Springe zum Inhalt verqueert…

Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte der Verfolgung von Homosexuellen in der Nazi-Zeit ist in den letzten Jahren ein wenig ins Stocken geraten, zugleich hat sie einige neue Impulse und Präzisierungen erfahren[i]. Da ist es interessant, wenn ein neues dickes Buch erscheint, das – als Dissertation – vorhat, sich dem Thema grundsätzlich zu nähern. Autor ist Alexander Zinn. Der Alexander Zinn, der als Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg e.V. (LSVD)  noch Anfang der 2000er Jahre wiederholt mit rassistischen Zuspitzungen und Polemiken aufgefallen war. Na gut, Menschen können sich ändern. Dann sind wir mal neugierig.

Alexander Zinn hat vor einiger Zeit die Biografie des wegen §175 inhaftierten Rudolf Brazda veröffentlicht. Im Rahmen seiner Recherchen entdeckte Zinn zahlreiche Unterlagen im regionalen Raum Altenburger Land. Auf Basis dieser Daten entstand das Buch „Aus dem Volkskörper entfernt“? – Homosexuelle Männer im Nationalsozialismus, das hier zu besprechen ist:

->weiterlesen “Rezension zum Buch von Alexander Zinn, „Aus dem Volkskörper entfernt“? – Homosexuelle Männer im Nationalsozialismus” »

ein Gastbeitrag vom Melissa Schultz

Jason Somervilles Karriere geht derzeit steil bergauf. Der Poker-Profi hat die Gaming-Community im Sturm erobert und hat schon mehr als 3.500.000 $ bei Live-Turnieren gewonnen. Fünf Millionen Zuschauer folgen ihm auf seinem Twitch-Kanal und seine Twitter-Fanbase wächst von Tag zu Tag. Derzeit ist der einzige männliche Profi-Pokerspieler der offen mit seiner Homosexualität umgeht. Er veröffentlichte in einem aufwendigen und innigen Blog-Eintrag sein lang gehütetes Geheimnis, wie auch seine emotionale Belastung.somerville

Die Entscheidung sich zu outen, nahm der Pokerspieler nicht so einfach auf die leichte Schulter. Eigentlich war der Gedanke, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, gar nicht geplant. Das änderte sich allerdings spätestens zu dem Zeitpunkt als sein Freund ihn zu einem Turnier in die Karibik begleiten wollte. Somerville wollte ihn nicht einfach als guten Freund abtun „Ich wollte der Beziehung nicht Respektlosigkeit entgegenbringen“ erklärt er ein einem Interview.

„Nach dem letzten ‚World Series of Poker‘ ging ich nach Hause und sagte mir: Du wirst dich nicht darauf konzentrieren Geld zu verdienen, du wirst darauf konzentrieren glücklich zu werden. Ich war allein und verärgert. Ich nahm einfach die Tatsache hin, dass ich unglücklich war ... Ich sagte mir, jetzt ist es genug.“somerville2

 

Für viele war das Coming-Out von Somerville eine schöne und herzerwärmende Sache. Bei einem Pokerspiel gibt es keine physischen Anforderungen, es besteht aus strategischer Analyse und psychologischer Einsicht – das bringt einen an die Spitze. Man könnte meinen, dass die Poker-Community offenherzig und einladend ist. Doch leider besteht immer noch die alte Vorstellung vom männlichen Ideal in den Köpfen vieler. Dieses alte Denken lässt sich auch aufgrund der Pokergeschichte nicht einfach mal über Bord werfen.

Es ist leider eine Tatsache, dass Bekannte Profi-Pokerspieler nicht gerade offen mit dem Thema um gehen, denn offensichtliche nicht-hetero Männer scheinen im Poker nicht besonders beliebt zu sein. Dies ist ein Überbleibsel einer alten Mentalität, denn die weltliche Standardansicht besagt „nichts fragen und nichts sagen.“ Somerville sieht offenbar zu dieser altmodischen Ansicht einen Nachholbedarf bei der Aufklärung zu dem Thema, denn trotz hunderter männlicher Profi-Spieler, hat sich nur einer öffentlich als schwul geoutet. Das „Poker Face“ impliziert einen emotionslosen Spieler und hat einen klaren Vorteil gegenüber jenen Spielern, die nicht in der Lage sind, ihre Gefühle zu verbergen und die in der weiteren Folge, Hinweise zu ihrem Blatt zugeben. Wer Emotion auf dem Kartentisch zeigt, zeigt zugleich Schwäche.vanessa-selbst

Beleidigungen wie „Homosexueller“ und „Schwuchtel“ werden so schnell wie Poker Chips über den Kartentisch geworfen – und das ständig, ohne das viel darüber nachgedacht wird, welchen Effekt diese Worte haben könnten. Typisch in einer hyper-maskulinen Kultur, in der es viele Alpha-Männchen gibt. In der Welt des Pokers bedeutet dies große Einsätze und die Macht Menschen einschüchtern zu können.

