die Sportförderung der Bundeswehr auch inhaltlich, methodisch: Erst seit kurzem ist es den geförderten Sportler_innen überhaupt erlaubt, nebenbei eine Ausbildung zu machen; zudem sei der militärische Dienst langweilig und sinnlos und entstehe, aufgrund der starken Fokussierung auf die Pflichtzeiten beim Militär, eine eindimensionale Verengung, die sich negativ auf die sportliche Leistung auswirke.[4] Unabhängig davon bestünden wenige Möglichkeiten sich eine berufliche Laufbahn für die Zeit nach dem Sport aufzubauen. Die Bundeswehr selber interessiert sich wenig für die Menschen nach der öffentlichkeitswirksam genutzten Karriere. Dem Argument versucht die Bundeswehr inzwischen ein wenig vorzubeugen, indem sie mit einer teuren Zusatzfinanzierung, abhängig von der Dauer der Sportförderung, eine zusätzliche Unterstützung für die Zeit nach dem Sport gewährt. Das mag entsprechend für besonders erfolgreiche Sportler_innen hilfreich sein, sind sie es nicht (die Fluktuation wurde bereits angesprochen) hilft ihnen das wenig.

Alternativen

Es gibt keine logische nicht-militärische Begründung mehr, die Sportfördergruppen aufrecht zu erhalten. Vielmehr ist es dringend nötig, ein ziviles Stipendiensystem zu etablieren, welches Förderung nicht an einer militaristischen Gesinnung, sondern an den Leistungen und/oder der Freude am Sport festmacht (es würde an dieser Stelle zu weit führen, das Grundverständnis von Spitzensport und das Leistungssystem in Frage zu stellen, daher bleibt diese weitergehende Debatte an dieser Stelle ausgeklammert). Gegenwärtig existiert in der BRD zivil nur die private Stiftung Deutsche Sporthilfe, die bis zu 10 Millionen Euro jährlich für 3800 Sportler_innen im Spitzensport ausgibt. Eine zivile Alternative ist – sofern Spitzensportförderung als  wichtige und landesweite Aufgabe begriffen wird – zivil zu regeln, um Chancengleichheit unabhängig von der Weltanschauung und neutrale Entwicklungsmöglichkeiten zu etablieren. Dass der Bundeswehr damit ein werbewirksames Spielzeug weggenommen würde, wäre nicht nur aus pazifistischer, sondern auch aus sportpolitischer Sicht zu begrüßen.

 

[1] Broschüre des Bundesverteidigungsministeriums »Konstant in der Erfolgsspur. Die Spitzensportförderung der Bundeswehr«, September 2010, S. 9

[2]Quelle http://www.bundeswehr.de (Stand 07.02.2016)

[3] http://www.zeit.de/sport/2010-02/olympia-guttenberg-steuern-sportsoldaten/seite-2(Stand 07.02.2016)

[4] http://www.zeit.de/sport/2012-08/sportfoerderung- (Stand 07.02.2016)

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Es klingt unglaublich. Nicht nur das sich die Bundeswehr an Heranwachsende heranmacht und in Stadien, Schulen auf Messen oder dem Arbeitsamt ungeniert für den Beruf des Tötens wirbt, geht sie jetzt noch einen Schritt weiter. Wie eine Anfrage der Fraktion die Linke (DS 18/7494) ergab, wirbt die Bundeswehr unverhohlen in Kindertagesstätten.

