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Nein, gemeint sind nicht Anthony Ujah und Leon Balogun. Die Nordkurve, beziehungsweise Teile davon, haben jede Hemmung verloren. Zurück in die 80er, oder? Beim Aufwärmen während der zweiten Halbzeit wurden die beiden Spieler von Mainz 05 vor der Nordkurve (nur zur Erinnerung, das ist der Fanblock!) mit Affenlauten bedacht. Öffentlich gemacht haben das Mainz 05 und die beiden Spieler - von Hannover 96 fehlt bis zur Stunde jede Stellungnahme. Damit hat die Verrohung der Nordkurve, die in den letzten beiden Jahren begonnen hat, eine weitere Stufe genommen. Auch wenn immer nur Teile, immer nur Einzelne die Täter*innen sind, so ist es bezeichnend, dass dieser Rückfall so ohne Widerspruch möglich ist (von Rangeleien im Block war zumindest nichts zu spüren). Damit reiht sich dieser rassistische Angriff in eine Reihe von Vorkommnissen ähnlicher Art ein: Das sexistische Banner gegen Sankt Pauli, aber auch die "Sieg"Rufe, bei denen ein "Heil" immer leise mitschwingt, seien hier beispielhaft genannt. Nachzudenken wäre, ob diese bedenkliche Entwicklung ein Ergebnis des Zerfalls der Fanstrukturen ist. Klare antirassistische Arbeit vermisse ich zunehmend, und sie lässt sich auch nicht mit einem "Spass gegen Stumpf"-Konzert einmal im Jahr ersetzen. Die jetzt zu erwartenden Abgrenzungsfloskeln werden das Problem sicher nicht beheben. Wenn nicht ernsthaft etwas passiert, werden bald wieder Neonazis und Identitäre die Bühne in der Fankultur von Hannover 96 betreten. Der Boden ist dafür bereitet.

 

Update: Inzwischen ghibt es auch ein Statement von Hannover 96 zu den Vorfällen.

Hier der Link der Stellungnahme von Mainz 05:

Gastbeitrag von zwei Teilnehmenden der Veranstaltung

Berlin: Es sollte ein heiterer Abend werden – mit Tunten-Performance und einem starken Zeichen für mehr Offenheit gegenüber der eigenen Weiblichkeit in der Schwulen-Szene. Was aber am 18. November 2016 bei der von Patsy l’Amour laLove gehosteten „Polymorphia“ im SchwuZ abging, war krass.

Ausgangspunkt war eine spontane Stand-up-Performance einer weiß-deutschen Darstellerin, die sich als „Geschichtslehrerin“ vorstellte. Sie holte das Thema Konzentrationslager und Nazi-Zeit auf die Bühne. Inhalt der Performance war eine Klassenfahrt zur Gedenkstätte Sachsenhausen. Einer der größeren Witze richtete sich darauf, dass die Schüler dort ja nur zu Besuch seien – sie und Publikum: „Haha“. Sie jammerte darüber, dass die Gedenkstättenpädagogik sie sicherlich als Nazis wahrnehmen würde, denn die Kids hätten lieber geredet und wären nicht so aufmerksam gewesen.

Sie sei aber kein Nazi, auch wenn sie – bei ihrer Performance – hohe Lederstiefel trage – sie und Publikum: „Haha“.

Dann hätten ihr zwei (gleichgeschlechtliche) Schüler_innen erzählt, dass sie jetzt zusammen seien. Sie – die Lehrerin – sei ja vor der Klasse geoutet. Sie habe die beiden trotzdem angeherrscht, dass sie leise sein sollten, weil sie ja schließlich „im KZ“ seien. Nachher habe sie sich geschämt, denn es könne nicht angehen, dass sich „Schwuchteln“ an so einem Ort gegenseitig zum Schweigen brächten, schließlich seien sie dort ermordet worden.

Das Ganze wurde in selbstkommentierter Slapstick-Art performt. Das Publikum ist mitgegangen, hat den Auftritt am Ende beklatscht, und zwischendurch wurde erheitert gelacht. Dass ein solch skandalöser Auftritt mittlerweile durchgeht, dass das Publikum johlend mitmacht, weist auf einen bedenklichen Zustand der schwulen Szene hin – zumindest derjenigen, die dort war. Die „Geschichtslehrerin“ wurde weder von der verantwortlichen Einladenden noch vom Publikum von der Bühne gepfiffen, obwohl sie einerseits einem Schlussstrich-Diskurs zuarbeitete – das KZ könne verlacht werden, und es sei vollkommen selbstverständlich, dass Schüler_innen eine Geschichtsstunde dort nicht ernst nehmen würden. Gleichzeitig wird einer reinen Opfergeschichte in Bezug auf Schwule zugearbeitet. Ist das das neue selbstgerechte weiß-deutsche Geschichtsbild, das Schwule vermitteln wollen? – sollten sich die „Geschichtslehrerin“, Patsy l’Amour laLove, das SchwuZ und das Publikum fragen. Warum wird mit einer solchen Geschichtsklitterung auf der Bühne gearbeitet – anstatt sich ernsthaft einer Erinnerungsarbeit anzunehmen, in der differenziert Opfer- und Täterschaft von schwulen Männern nachgespürt wird – hier könnte auch Performance einen Beitrag leisten. Wenn es aber einer Darstellerin offenbar nicht möglich ist, ein Thema angemessen zu erarbeiten, dann sollte sie es besser lassen und stattdessen ein Geschichtsbuch lesen oder eine echte Geschichtslehrerin fragen!

mit Dank an dasendedessex.de

Etwas mehr als eine Seite Text reicht aus und die gesamte Medienlandschaft berichtet. So ergeht es der AfD. Eine der etablierten Parteien muss weit mehr Mühe aufwenden - selbst umfassende Standortbestimmungen von CDU bis Linke finden nicht diese Aufmerksamkeit. Diese Parteien sind einfach nicht so angesagt.