Auch die Casinos und die heteronormative Sexualisierung von Frauen sind damit verbunden. Neben jedem Casino in Las Vegas findet man einen Strip-Club, Millionen-Dollar-Jackpot-Gewinne werden mit einem Bild eines Starlets abgelichtet um sie zu promoten. Alles in allem ist die Umgebung für jene Pokerspieler, die nicht gerade dem „männlichen ideal“ entsprechen, nicht sehr entgegenkommend. Es ist interessant zu hören welche Meinung Vanessa Selbst zu dem Thema Diskriminierung Homosexueller in der professionellen Pokerwelt vertritt. Die offensichtliche homosexuelle Pokerlegende bewegt sich selbst in dieser heterozentrierten Umgebung und ist berühmt für ihre Intelligenz und ihr androgynes Aussehen. Sie behauptet, ihre sexuelle Orientierung sei nie ein Problem in ihrer Karriere gewesen. Eher noch, als ihre sexuelle Orientierung, war aber sehr wohl die Tatsache eine Frau in diesem männerdominanten Sport zu sein, ein Thema. „Ich habe nie Vorurteile gegenüber meiner Homosexualität erfahren, aber sehr wohl dafür eine Frau zu sein“, sagt Vanessa Selbst. Vielleicht gerade weil sie als Poker-Profi ein sehr jungenhaftes Aussehen mitbringt, fühlt sie sich in den Kreisen wohl, in denen sie spielt, aber das macht sie trotzdem nicht immun gegen Sexismus.

„... Manchmal werde ich nicht zu den Spielen eingeladen, weil die Männer nur unter sich sein wollen und das wird mir auch explizit so vermittelt.“NAPT Mohegan Sun 2011_5K Main Event_Day 1

Nach altem Klischeedenken ist Poker ein Spiel in der Herren-Zigarren-Lounge, wo keine Frauen erlaubt sind. Gespielt wird Poker, in anderen Worten, ein traditionelles Männer Spiel, mit allem, was dies mit sich bringt: Whiskey trinken, über Frauen reden und gelegentliches Geplänkel. Im Falle der Spieler Dan Bilzerian und Jeff Gross, die das „kleine Geplänkel“ einmal mehr wegen einer extremen Wette für zu voll genommen haben. Die Proposition Bets der Las-Vegas-Pros werden immer absurder, wobei Bilzerian Gross für ein LGBT Regenbogen-Tattoo auf dem Rücken $ 550.000 bezahlt haben soll. In anderen Worten, hält Bilzerian eine Tätowierung in Form eines Regenbogens für so erniedrigend und empfindet dies sogar als „Strafe“, dass er sogar $ 550.000 für eine Wette hingeblättert hat.

Was zweifelsohne als harmloser Spaß gedacht war, kam dann doch wohl anders rüber. Bilzerian und Gross könnten sich nicht weniger um die Rechte homosexueller Menschen scheren. Die LGBT-Bewegung ist nichts anderes als ein Gegenstand des Spottes für sie. Wegen Spielern wie Bilzerian und Gross werden homosexuelle Spieler sich zweimal überlegen, ob sie ihre sexuelle Orientierung enthüllen oder es doch lieber sein lassen.

Wie auch immer – Someville bereut sein öffentliches Coming-Out nicht, im Gegenteil. Dieser spricht von einer neugewonnen Freiheit und verrät, dass er überwiegend positives Feedback aus der Pokerwelt und der gesamten homosexuellen Gemeinde erfahren hat. Die Reaktionen der Menschen waren freundlich und hilfsbereit und er geht sogar so weit zu sagen, dass es der beste Tag seines Lebens gewesen sei. „Ich habe die Entscheidung getroffen, weil ich dachte, es wäre das Beste was ich für mich tun konnte, vielleicht kann mein Coming-Out-Prozess auch anderen helfen. Ich würde mich geehrt fühlen.“ sagt Somerville. Er ist zu einem Sprecher für homosexuellen Profi-Spieler avanciert und erntet dafür überwiegend positive Resonanz. Dieses vielversprechende Zeichen lenkt die Poker-Community in die richtige Richtung.

Können homosexuelle und transgender Spieler in Zukunft ihr Glück beim Online-Poker versuchen ohne dabei auf Vorurteile und Diskriminierungen auf dem Kartentisch zu stoßen? Dieser Gedanke bezieht sich natürlich auch auf die Diskriminierungen während den Live-Turnieren. „Poker sollte ein Spiel für jedermann sein, egal ob weiß, schwarz, christlich, jüdisch, weiblich, körperlich behindert, ein Ausländer oder sonst etwas“ so Somerville. Es wird Zeit, dass sich Poker ins 21. Jahrhundert bewegt.

Ich möchte auf eine spannende Neuerscheinung hinweisen:

„Schwule Sichtbarkeit – schwule Identität: Kritische Perspektiven“ von Zülfukar Çetin und Heinz Jürgen Voß.

Zentral wird im Band die Rolle von Identäten, dem Konzept „Homosexualität“ bei der Abgrenzung zu "Anderen" beleuchtet und gehen die Autor_innen historisch, aber auch aktuell den Auswirkungen des Konzeptes schwuler Identität nach. Für eine weitergehende Debatte über Selbstbestimmung und ein kritisches Hinterfragen normativer Strukturen ist das Werk enorm hilfreich. Unbedingt Lesen!