Ein paar Beispiele: In Bad Salzungen, Sanitz, Wittmund, Blankenberg, Blankenburg und Marienberg, wurden im Rahmen einer „Patenschaft“ die Kinder von Soldatinnen und Soldaten besucht. Selbst das SOS Kinderdorf(!) in Dießen am Ammersee erhielt Besuch. In Königsbrück durften die Kinder (Alter 5-6) die örtliche Kaserne besuchen, ebenso in Sanitz, Wilhelmshaven. In Rendsburg wurden drei Kindergärten (insgesamt 54 Kinder) eingeladen eine Transall zu besichtigen, in Rostock war es die Marineeinheit, in Gardelegen gar der Truppenübungsplatz. In Erbeskopf wurden Kindern im Rahmen der vorschulischen Ausbildung gar explizit der Soldatenberuf vorgestellt. Zahlreiche weitere Kindertagesstätten wurden im Rahmen von Besichtigungen und Sommer- und Weihnachtsfesten besucht.

Aber auch in der Jugendhilfe ist die Bundeswehr ähnlich präsent: Patenschaften mit Berlin, Dresden, Karlsruhe, Augsburg, Braunschweig, Trebbin und Waldeck wurden in der Antwort der Bundesregierung benannt. Es erfolgten entsprechende Besuche der Minderjährigen auf Bundeswehrstandorten. So wurde in Trebbin mehrfach die Fregatte BRANDENBURG aufgesucht, in Karlsruhe die Fregatte KARLSRUHE, in Neuburg das örtliche Geschwader oder in Cochem-Büchel der Fliegerhorsts Büchel. Büchel ist Atomwaffenstandort.

Es geht aber noch weiter. Die Ferienspaßaktion(!) „Ein Tag bei der Bundeswehr“ in Mechernich wird seit 2010 mit knapp 3000,- EUR jährlich finanziert und durchgeführt. Kriegshandwerk als Ferienspaßaktion. Geht’s noch zynischer? Die Zusammenarbeit mit Mechernich geht noch weiter. Fußballcamps werden mit rund 2000 EUR jährlich unterstützt.

Das Ziel ist klar. Die Bundeswehr wird als normale Arbeitgeberin präsentiert. Schon Kleinkinder sollen sich daran gewöhnen und Begeisterung fürs Militärische entwickeln. Kindliche Begeisterung wird hier schamlos ausgenutzt um langfristig neue Rekrut_innen fürs Feld zu gewinnen und das eigene miserable Image zu polieren. Das widerspricht erheblich der UN-Kinderrechtskonvention, die Werbung für das Militär bei Minderjährigen untersagt. Gezielt wird die Grauzone zwischen offener Werbung und Information ausgenutzt. Aber selbst, wenn man sich auf den Standpunkt der Bundeswehr stellt und die Vorstellung des Soldat_innenberufes als Information deklariert, hat dies nichts in der frühkindlichen Erziehung zu suchen. Wenn Kinder Flugzeuge ansehen und an technische Berufe herangeführt werden sollen, (sofern das im Kindergarten überhaupt eine Relevanz hat) gibt es ausreichend zivile Möglichkeiten dies zu realisieren.

Aber der Wahnsinn geht weiter. Ganz im Stile klassischen Fundraisings wirbt das Militär für sich selber, in dem es Spendensammlungen an Kitas und Organisationen der Jugendhilfe übergibt. Die stolze Summe von 150.000 EUR ist dabei zusammengekommen. Schlimm genug, das wir in einer Gesellschaft leben, in der Kindergärten und Einrichtungen der Jugendhilfe auf Spendenfinanzierung angewiesen sind, so hat die Arbeitgeberin Bundeswehr aber überhaupt nichts in diesem Zusammenhang zu suchen. Wenn Angehörige der bewaffneten Streitkräfte dies privat tun wollen, können Sie das gerne tun, als Form der militärischen Eigenwerbung, organisiert durch die Bundeswehr ist es einfach nur widerlich.

Die Bundeswehr breitet sich auf allen Feldern der Zivilgesellschaft aus. Waren es in den letzten Jahren neben massiven Werbekampagnen in Zivilgesellschaft und Sport vor allem die Sportförderung, die dem Militär Zuspruch versprach, dringt sie zunehmend in weitere, scheinbar harmlose Bereiche ein, die sich nicht laut und entschlossen dagegen wehren können. Kindergärten, die auf fremde Unterstützung angewiesen sind, weil es eine Gesellschaft nicht schafft, diese unabhängig auszustatten sind dabei offensichtlich besonders gefährdet.