Aber wenn schon umfassende Berichterstattung über einen Text von etwas mehr als einer Seite - dann sollte zumindest die Quintessenz vermittelt und eingeordnet werden. Das ist bei der Berichterstattung zum Text der sachsen-anhaltinischen AfD-Fraktion "Magdeburger Erklärung zur Frühsexualisierung" gründlich misslungen. Von ZEIT bis Deutschlandfunk bis MDR konnte man - weithin ausgebreitet - lesen und hören, dass sich die AfD gegen "sexuelle Vielfalt" wende. Weitere Ausführungen zu Adoptionsrecht und Sexualpädagogik wurden lediglich angeschlossen und führten wiederum auf den Vielfaltsgedanken zu.

Ja, gewiss ist die AfD homo- und transfeindlich in ihren Positionen. Aber das ist nicht der Inhalt ihrer vorliegenden Erklärung. Es ist ein kleiner randständiger Bestandteil, aber zentral ist ihre Schrift viel weitreichender - und insbesondere viel völkischer.

Es handelt sich um eine heroische Schrift für "Volk" und "Nation" - was auch immer die AfD darunter versteht -, die dann gleichzeitig "den Staat" geißelt, weil er sich in die Erziehungshohheit der Eltern einmische. Konkret heißt es im Etwas-mehr-als-Einseiter: "Die Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft. Sie garantiert den Erhalt unseres Volkes, unseres Staates und unserer Nation." Und etwas später: "In unseren Kindern leben Familie, Volk und Nation fort." Es handelt sich also um eine klare völkische Positionierung und nicht einfach um eine traditionelle oder konservative Aushandlung um ein mehr oder weniger an geschlechtlicher und sexueller Pluralität.

Gleichzeitig grenzt die AfD "Volk" und "Nation" gegen die staatliche Ordnung ab, Zitat: "Wir wenden uns gegen alle Versuche des Staates, in die Erziehungshoheit der Eltern einzugreifen, die natürlichen Vorstellungen, die sich unsere Kinder von Familienleben und Geschlechterrollen bilden, systematisch zu verunsichern..." Auch das ist eine sehr weitreichende Aussage, da sie Kindertagesstätten und Schulen sehr grundlegend in Frage stellt, haben sie doch grundlegend einen Betreuungs-, Bildungs- und Erziehungsauftrag. Wenn Erzieher_innen nicht mehr einschreiten sollen, wenn ein weißes Kind ein Schwarzes Kind verhaut - weil die Eltern der Meinung sind, dass das so zu sein habe -, dann bleibt eigentlich nur die Schließung von Einrichtungen zur Kinder- und Jugendbetreuung und -hilfe sowie Schulen. Gleichzeitig haben diese Einrichtungen gerade deshalb einen Bildungauftrag, weil die Eltern eben nicht in allen 'Schulfächern' gleich gut bewandert sind und z.B. auch erwerbsarbeiten müssen und weil in größeren Gruppen von Kindern und Jugendlichen soziales Lernen gut vonstatten gehen kann.

Die weiteren Ausführungen wenden sich per se gegen jede Sexualpädagogik bei allen Kindern (und möglicherweise sogar bei allen Jugendlichen). Bei "allen Kindern" schließt zumindest die Alterstufen bis 14 Jahre ein. Dabei waren es gerade die Aufdeckungen von sexuellem Missbrauch in Institutionen, die im Jahr 2010 deutlich gemacht haben, dass es konkreter Präventionskonzepte und einer Sexualpädagogik in Einrichtungen bedarf - und nicht eines zögerlichen Bisschens. Gerade dadurch, dass das Sprechen über Körperliches, Genitalien und Empfindungen tabuisiert wurde (und wird), konnte in Einrichtungen über Jahre weg fortgesetzte Gewalt und sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche stattfinden. Selbstverständlich müssen Kinder altersgemäß über Körper, Empfinden aufgeklärt werden; sie müssen eine Sprache haben, um auch benennen zu können, wenn ihnen etwas passiert, was nicht sein soll. Ohne diese Sprache und in einem Mantel des Tabus können sie sich nicht äußern.

Und: "Sexuelle Vielfalt" ist nur ein Randaspekt, gegen den sich der Etwas-mehr-als-Einseiter der AfD Sachsen-Anhalt richtet. Vielmehr kommt bei dem folgenden Absatz sogar die Frage auf, ob Kinder bei Scheidung oder wenn sie bei Alleinerziehenden aufwachsen, aus Sicht der AfD generell aus ihren Familien genommen werden sollen. Im Text heißt es: "Wir bekennen uns zum Recht jedes Kindes auf seinen Vater und seine Mutter. Jeder Mensch auf dieser Welt ist von Mann und Frau gezeugt. Er hat Anspruch darauf, von seinen Eltern behütet, erzogen und versorgt zu werden, bis er in das Erwerbsleben eintritt. Der Staat ist in der Pflicht, alles dafür zu tun, dass Kinder, die ihre Eltern durch Schicksalsschläge verlieren, nach Möglichkeit in einer Adoptionsfamilie aufwachsen können." Soll der letzte Satz etwa auch gelten, wenn ein Elternteil "fehlt"? Gerade wo doch zu Beginn des Absatzes so stark auf das Recht auf "seinen Vater und seine Mutter" gepocht wird...

Erst nachdem das alles gesagt ist, spricht sich die AfD Sachsen-Anhalt gegen das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Partnerschaften aus. Deutlich wird: Es handelt sich um ein Papier, dass aus einer tief nationalistischen und völkischen Sicht einen Familienbegriff bildet, in dem Alleinerziehende, Getrenntlebende, Kinderlose und nicht völkisch denkende Eltern keinen Platz haben. In dieser Reichweite sollte das Papier zur Kenntnis genommen werden und nicht eilig in die üblichen Schubladen für oder wider geschlechtliche und sexuelle Vielfalt gepresst werden. (Und wer selbst nachlesen möchte - hier findet sich das Dokument der AfD Sachsen-Anhalt.)

