Rassismus in der Nordkurve? Ihr spinnt wohl.

Nein, gemeint sind nicht Anthony Ujah und Leon Balogun. Die Nordkurve, beziehungsweise Teile davon, haben jede Hemmung verloren. Zurück in die 80er, oder? Beim Aufwärmen während der zweiten Halbzeit wurden die beiden Spieler von Mainz 05 vor der Nordkurve (nur zur Erinnerung, das ist der Fanblock!) mit Affenlauten bedacht. Öffentlich gemacht haben das Mainz 05 und die beiden Spieler – von Hannover 96 fehlt bis zur Stunde jede Stellungnahme. Damit hat die Verrohung der Nordkurve, die in den letzten beiden Jahren begonnen hat, eine weitere Stufe genommen. Auch wenn immer nur Teile, immer nur Einzelne die Täter*innen sind, so ist es bezeichnend, dass dieser Rückfall so ohne Widerspruch möglich ist (von Rangeleien im Block war zumindest nichts zu spüren). Damit reiht sich dieser rassistische Angriff in eine Reihe von Vorkommnissen ähnlicher Art ein: Das sexistische Banner gegen Sankt Pauli, aber auch die “Sieg”Rufe, bei denen ein “Heil” immer leise mitschwingt, seien hier beispielhaft genannt. Nachzudenken wäre, ob diese bedenkliche Entwicklung ein Ergebnis des Zerfalls der Fanstrukturen ist. Klare antirassistische Arbeit vermisse ich zunehmend, und sie lässt sich auch nicht mit einem “Spass gegen Stumpf”-Konzert einmal im Jahr ersetzen. Die jetzt zu erwartenden Abgrenzungsfloskeln werden das Problem sicher nicht beheben. Wenn nicht ernsthaft etwas passiert, werden bald wieder Neonazis und Identitäre die Bühne in der Fankultur von Hannover 96 betreten. Der Boden ist dafür bereitet.

 

Update: Inzwischen ghibt es auch ein Statement von Hannover 96 zu den Vorfällen.

Hier der Link der Stellungnahme von Mainz 05:

Ultras beim Niveaulimbo: Choreo entwickelte sich zur sexistischen Pöbelei – die hannoversche Blamage.

Kurz zu den Fakten: Beim Spiel der Roten aus Hannover gegen die Kiezkicker aus Hamburg am 1. Oktober im Niedersachsenstadion fand eine Choreographie in der Nordkurve statt. Der Spruch auf einem Banner über der gesamten Nord sollte – entsprechend der verteilten Flyer – lauten: „Kämpfen bis die Fetzen fliegen“. Parallel wurde dafür geworben, beim Einlaufen der Mannschaften einen Konfettiregen aus der Nordkurve zu starten. Das klappte auch soweit hervorragend. Von den meisten Fans in der Kurve unbemerkt, wurde wenig später das Transparent „leicht“ verändert – mit drastischer inhaltlicher Wirkung. Aus dem „e“ in „Fetzen“ wurde ein St.Pauli-Wappen – es sollte nun ein „o“ darstellen; der Buchstabe „f“ des Wortes „fliegen“ wurde überhangen. Damit wurde aus einem mäßig geistreichen Spruch ein widerlicher, sexistischer, frauenverachtender Spruch, der eine ganze Halbzeit lang das Bild der organisierten hannoverschen Fanszene prägte.

Dieser Spruch, im Nachhinein nicht nur bei Facebook, als gelungen Angriff auf „die Zecken“ gefeiert, markiert einen Tiefpunkt in der Außendarstellung der Ultras aus Hannover. Nicht nur, dass die Empörung darüber mit Kommentaren wie:  „Es wird auf allen Plattformen immer noch darüber diskutiert… Man hat mit dem Banner alles richtig gemacht.“ und „Da hat der Spruch aber jemanden hart getroffen.“ (Quelle: das-fanmagazin.de) auf eine Ebene kleiner Scharmützel zwischen den Fanlagern kleingeredet wird, vielmehr wird hier explizit die antirassistische, antisexistische und antihomophobe Arbeit, die nun einmal bei St.Pauli aktiv gelebt wird und beispielgebend für andere Vereine sein sollte, explizit in den Dreck getreten. Hier begibt man sich – gewollt oder ungewollt – auf eine Stufe mit den Rassist_innen von der AfD. Dieses Spruchband war nicht nur eine Beleidigung an den Fußballgegner, sondern ein Rückfall in frühere Zeiten gesellschaftlicher Emanzipation, gerade auch in der Ultraszene. Es bleibt sehr zu hoffen, dass dies szeneintern, aber auch nach außen, reflektiert wird.

Eine andere Ebene ist aber für das Innenverhältnis in der Fanszene Hannovers bedeutend. Wie eingangs beschrieben, waren die hinter dem Block stehenden Fans nicht über die geplante Umdeutung des Banners informiert. Sie wurden für etwas vereinnahmt, was sicher ein nicht unerheblicher Teil explizit ablehnen würde. In Zukunft kann bei Choreographien oder anderen Aktionen der organisierten Fanszene das bisher vorhandene Grundvertrauen nicht mehr vorausgesetzt werden – Choreos werden so eigentlich unmöglich. Ich werde mich zumindest an keiner mehr beteiligen, solange dieses Vertrauen nicht wieder hergestellt ist.

Auf jeden Fall muss im Verein und unter den Ultras über Sexismus diskutiert werden. Bisher gab es einen einigermaßen emanzipatorischen Grundkonsens einzelner Ultra-Gruppierungen, der solche sexistischen Transparente nicht zugelassen hätte.  Sport hat eine Vorbildrolle. Die Auseinandersetzung ist bei Hannover 96 nötig.

Last but not least: Jedes Jahr feiert sich die organisierte Fanszene mit einem Spaß gegen Stumpf-Konzert. Welche Berechtigung hat dieses Konzert noch, wenn die gleichen Gruppierungen Hass gegen Frauen propagieren?