Diese Politik wird nicht generalstabsmäßig (man verzeihe mir die militaristische Vokabel) organisiert, vielmehr wird auf unterster Ebene über persönlichen Bekanntschaften über städtische Patenschaften ein schleichendes Selbstverständnis von Militär erzeugt, dem nur schwer gezielt etwas entgegengesetzt werden kann.

Daher kann die Forderung nur lauten: Bundeswehr raus aus den Kitas und den Jugendhilfeeinrichtungen! Keine städtischen Patenschaften mit der Bundeswehr!

Der Presserat hat meine Beschwerde wegen Verstoßes gegen die publizistischen Grundsätze bei der Mitteldeutschen Zeitung (MZ) zurückgewiesen. Hintergrund meiner Beschwerde war eine Sonderveröffentlichung der MZ, die für einen "Blaulichttag" warb. Auf mehreren Seiten wurde für eine Veranstaltung von MZ und Bundeswehr auf dem Verlagsgelände in Halle geworben. Zudem beschäftigten sich eine ganze Reihe von Artikeln mit Technik und Karrieremöglichkeiten beim Militär, allerdings ausschließlich in einer werbenden Form und nicht einer journalistisch kritischen Auseinandersetzung. Die Begründung des Presserates der Beschwerdezurückweisung indes ist interessant. Zum einen beziehen sie sich darauf, dass auf Seite 1 rechts oben im Kleingedruckten der (im normalen MZ-Layout gehaltenen) Beilage das Wort "Anzeige" im Begriff Anzeigen-Sonderveröffentlichung auftaucht. Dies beziehe sich - so der Presserat auf die gesamte Beilage und nicht nur auf die zahlreich vertretenen Werbeanzeigen. Ok. Mein Hinweis, dass die Beilage nicht eindeutig als Werbung erkennbar sei, da es sich um eine gemeinsame Veranstaltung von Militär und Journalismus handele, wurde mit dem Hinweis abgetan, dass die Zusammenarbeit von Bundeswehr und Verlag nicht zu beanstanden sei, da keinerlei Anzeichen vorlägen, "dass durch diese Zusammenarbeit in irgendeiner Art und Weise die redaktionelle Berichterstattung der Zeitung über die Bundeswehr beeinflusst wurde". Offensichtlich liest der Presserat die Mitteldeutsche Zeitung nicht.

Im Grundsatz stört es den Presserat also nicht, dass ein Verlag als Bestandteil einer Tageszeitung ein Anzeigenblatt für die Bundeswehr schreibt (Verantwortlicher Redakteur Torsten Drabe), auf dem eigenen Gelände das Militär hofiert und dabei jede kritische Distanz missen lässt. Das mag presserechtlich juristisch korrekt sein, journalistisch ist es das aus meiner Sicht nicht.

Linkschau vom 06.11.2015

Der Kasseler Biologie-Professor Ulrich Kutschera tut sich in den letzten Monaten immer wieder durch Traktate gegen „die Gender Ideologie“ hervor. Dabei nähert er sich nach und nach einem geschlossen rechtsextremen Weltbild an, schreibt Publikative.org. Als Konsequenz setzen sie sich ausführlich nicht nur mit Kutschera auseinander, sondern beschreiben klar und einfach grundsätzliche Begriffe der Genderarbeit von gener Mainstreaming bis zur queer Theory. Schnell wird damit dsa mangelnde wissenschaftliche Fundaments von kutschera deutlich. Als dauerhafte Argumentationshilfe oder als Einstieg in die Debatte um Männerrechtler_innen sehr lesenswert und zu empfehlen.
http://publikative.org/2015/11/01/maennerfantasien-die-antigenderistische-ideologie-des-ulrich-kutschera/