Demo Freitag, 30.10.2015 /17 Uhr Steintor
Aufruf
Am 01.11.2015 wird die nächste Verschärfung des Asylrechts in Kraft treten. Im Bundestag wurde sie mit überwältigender Mehrheit durchgewunken. Erst vor 3 Monaten hatte die Bundesregierung eine Asylrechtsverschärfung beschlossen, die unter anderem durch massive Ausweitung der Abschiebehaft eine neue Stufe der Kriminalisierung von Geflüchteten eingeleitet hat.
Die neuste Gesetzesverschärfung ist auch die zynische Antwort der Bundesregierung auf den immer gewalttätiger werdenden rassistischen deutschen Mob. Doch den Rassist_innen zu geben, was sie wollen, wird nur ihre Positionen stärken!
Ziel ist vor allem die Abschreckung Geflüchteter und die Isolierung von Neuankömmlingen durch:

  • Ausweitung der Residenzpflicht,
  • die Verpflichtung, bis zu 6 Monate in der Erstaufnahmeeinrichtung zu bleiben,
  • Gutscheine & Sachleistungen statt Bargeld,
  • drastische Leistungskürzungen für Personen, die unter die Dublin-III-Verordnung fallen,
  • Deklaration weiterer Westbalkan-Länder, in denen u.a. Roma verfolgt werden, als „Sichere Herkunftsstaaten“,
  • „Nicht-Mitwirkung“ bei der eigenen Abschiebung bedeutet ab jetzt: kein Bargeld und „keine Anspruch auf Bekleidung“
  • Einrichtung von Abschiebelager

Diese Verschärfungen reihen sich ein in die langjährige Praxis der Flüchtlingspolitik Europas: Abschottung und Abwehr. Es ist die Antwort Europas auf eine immer größer werdende Anzahl an Menschen, die ihr Zuhause aufgrund eines immer größer werdenden globalen Ungleichgewichts an Wohlstand und Sicherheit verlassen müssen. Während die Möglichkeit, in Europa zu leben, für Angehörige der westlichen Staaten eine Selbstverständlichkeit ist, wird anderen Menschen dieses Privileg nur gnädiger Weise zugesprochen, wenn sie entweder aus einem anerkannten Kriegsgebiet kommen oder wirtschaftlichen Nutzen bringen. Besonders durch die Deklaration sicherer Herkunftsstaaten wird die Spaltung in Kriegs- und sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge, und die Stigmatisierung der letzten Gruppe als ‚illegitim Geflüchtete‘ vorangetrieben.
Solange Wohlstand jedoch ungleich verteilt ist, werden Menschen zur Flucht gezwungen! Und solange die tödliche „Festung Europa“ ausgebaut wird, werden Menschen auf der Flucht sterben!
Die Asylgesetzesverschärfung ist zynisch, sie ist rassistisch, sie ist menschenverachtend! Die Solidarität mit den Geflüchteten, gezeigt von tausenden ehrenamtlichen Unterstützer_innen, wird in eine politische Auseinandersetzung übergehen müssen, oder sie wird zum Einverständnis mit dem bestehenden Unrecht. Letztendlich ist der deutsche Kurs in der Flüchtlingspolitik geprägt von einer kapitalistischen Verwertungslogik. So wird die ‚Flüchtlingskrise‘ bereits benutzt, um den Mindestlohn erneut in Frage zu stellen. Ein effektiver Kampf gegen Rassismus muss daher auch ein gemeinsamer Kampf aller - ob mit Fluchthintergrund oder nicht - gegen die kapitalistische Ausbeutung sein.
Wir werden auch jetzt weitere Möglichkeiten finden, uns den Auswirkungen dieses Unrechtsgesetzes zu stellen!
Abschottung der Grenzen stoppen und legale Einreisemöglichkeiten schaffen!

Vor 21 Jahren wurde Halim Dener von einem deutschen Polizisten in Hannover erschossen. Die gesellschaftlichen und politischen Fragen von Krieg, Flucht, staatlicher Repression und Polizeigewalt, die zum Tod des 16-jährigen Kurden geführt haben, sind nach wie vor ungelöst.
Auch darum gedenken wir Halim und fordern eine Aufhebung des PKK-Verbots sowie einen würdevollen Umgang mit dem Gedenken an ihn.
Kommt daher zur Demonstration:

04.07.2015 | 14.00 Uhr Hannover | Kröpcke

zum Aufruf.

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Laut EnDgAmE-Seite wollen „Evelin, Elena, Victor, Konstantin, Kai, Wolfram, Wojna, Robert,
Jean“ in Hannover reden.

Sortieren wir mal und ordnen zu – wo dies eindeutig möglich ist:

Victor Seibel redete zum Beispiel bereits bei „Kagida“, dem Kasseler Ableger von „PEgIdA“, der neonazistisch dominiert ist. Hier bezeichnete er Zionismus als „rassistische Ideologie“ und sagte „Deutschland muss sich von der Schuldkultur befreien“ Quelle.

Konstantin Stößel, Erfurter Mahnwache, die auch den Querfrontler Elsässer gerne zu Gast hat, sieht die USA als faschistischen Staat an.

Kai Orak, aus Hannover, fiel bisher durch antisemitische Relativierungen bei einer Infoveranstaltung mit Jutta Ditfurth auf. In einen Gespräch mit dem Friedensbüro äußerte er sich massiv menschenfeindlich gegen Lesben und Schwule.

Wojna (Marcel Wojnarowicz - Sänger von Die Bandbreite). Über Die Bandbreite ist viel geschrieben worden, daher hier nur kurz: Laut Band ist 9/11 ein „Inside Job“ der amerikanischen Regierung. Mit ihrem aktuellen Titel „Schön ist hässlich“ wird der Anschlag auf Charlie Hebdo ‚finsteren Mächten‘ zugeschrieben – eine gute Auseinandersetzung mit dieser Verschwörungstheorie findet sich hier. Dass Die Bandbreite bereits bei EnDgAmE in Halle aufgetreten ist, ist folgerichtig.

Ergänzend zu nennen sind sicher noch der Leipziger Stephane Simon, auf den ich bereits vorher eingegangen bin und der von der verschwörerischen und rechtspopulistischen Montagsmahnwache in Halle kommende Frank Geppert.