Bundeswehr steigt bei 96 aus

Nachdem die Bundeswehr jedes jahr massiver die Bühne Stadion für sich nutzte (siehe hier und hier und hier), scheint sich zumindest bei hannover 96 eine Trendwende abzuzeichnen. War der ehemalige Erstligist und jetzige Spitzenreiter der zweiten Liga Vorbild für die Zusammenarbeit von Militär und Sport, verschwand das Bundeswehrlogo zum Saisonbeginn still und heimlich von der Sponsoringtafel, verzichteten die Krieger auf Werbung im Stadionmagazin.

Diese Veränderung – sofern sie sich offiziell bestätigt – ist sicher auch ein Erfolg des andauernden Protestes gegen Militärwerbung in Stadien. Zumindest dürfte es die Entscheidung erleichtert haben. Ob der Abstieg ein weiterer Grund war (was viel über Loyalität und Zusammenhalt, zwei zentrale Attribute, die die Bundeswehr sich selber gerne gibt, aussagen würde) oder wir es hier mit einem grundsätzlichen Strategiewechsel zu tun haben, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall ist es ein Erfolg für die Friedensbewegung, die sich der schleichenden Militarisierung in der Zivilgesellschaft entgegensetzt.

 

Nachtrag: Auch beim Rostocker FC, beim Berliner AK 07 und bei Union Berlin ist die Bundeswehr von der Homepage verschwunden.

 

Bundeswehr und Werbung – auch 2014/15 wieder voll dabei

Bereits in den vergangenen Jahren bewegte sich die Werbung der Bundeswehr im Sport auf hohem Niveau. Das ergaben frühere Anfragen der Linksfraktion. Auf diesem Blog habe ich dazu bereits mehrfach berichtet, insbesondere über die besondere Rolle bei Hannover 96 und dem Rostocker FC. Ziel der Werbung der Bundeswehr sei es, primär 17-35 Jährige sowie sekundär alle bis 65 als Multiplikator_innen anzusprechen, so geht es zumindest aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion vom August 2015 (Bundestags-Drucksache 18/5942) hervor.

An Minderjährige würde sich die Werbung nicht gezielt richten. Dazu gleich mehr. Inhaltlich wird aus der Drucksache deutlich, worum es ihm geht, nämlich darum, die Schnittmengen zwischen Sport und Kriegshandwerk für die eigenen Zwecke zu nutzen. So heißt es: „Kommunikationsinhalte bei Maßnahmen im sportlichen Umfeld sind Fähigkeiten und Eigenschaften, die sowohl im Sport als auch bei einer Tätigkeit in der Bundeswehr als Voraussetzung gelten: Teamgeist, Kameradschaft, Leistungsbereitschaft, körperliche Fitness, hohe Motivation und Flexibilität“. Selbstredend sind andere Tugenden des Sports, wie Fairplay und die Friedlichkeit des Wettstreits und gegenseitige Achtung nicht Bestandteil der Aufzählung. Offen wird die Vereinnahmung der Begeisterung insbesondere junger, aber auch älterer Menschen für Mannschaftssport (insbesondere Fußball, aber auch Handball, Basketball und Volleyball) als wichtiger Ankerpunkt benannt, an dem das Militär ansetzen will. Die Bundeswehr schätzt den Erfolg ihrer Maßnahmen als hoch ein, spricht insbesondere von einer hohen positiven Resonanz, kündigt jedoch gleichzeitig eine Neukonzeption der Sportkooperation an, sicher auch um der in den letzten Jahren vermehrt vorgetragenen Kritik der lokalen Günstlingswirtschaft entgegenzutreten (so beim Rostocker FC).

Der eigentlich spannende Teil der jährlichen Analyse der Werbung der Bundeswehr im Sport muss leider weitgehend ausfallen – und das ist ein politischer Skandal. Das Bundesministerium für Verteidigung sieht es inzwischen als gefährlich an, wenn Informationen über die Höhe der verwendeten Mittel ruchbar würden. Im Gegensatz zu den letzten Jahren hat sie die Informationen über ihre Sportförderung als „Vertraulich – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft, um so Transparenz über ihre Werbeaktivitäten zu verhindern.

Einige wenige Zahlen gibt es dann doch: Für das bundeswehreigene Jugendsportevent „BW-Olympix“ im Jahr 2014 wurden 490.000 EUR ausgegeben. Daran teilgenommen haben ca. 800 Personen zwischen 16 und 17 Jahren. 2015 fand „Bw-Beachen“ in Ingolstadt und Warendorf statt. Kosten 545.000 EUR, erreichte Zielgruppe: 1.000 Jugendliche von 16-17 Jahren. Da kommen wir wieder zurück auf die eingangs gemachte Aussage zur Zielgruppe der Bundeswehrwerbung: Sie scheint sich entgegen der in der Drucksache dargestellten Sicht sehr deutlich im Bereich der Heranwachsenden zu bewegen. Um nicht die völkerrechtlichen Normen bzw. Empfehlungen zur Rekrutierung Minderjähriger zu verletzen, bezeichnet die Bundeswehr diese Veranstaltungen nicht als Rekrutierungsmaßnahme, sondern als „authentische persönliche Dialogplattform im Rahmenprogramm mit Soldatinnen und Soldaten“, mit dem Ziel allgemeines Interesse zu wecken.

Doch zurück zu den originären Werbemaßnahmen, also solchen unabhängig von eigenen Veranstaltungen. Sie dürfte sich mindestens auf dem Niveau des Vorjahres bewegen. Im Jahr 2014 betrug der Etat der Bundeswehr für Sportsponsoring im Fußball 349.000 Euro (TAZ v. 28.9.2014). Hinzu kommt noch die Förderung anderer Veranstaltungen und von Vereinen außerhalb des Fußballs sowie die Durchführung von bundeswehreigenen Veranstaltungen. Ebenso hinzuzurechnen sind die so genannten „Sportsoldaten“, Frauen und Männer, deren Einsatz von Seiten der Bundeswehr gerade mit Blick auf Werbewirkung und Prestige erfolgt. (Der Etat für den letzteren Bereich müsste sonst nicht über die Bundeswehr laufen, sondern es könnten die Mittel aus dem Staatshaushalt direkt in die Sportförderung gehen, ohne Umweg über das Militär.)