Zülfukar Çetin, Heinz-Jürgen Voß:
Schwule Sichtbarkeit – schwule Identität: Kritische Perspektiven

# Oktober 2016; 146 Seiten; 19,90 Euro
# ISSN: 2367-2420
# Psychosozial-Verlag, https://www.psychosozial-verlag.de
# Informationen zum Buch beim Verlag

# Klappentext:
Vorangetrieben von »Schwulen« selbst wurde seit dem 19. Jahrhundert das Konzept schwuler Identität durchgesetzt. Noch heute gelten »Sichtbarkeit« und »Identität« weithin als Schlüsselbegriffe politischer Kämpfe Homosexueller um Anerkennung und Respekt. Jedoch wird aktuell immer deutlicher, dass auf diese Weise ein Ordnungsregime entsteht, das auf Geschlechternorm, Weißsein, Bürgerlichkeit und Paarbeziehung basiert. So werden beispielsweise Queers of Color und Queers mit abweichenden Lebensentwürfen marginalisiert.

Die Autoren des vorliegenden Bandes hinterfragen die Gewissheit, dass eine einheitliche schwule Identität existiert, aus unterschiedlichen Perspektiven: bewegungsgeschichtlich, wissenschaftstheoretisch und mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Auseinandersetzungen um Homonationalismus und rassistische Gentrifizierung.

Am 23.4.2016 (ab 15.00) Uhr wird im Erika-Fisch Stadion gegen Homophobie und für Akzeptanz und Respekt geworben. zum wiederholten Male lädt die Stadt Hannover ein, wenn ein bunt zusammengewürfeltes Team aus Lesben (bzw. in einem zweiten Spiel) aus Schwulen gegen diverse Sportler_innen und Politiker_innen antritt um gegen den Ball zu treten.
Plakat Respekt Spiel
Solche Aktionen gibt es bundesweit in mehreren Städten. Auch wenn der Termin wohl kaum schlechter gelegen sein könnte (TTIP-Demo, Obama-Besuch) und damit ein Minimum an Aufmerksamkeit erreichen dürfte, lohnt es sich vielleicht trotzdem mal vorbeizuschauen.

PS: ich werde auch da sein. Auf dem Rasen.

Ergänzend zum eben geposteten Beitrag "Zeit das sich was ändert", möchte ich gerne auf zweit weitere Beiträge hinweisen, die sich aus einer eigenen Perspektive mit dem rechtskonservativen Rollback-versuchen beschäftigen:

Salih Alexander Wolter beschreibt, wie sich in Frankreich schwule Aktivisten an die Brust der französischen Faschisten der Front National werfen und antwortet mit einem lesenswertem Beitrag von Guy Hocquenghem.

http://salihalexanderwolter.de/frankreich-der-homofaschistische-albtraum-wird-wahr/

 

Aus Sicht der Sexualädagogik widmet sich Heinz-Jürgen Voß der zunehmenden "Skandalisierung" sexualpädagogischer Ansätze durch rechtspopulistische Kreise. Insbesondere warnt er davor, die Begrifflichkeiten der Rechtspopulisten wie "Frühsexualisierung" einfach zu übernehmen und setzt diesen Versuchen eigene Ansätze entgegen.

http://dasendedessex.de/wenn-rechtpopulistische-kreise-gewinnen-zu-den-debatten-um-sexualpaedagogik-und-antidiskriminierung/

erschienen in Rosige zeiten Dezember 2014

Am 22.November demonstrierte in Hannover eine krude Schar verschiedener Gruppen gegen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt und moderne Familien- und Gesellschaftsbilder.

Diese Demonstration reiht sich in eine Serie von Demonstrationen ein, mit der vornehmlich rechtspopulistische Kreise sich gegen pluralisierende Entwicklungen in der Gesellschaft wenden. Solche Versammlungen fanden u.a. in Stuttgart und Köln statt, zuletzt in Dresden und Hannover. Während in Dresden Linke und Bürgerlich-liberale Zivilgesellschaft mit einer Gegendemonstration erfolgreich die Demonstration verhindern konnten, wurde dieses Ziel in Hannover nicht erreicht.

Diese Demonstrationen – euphemistisch als „Demo(s) für alle“ tituliert – sind aber nur die Spitze des Eisberges. An verschiedenen Stellen melden sich so genannte „Männerrechtler“ und andere rechtspopulistisch Agierende zu Wort, um unter dem Deckmantel von Forderungen nach „Familienförderung und Kindererziehung“ sich gegen nicht der heterosexuellen Norm entsprechende Lebensweisen auszusprechen. Es ist Zeit, dass dem nicht mehr tatenlos zugesehen wird ->weiterlesen “Zeit, dass sich etwas ändert! Für geschlechtliche und kulturelle Vielfalt streiten.” »

In den letzten Monaten und Jahren ist eine zunehmende Aggressivität von Seiten rechter Männerrechtler und klerikalkonservativer Seite gegen sexuelle Vielfalt, gegen Geschlechterforschung und Sexualpolitik zu beobachten. Da wird gegen die gleichberechtigte Wahrnehmung lesbischen oder schwulen Lebens demonstriert, da werden Forscher_innen mit verbalen Shitstorms und Morddrohungen angegriffen.

Das Blog DasEndedesSex hat eine sehr gute Übersicht  zu den Angriffen auf Geschlechterforschung und Sexualpädagogik zusammengestellt. Darin enthalten sind einige Überblicksartikel sowie Hinweise auf die Akteure der Angriffe. Ebenfalls verlinkt Positionierungen der Fachgesellschaften:

*Überblick: Angriffe gegen Geschlechterforscher_innen und Sexualpädagog_innen und die Positionierungen von Fachgesellschaften*
http://dasendedessex.de/ueberblick-angriffe-gegen-geschlechterforscher_innen-und-sexualpaedagog_innen-und-die-positionierungen-von-fachgesellschaften/

 

Am 22.11.14 organisiert die AfD-nahe ‘Initiative Familien-Schutz’ eine Demonstration gegen die Pläne der niedersächsischen Landesregierung, die Vielfalt von sexueller Orientierung und Geschlecht, Familien- und Rollenbildern als Querschnittsthema in Bildungseinrichtungen zu verankern.