Der Deutschlandfunk liefert einen spannenden Text zu "Lügenpresse"-Vorwürfen und anderen Leser_innenbriefen an die Redaktion. Offensichtlich macht mensch sich dort Gedanken und liefert Diskussionsmuster. In 7 Punkten werden klasische Argumentationen der "besorgten Bürger_innen" aufgegriffen und kommentiert. http://www.deutschlandfunk.de/aus-der-nachrichtenredaktion-die-sieben-todsuenden-der.1818.de.html?dram:article_id=335641

Mahnwachen für den Frieden: Ein rechtes Projekt auf den Trümmern linker Fundamente
Unter diesem Titel hat der DLF eine längeres Feature zum Aufkommen der Montagsmahnwachen und ihren Hintergründen abgeliefert. Die 45 Minuten sollten man sich unbedingt antun. https://www.youtube.com/watch?v=LLM2XaRTEgA bzw. http://www.deutschlandfunk.de/mahnwachen-fuer-den-frieden-ein-rechtes-projekt-auf-den.1247.de.html?dram%3Aarticle_id=333447

Die von der US-Army herausgegebene First-Person-Shooter-Reihe „America’s Army“ gilt als effektivsten Rekrutierungswerkzeug der Armee. Die Shooter sind kostenlos spielbar – und reine Propaganda. Als US-Soldat kämpft man gegen Terroristen, zwischen den Gefechten laufen Werbevideos der Armee. Doch nicht nur die US-Army nutzt Spiele zur Nachwuchswerbung. Auch die Bundeswehr hat bereits einige – kleinere – Rekrutierungsspiele veröffentlicht. Und sie profitiert von der ungefragten Darstellung in populären Spielen. Auf Games and Politics beschäftigt sich Michael Schulze von Glaßer mit dem Thema https://youtu.be/bNW0eK1BgsE

Am 13.06. fand erstmals der Tag der Bundeswehr statt. Millionenschwer hat die Bundeswehr an 15 Standorten für den Tag getrommelt. Gekommen waren glücklicherweise deutlich weniger als von den Militärs erhofft. Wurde in Hannover ein Infostand mit der Begründung es würden 15.00 Menschen erwartet werden, daher könne aus Platzgründen kein Stand in unmittelbarer Nähe errichtet werden, so kamen 3.000-6.000 Menschen - überwiegen in Shuttlebussen auf das Areal. Zu diesem skandalösen Vorgehen der Behörden - liegt nun eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz vor, auf die hier gerne verwiesen wird.

https://wiki.freiheitsfoo.de/pmwiki.php?n=Main.Nachfragen-Demo-TagderBundeswehr-2015-Hannover

Mindestens genauso skandalös - der erneute Bruch der Kinderrechtskonvention. Mit Technikbegeisterung wird für den Krieg geworben. Kinder beim Besteigen von Panzern. Werden ihnen auch die Folgenso eines Panzerschusses gezeigt, oder wäre das zu schockierend?

update: Ich möchte ja nicht die Technik vorenthalten, die den Kindern da gezeigt wurde.

Quelle: privat und https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Tag_der_Bundeswehr_2015