Die Ergebnisse dieser hohen Investition (und damit verdeckter staatlicher Förderung einzelner Vereine) sind überschaubar. Die Interessent_innen-Datenbank – darin werden Jugendliche aufgenommen, die der Nutzung ihrer Dtaen zugestimmt haben, – umfasse, laut Angaben der Bundeswehr, im Zeitraum von 2010 und 2014 zwischen 620 (2014) und 1.080 (2011) Interessent_innen jährlich. An diese Interessent_innen werden (obwohl nur einmal jährlich) insgesamt 10.000 Anschreiben erstellt.

Wer sind aber nun die Begünstigten des finanziellen Engagements der Bundeswehr? Insgesamt wurden 2014 56 Vereine durch die Bundeswehr gefördert, im ersten Halbjahr 2015 waren es 47.

Konkret für den Fußball sagen die Zahlen folgendes (wenn nicht anders angegeben bezieht sich die Förderung der Bundeswehr auf die beiden Jahre 2014 und 2015): Als Erstligist ist zum langjährigen Partner und dessen militärfreundlichen Präsidenten Martin Kind Hannover 96 ein zweiter Bundesligist gestoßen – und zwar Bremen. Seit 2014 wirbt Werder Bremen nicht nur mit unappetitlichen Hühnern aus Massentierhaltung, sondern auch mit dem deutschen Militär.

Der VfR Aalen(2014), KSC Karlsruhe(2014), Holstein Kiel, Union Berlin, der 1.FC Nürnberg(2014), Carl Zeiss Jena(2014) und der Chemnitzer FC (2014) zeigten sich ebenfalls militärfreundlich. Unterstützt wird weiterhin der gesamte Berliner Fußballverband. Aus den unterklassigen Ligen werden finanziell gefördert:

  • BV Cloppenburg
  • FV Lörrach-Brombach
  • Rostocker FC 1895 e.V.
  • FC Grün-Weiß Piesteritz (2014)
  • TSV Rudelzhausen 1948 e.V.
  • FC Donauwörth 08 e.V. (2014)
  • Sportverein Puch e.V.
  • TSV 1960 Herbertshofen (2014)
  • TSV 1863 Schwabmünchen (2014)
  • JFG Höllental (2014)
  • ASV Stockenroth
  • SV Schalding Heining
  • JFG Bayreuth West e V
  • SpVgg SV Weiden e.V.
  • VfR 1925 Schneckentohe e V
  • TSV Wolkersdorf 1956 e.V.
  • TSV 1861 Nördlingen e.V.
  • SV Union Neuruppin (2015)
  • SV Blau-Weiß Petershagen/Eggersdorf (2015)
  • VfL Halle 1896 e.V. (2015)
  • JFG Bayreuth West e.V. (2015) – nur Kinder- und Jugendmannschaften
  • WSC Frisia WHV (2015)

Kaum beachtet wurde bisher der Handball. In der angeblich stärksten Liga der Welt ist die Bundeswehr Hausherrin in der halben Liga! Vielleicht sollte angesichts der Zahlen eine Umbenennung in Bundeswehr-Liga vorgenommen werden (dieser kleine Sarkasmus sei hier gestattet). Den DKB Handball Supercup unterstützt das Militär bereits:

  • SG Flensburg-Handewitt
  • VFL Schwartau
  • HSG Varel-Friesland
  • FrischAuf! Göppingen
  • Füchse Berlin GmbH
  • SC Magdeburg (2014)
  • Wilhelmshavener HV (2014)
  • SG Suhrheide/Schiffdorferdamm (2014)
  • HSG Wilhelmshaven (2014)
  • TSV 1846 Isny e.V. (2014)
  • EHV Aue (2015)

Weitere Kooperationspartnerschaften finden sich im Volleyball, im Basketball, dem Ringen, dem Boxen und dem Motorsport

Um den Rahmen nicht zu sprengen wird an dieser Stelle auf eine Analyse der unterstützen Sportevents verzichtet. Diese sollen in einem gesonderten Artikel beleuchtet werden.

Zusammenfassend ist festzustellen: Die Auswahl der Vereine lässt auch in diesem Jahr keine klare Struktur erkennen. Ein Großteil der Zweitligisten hat – auch durch zunehmende öffentliche Problematisierung – mittlerweile keine Verträge mehr. Dazu gekommen sind hingegen verschiedenste unterklassige Vereine, andere steigen aber auch hier aus der Militärwerbung aus. Insgesamt lässt sich eine hohe Fluktuation erkennen, mit nur einigen wenigen Konstanten, die sich durch die konkrete Unterstützung vor Ort erklären lassen. Hannover 96, Union Berlin, der Rostocker FC, Holstein Kiel und FV Lörrach-Brombach sind solche Vereine. Hier lässt sich die Bundeswehr die Unterstützung der Militärfreundlichkeit einiges kosten. Das heißt im Umkehrschluss auch – Widerstand gegen die Militärwerbung muss gerade auch direkt lokal, vor Ort geschehen. In Rostock und Hannover gibt es schon entsprechenden Widerstand, der bei den Vereinschefs aber noch nicht fruchtet.

Die Bundeswehr hat ein politisches Interesse, im öffentlichen Raum als „normale Arbeitgeberin“ wahrgenommen zu werden. Die geringen Zahlen an Interessierten zeigen aber, dass ihr Konzept über Sportförderung Interessent_innen zu werben, nicht aufgeht. Der Erfolg ist überschaubar, bei hohem finanziellem Aufwand. Dennoch: Die Sportförderung durch das Militär führt dazu, dass es zunehmend das Zivile prägt und der Militarisierung der Gesellschaft Vorschub leistet. Gerade auch deshalb ist weiter die tägliche Auseinandersetzung notwendig, um der zunehmenden Militarisierung des Zivilen etwas entgegen zu setzen.

Bundeswehr aus dem Stadion kicken!

Die DFG-VK Hannover verteilt am Samstag Flyer gegen Werben fürs Sterben im Fußballstadion.

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Hier gibt es den Flyer und hier ist der Text:

Ein smartes Lächeln, ein Werbespot für Technik – so sieht die Werbung der Bundeswehr im Stadion aus. Die tatsächliche Realität des Soldat-Seins taucht darin nicht auf: Mittlerweile muss jede und jeder, die oder der sich als Soldat verpflichtet, zum Militäreinsatz ins Ausland. Etwa aus Jugoslawien und Afghanistan kehrten viele traumatisiert zurück.