Die Gegendemo hat jetzt auch einen Platz gefunden. Treffpunkt ist 12:30 an der Goseriede.

Erfreulicherweise hat die Stadt auch ein Zeichen gesetzt. Das Steintor - der Ort der Homophobiedemo ist mit wunderschönen Regenbogenfahnen geflaggt. Sehr schön.

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Am 22.11.14 organisiert die AfD-nahe 'Initiative Familien-Schutz' eine Demonstration gegen die Pläne der niedersächsischen Landesregierung, die Vielfalt von sexueller Orientierung und Geschlecht, Familien- und Rollenbildern als Querschnittsthema in Bildungseinrichtungen zu verankern.

Unter dem Titel ' Demo für Alle' wurden vergleichbare Demonstrationen schon mehrfach in Baden-Württemberg veranstaltet - jetzt soll die Demo der selbsternannten ‚Besorgten Eltern’ auch in den Norden exportiert werden.
Unter dem Deckmantel des Kinderschutzes wird sinnvolle Bildungs- und Antidiskriminierungsarbeit als „Sexualisierung von Kindern in Kita und Grundschule“ diffamiert. Statt wie propagiert ‚für Alle’ zu demonstrieren, betreiben die Veranstaltenden gezielt Ausgrenzung und bieten homophoben, rechtspopulistischen und verschwörungstheoretischen Parolen eine Plattform.
Anstatt für ein mobbingfreies und wertschätzendes Klima an Schulen einzutreten, sorgen sich diese Menschen nur um eins: Ihre eigenen Kinder könnten nicht heterosexuell werden, wenn diese von der Existenz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*menschen oder Intersexuellen erfahren.
->weiterlesen “Vielfalt statt Einfalt – Demo gegen “besorgniserregende Eltern” am 22.11. in Hannover” »

von Heinz-Jürgen Voß, zuerst veröffentlicht in Rosige Zeiten (Heft 150, S.28/29) und hier

Schon vor den Weltkriegen wurde in deutschen Medien ein Bild Russlands als ‚aggressiv‘, ‚barbarisch‘, ‚unzivilisiert‘ und ‚unerschlossen‘ gezeichnet. In entsprechende Beschreibungen und Karikaturen waren ebenso antisemitische Stereotype und seit der Oktoberrevolution auch ‚Warnungen vor den Bolschewisten‘ eingeflochten. Das nationalistische und völkische Deutschland wollte seine Vormachtstellung in Europa und in der Welt behaupten. Vor diesem Hintergrund, der mit den Weltkriegen folgenden Geschichte, dem Rassenwahn, der Ermordung von Millionen von Menschen durch die Deutschen, erstaunt es schon sehr, wenn man heute in Texten und Abbildungen wieder auf das Bild Russlands als eines zu zivilisierenden Nachbarn stößt.

Damals wie heute beteiligen sich an diesen Zuschreibungen auch Männer, die auf Männer stehen. In den 1920er Jahren etwa bediente Adolf Brand in der schwulen Zeitschrift Der Eigene unverhohlen nationalistische Klischees und wandte sich gegen die ‚Weimarer Toleranz‘. Lieber als das von Magnus Hirschfeld gezeichnete Bild geschlechtlicher Zwischenstufen war ihm der ‚kernige‘, ‚arische‘ Mann. Heute sind es ebenso vielfach deutsche Schwule, die die plumpesten und dümmsten Vorurteile über Russland schüren – und dabei ebenso insbesondere deutsche Interessen verfolgen.

Denn würde es in den aktuellen Auseinandersetzungen um die Interessen russischer Schwuler und Lesben gehen, dann müssten einige Grundfesten gesetzt sein: Es wäre dann klar, dass sie den Ton und die Richtung des Streitens angeben müssten. Gesetze in Russland gegen Lesben und Schwule und dortige rechtsradikale Übergriffe treffen schließlich sie. Sie sind in Gefahr, während Vertreter des deutschen schwulen Establishments, die am Berliner Potsdamer Platz medienwirksam Fackeln anzünden, keinerlei Gefahr ausgesetzt sind, sondern nach der Aktion sich zu Hause auf ihr Sofa setzen. Letztere beteiligen sich mit solch plakativen Aktionen nur an der deutschen Großerzählung, dass Deutschland emanzipatorisch geworden sei und lenken ab von den rechtsradikalen Übergriffen in Deutschland und auch von den rassistischen und transphoben Übergriffen in der schwulen Szene selbst. Bei der „No Compact!“-Konferenz in Leipzig drückte es ein Vertreter russischer lesbisch-schwuler Selbstorganisationen deutlich aus: „Das Beste was ihr tun könnt, macht eure eigenen Hausaufgaben.“