Ergo: Ein Großteil der Redner_innen kommen aus dem rechten Spektrum der Montagsmahnwachen und fielen bisher vor allem durch antisemitische, antimuslimisch-rassistische und antiamerikanische Positionen auf.

 

Zusammenfassung
PEgAdA und EnDgAme setzen sich aus verschiedenen rechten politischen Spektren zusammen, ohne Berührungsängste nach ganz Rechtsaußen. Einzelne Aussagen gegen Rassismus sind Lippenbekenntnisse, die nicht den Strukturen und dem Auftreten entsprechen. Antirassistische Forderungen, die Nazis eine Teilnahme unmöglich machen würden, fehlen komplett. Die Teilnahme von Nazis wird zumindest geduldet, wenn nicht sogar gewollt. Inhaltlich ist Antiamerikanismus das dominierende Thema, die USA werden als ein alleinherrschend und als (übermächtiger) Feind beschrieben. Die Welt ist monokausal aufgeteilt. „Das Böse und Mächtige“ gegen „das Gute“, wobei die Rollen klar verteilt sind.

Eine emanzipierte Friedensbewegung muss sich gegen die Vereinnahmung des Friedensbegriffs durch solche Gruppen wehren. Sie wollen keinen Frieden. Friedenarbeit ist immer antifaschistisch, antirassistisch und international – und das ohne Kompromisse. Lesenswert diesbezüglich: Die klare Abgrenzung der Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen gegen EnDgAme und PEgAdA – hier online.

Startbeitrag
1 Herkunft und bisherige Aktionen von PEgAdA und EnDgAmE
2 Das Programm von PEgAdA
3 Die Akteur_innen – und eine abschließende Zusammenfassung

ein Beitrag verschiedener Aktiver gegen HAGIDA

Seit Anfang des Jahres müssen wir uns in Hannover mit einem Ableger der PEGIDA Bewegung herumschlagen. Von Anfang an war klar, dass wir auf die Straße gehen müssen, um der rassistischen Stimmungsmache etwas entgegenzusetzen. Beim ersten Mal haben wir mit 2500 Menschen den Aufmarsch von 300 Rassist_innen gleich am Auftaktort mit Blockaden gestoppt.
Beim zweiten Mal haben wir erlebt wie die Polizei versucht hat die Blockadesituationen zu eskalieren. Nichtigkeiten wurden zum Anlass genommen, um Menschen mit Schlägen, Knüppeln und Pfefferspray zu verletzten. Viele Aktivist_innen wurden In Gewahrsam genommen und müssen sich nun mit Anzeigen herumschlagen.
Am 23. Februar, zur dritten Hagida Kundgebung, hat sich die Linie der Polizei fortgesetzt. Wieder wurde alles daran gesetzt die Situation eskalieren zu lassen. Es wurden Gegendemonstrant_innen provoziert, durch Pfefferspray und Faustschläge verletzt und zum Teil in Gewahrsam genommen. Währenddessen versammlten sich auf dem Opernplatz nur noch maximal 80 verwirrte HAGIDA Anhänger_innen. Das die Zahl so deutlich gesunken ist, sehen wir als Erfolg unserer Aktionen an
Nach der zweiten Blockade luden organisierte Gruppen zu einem offenen Treffen, um den Austausch zwischen allen zu ermöglichen, die blockiert haben. Wir wollten gemeinsam eine Strategie entwickeln. Am letzten Sonntag haben sich wieder Menschen aus unterschiedlichen Spektren der Blockierer_innen zusammen gesetzt und beraten, wie die kommenden Protest gegen HAGIDA umgesetzt werden sollen. Folgende drei Punkte haben wir als gemeinsame Position festhalten können.

1. Auch bei der kommenden HAGIDA Aktion am Montag, den 09.03. werden sich wieder viele Menschen rund um den Opernplatz einfinden, um ihren Protest gegen den rassistischen Aufzug auszudrücken. HAGIDA soll mindestens gestört werden. Wir sind mit allen solidarisch, die sich gegen Rassismus und HAGIDA engagieren.

2. Am kommenden Montag wird es keine Begleitung von Blockadevorhaben durch z.B. den twitter Account @block_hagida geben. Wir haben feststellen müssen, dass unsere Kräfte nicht ausreichen um den Opernplatz effektiv zu blockieren. Das Verhalten der Polizei hat gezeigt, dass sie bereit ist auf Gegenprotest mit unverhältnismäßiger Gewalt und Festnahmen zu reagieren, um 80 rassistischen Spinner_innen den Weg frei zu machen. Unser Ziel war von Anfang an gemeinsam HAGIDA zu stoppen und nicht die Auseinandersetzung mit der Polizei zu suchen. Wenn die Situation so bleibt wie sie jetzt ist wollen wir keine Aktivist_innen in unübersichtliche, nicht kontrollierbare Situationen bringen, deshalb wird es keinen Aufruf organisierter Gruppen zu Blockaden geben.

3. Unser Kampf gegen Rassimus fängt weder bei HAGIDA an, noch hört er bei denen auf. Wir stellen uns gegen den alltäglichen Rassismus in dieser Gesellschaft. Deshalb haben wir gemeinsam beschlossen im April mit einer eigenen antirassistischen Aktion in Hannover auf die Straße zu gehen. Haltet Augen und Ohren offen!