Fußball-Spielen soll eigentlich etwas anderes sein als soldatische Ertüchtigung. Fußball macht Spaß oder regt auf. Aber mit Töten hat er nichts zu tun – und soll er nichts zu tun haben. Und daher soll auch keine Bundeswehr ins Stadion – nicht mit ihren Trucks und nicht mit ihrer Werbung!

Während andere Clubs sich dem Sponsoring durchs Militär verweigern geht 96 unter Martin Kind voran und lässt damit den gesamten Verein politisch instrumentalisieren. Seit 2011 stellt der Verein Werbebanden zur Verfügung, werden Videospots ausgestrahlt und wird das offizielle Stadionmagazin mit ganzseitiger Werbung des Militärs gefüllt. ->weiterlesen “Bundeswehr aus dem Stadion kicken!” »

PM: Bundeswehr aus dem Stadion kicken!

DFG-VK fordert mit Aktionen Hannover 96 zur Beendigung der Militärwerbung auf

Zum Start der Kampagne gegen Bundeswehrwerbung in Stadien erklären die Sprecher_innen der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) der Ortsgruppe Hannover:

Seit der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht ist die Bundeswehr massiver und aggressiver bemüht, sich als normale Arbeitgeberin zu präsentieren. Sie wirbt verstärkt in der Zielgruppe der Heranwachsenden und Jugendlichen um Soldaten und Soldatinnen. Damit verstößt sie gegen die Intention der UN-Kinderrechtskonvention, die gerade vermeiden will, dass durch das Militär unter Kindern und Jugendlichen rekrutiert wird.

Fußball-Spielen soll eigentlich etwas anderes sein als soldatische Ertüchtigung. Fußball macht Spaß oder regt auf. Aber mit Töten hat er nichts zu tun – und soll er nichts zu tun haben. Und daher soll auch keine Bundeswehr ins Stadion – nicht mit ihren Trucks und nicht mit ihrer Werbung!

Während andere Clubs sich dem Sponsoring durch das Militär verweigern, geht Hannover 96 unter Martin Kind voran und lässt damit den gesamten Verein politisch instrumentalisieren. Seit 2011 stellt der Verein der Bundeswehr Werbebanden zur Verfügung, werden Videospots ausgestrahlt und wird das offizielle Stadionmagazin mit ganzseitiger Werbung des Militärs gefüllt. Gezielt nutzt die Bundeswehr gemeinschaftliche emotionale Elemente, um für sich zu werben. In Hannover geschieht dies inzwischen auch mit der Verleihung des Status „official supplier“.

Wir fordern den Verein auf, die Kooperation sofort zu beenden! Wir starten mit einer Flugblattkampagne, mit der wir auf die Verquickung von Sport und Militär aufmerksam machen. Wir laden alle im Umfeld des Bundesligisten Aktiven ein, sich mit uns gegen die zunehmende Militarisierung des Sports einzusetzen. Nur ohne Militär geht: Fair Play!

 

Linkschau: Sportsponsoring – Bundeswehr in Stadien

Zum Thema Bundeswehr in Stadien habe ich ja schon einiges geschrieben. Jetzt hat sich Zeit online diesem Thema angenommen.

Hier ist das Ergebnis:
http://www.zeit.de/sport/2014-10/fussball-sponsoren-bundeswehr

dazu auch die TAZ vor ein paar Tagen:
http://taz.de/Bundeswehr-als-Sportsponsor/!146687/
und auch die Jungle world hatte was dazu:
http://jungle-world.com/artikel/2014/37/50556.html

Wäre schön, wenn jetzt noch etwas mehr passieren würde.

Werben fürs Sterben – Sport und Stadien als Werbeträger für die Bundeswehr

Allseits bekannt ist, dass die Bundeswehr massiv über Sportfördergruppen Spitzensportler_innen fördert. Das geht inzwischen so weit, dass Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften mehrheitlich von Armeesportler_innen bestritten werden. Gezielt werden die Athletin_innen über mangelnde zivile Fördermöglichkeiten in die Bundeswehr getrieben und dienen dort als Aushängeschild.

Darum soll es hier aber nicht gehen, sondern um den bereits in den vergangenen Jahren in diesem Blog diskutierten Einsatz der Bundeswehr in Stadien zur Werbung für sich selbst. Dabei wird eine überwiegend junge begeisterungsfähige Menge angesprochen. Ziel ist weniger der konkrete „Werbekontakt“ – vielmehr soll die Bundeswehr als allgemeine normale und sympathische Arbeitgeberin präsentiert werden.

2013 hat die Bunderegierung auf eine Anfrage der Linken ihre Werbemaßnahmen für 2012 bekannt gegeben. Hier habe ich das auseinandergenommen.

Kurz zusammengefasst: 2012 erhielt Hertha BSC für umfangreiche Werberechte 127.000 EUR. Der Hamburger SV erhielt 71.400 EUR als Supplier des HSV. Diese Kooperation wurde damals beendet. Nach Angabe der Regierung damals wurden 2012 22.000 EUR und 2013 33.500 EUR für Hannover 96 ausgegeben. Zusätzlich erhielt der Berliner Fußball-Verband 24.000 EUR. Neben dem Sponsoring der großen Vereine wird insbesondere in kleine Vereine investiert um für den Beruf des Tötens werben. Für 2012 wurden 14 Vereine aufgeführt, gegenüber drei Vereinen 2010 und zwei Vereinen 2011. Neun Vereine waren für 2013 bereits benannt. Soweit so bekannt.

In der einer kleinen Anfrage hat die Linke nun die Zahlen für 2013 und 2014 befragt (DS 18/2325).

Die Zahlen sind erschreckend. 19 kleinere Mannschaften wurden 2013 gefördert, ein weiterer ist für 2014 angegeben. Mit Beginn der Saison werden sicher weitere hinzukommen.