Also: Russische Lesben und Schwule müssen die Richtung des Streitens angeben. Eine Unterstützung aus Deutschland muss sich davor hüten, dominant zu werden. Gleichzeitig gilt es, die postkolonialen Kritiken unter anderem von Gayatri Chakravorty Spivak zu verstehen: Sie macht an verschiedenen Beispielen deutlich, wie durch westliches Einmischen und westliche Zuschreibungen die Menschen, die eigentlich von bestimmten Restriktionen und Gewalt betroffen sind, zum Schweigen gebracht werden. Gerade durch das westliche Selbstverständnis eigener ‚Zivilisiertheit‘ und die entsprechenden Interventionen mit erhobenem Zeigefinger (wenn nicht gleich mit Panzern), und auch vor dem Hintergrund von Kolonialismus und Kriegen, bestärken diese Interventionen konservative Sichtweisen. In Russland wird die Berechtigung von Spivaks kritischer Sicht deutlich: Präsident Wladimir Putin setzte das Gesetz gegen die öffentliche Werbung für Homosexualität insbesondere mit solcher Argumentation durch, dass man sich vom Westen nichts vorschreiben lassen wolle und es gar nicht um die Interessen von Russ_innen gehe, sondern um solche – wie er sich ausdrückte – ‚westlicher Agenten‘. Hier sucht und findet er den Schulterschluss mit konservativen und nationalistischen Kräften in Russland.

In diesem Sinne trägt die Thematisierung und Instrumentalisierung von Homosexualität in Russland aber einen ähnlichen Charakter, wie man es auch andernorts feststellen kann. Es wird von inneren ökonomischen Schwierigkeiten (viele Menschen sind arm) abgelenkt und eine nationale Idee propagiert. Es ist interessant, wie die Thematisierung von Homosexualität auffällig oft parallel zu weitreichenden politischen Entscheidungen in Ländern geschieht. So wurde in Frankreich im vergangenen Jahr der Kriegseinsatz in Mali durchgesetzt, was aber in der öffentlichen Wahrnehmung unterging, weil alle sich über die Öffnung der Ehe und das Adoptionsrecht für Homosexuelle stritten. In Deutschland war es Ende der 1990er / Anfang der 2000er Jahre ebenso: Während intensiv über das neue Sondergesetz für Lesben und Schwule, die ‚Homo-Ehe‘, diskutiert wurde, konnte die Neubestimmung Deutschlands als militärische Weltmacht – unter anderem mit dem Krieg gegen Afghanistan – durchgesetzt werden.

Warum lassen sich Schwule so für nationale deutsche Interessen instrumentalisieren, wo es doch seit den Anfängen der so genannten Schwulenbewegung darum ging, sich gegen Herrschaft und Unterdrückung, gegen den repressiven deutschen Staat aufzulehnen? Ein Umdenken ist erforderlich. Konkret bedeutet dies für die Unterstützung russischer Lesben und Schwuler:

– Russische Lesben und Schwule müssen die Richtung und die Aktionsformen angeben; Deutsche müssen stets die eigene Position reflektieren und im Blick haben, wann eine Unterstützung umschlägt und nur noch der eigenen Selbsterhöhung dient.

– Medienbeiträge in Deutschland helfen erst einmal russischen Lesben und Schwulen nicht – sie dienen eben im Wesentlichen einer Selbsterhöhung der Deutschen (‚ach, wir sind ja so emanzipatorisch…‘). Wenn berichtet werden soll, ist stets der postkoloniale Hintergrund zu beleuchten und sollten Interviews (offen, nicht gerichtet) mit Russ_innen erfolgen

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Der ehemalige Arbeitminister Norbert Blüm hat sich in der FAZ zur gleichgeschlechtlichen Ehe geäüßert und dabei das Bundesverfassungsgericht scharf angegriffen. Bemerkenswert ist dabei - abgesehen von hanebüchenen Vergleichen der letzte Satz. Er äüßert sich dahingehend: Ehe und Familie, die das Grundgesetz schützen solle, „sind jedenfalls einmalig und ein kostbares Kulturprodukt, das unserer Natur entspricht“. (Zitat FAZ, vom 4.1.14).  Ehe und Famile sind also ein kulturprodukt. Das ist schon einmal bemerkenswert, ist es doch aus bisheriger (christlicher) Tradition gerade kein Kultuprodukt, sondern "vorgegeben. Der Begriff Kultuprodukt führt hier also ins Irre. Das wird aber gleich gerade gerückt, mit dem Nachsatz "... der unserer Natur entspricht". Gäbe es diese "Natürlichkeit" wirklich, wäre alles andere "nicht natürlich" nicht existent, zumindest jedoch "anders"- ein Irrweg. Patchworkfamilien, alleinerziehende Mütter oder Väter, hetero- oder homosexuelle Paare mit Kindern (oder ohne) aber ohne Trauschein... Norbert Blüm lebt offensichtlich noch in der Scheinwelt der 50er Jahre. Zum Glück ist das Bundesverfassungsgericht und eine gesellschaftliche Mehrheit ein paar Schritte weiter.

kurzer Nachtrag: Jetzt haben beide es also für nötig erachtet, sich zu äußern. Kurz gesagt: Alles nicht so schlimm und überhaupt nicht so gemeint und Schwule finden sie ganz toll und überhaupt...

 

... eine indiskutables Schönwaschen und Verniedlichen.

Die Mädchenmannschaft hat sich mit der Antwort von XAVAS beschäftigt.