Blockierer_innen gegen HAGIDA u.a. Aktive von AGH - Antifaschistische Gruppe Hannover, Fast Forward Hannover, Interventionistische Linke Hannover, LUH_Contra

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Am 14.3. will EnDgAmE ("Patriotische Europäer/Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung des Abendlandes") in Hannover demonstrieren.Nachdem es Pegida nicht geschafft hat, über Dresden hinaus ein nennenswertes Potential für ihre rassistischen Demonstrationen zu erhalten, versuchen nun neue Ableger auf diesen Zug aufzuspringen. Der rechte Teil der Mohntagsmahnwachen, rechtsesoterische Verschwörungstheoretiker_innen, Rechsbürger_innen, NPDler und andere Nazis, wie die vom Verbot bedrohte Partei "Die Rechte" mobilisierten bisher zu Demonstrationen in Halle und Erfurt. Für den 14.3. ist eine Demonstration in Hannover angekündigt.  Das besondere an EnDgAmE: Mit scheinbaren friedenspolitischen Forderungen versuchen sie die Friedensbewegung weiter nach rechts zu rücken. Deshalb noch einmal deutlich: Antimilitaristische Politik ist immer antifaschistisch und antirassistisch. Deshalb hat die DFG-VK beschlossen, den Protest gegen EnDgAmE zu unterstützen. Wir sehen uns am 14.3. zu den Protesten! Friedenspolitik darf nicht als Vehikel für rechtsextreme Stimmungsmache missbraucht werden.

Der Aufruf der DFG-VK (den der Bundesverband ebenfalls beschlossen hat):

Pegida, Hagida, Pegada, Endgame - es ist die gleiche Ideologie. Die Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Hannover stellt sich den Versuchen entgegen, Friedenspolitik als Vehikel für rassistische sowie rechtsradikale Forderungen und das Schüren von Hass auf "das Andere" zu nutzen. Der Einsatz für Frieden ist immer international, antifaschistisch und solidarisch. Die DFG-VK unterstützt die Proteste gegen die Demonstrationen der sogenannten "Europäer gegen die Amerikanisierung des Abendlandes" und fordert ihre Mitglieder und alle Friedensbewegten auf, diese Proteste aktiv zu unterstützen.

Die DFG-VK bekräftigt ihre historischen wie aktuellen Forderungen: Die Waffen nieder!
Grenzen öffnen für Menschen! - Grenzen schließen für Waffen! Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!

 

Update:

hilfreiche Links: Halle gegen Rechts - Argumentation und Protestaufruf gegen die zweite EnDgAme-Demo in Halle

Erfurt Nazifrei - Analyse und Gegenaufruf gegen die erste EnDgAme-Demo in Erfurt

inhaltlicher Beitrag vom motherbord.vice.com

Pegada-Watch auf Facebook

Update2: Da hier so langsam die Trollkommentare reinpurzeln: Warum ich nicht alle Kommentare freigebe

Refugees welcome . Flüchtlinge Willkommen
Refugees welcome . Flüchtlinge Willkommen

Heute demonstrierten in Hannover die ehemals als HAGIDA firmierenden Ableger der Pegida auf dem Opernplatz. Wurde die Kungebung noch großspurig als Demonstration angekündigt, verzichteten die Veranstalter_innen offenbar im Vorfeld auf einen Rundgang und beschränkten sich auf eine stationäre Kundgebung. Laut Hannoverscher Allgemeinen waren es 70 Anhänger_innen, die sich gegen eine pluralistische weltoffene Gesellschaft wandten und mit 19 Thesen (siehe "da freut sich das rechtsradikale Herz") ihre Rückwärtsgewandheit zeigten. Ihnen standen etwa 300 Gegendemonstrierende gegenüber. Offenbar wird das Thema weitgehend als abgehakt betrachtet, anders ist die geringe Gegenmobilisierung nicht zu erklären. Hier wurde die Chance versäumt aus einer Gegendemonstration ein deutliches Zeichen für etwas - für eine weltoffene Gesellschaft - zu setzen. So beschränkte sich die Gegendemonstration leider auf wenige, die trotz alledem NEIN zu alten und neuen Nazis sagten.

Holocaustmahnmal am Opernplatz kurz vor der Pegidademo am 23.02.
Holocaustmahnmal am Opernplatz kurz vor der Pegidademo am 23.02.
Blick auf die Oper kurz vor der Pegidademo am 23.02.
Blick auf die Oper kurz vor der Pegidademo am 23.02.

Von der rechtsradikalen Demonstration selber ist wenig zu sagen: Deutschlandfahnen und seltsam abgehackte Reden, die an eine Hitlerparodie erinnerten (ob die Redner_in wirklich so sprach oder es an der Anlage lag ist unklar), liesen das Ganze eher skurril komisch als bedrohlich erscheinen.

Unverhältnismäßig war jedoch der Einsatz der Polizei für dieses arme Häufchen Verwirrter. Der gesamte hannoversche Opernplatz war teilweise durch mehrfache Hamburger Gitter abgesperrt, die Stadt nicht unerheblich lahmgelegt. Eine kleinere Absperrung hätte auch - selbst bei der irrigen Annahme soviele Teilnehmer_innen wie angemeldet - nämlich 500 - würden erschienen. Hier erscheint Panikmache das Maß der Dinge zu sein. Das zeigt auch der massive Einsatz polizeilicher Kräfte in voller Kampfmonitur.

Fun fact am Rande: Wie schon bei den Gegendemonstrationen der vergangenen Wochen, meldete die Polizei (!) die Spontandemo an - fand aber keine Anmelder_in; in mehreren Durchsagen stellte die Polizei das Vorhandensein einer "Spontandemo gegen Pegida in Hannover" fest und forderte einen "Versammlungsleiter"(muss wohl ein Mann sein), der sich bei Ihnen melden sollte. Merke Spontandemonstrationen werden also nicht mehr von Demonstrierenden bei der Polizei angemeldet, das erledigt die Polizei via Selbstdefinition selber.

 

Am 23.2. ab 19.00 Uhr will sich die HAGIDA wieder am Opernplatz treffen und gegen alles, was nicht in ihr Weltbild einer weißen heteronormativen Gesellschaft passt, hetzen.

 

Sie haben dazu auch ein 19!-Punkte Papier (ich hätte ja eher 18 vermutet, so wegen der Symbolik) mit Forderungen aufgestellt. Da ist alles was der oder die Rechtsradikale von heute braucht: Verschwörungstheorien über den Status der BRD, praktische Zensur von Journalist_innen, ein Verbot der "Antifa" (lol!), Verbot von Einwanderung und Asyl, Sicherstellung "deutscher Identität" was auch immer das sein mag, Rücknahme von Inklusionsbestrebungen an Schulen (als die Einbindung von Menschen mit Behinderung in das gesellschaftliche Leben von klein auf), Verbot aller islamischen (nicht islamistischen!) Verbände, sofern sie international arbeiten - also praktisch ein Verbot von Religionsausübung.... usw. usf.