Konkret sind das:

  • TSV Wolkersdorf
  • JGV Steigerwald
  • TSV Rudelzhausen
  • TSV Nördlingen
  • FC Donauwörth 08 e.V.
  • TSV 1960 Herbertshofen
  • TSV 1863 Schwabmünchen
  • JFG Höllental
  • SV Schalding-Heining
  • SpVgg SV Weiden e.V.
  • JFG Bayreuth West e.V.
  • Sportverein Puch e.V.
  • Sportverein Glienicke/ Nordbahn e.V.
  • SV Grün-Weiß Schwerin e.V.
  • SSV Neutz
  • VfB Zahna
  • TSV Havelse
  • FV Lörrach-Brombach
  • VFR Schneckenlohe (2014)

Heraussticht dabei der FV Lörrach-Brombach, welcher für umfangreiche Bewerbung 11.300 EUR jeweils für 2013 und 2014 erhält. Bei allen anderen wird für verschiedene Werbeformen angefangen bei Anzeigen im Vereinsmagazin bis zum Trikotsponsoring ein Betrag von NULL(!) EUR bis zu 5.000 EUR gezahlt. Gerade die in der Jugendarbeit verwurzelten kleinen Vereine missachten hier völlig ihre Verantwortung.

Aber auch im Fußball der höheren Ligen hat die Bundeswehr 2013 erheblich zugelegt.

So wird der Chemnitzer FC für Anzeigen mit 1.500 EUR für Anzeigen bedacht (2014 kommen zusätzlich 10.000 EUR hinzu) und erhält der Regionalligist Carl-Zeiss Jena 30.000 EUR für klassische Werbung (Banden, Spot, Anzeigen und ein Logo im VIP Bereich) – für 2014 sind bisher 40.000 EUR ausgegeben. Der Drittligist Holstein-Kiel erhielt für Werbung 34.500 EUR (2014: 34.500)

Auch in der zweiten Liga ging es weiter. Union Berlin bekam für den Titel „Eiserner Sponsor“ mit umfangreicher Werbung und Sponsorentreffen 2013 47.600 EUR (für 2014 sind 15.000 bisher zusätzlich ausgegeben), VfR Aalen erhielt 19.500 EUR und der Karlsruher SC 23.200 EUR. Bei beiden letztgenannten Vereinen finanzierte die Bundeswehr u.a. ein Trainingscamp. Ob die Profis über Stellwände klettern mussten und Schießübungen machten ist nicht bekannt. Bei beiden Vereinen sind Zahlungen in gleicher Höhe bisher für 2014 eingestellt.

Aber auch in der 1.Bundesliga ging es mächtig zur Sache. Der damalige Erstligist 1.FC Nürnberg erhielt 20.000 EUR u.a. für ein Trainingscamp für Schüler_innen, E-Mailaktionen, Inserate und das recht sich „Frankenstolz Partner“ nennen zu dürfen. Hier wurde offensiv um Kinder in Trainingscamps geworben – analog wie es die Militärs mit Anzeigen in der Jugendzeitschrift Bravo tun.

Von den aktuellen Erstligisten wurde Hannover 96 mit 65.500 EUR für ein umfangreiches Werbepaket gesponsert. Hier setzt sich eine langjährige Kooperation fort(siehe Links am Ende des Textes). Laut Neuer Presse sagte dazu der Kommunikationschef von Hannover 96 Alex Jacob “Die Bundeswehr ist seit Jahren ein verlässlicher und guter Partner des Vereins.” 96-Präsident Martin Kind habe eine besondere Beziehung zur Bundeswehr. Man lade gelegentlich Soldaten zur Stadionführung ein und Kind sei bei der Bundeswehr auch schon als Vortragsredner aufgetreten. (Quelle).

In der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der Linken – im Gegensatz zu anderen Vereinen – nicht genannt wurde der Status der Kooperation. Die Bundeswehr ist „official Supplier“ der Roten.

Mit 65.500 EUR hat sich das Budget gegenüber 2012 verdreifacht. Eine Zahlung in gleicher Höhe ist bisher für 2014 angegeben. Prinzipiell gilt, dass die Werte sich noch erheblich nach oben ändern können, da das Denken in Kalenderjahren nicht dem in Fußballjahren entspricht. Alle gemachten Aussagen entsprechen dem Stand vom 7.August 2014.

Auch der Hamburger Sportverein ist entgegen der Aussageaus dem Jahre 2012 wieder im Boot. Zwar wurde das Budget halbiert. Aber mit immerhin noch 37.500 EUR finanziert die Bundeswehr in der Fastabstiegssaison beim selbsternannten Dino der Bundesliga die Werbung für die Ausbildung an den Mordwerkzeugen. Für 2014 sind noch keine Zahlen eingestellt.

Auffallend an den Antworten zur kleinen Anfrage ist auch die zunehmende Etablierung im Handball und im Motorsport. Das ist aber eine eigene Analyse wert und wird daher im Rahmen dieses Artikels nicht weiter verfolgt.

Bleibt die Frage: Was tun? Hannover – mit seiner zerstörten organisierten Fanszene und einem militärfreundlichen Präsidenten – ist natürlich ein ideales Experimentierfeld für die Werbestrategen der Bundeswehr. Bei nur zwei von 18 Bundeligisten traut sich die Bundeswehr so weit heraus. Ist sie jedoch langfristig in Hannover erfolgreich, wird das der Startschuss für eine Welle der Militarisierung im Sport sein. Bald wird sich dann nicht mehr die Frage stellen, ob die beworbene Zielgruppe wirklich alt genug ist zu verstehen, was es bedeutet – für dich selber und andere – Soldat_in zu sein. Militärische Lösungen werden zur unhinterfragbaren Kategorie. Die Frage müssen wir uns stellen. Wollen wir das wirklich?