Hier der ursprüngliche Artikel

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Im neuen Album "Gespaltene Persönlichkeit" mit dem Xavier Naidoo und Kool Savas gerade Kohle machen findet sich abseit vom Popgesäusel ein versteckter Track (nicht im Sinne von unauffindbar, vielmehr im Sinne von nicht auf dem Cover angekündigt). Dieser Track hat es in sich:

„Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann ficke ich euch in den Arsch, so wie ihr es mit den Kleinen macht. Ich bin nur traurig und nicht wütend. Trotzdem würde ich euch töten. Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch euch die Klöten. Ihr habt einfach keine Größe und eure kleinen Schwänze nicht im Griff. Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?“ heißt es dort. Mordaufruf, Führerwahn, Homophobie... gehts noch? Ok von Naidoo war man ja schon christlich verbrämtes und nicht selten am Rande der Toleranz angesiedeltes Gesäusel ja gewöhnt, aber offen homophob - oder soll man besser gleich sagen faschistisch - das ist neu.

Die Linksjugend Solid hat jetzt Anzeige erstattet.

Die Künstler beschränken sich in ihrer Verteidigung übrigens darauf, dass sie sich gegen "Ritualmorde an Kindern" wehren wollten, ein gerne mal wieder verschwörungstheoretisch aufgeladene Debatte, die sich vor allem gegen Juden richtete. Und nein, der Fall Dutroix und andere waren keine Ritualmorde, das war schlichter Kindesmissbrauch und gehört an dieser Stelle nicht debattiert. Die Frage ob sie jetzt einfach nur verschwörungstheoretisch abgedreht sind, wie regioactive meint, oder hier einfach eine bisher leidlich gut versteckte faschistische Ideologie zum Tragen kommt klärt sich auch an ihrem Umgang mit der jetzt stattfindenden Debatte. Gruselig auch, die offen gezeigte Verharmlosungsorgie bis hin zu aggressiver Zustimmung im Netz. Auch das sollte in die Debatte einbezogen werden.

 

Zu hoffen bleibt jetzt, das auch bei solch bekannten und gemeinhin positiv besetzten Künstlern (Asterix, Song zur Fußball-WM) die Grenzen deutlich gezogen werden und offen ausgetragene Dispute und Boykotts über Hasssänger nicht an jamaikanischen Sängern stehen bleiben.

Wie queer.de berichtet, mein der ehemalige DFB-Chef Theo Zwanziger, das ein Coming out eine Fußballprofis, welches offensichtlich von DFB geradezu herbeigesehnt wird, von den Fans gefeiert würde. Allerdings so relativiert er - und jetzt wirds xenophob - , könne es Probleme mit Mannschaftskameraden aus "anderen Kulturkreisen" geben, was wiederum dazu führen würde, das ein Trainer lieber auf einen schwulen Mitspieler verzichten würde, um das Mannschaftsklima nicht zu gefährden. Wir haben hier als den guten weißen Deutschen Fan auf der einen Seite, der nie durch rassistische oder homophobe Pöbeleien auffallen würde und auf der anderen Seite den hochbezahlten Profi, welcher dem offenen toleranten Deutschland entgegensteht. Dazwischen noch der Trainer, der solchen Konflikten ausgeliefert sei und den einfchsten Weg wählen würde. Welche Bretter muss Mensch vor dem kopf haben um eine solche Aussage zu tätigen? Solange solche offen rassistisch Agierenden ohne Widerworte die Rechte für Lesben und Schwule gegen die Anderer auspielen können ist es noch weit, bis zu einer wirklichen Gleichberechtigung. Zwanziger projiziert hier seine eigenen Vorurteile. Mehr nicht.

Der ehemalige Fußballspieler Marcus Urban hält am 25. März um 17 Uhr einen Vortrag im Freizeitheim Linden, zu dem alle Interessierten herzlich eingeladen sind.
Der Vortrag ist die Grundlage für eine anschließende Gesprächsrunde zum Thema „Homosexualität und Homophobie im Männerfußball“ mit Teilnehmern aus der Vereins- und Fanszene Hannovers sowie weiteren Gästen.
Die Veranstaltung findet anlässlich des Tatorts mit dem Titel „Mord in der Fußball-Bundesliga“ statt, der am 20. März im Ersten ausgestrahlt wird. Der Tatort beschäftigt sich eben mit dem oben genannten Thema und wurde in Teilen bei Hannover 96 gedreht.
Marcus Urban ist ein ehemaliger Fußballspieler des FC Rot Weiß Erfurt, der seine aussichtsreiche Karriere abbrach und sich dann öffentlich als homosexuell outete. Die Geschichte seines Lebens als „Versteckspieler“ und die Zeit nach dem Outing sind im gleichnamigen Buch von Ronny Blaschke nacherzählt worden. In einem Vortrag wird er seine Geschichte und seine Erfahrungen dem Publikum nahe bringen.
Neben dem Referenten Marcus Urban, der sich selbstverständlich auch an der Gesprächsrunde beteiligen wird, haben ein Vertreter von Hannover 96 sowie der 1. Vorsitzende des Fan-Dachverbands von Hannover 96, der Roten Kurve, und ein homosexueller Schiedsrichter ihre Teilnahme zugesagt. Als weitere Gäste für die Gesprächsrunde sind ein Vertreter eines Sportvereins in Hannover sowie das Fanprojekt Hannover angefragt. Auch das Publikum ist eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen. Der Eintritt zur Veranstaltung ist kostenfrei.