Das heißt - wir sehen uns wieder am 23.2. zu den Gegenprotesten. Den Hagidioten keinen Meter!

Es gibt neue Infos über den zweiten Aufmarsch-Versuch der Hagida am 26.01.15. Ihrem Aufruf zufolge soll um 19:00 eine Kundgebung auf dem Opernplatz stattfinden. Friedemann Grabs (Die Hannoveraner) und Tatjana Festerling, AfD-Mitglied und "Journalistin", die sich z.B. positiv über die HoGeSa-Bewegung und ihre Teilnehmer_innen geäußert hat, werden als Redner_in erwartet. Im Anschluss soll ein "Spaziergang" erfolgen. Nach eigenen Angaben soll ihnen die Polizei dieses Mal mehr Schutz, sowie einen Sicherheitsgürtel aus Angst vor "linksradikalen Übergriffen" zugesichert haben.

Infos zu den Gegenprotesten gibt in Kürze, auch wenn man sich leicht ausrechnen kann, was das zu bedeuten hat.

Gemeinsam und entschieden gegen rassistische Hetze!

Endlich ist es soweit. Nachdem die Erstauflage schnell vergriffen war, gibt es nun das  Buch "Karriere eines konstruierten Gegensatzes: Zehn Jahre „Muslime versus Schwule”" (hg. von Koray Yılmaz-Günay) in einer 2. Auflage. Es wird aktuell schon ausgeliefert, so dass es sich auch durchaus noch als Geschenk anbietet - Bestellung direkt: http://www.edition-assemblage.de/karriere-eines-konstruierten-gegensatzes/ . In einigen Buchläden (wie Eisenherz Berlin und Schwarze Risse Berlin) liegt das Buch auch schon aus.
Ich finde das Buch extrem wichtig, gerade in den aktuellen Debatten - unbedingt lesen!

aus der Ankündigung: "Wie in einem Brennglas erscheinen seit den Anschlägen vom 11. September 2001 die seit dem Kolonialismus etablierten westlichen Imaginationen über „den Islam“ – Geschlecht und Sexualität waren und sind in diesen zentral. Und es blieb nicht bei Vorstellungen, sondern es wurden in westlichen Staaten demokratische Grundrechte abgebaut und Kriege begonnen – in weiten Teilen begründet mit Argumentationen über Geschlecht und Sexualität.

Der von Koray Yılmaz-Günay herausgegebene Sammelband mit Beiträgen in- und ausländischer Wissenschaftler_innen, Publizist_innen und Aktivist_innen blickt zurück auf die letzte Dekade und schaut auf die Überlappungen von feministischen und lesbisch-schwulen Debatten mit den Entwicklungen in der Mehrheitsgesellschaft. Er geht der Frage nach, ob/wie die relativen Erfolge der Frauen- und Homosexuellen-Emanzipation unter anderem durch rassistische Rückschritte erkauft wurden."
Koray Yılmaz-Günay (Hg.)
Karriere eines konstruierten Gegensatzes: Zehn Jahre „Muslime versus Schwule”
Sexualpolitiken seit dem 11. September 2001
Neuausgabe, 2014, edition assemblage
216 Seiten, 18.00 Euro
ISBN 978-3-942885-53-9
Infos und Bestellung: http://www.edition-assemblage.de/karriere-eines-konstruierten-gegensatzes/

Anfragen für Rezensionsexemplare: info@edition-assemblage.de

Bisher erschienene Rezensionen u.a.:
- http://www.kritisch-lesen.de/rezension/vom-gay-pride-zum-white-pride
- http://salihalexanderwolter.de/koray-yilmaz-gunay-karriere-eines-konstruierten-gegensatzes-zehn-jahre-muslime-versus-schwule-sexualpolitiken-seit-dem-11-september-2001/

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**!! Achtung - Reisewarnung !!*

*Vom 13.-26.10. findet in der gesamten EU eine Polizeioperation unter dem Namen /"mos maiorum"/ statt. In diesen zwei Wochen werden etwa 18.000 Polizisten in enger Zusammenarbeit mit FRONTEX auf Jagd nach Menschen
ohne Aufenthaltsstatus gehen. Sie wollen unsere Migrationswege herausfinden und möglichst viele von uns festnehmen.

Warnt bitte alle Menschen ohne Papiere! Vor allem in Zügen, auf Bahnhöfen, an Flughäfen, auf Autobahnen und an innereuropäischen Grenzen sind vermehrt Kontrollen zu erwarten.*

*Gegen die Festung Europa!*
*Kein Mensch ist illegal!*
*

*

!! travel warning !! *

An EU-wide police operation with the name ?mos maiorum? is taking place from 13th to 26th of October. During two weeks 18.000 police forces will chase people without papers. They want to find out about our migration routes and arrest as many of us as possible.

Please warn all people without papers! Encreased controls are expected in trains, train stations, on airports, on highways and on inner-european borders.

*Against fortress Europe! **
**No one is illegal!*

!! Avertissement !!
Sous le nom de “mos maiorum”, une opération policière aura lieu du 13. au 26.10. dans l’UE entière. En coopération avec FRONTEX, 18.000 policiers vont chasser les sans-papiers pendant ces deux semaines. Ils veulent détecter nos voies de migration et aussi capturer le nombre le plus haut possible de nous. S’il vous plaît, prévenez tous les gens sans papiers!
Il faut s’attendre à plus de contrôles surtout dans les trains, les gares, les aéroports, sur les autoroutes et aux frontières européennes internes.
Non à l’Europe Forteresse !
Personne n’est illégal !