Weiterführende Links

Militärwerbung in Stadien – die Zahlen
Der Schuss aufs Ziel – die Bundeswehr, das Schlachtfeld und die Fußball-Stadien
Die Einvernahme des Fußballs durch Militärs geht weiter
Fußball als Mittel der Militarisierung der Gesellschaft und Hannover 96 als deren Handlanger_in
PM von DFG-VK und Friedensbüro: Hannover 96 vereinnahmt Fans für die Bundeswehr

die tägliche Portion Rassismus – heute DFB

Erneut hat der DFB tief in sein Selbstverständnis blicken lassen. Beim Versuch “das Stadion einheitlich” aussehen zu lassen, wurde auch ein seit Jahren fest integriertes Banner “96-Fans gegen Rassismus” überhängt. (link). Passiert ist dies während des Finals der U19 Fußball-Männer im hannoverschen Niedersachsenstadion – einem Spiel unter Aufsicht des DFB. Ok, mal wieder ein Versehen – könnte mensch meinen, schliesslich habe der Verein aus dem Desaster beim Abhängen eines Transparentes (“Kein Fußball mit Nazis”) am Millerntor gelernt. Und tatsächlich – es wurde das Gespräch mit der passenden Faninitiative gesucht und gefunden. Warum aber auch hier ein öffentliches Entschuldigen ausblieb – verbunden mit klaren Ansagen so etwas in Zukunft nie wieder vorkommen zu lassen (und dafür dann auch Sorge zu tragen), bleibt die offene Frage. Offensichtlich wird auch hier der Fehler nicht beim (versehentlichen) Verhängen gesehen, sondern im Bemerken desselben. Der DFB muss sich grundsätzlich Gedanken über Rassismus machen. Insbesondere im Verband.

Militärwerbung in Stadien – die Zahlen

In mehreren Beiträgen habe ich mich mit der Bundeswehr in Fußballstadien beschäftigt. Auf Basis eines daraus entstandenen Artikels in der Zivilcourage hat die Linksfraktion im Deutschen Bundestag eine Kleine Anfrage gestellt. Die Antworten liegen jetzt vor (DS 17/14067) und es ist alles noch viel schlimmer als erwartet.

bw_mpWie berichtet war die Bundeswehr 2012 Partner von Hertha BSC. Für sieben Heimspiele durfte sie werben und als „Sponsor oft he Day“ fungieren. 127.000 EUR machte die Bundeswehr dafür locker.

Für den Hamburger Sportverein (Supplier in der Saison 2012/2013) wurden noch 71.400 EUR bezahlt um wie folgt zu werben:

  • „Recht auf Verwendung des Titels „Supplier des HSV“ zur Nutzung in der Eigenwerbung einschließlich Nutzung des Logos;
  • Bandenwerbung erste Bandenreihe bei jedem Heimspiel bis zehn Minuten vor Spielbeginn;
  • Audiovisuelle Darstellung auf den Videowänden in der Arena in Form von drei Spots zu je 30 Sekunden bei jedem Heimspiel (vor Spielbeginn, Halb- zeitpause, nach Spielende);
  • Präsenz auf den Videowänden mit den übrigen Suppliern als Gemeinschafts- logo;
  • 16 Eintrittskarten zur personalwerblichen Verlosung oder Einladung;
  • Anzeigen (ganzseitig) im Fanmagazin (zehn Ausgaben) HSV Life.“

Diese Kooperation wurde inzwischen beendet.

Bei Hannover 96 traf man – wie schon mehrfach berichtet – auf sehr offene Ohren. Für ein ähnliches Paket (nur mit Werbung in jeder Ausgabe der Stadionzeitschrift und zusätzlichen sogenannten „redaktionellen Beiträgen“) wurden für 2012 22.000EUR und 2013 33.500 EUR veranschlagt.bw_of_supp

Für die Kooperation mit dem Berliner Fußball-Verband – finanziert mit 24.000 EUR für die Jahre 2012-2014 – wurden der Bundeswehr ebenfalls umfangreiche Rechte eingeräumt.

„Im Rahmen der Kooperationsvereinbarung wurde der Bundeswehr das nicht ausschließliche Recht eingeräumt, den Titel „Förderer des Berliner Fußball-Verbandes e. V.“ für Unternehmenskommunikation und/oder werbliche Aktivitäten zu nutzen. Der BFV unterstützt die Kommunikationsziele der Bundeswehr in Form von Werbeleistungen durch Schaltung von verbandsinternen Printmedien, Präsentation als Förderer mit Verlinkung auf der BFV-Homepage sowie Integration in eine Mailing Aktion des BFV an Seine Vereine. Weiterhin ist die werbliche Präsentation bei Aktionstagen oder Veranstaltungen des BFV möglich.“

Soweit zu den bisher bekannten Fakten, die nun durch konkrete Zahlen bestätigt und untermauert sind. ->weiterlesen “Militärwerbung in Stadien – die Zahlen” »