Zugesagt haben:
Andreas Kuhnt, Pressesprecher von Hannover 96,
der 1. Vorsitzende des Fan-Dachverbands von Hannover 96, der Roten Kurve, Christian Brehm,
NFV-Schiedsrichter Hans-Jürgen Gurtowksi, Mitglied der Leinebagger.
Volker Rohde, Bereichsleiter des Fanprojekts Hannover

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Alle Jahre wieder. Christopher Street Days haben sich in den letzten Jahren zur Routine entwickelt. Von ein paar Ewiggestrigen abgesehen, die die Demonstrationen verurteilen oder beleidigen müssen, wie jüngst ein CDU-Landtagsabgeordneter aus Sachsen, der die CSD-Teilnehmer am liebsten gleich inhaftieren würde und das auch kund tut, haben sich die Veranstaltungen zur wichtigen Meinungsäußerung, aber nicht mehr zum Objekt des Aneckens verändert.
Einen ‚Skandal‘ gab es dann doch noch. Der Berliner CSD e.V. verleiht im Rahmen des CSDs Berlin den Zivilcourage Preis für gezeigte Zivilcourage und das Eintreten für Minderheiten. Dieses Jahr war neben dem Sexualwissenschaftler Martin Dannecker die Philosophin Judith Butler die zu Ehrende. Butler (oder ‚Frau Butler‘ wie sie die TAZ konsequent titelte) steht für das Aufbrechen der Geschlechtergrenzen. Mit dem Buch ‚Gender Trouble‘ (auf Deutsch als ‚Das Unbehagen der Geschlechter‘ erschienen) begründete die amerikanische Wissenschaftlerin maßgeblich die Queer Theory als Wissenschaftszweig. Aber auch zu Themen wie Krieg und Frieden weiß sie sich zu äußern, wie in ihrem unlängst erschienen Buch ‚Raster des Krieges‘. ->weiterlesen “Berliner CSD – Judith Butler kritisiert schwul-lesbischen Rassismus und fordert zu gemeinsamen Kampf gegen Rassismus und Homophobie auf” »

Vor 3 Jahren, am 27.03.2007 veröffentlichten international anerkannte MenschenrechtlerInnen im indonesischen Yogyakarta die sogenannten Yogyakarta Principles. In 29 Prinzipien wandten sie die Menschenrechte in bezug auf sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität an. Ziel war und ist es, auf internationaler und nationaler Ebene Richtlinien zum diskriminierungsfreien Umgang zu schaffen.

Neben dem Verbot von Folter, Todesstrafe sowie staatlicher Diskriminierung finden sich auch, das Recht auf Schutz der Gesundheit und das Recht eine Familie zu gründen.

In Deutschland sind die Prinzipien – ganz im Gegensatz zu Debatten in anderen Ländern - noch weitgehend unbekannt. Eine erste inoffizielle Übersetzung liegt seit Sommer 2008 vor. Die Bundesregierung betrachtet die Yogyakarta-Prinzipien „als wichtigen Beitrag der Zivilgesellschaft“ (Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion „Die Linke“ Bundestags-Drucksache 16/7658). Interessant an dieser Stelle ist, was die Umsetzung dieser Richtlinien für die Bundesrepublik Deutschland bedeuten würde. Anhand einiger Beispiele soll dies hier skizziert werden: ->weiterlesen “„The Yogyakarta Principles“ – Umsetzung in der Bundesrepublik – eine Gedankenskizze” »

1948 verabschiedete die Vollversammlung der Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Sie legte die Grundlage für universelle Menschenrechte. Auch wenn längst nicht in allen Staaten die Normen der erklärten Menschenrechte eingehalten werden (erinnert sei an das Verbot von Folter und Todesstrafe), so können sie doch als Erfolg gewertet werden. Die Allgemeinen Menschenrechte beinhalten jedoch nicht explizit den Schutz vor Menschenrechtsverletzungen aufgrund der Geschlechtsidentität und der sexuellen Orientierung. ->weiterlesen “„The Yogyakarta Principles“ – oder Menschenrechte für alle Menschen” »

(erschienen in Rosige zeiten Jan 08) 

Auch christliche Kirchen dürfen nicht mehr unbegrenzt diskriminieren.

Yesim Fadia ist Muslima. Sie hat sich auf eine ausgeschriebene Stelle als Integrationslotsin auf ein vor der EU gefördertes Projekt beworben. Fachlich war gegen sie nichts einzuwenden. Sie sollte dort insbesondere muslimischen MigrantInnen bei der Arbeitssuche helfen. Der Arbeitgeber hatte nur ein „kleines“ Problem und den falschen Namen. Bei der Arbeitgeberin handelt es sich um das Diakonische Werk. Mit 420.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine der größeren Arbeitgeberinnen in der Bundesrepublik und – und genau das war das Problem – die Diakonie gehört der Evangelischen Kirche. Schwerpunkt der Arbeit der Diakonie ist, ebenso wie bei der katholischen Caritas, die Pflege von Menschen, sei es in Altersheimen, Krankenhäusern oder Kindergärten. Aufgabe dieser Vereine ist nicht die Sicherstellung der Religionsausübung. Die nach eigenen Aussagen „nicht praktizierende Muslima“ wurde gefragt, ob sie Christin werden wolle, was sie ablehnte (Warum sollte sie auch?). Sie war jedoch bereit einen Vertrag zu unterschreiben und Kirchensteuer zu zahlen. Das hat der Diakonie jedoch nicht gereicht und sie wurde abgelehnt. Dagegen klagte Yesim Fadia vor dem Arbeitsgericht und bekam Recht (und eine Abfindung von 3900 EUR). ->weiterlesen “Willkommen im 21.Jahrhundert” »