**¡¡ Atención: Advertencia de viajar!!*

*Desde el 13. hasta el 26 de Octubre va a tener lugar en todo el territorio de la Union Europea una acción policial bajo el nombre /"nos maiorum"/.
En esas dos semanas aproximadamente 18.000 policías colaborando con FRONTEXobjetivo van a cazar personas sin permiso de residencia. Su objetivo es identificar vías de migración y detener el mayor número posible.

¡Por favor avisad personas sin papeles! Habra controles sobre todo en trenes, estaciones, aeropuertos, autovías y en las fronteras intraeuropeas.

*¡En contra de la fortaleza Europa!
*¡Ninguna persona es ilegal!

Erneut hat der DFB tief in sein Selbstverständnis blicken lassen. Beim Versuch "das Stadion einheitlich" aussehen zu lassen, wurde auch ein seit Jahren fest integriertes Banner "96-Fans gegen Rassismus" überhängt. (link). Passiert ist dies während des Finals der U19 Fußball-Männer im hannoverschen Niedersachsenstadion - einem Spiel unter Aufsicht des DFB. Ok, mal wieder ein Versehen - könnte mensch meinen, schliesslich habe der Verein aus dem Desaster beim Abhängen eines Transparentes ("Kein Fußball mit Nazis") am Millerntor gelernt. Und tatsächlich - es wurde das Gespräch mit der passenden Faninitiative gesucht und gefunden. Warum aber auch hier ein öffentliches Entschuldigen ausblieb - verbunden mit klaren Ansagen so etwas in Zukunft nie wieder vorkommen zu lassen (und dafür dann auch Sorge zu tragen), bleibt die offene Frage. Offensichtlich wird auch hier der Fehler nicht beim (versehentlichen) Verhängen gesehen, sondern im Bemerken desselben. Der DFB muss sich grundsätzlich Gedanken über Rassismus machen. Insbesondere im Verband.

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Knorkator - eine im eher linken Milieu zu verortende Band hat ein neues Album herausgebracht. Soweit so gut. Das Cover des Albums ist jedoch an rassistischer Konnotaion - nicht nur auf der Metaebene - nicht zu überbieten.

Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland hat dies auseinandergenommen. Jetzt hat der Musikchef vom rbb eine entsprechende Kritik verharmlosend negiert. Atif Hussein hat ihm bei Mädchenmannschaft geantwortet. Sehr lesenswerter Beitrag über den alltäglichen Rassismus, wie ihn schon Noah Sow in ihrem Buch "Deutschland Schwarz Weiß" hervorragend beschrieben hat.

update: Hier gibt es einen knorke Leitfaden für empörte Betroffenheit. Mal zum Nachdenken

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voss_wolter_queer_anti_kapitalismusKapitalismuskritik Queer-feministische Ökonomiekritik ist in der Diskussion. Das Buch "Queer und (Anti-)Kapitalismus" befeuert sie.

Seit längerer Zeit besteht gegenüber 'Queer' der Vorwurf, dass es sich im deutschsprachigen Raum um eine Theorie ohne Bodenhaftung handele. Statt konkrete gesellschaftliche Ungleichheiten klar zu benennen, vernebele 'Queer Theorie' die Sicht: Rassismus, Klassenverhältnisse, Geschlechterverhältnisse gerieten aus dem Blick.

Wird aber aus etwas anderer Richtung geschaut, wird anderes deutlich: Wegweisende gesellschaftskritische queere Ansätze wurden und werden auch im deutschsprachigen Raum entwickelt, insbesondere von People of Color. Auch im globalen Kontext waren (und sind) queere Theorie und politische Kämpfe immer im Kontext der Kämpfe gegen Rassismus und Klassenunterdrückung zu sehen.

Einen Ein- und Überblick geben nun Heinz-Jürgen Voß und Salih Alexander Wolter in dem Band "Queer und (Anti-)Kapitalismus". Sie bieten einen gründlichen Blick auf Geschichte - und zukünftige Perspektive. Und sie sind immer nah an der Praxis. Der Klappentext skizziert den Inhalt passgenau:

Die 'Erfolgsgeschichte' der bürgerlichen Homo-Emanzipation in den westlichen Industriestaaten während der letzten Jahrzehnte fällt mit der neoliberalen Transformation der Weltwirtschaft zusammen. Während vor allem weiße schwule Männer Freiheitsgewinne verbuchen, kommt es zu einem entsolidarisierenden Umbau der Gesellschaft, verbunden mit zunehmend rassistischen Politiken im Innern; zugleich dient der 'Einsatz für Frauen- und Homorechte' als Begründung für militärische Interventionen im globalen Süden. Dabei waren es schon 1969 in der New Yorker Christopher Street "[S]chwarze und Drag Queens/Transgender of colour aus der Arbeiterklasse", die den Widerstand gegen heteronormative Ausgrenzung und Gewalt trugen und «sich in Abgrenzung zu weißen Mittelklasse-Schwulen und [-]Lesben 'queer' nannten, lange bevor deren akademische Nachfahren sich diese Identität aneigneten" (Jin Haritaworn). Doch auch hierzulande sind es die queer People of Color, die aktivistisch wie theoretisch gesamtgesellschaftliche Perspektiven jenseits des gängigen Homonationalismus entwickeln.
Im Band betrachten wir die aktuell viel diskutierten Ansätze einer 'queer-feministischen Ökonomiekritik' vor dem Hintergrund queerer Bewegungsgeschichte. Wir zeigen mögliche Verbindungen zum 'westlichen Marxismus' Antonio Gramscis, zum postkolonialen Feminismus Gayatri Chakravorty Spivaks, zu den 'Eine-Welt'-Konzepten von Immanuel Wallerstein und Samir Amin auf. Wegweisend ist für uns ein intersektionales Verständnis, wie es Schwarze Frauen und queere Migrant_innen in der Bundesrepublik bereits seit den 1980er Jahren erarbeitet haben. Uns interessiert in diesem Band, wie Geschlecht und Sexualität – stets verwoben mit Rassismus – im Kapitalismus bedeutsam sind, sogar dort erst aufkommen oder funktional werden. Theoretisch, historisch und immer mit Blick auf Praxis untersuchen wir die Veränderungen der Geschlechter- und sexuellen Verhältnisse der Menschen unter zeitlich konkreten kapitalistischen Bedingungen. Wem nützen die geschlechtlichen und sexuellen Zurichtungen der Menschen im Kapitalismus, und was lässt sich aus den historischen und aktuellen Kämpfen für queere Kapitalismuskritik lernen?