Der Schuss aufs Ziel – die Bundeswehr, das Schlachtfeld und die Fußball-Stadien

bwDie Bundeswehr hat ein neues Feld für Nachwuchsrekrutierung entdeckt und mit drei Bundesligisten perfekte Partner gefunden. Widerstand dagegen findet noch nicht statt.
Seit der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht ist die Bundeswehr massiver und aggressiver bemüht, sich als normale Arbeitgeberin zu präsentieren. Sie verstärkt die Bemühungen in der Zielgruppe der Heranwachsenden und Jugendlichen Soldaten und Soldatinnen zu werben. Auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Ulla Jelpke vom Januar 2010 räumte die Bundesregierung ein, dass die Bundeswehr mit 27 Sportvereinen Kooperationen zur Personalwerbung abgeschlossen habe, die von Testspielen, bis zu Bandenwerbung reiche. Inzwischen dürfte die Militarisierung des Sportlichen einige Vereine mehr betreffen. Neben dem Versuch, an Schulen Fuß zu fassen und prominent Adventure-Camps zu veranstalten (die und deren Werbeschaltungen in Jugendzeitungen zuletzt heftig in der Kritik standen), eröffnet sich die Bundeswehr mit den Sportvereinen eine neue und bisher kaum beachtete Werbelinie. Prominentes Ziel sind dabei Vereine der Männer-Fußballbundesligen. Zwar erweisen sich viele der Bundesligisten aus Imagegründen weitgehendablehnend gegen entsprechende Versuche der Vereinnahmung, aber es gibt Ausnahmen, die die Bundeswehr gern als Pilotversuch nutzt.
Gemeint sind Hannover 96, der Hamburger Sportverein und der Zweitligist Hertha BSC. Fangen wir bei Hannover 96 mit dem Präsidenten und Hörgerätehesteller Martin Kind an seiner Spitze an.Schon seit Jahren fällt Martin Kind durch besonders militärfreundliche Gesten auf. So finden seit Jahren die Neujahrsempfänge der 1.Panzerdivision in der AWD-Arena (dem Fußballstadion Hannovers) statt und wirbt die Bundeswehr für sich und den freiwilligen Wehrdienst mit ganzseitigen Anzeigen im (allerdings wenig zielgruppenrelevanten) Stadionmagazin. Im März 2011 verteilte Martin Kind am Rande eines Spieles gegen Mönchengladbach gelbe Schleifen – dem von bundeswehraffinen Gruppen herausgegebenen Symbol für Solidarität mit der „Truppe im Fronteinsatz“. Kind maßte sich an, in diesem Zusammenhang für alle Fans von Hannover 96 die Unterstützung für Kriegseinsätze auszusprechen- Er nannte dies: „für ein friedliches Miteinander“ werben.
Die Ursache dieses staatstragenden Verhaltens lässt sich am Einfachsten mit dem Versuch des nahezu allein herrschenden Präsidenten Martin Kind erklären. Er möchte Männer-Fußball aus dem (scheinbaren) Schmuddelimage in die Mitte der Gesellschaft befördern. Bei so viel Entgegenkommen sagt die Bundeswehr natürlich gern Danke. Über den Vermarkter von Hannover 96 Sportfive schaltet die Bundeswehr seit Beginn der Saison zunächst in der Pause während der Fußballspiele massiv Werbung auf LED-Leucht-Werbetafeln; auf der zentralen Anzeigetafel zeigt sie martialische Werbespots. Als es darauf kaum Widerspruch gab, ging sie noch einen Schritt weiter: Die Werbung ist jetzt auch während des Spiels zu sehen, nicht nur in den nationalen Wettbewerben, sondern auch bei europäischen Spielen, so geschehen gegen die polnische Mannschaft Slask Wroclaw. Außerdem ist die Bundeswehr seit Sommer 2012 nun „official Supplier“ der 96er. Damit setzt die Vereinsführung konsequent ihren militärfreundlichen Weg fort. Ähnlich agiert der Hamburger Sportverein. Ebenso wie die vorgestellten anderen Vereine von Sportfive mit potentiellen Sponsoren versorgt, darf die Bundeswehr sich „Supplier“ nennen, von Widerspruch dagegen ist wenig zu hören.
Gehen Hannover und Hamburg den Weg gemeinsam mit der Bundeswehr eher schleichend und leise, hat es die Bundeswehr in Berlin noch leichter. Hertha BSC, das an einem historisch schwer belasteten Ort, dem Berliner Olympiastadion, spielt, wirft sich seit Sommer 2011 förmlich an die Bundeswehrbrust. Euphorisch werden die gemeinsame Partnerschaft gefeiert und Freikarten an Soldaten verteilt, war die Bundeswehr gar „Sponsor of the day“, was ihr zusätzliche Aufmerksamkeit bescherte. In der Partnererklärung heißt es: „Die Bundeswehr und Fußball – und speziell das Team von Hertha BSC das passt in sehr vielen Bereichen mehr als gut zusammen. Tradition, Zusammenhalt, Teamgeist, Durchsetzungsstärke und Fairness verbinden uns in allen Bereichen und auf unterschiedlichen Ebenen.“ Laut TAZ vom 20.07.2012 sponsert die Bundeswehr nicht nur Hertha sondern auch den Lokal Rivalen Union Berlin. 2012 kaufte die Bundeswehr für 31.000 Euro Bandenwerbung beim FC Union und für 127.000 Euro bei Hertha.
Allerdings scheint mit dem Abstieg des Berliner Nobelclubs Hertha auch das Interesse an der Partnerschaft erloschen zu sein, still und leise verschwand die Partner-Werbung von der Homepage. Dafür unterstützt die Bundeswehr jetzt als Förderer den Berliner-Fußball-Verband.
Klar ist: Die Bundeswehr will die hohe Popularität des Männer-Fußballs ausnutzen. Gezielt wirbt das Militär bei Jugendlichen mit gemeinschaftlichem Erleben und Emotionen. Hauptziel der Kampagne dürfte aber eher sein, dass Image der Bundeswehr aufzubessern und sich als ganz normale Arbeitgeberin und Werberin zu präsentieren. Sicher wird mit der gezielten Bandenwerbung noch nicht das Ende der Bundeswehr-Werbemaßnahmen im Männer-Fußball zu erwarten sein. Kommt kein ausreichender Widerspruch werden sicher bald Infostände oder andere Merchandising-Aktionen, auch bei anderen Vereinen folgen.
Von Seiten der Fans kommt bisher wenig bis gar kein Protest. Allenfalls in Internetforen wird Unbehagen ausgedrückt. Zumindest für Hannover dürfte eine Ursache die momentan stattfindenden Zerschlagung der organisierten Fanszene sein. Schwerer wiegt jedoch die zunehmende Entpolitisierung der Fankurven. Hinzu kommt sicher dass die Friedensbewegung wenig bis gar nicht in Fankulturen verankert ist.
Wenn den aktuellen Versuchen nichts entgegengesetzt wird, wird es schwer werden, das Militär wieder aus den Stadien zu verdrängen. Dort hat es aber nichts zu suchen – genauso wenig wie an Schulen.

erschienen in Zivilcourage 01/2013

Die Einvernahme des Fußballs durch Militärs geht weiter

Nachdem die Bundeswehr sein Anfang der Saison auf Banden vor Spielen von Hannover 96 warb, wird ihr Verhalten inzwischen deutlich aggresiver. Inzwischen wirbt sie während des Spieles – sowohl bei Bundesliga, als auch bei Europacupspielen für ihre Rekrutierungskampagne. Zudem laufen gelegentlich vor Spielen Werbespots der Bundeswehr und finden sich ganzseitige Anzeigen im offiziellen Stadionmagazin. Neu und klammheimlich hat Hannover 96 die Bundeswehr als offiziellen Supplier aufgenommen. Das ist (bisher) einmalig in der ersten und zweiten Bundesliga. Damit setzt die Vereinsführung konsequent ihren militärfreundlichen Weg fort. Lädt sie schon seit Jahren die 1.Panzerdivision zum Neujahrsempfang auf ihr Gelände ein erlaubt sie nun auch agressiv Werbung für die Karriere in der Bundeswehr.

Von organisierter Fanszene ist dazu kaum Widerspruch zu hören, nur vereinzelt werden Unmutsbekundungen laut, wie in Daves Blog. Dabei liegt es gerade an ihr, dem laut und deutlich Einhalt zu gebieten. Zielgruppe ist die eigene Fankurve.