ein Gastbeitrag von Dirk Hogess

Die Großoffensive der Bundeswehr im Fußball und anderen Sportarten ,die Einsatzgebiete der Bundeswehr sind wie z.B. Handball, Volleyball, Basketball und Eishockey und anderswo.
Sportvereine bieten der BW eine Plattform mit ihrem Logo bei sich zu werben ,2013 waren es 44 Vereine und 2014 sind es 27 Kooperationen mit Sportvereinen.
Es ist kein vorübergehender sondern ein langfristiger Großeinsatz und es wird mit Steuergeldern ziemlich Lax umgegangen.
Über die Werbepraxis der BW findet bislang eine unzureichende  Debatte statt, ist regulär gekaufte Werbezeit im Sport, wo Kinder und Jugendliche sind Verantwortungsvoll?
Im Mittelpunkt des sportlichen Konzepts stehen gewaltfreie Erziehung und Respekt vorm"Gegner".
Tragende soziale Werte wie Gemeinschaft und Integration, Teamgeist und Kameradschaft sowie Leistungswil- le und -bereitschaft, Disziplin und Beharrlichkeit werden im Sport vermittelt. Diese soziale Funktion kommt im Wettkampfsport besonders zur Geltung und diese nutzt die BW für ihre Anwerbung. Bindungskraft für Kinder und Jugendliche ist die dauerhafte Zielstellung, den Kindern und Jugendlichen  die Lust mit Anregungen für die Bundeswehr zu begeistern, aber ihr Einsatz wirkt – gerade auch auf Minderjährige.
Zugleich ist das problematisch, die Ein- flussnahme auf Minderjährige im Lichte der UN-Kinderrechtskonvention und zeigt mögliche Zweifel daran auf.Der Ausstieg aus der militärischen und der Umstieg zu einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Sicherheitspolitik steht als gesellschaftliches Projekt auf der politischen Agenda.
Überblick über die Werbestrategien der Bundeswehr sowie die derzeitigen Kooperationsvereinbarungen und ihrer Zielsetzung ,darüber findet bis jetzt eine unzureichende gesellschaftliche ,kritische , Diskussion statt.
Ziele und Zweck dieser Förderung sind unter anderem die Repräsentanz in der Sportwelt.
Die Großoffensive der Bundeswehr im Fußball und anderen Sportarten ,die Einsatzgebiete der Bundeswehr sind wie z.B. Handball, Volleyball, Basketball und Eishockey.

Die Bundeswehr hat ihre Ausgaben für Nachwuchswerbung im vergangen Jahr erhöht. Knapp 30.000 Mio. Euro wurden dafür ausgegeben, Jugendliche für das Militär anzuheuern und auf 35,3 Millionen Euro im kommenden Jahr erhöht.
Vor zwei Jahren waren es noch 16.000 Mio.,im Sport ,auf Ausstellungen, Messen und in Schulen. ->weiterlesen “Kaschierter Werbefeldzug der Bundeswehr! Die Bundeswehr Sportnah im Einsatz!” »

ein Gastbeitrag von Dirk Dumke

Sportvereine bieten der BW eine Plattform mit ihrem Logo bei sich zu werben ,2013 waren es 44 Vereine und 2014 sind es 27 Kooperationen mit Sportvereinen.
Es ist kein vorübergehender sondern ein langfristiger Großeinsatz und es wird mit Steuergeldern ziemlich Lax umgegangen.

Alles begann 1895. Eine Handvoll Jahre vor der Jahrhundertwende wurde der Rostocker FC gegründet. In der Folgezeit war der Werdegang des Vereins durch viele Umbenennungen und Fusionen geprägt. Auch die Entwicklung des Vereins war den Wirkungen des Zeitgeistes unterworfen und konnte sich den Wechselwirkungen der Geschichte nicht entziehen.
In den letzten Jahren hat sich der RFC mit seinen knapp 600 Mitgliedern in der Verbandsliga etabliert. Auf den Trikots der Jugendabteilung werben die linken Bands Dritte Wahl und Feine Sahne Fischfilet. Eigentlich verkörpern der Verein, seine Sportler, Mitglieder und Fans das, wofür der RFC steht: Weltoffenheit, Toleranz, Respekt und Fair Play – Werte, die auf und neben dem Spielfeld Bestand haben, aber nicht mit der BW.
Verblüffenderweise dürfen sich »Fans und Fördermitglieder, die gegen den neuen Partner sind«, von Vereinsboß Greese verstanden fühlen: »Zum einen haben wir viele Wehrdienstverweigerer aus der DDR und BRD in unseren Anhängerreihen, die aus moralischen Motiven nichts mit dem Waffendienst zu tun haben möchten. Zum anderen besteht die Furcht bei einigen Fans, dass der RFC dadurch das verliert, was er sich langfristig aufgebaut hat«.
Man bedenkt die Fan-Szene mit Bespaßungsaktionen ,wie einem Videodreh beim RFC, der da die Hauptrolle spielt im Musikvideo zu “Fußballgott“ vom Hip-Hop-Trio Fettes Brot, das offenbar seine Begeisterung für die Bundeswehr entdeckt hat. Auf dem Volksfest anlässlich des 825. Hamburger Hafengeburtstages sorgte die Band persönlich für Aufmunterung der „Kameraden im Einsatz“. ->weiterlesen “Kaschierter Werbefeldzug der Bundeswehr” »