Anmerkungen zu einer Studie (erschienen in Rosige Zeiten, Oldenburg, Dez.2007)

Die vergangene ROZ setzte sich mit einer Studie von Maneo auseinander und wies statistische Schwächen, sowie offen rassistische Betrachtungen nach. Mittlerweile ist eine weitere Studie erschienen, die hier ebenso betrachtet werden soll. Vorweggenommen sei, sie kommt zu ähnlichen Schlüssen, wie die Studie von Maneo, betont wiederum Migrationshintergrund als Ursache homophober Gewalt und legt wenig Gewicht darauf, dass homophobe Ansichten in allen Gruppen der befragten Jugendlichen ein beängstigendes Ausmaß annehmen. ->weiterlesen “Schwule sind voll eklig?” »

erschienen im Juni2007 in Rosige Zeiten Oldenburg

„Berufsverbot für Schwule gefordert!“, „Europäischer Gerichtshof verurteilt Polen wegen Schwulen-Demo-Verbot 2005“, „Lesbisch-Schwule Demonstration in Polen angegriffen“, so oder so ähnlich sind die Schlagzeilen der vergangenen Wochen und Monate mit denen die Kaczynski-Regierung auf sich aufmerksam machte. Zusammen mit dem Rechtsaußen Giertych von der „Liga polnischer Familien“ (LPR) sind sie die Wegbereiter zu einem „neuen“ Polen, der selbst postulierten IV. Republik. Giertych ist polnischer Bildungsminister und schlug in dieser Funktion im März auf einem EU-Kongress „ das Verbot der Abtreibung in Europa und der homosexuellen Propaganda vor.“ Dazu müsse, so der Minister, die geplante europäische Verfassung entsprechend geändert werden. ->weiterlesen “Kaczynskis Polen – der Weg in die IV. Republik” »

Die katholische Kirche, die CSU und die bayrische Staatskanzlei wettern seit Wochen gegen eine Papstsatiere bei MTV und beklagen die "Gotteslästerung". Ganz anders reagierten unter anderem oben genannte vor wenigen Wochen als Massenproteste, gegen die Karikatur einer dänischen Zeitung, in der Mohammad als Bombenleger dargestellt wurde, in aller Welt stattfanden. Damals galt die Pressefreiheit als das höhere und freiheitlichere Gut, welches auch die muslimischen Länder zu achten hätten. Wenn mensch nun zusätzlich bedenkt, das die Äußerlichkeit im Islam eine wesentlich höhere Bedeutung als im Christentum hat, wird die Forderung nach Pressefreiheit für die einen und Verbot für die anderen problematisch. Es scheint also nicht weit her mit dem freiheitlichen Verständnis im blau-weissen Bayern. Vielleicht könnte da ein Staatsbürgerschaftstest helfen...

Die polnische Neonazi-Gruppe „Krew i Honor“, ein Ableger des weltweiten Blood and Honour-Netwerkes hat im Internet Listen von linker und schwuler Aktivisten veröffentlicht. Namen, Fotos, Adressen, ja teilweise auch Telefonnummern waren und sind zu finden. Die Staatsanwaltschaft reagiert langsam, eine Sperrung der Seite erfolgte nur kurzzeitig und ist inzwischen wieder aufgehoben, ein Schutz der  Betroffenen findet nicht statt. So wurde beispielsweise die Wohnung von Szymon Niemec, dem Chef des polnischen Lesben- und Schwulenverbandes bereits dreimal angezündet. Die Staatsanwaltschaft hat nach einem dramatischen Apell Szymon Niemecs an die Justiz versprochen den Fall zu prüfen. Sie prüft noch immer... (Quelle: Freitag)

Seit dem 1.Mai 2004 hat die EU neue Mitglieder. Dieser Status verpflichte sie, ebenfalls wie alle anderen Mitgliedsländer, europäisches Recht in nationale Gesetze umzuwandeln. Ein viel diskutierter Punkt sind dabei die Antidiskriminierungsregeln, die unter anderem homophobe Gesetze und Verhaltensweisen abbauen wollen.

Das die gesellschaftliche Realität vielfach eine andere ist, wissen wir aus den Erfahrungen auch aus den alten EU-Staaten. Eine neue Qualität wird jedoch beispielsweise in Polen erreicht. 3 aktuelle Beispiele belegen das:

Polnische Studenten, Mitglieder des Vereins “Kampangne gegen Homophobie”, organisierten eine wissenschaftliche Konferenz sowie einen Marsch für Toleranz und Demokratie in Krakau, Ex-Kulturhauptstadt von Europa. Ihr Anliegen stieß auf Proteste und Hass. 6 Tage nach Polens Eintritt in die Europäische Union wurde die Konferenz außerhalb der Stadt durchgeführt. Der Rektor der Krakauer Jagellionski - Universität begründete die Wahl dieses Ortes mit Sicherheitsbedenken. ->weiterlesen “Homophobie in der Europäischen Union. Beispiele aus Krakow und Warschau.” »

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