Danach gilt es selbst weiterzudenken - und einige der im Literaturverzeichnis empfohlenen Arbeiten zu lesen. Auf jeden Fall ergibt sich eine Perspektive für queeres Streiten, das unterschiedliche Unterdrückungsverhältnisse im Blick hat.

Buchdaten:
Voß, Heinz-Jürgen / Wolter, Salih Alexander:
Queer und (Anti-)Kapitalismus
Schmetterling-Verlag (Informationen zum Buch)
1. Auflage 2013 / 160 Seiten / 12,80 EUR
ISBN 3-89657-061-7

Wie queer.de berichtet, mein der ehemalige DFB-Chef Theo Zwanziger, das ein Coming out eine Fußballprofis, welches offensichtlich von DFB geradezu herbeigesehnt wird, von den Fans gefeiert würde. Allerdings so relativiert er - und jetzt wirds xenophob - , könne es Probleme mit Mannschaftskameraden aus "anderen Kulturkreisen" geben, was wiederum dazu führen würde, das ein Trainer lieber auf einen schwulen Mitspieler verzichten würde, um das Mannschaftsklima nicht zu gefährden. Wir haben hier als den guten weißen Deutschen Fan auf der einen Seite, der nie durch rassistische oder homophobe Pöbeleien auffallen würde und auf der anderen Seite den hochbezahlten Profi, welcher dem offenen toleranten Deutschland entgegensteht. Dazwischen noch der Trainer, der solchen Konflikten ausgeliefert sei und den einfchsten Weg wählen würde. Welche Bretter muss Mensch vor dem kopf haben um eine solche Aussage zu tätigen? Solange solche offen rassistisch Agierenden ohne Widerworte die Rechte für Lesben und Schwule gegen die Anderer auspielen können ist es noch weit, bis zu einer wirklichen Gleichberechtigung. Zwanziger projiziert hier seine eigenen Vorurteile. Mehr nicht.

Das Landgericht Köln hat entschieden, das die Beschneidung muslimischer Kinder gegen geltendes Recht verstößt. Was auf den ersten Blick, wie ein Fortschritt im Ringen um das Selbstbestimmungsrecht aussieht, bekommt auf den zweiten Blick einen mehr als nur schalen Beigeschmack. Denn eine Beschneidung ist weder mit Geniitialverstümmelung von Frauen oder mit den gewaltsamen Operationen an Intersexuellen zu vergleichen, wie dasendedessex schön deutlich macht. Vielmehr ist es ein schwerwiegender Eingriff in die Religionsfreiheit, eine Frage, über die keine Abwägung stattgefunden hat. Vielmehr wird hier das vermeintlich "Andere" gegen das "christliche" Selbstverständnis entgegengehalten. Dieses Geselllschaftsbild, welches so Religionen und Wertverständnisse verschieden wichtet macht nachdenklich. Im Kontext der gesellschaftlichen Stigmatisierung muslimischen Glaubens offenbart sich ein Konsens, der Angst machen kann.

Judith Butler bringt es auf den Punkt und kritisiert Ausschlüsse und Rassismus:
Warum wird nur noch gefeiert, dass etwas mehr Rechte für die Homo-Ehe herausspringen, dass sich nun auch langsam die konservativsten Lesben und Schwulen outen und dass Homosexualität zur Begründnung von Kriegen herangezogen werden darf?

Der eigentliche, der transgeniale CSD kritisiert all dieses noch, fordert andere Politik, ökonomische Umverteilungen, ein Ende von Rassismus und Sexismus, und von Kriegen. Vielfältige Lebensweisen sollen möglich sein, statt Ehe zu fordern. Sexistische, rassistische, homophobe Diskriminierungen sollen ein Ende haben.

Die konservative Abspaltung des Berliner CSD, die am Samstag stattfand, erlebte einen Eklat, als Judith Butler an diese Forderungen erinnerte. Sie lehnte den Zivilcourage-Preis ab, weil sich rassistisch arbeitende Gruppen am konservativen Berliner CSD beteiligen - und rief zum transgenialen CSD auf, der am 26.6. in Berlin stattfindet.

Mehr Infos + VIDEO von Judith Butlers Auftritt! --> Hier!

Berichte in den Medien: Spiegel, Frankfurter Rundschau, taz, Queer.de.

geschrieben von heinzi, 6.5.06

Die konservative Regierung der Bundesrepublik Deutschland beginnt von Schweden zu lernen. So weit, so gut erst einmal. Eltern sollen zwölf Monate lang ein Elterngeld erhalten, dass 67 % des letzten Netto-Einkommens entspricht. Wenn beide Elternteile die Kinderbetreuung übernehmen, kommen weitere zwei Monate Elterngeld hinzu. Damit haben CDU/CSU und SPD die Tür zu einer stärkeren Verantwortung beider Elternteile für die Babybetreuung einen Spalt weit aufgestoßen. Bei der z.T. sehr konservativen Klientel, die auch im 21. Jh. noch das Prinzip ‚der Mann geht arbeiten, die Ehefrau ist seine unentgeltliche Haushälterin’ vertritt (analog gilt das natürlich auch für zahlreiche Lesben und Schwule), ist das durchaus eine bemerkenswerte Leistung. Elterngeld sollen nach dem vorgestellten Kompromis auch ALG II EmpfängerInnen in einer Höhe von 300 Euro erhalten, die nicht auf das Arbeitslosengeld II angerechnet werden sollen. Noch eine Kröte für die erzkonservative Klientel: auch Alleinzerziehende sollen das Elterngeld über einen Zeitraum von vierzehn Monaten erhalten.* ->weiterlesen “Liebe Eltern, Ihr Kind ist nicht ?weiß? genug.” »

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