Vom Verein wird mit Sicherheit nichts kommen. Staatstragend, wie sich Martin Kind gerne gibt, wird er weitergehenden Ansinnen der Bundeswehr nicht im Weg stehen. Die Folge werden dann offizielle Info- und Werbestände u.ä. sein. Wenn wir den aktuellen Versuchen nichts entgegensetzen wird es schwer werden das Militär wieder aus den Stadien zu verdrängen. Dort hat es aber nichts zu suchen.

Fußball als Mittel der Militarisierung der Gesellschaft und Hannover 96 als deren Handlanger_in

Wer glaubte, dass sich mit der Aussetzung der Wehrpflicht und der Verkleinerung der die Präsenz der Bundeswehr im öffentlichen Raum verringern würde, wird mittlerweile krass eines Besseren belehrt. Immer aggressiver wirbt die Bundeswehr um Nachwuchs, dabei macht sie nicht deutlich, dass er rekrutiert wird, um das Töten zu erlernen und das eigene Leben zu riskieren. Bewusst verbindet die Bundeswehr klassische Werbung mit einer Imagekampagne: Sie will das eigene Image aufpolieren und sich als vermeintlich normale Arbeitgeberin präsentieren. Und das nun auch in unserem Verein – im Stadion von Hannover 96!

Das Problem für die Bundeswehr ist: Kaum jemand möchte sich freiwillig Befehl und Gehorsam unterwerfen und das eigene Leben aufs Spiel setzen. Klar ist jeder und jedem, die_der zur Bundeswehr geht, dass eine „freiwillige Verpflichtung“ auch bedeutet, in Militäreinsätzen im Ausland eingesetzt zu werden. Das passt nicht zu den persönlichen Entscheidungen junger Menschen, die lieber ihr Leben offen und bunt gestalten wollen. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung schrieb etwa 2011 zu den auffallend hohen Abbrecherzahlen (in den ersten sechs Monaten kann eine Selbstverpflichtung noch zurückgenommen werden!): “Viele junge Männer und Frauen, die sich zum freiwilligen Dienst in der Armee entschlossen haben, nutzen ihre sechsmonatige Probezeit und kehren der Truppe Knall auf Fall den Rücken. [… Es gab] auffällig häufig Kündigungen aus persönlichen Gründen: Rekruten fühlten sich überfordert und mochten sich nicht an das Leben in der Kaserne und die soldatische Ordnung gewöhnen. Andere erhielten doch noch einen Studienplatz oder eine Zusage für eine Ausbildung in einem zivilen Beruf.” (HAZ, 21.7.2011) Menschen leben eben lieber bunt als soldatisch.

An Schulen versucht es die Bundeswehr immer wieder, veranstaltet als Sponsor mit einem Aufwand von 250.000 EUR Schul-Fußballturniere, wie eine Anfrage der Linken ergab und sie schaltet Werbung in Stadien und stadiennahen Publikationen. Bei Hannover 96 scheint dieser Weg der Werbung einen neuen Höchststand erreicht zu haben. Nicht nur, dass die Bundeswehr in ganzseitigen Anzeigen im offiziellen Stadionmagazin für sich werben darf, vielmehr schaltet sie auch Werbebanden vor und nach dem Spiel sowie in der Halbzeitpause. So geschehen beim Spiel um die Qualifikation für den Europapokal gegen den irischen Verein St.Patricks Athletics. Ausgenutzt werden soll die hohe Popularität des Fußballs. Gezielt wirbt das Militär bei Jugendlichen – dabei ist die Rekrutierung von Jugendlichen in internationalen Abkommen untersagt. Hauptziel der Kampagne dürfte aber sein, dass Image der Bundeswehr aufzubessern. Es ist erschreckend, dass unser Verein Hannover 96 sich für die Zwecke der Bundeswehr ausnutzen lässt. Statt Spaß und Spiel, statt Freizeitvergnügen, statt Offenheit und Vielfalt, statt Miteinander und Gemeinsamkeit positioniert sich der Verein damit einseitig. Er leistet damit dem Freizeitvergnügen Fußball keinen gefallen, sondern spaltet und leistet direkt der Militarisierung der Gesellschaft Vorschub!

PM von DFG-VK und Friedensbüro: Hannover 96 vereinnahmt Fans für die Bundeswehr

Am Rande des Fußballspieles von Hannover 96 gegen Borussia Mönchengladbach in der AWD Arena verteilte Klubchef Martin Kind sogenannte „Gelbe Schleifen“ an Angehörige von Bundeswehrsoldaten. Das Symbol wird als Zeichen propagiert, das für Solidarität mit sich im Kriegseinsatz befindenden Bundeswehrsoldaten werben soll. Mit dieser Übergabe, nimmt sich Kind heraus, im Namen aller Fans von Hannover 96 zu sprechen, einer Vereinnahmung, der energisch widersprochen werden muss. Bundesweit lehnen über 70% der Bevölkerung Einsätze der Bundeswehr ab, das dürfte auch unter den Fans des Bundesligisten nicht anders sein. Hier werden für den Versuch, Militäreinsätze zum Normalzustand zu erklären, alle Fans vereinnahmt. Darüber hinaus ist es nicht zu verstehen, warum ein Sportverein, sich so an die Bundeswehr anbiedern muss. Weltweit ist die Bundeswehr an Kriegseinsätzen beteiligt, der Krieg in Afghanistan, mit dem Massaker in Kunduz, angeordnet durch Oberst Klein, verdienen keine Solidarität. Gerade Sport als verbindendem friedlichem Element, sollte im Gegensatz zur militärischen Konfliktlösung der Vorrang gegeben werden. Hannover 96 muss sich fragen, warum er als Sportverein, dem entgegengesetzt agiert.

Dass die Schleifen mit dem Spruch: „Für ein friedliches Miteinander“ überreicht wurden, erscheint im Rahmen eines militärischen Einsatzes zumindest zynisch.

Wir fordern den Verein auf, sich von dieser Aktion zu distanzieren und die Vereinnahmung der Fans für politische Zwecke zu unterlassen.

Militär raus aus den Stadien!