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Der Presserat hat meine Beschwerde wegen Verstoßes gegen die publizistischen Grundsätze bei der Mitteldeutschen Zeitung (MZ) zurückgewiesen. Hintergrund meiner Beschwerde war eine Sonderveröffentlichung der MZ, die für einen "Blaulichttag" warb. Auf mehreren Seiten wurde für eine Veranstaltung von MZ und Bundeswehr auf dem Verlagsgelände in Halle geworben. Zudem beschäftigten sich eine ganze Reihe von Artikeln mit Technik und Karrieremöglichkeiten beim Militär, allerdings ausschließlich in einer werbenden Form und nicht einer journalistisch kritischen Auseinandersetzung. Die Begründung des Presserates der Beschwerdezurückweisung indes ist interessant. Zum einen beziehen sie sich darauf, dass auf Seite 1 rechts oben im Kleingedruckten der (im normalen MZ-Layout gehaltenen) Beilage das Wort "Anzeige" im Begriff Anzeigen-Sonderveröffentlichung auftaucht. Dies beziehe sich - so der Presserat auf die gesamte Beilage und nicht nur auf die zahlreich vertretenen Werbeanzeigen. Ok. Mein Hinweis, dass die Beilage nicht eindeutig als Werbung erkennbar sei, da es sich um eine gemeinsame Veranstaltung von Militär und Journalismus handele, wurde mit dem Hinweis abgetan, dass die Zusammenarbeit von Bundeswehr und Verlag nicht zu beanstanden sei, da keinerlei Anzeichen vorlägen, "dass durch diese Zusammenarbeit in irgendeiner Art und Weise die redaktionelle Berichterstattung der Zeitung über die Bundeswehr beeinflusst wurde". Offensichtlich liest der Presserat die Mitteldeutsche Zeitung nicht.

Im Grundsatz stört es den Presserat also nicht, dass ein Verlag als Bestandteil einer Tageszeitung ein Anzeigenblatt für die Bundeswehr schreibt (Verantwortlicher Redakteur Torsten Drabe), auf dem eigenen Gelände das Militär hofiert und dabei jede kritische Distanz missen lässt. Das mag presserechtlich juristisch korrekt sein, journalistisch ist es das aus meiner Sicht nicht.

Nach meinem Beitrag über das  - vorsichtig formuliert - merkwürdige Verhalten der Mitteldeutschen Zeitung habe ich jetzt beim Presserat eine Beschwerde eingereicht, die ich hier dokumentieren möchte. Kurz gesagt ging es darum, das die Mitteldeutsche Zeitung unverholen Werbung für eine Veranstaltung auf dem gelände der MZ als Beilage produziert, ohne diesen als Werbung kenntlich zu machen. Es geht um den sogenannten Blaulichttag. Auf knapp 20 Seiten wird Werbung für Militär und Rekrutierung gemacht, ohne auch nur den Ansatz einer journalistischen beschäftigung erkennen zu lassen. Das ist nicht nur militaristisch, sondern auch hochgradig irreführend. Daher meine Beschwerde.

 

An den deutschen Presserat

Einreichung einer Beschwerde/Mitteldeutsche Zeitung - Sonderbeilage vom 05.09.2015

a) Es ist nicht erkennbar, ob es sich um einen Beitrag / eine Veranstaltung der Mitteldeutschen Zeitung handelt oder um eine Fremdanmietung

b) Verquickung Werbung-Militärisches und Journalismus

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte bei Ihnen eine Beschwerde in Bezug auf die genannte Sonderbeilage einreichen. Zu den Kritikpunkten:

a) Die Veranstaltung findet auf dem Gelände der Mitteldeutschen Zeitung statt, zudem steht als Impressum "Redaktion: Mediengruppe Mitteldeutsche Zeitung GmbH & Co. KG, Delitzscher Straße 65, 06112 Halle", auch wird nicht auf jeder Seite "Anzeige" geschrieben. Damit ist für mich der Veranstalter und Initiator nicht erkennbar - bzw. es scheint die Mitteldeutsche Zeitung zu sein.

In dem Beitrag wird ganz klar für die Bundeswehr geworben. Es findet keine distanzierte journalistische Berichterstattung statt, sondern es steht die Werbung für die Bundeswehr (in erster Linie; in zweiter: für die Veranstaltung) im Vordergrund. Damit werden journalistische Grundsätze verletzt und die Abgrenzung von Werbung und Beitrag nicht eingehalten.

b) Gerade die Berichterstattung über Militärisches ist unter Verruf geraten - Stichwort 'embedded journalism'. Damit ergibt sich für Journalist_innen die besondere Pflicht, sehr sorgsam zu arbeiten und Raum für freie und vom Militär unabhängige Berichterstattung zu erhalten. Das ist nicht gewährleistet, wenn 1. eine solche auf die Präsentation der Bundeswehr (das geht aus der Prominenz ihrer Darstellung hervor) zielende Veranstaltung auf dem Gelände der Zeitung stattfinden darf und 2. die Trennung in Artikel oder Anzeige nicht klar ist. Es entsteht bei dem Leser der Eindruck, dass es eine Verquickung zwischen Mitteldeutscher Zeitung und Bundeswehr gibt - ob die Zeitung journalistisch offen berichtet muss dem Leser fraglich erscheinen.

 

Ich bitte daher darum, die Mitteldeutsche Zeitung hierfür zu rügen und damit Freiraum für journalistische Berichterstattung zu erhalten.

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