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Vor einem Jahr protestierten viele engagierte Menschen gegen den Auftritt der Bundeswehr bei der Berufsbildungsmesse “Mittleres Ruhrgebiet”. Damit waren Sie nun erfolgreich, wie Joachim Schramm in der Zeitschrift “Zivilcourage” berichtet. Schramm schreibt unter anderem:

“In diesem Februar beschäftigte sich der Jugendhilfeausschuss der Stadt Herne, einer der Ausrichter der Berufsbildungmesse, mit dem Thema Bundes- wehr-Werbung. Anlass war zunächst die Werbeaktion der Bundeswehr zusammen mit der Jugendzeitschrift „Bravo “ im letzten Herbst, bei dem Jugendliche an „Adventurecamps“ der Armee teilnehmen konnten. Einstimmig verabschiedete der Jugendhilfeausschuss eine Resolution, mit der das Bundesverteidigungsministerium und „Bravo “ aufgefordert werden, künftig keine militärische Werbung mehr an Orten zu machen, die hauptsächlich von Minderjährigen wahrgenommen werden. Einige Wochen später wandte sich dann die Leiterin des Jugendamtes Herne an ihren Kollegen in Bochum und ließ ihn wissen, dass die Stadt Herne vor dem Hintergrund dieser Resolution nun nicht Mitveranstalter einer Messe sein könne, bei der die Bundeswehr Werbung unter Minderjährigen machen würde . Daraufhin lud die Stadt Bochum die Bundeswehr aus”.

Es wird also mittlerweile auch von kommunalen Entscheidungsträger_innen als bedenklich angesehen, dass die Bundeswehr – entgegen den Intentionen der UN-Kinderschutzkonvention – bei Minderjährigen wirbt, sie sogar zu einer ihrer wichtigsten Zielgruppen gemacht hat. Zur Ausgabe der “Zivilcourage” – Beitrag von Schramm: S.7 (pdf-Datei).

Bericht zur Veranstaltung „Bundeswehr an Schulen: Rekrutierung im Klassenzimmer und der antidemokratische Hintergrund dieser Rekrutierungsstrategie“ (Mittwoch, 6. Juli 2011, ab 19 Uhr, im Pavillon, Hannover). Der Bericht wurde verfasst von und verantwortlich ist: Heinz-Jürgen Voß.

Hannover, 7.7.2011

Während es Lehrkräften sogar verboten ist, kleine Buttons mit der Aufschrift „Atomkraft? Nein Danke“ an der Kleidung zu tragen, weil die Schüler beeinflusst werden könnten, finden Werbeveranstaltungen der Bundeswehr unhinterfragt statt. Dabei zielen sie nun tatsächlich auf Beeinflussung ab: Die Bundeswehr soll als „normaler Arbeitgeber“ dargestellt, junge Leute, die bislang nur spärlich allein zur Bundeswehr finden, für eine Dienstverpflichtung gewonnen werden. ->weiterlesen “Pädagogen in die Schulen, nicht Werber der Bundeswehr” »

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