Hamburg hat ein Deserteursdenkmal – und was für eines!

Am 24. November wurde in Hamburgs Innenstadt das Deserteursdenkmal eingeweiht.
Schon im Jahr 2010 wurde bei einer öffentlichen Veranstaltung in Ohlsdorf, wo die Willi-Bredel-Gesellschaft an 68 namentlich bekannte Opfer der NS-Militärjustiz erinnert hatte, die Frage gestellt, wo denn in Hamburg ein Gedenkort für die hingerichteten Deserteure entstehen sollte. Hier kam erstmals der Vorschlag auf, solch einen Gedenkort beim Kriegsklotz am Dammtor zu errichten. Es sollte noch einige Zeit dauern, aber nun ist es endlich so weit.
Hamburg hat einen Gedenkort für Deserteue und andere Opfer der NS-Militärjustiz. Vor dem Kriegsklotz steht nun eine kleine Mauer mit der Aufschrift: “Der zweite Weltkrieg war ein Anggriffs- und Vernichtungskrieg, ein vom nationalsozialistischen Deutschland verschuldetes Verbrechen”. Dieser Beschluss des Bundestages vom 15.Mai 1997 steht damit sinnbildlich für den neuen Umgang. Seitlich des Kriegsklotzes in direkter Erwiderung des dort angebrachten Spruches “Deutschland muss leben und wenn wir sterben müssen” verästeln sich am neuen Deserteursdenkmal die Worte Helmut Heißenbüttels des Textes Deutschland 1944. – eine Installation die zum Blickwinkel verschieben, nachdenken und hinterfragen einlädt. Ergänzt wird das Denkmal durch eine integrierte Hörcollage, die mit Lebensdaten der Hingerichteten aufwartet. Alles in allem eine rundum spannende und moderne Gedenkinstallation. Schade nur das Hannover nicht den Mut hatte einen ähnlichen offenen Weg zu gehen.
Begleitet wurde die Eröffnung – gehalten vom Hamburger Bürgermeister Scholz und dem Deserteur Ludwig Baumann – von der Forderung einiger DFG-VK Aktiver für ein Asylrecht für Deserteure, verbunden mit der Forderung, die Bundeswehr abzuschaffen.

neues Deserteursdenkmal in Hamburg, Hannover jetzt ohne

Erfreuliche Nachrichten aus Hamburg. Wie vielfach berichtet wird (Quelle für die Links)

Deserteurdenkmal in Hamburg
Bremer Nachrichten/Weser-Kurier vom 6. Juni 2014, Seite 20 (Kultur)

Im Wegsehen läge die Schande – Das Deserteurdenkmal verdient Anerkennung
Hamburger Abendblatt vom 6. Juni 2014 (Kommentar)

So soll das Hamburger Deserteurdenkmal aussehen  – Zeichen für Zivilcourage
NDR-Info vom 5. Juni 2014

Hamburger Künstler Volker Lang soll Deserteurdenkmal bauen
Hamburger Abendblatt vom 5. Juni 2014

Gestaltungswettbewerb für Deserteurdenkmal am Stephansplatz entschieden
Pressemitteilung der Kulturbehörde Hamburg vom 4./5. Juni 2014

bekommt Hamburg jetzt endlich ein neues Derteursdenkmal.

Für Hannover sieht es schlechter aus. Ein Beschluss für einen Ersatz auf dem Fössefeldfriedhof (dazu kritisch hier) ist noch nicht gefasst, ein Umgang mit dem voahndenen Denkmal auf den Fösselfeldfriedhof ist noch nicht gefunden, da wird es bereits abmontiert. nach Aussage der Stadt soll es sicher zwischengelagert werden. Eines scheint – zumindest für die Stadt – sicher: Auf dem Trammplatz wird es keinen Platz mehr finden. Hannover verliert sein Deserteursdenkmal (vorerst).

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‘Jeden Drückeberger trifft ohne Gnade das gleiche Schicksal’. Hamburger Kriegsgerichte und die Deserteure des Zweiten Weltkrieges – Erinnerung noch immer unerwünscht?

erschienen bei HSOZKULT am 16.01.2012
Veranstalter:
KZ-Gedenkstätte Neuengamme; Evangelischen Akademie Hamburg; Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg; Bundesvereinigung Opfer des NS-Militärjustiz Bremen, Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge Hamburg; Willi Bredel Geschichtswerkstatt Hamburg
Datum, Ort: 17.11.2011-19.11.2011, Hamburg

Bericht von:
Ralf Buchterkirchen, Initiative Deserteure Hannover; Heinz-Jürgen Voß, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Halle an der Saale

Zwei Jahre nachdem der Bundestag die letzten Opfer der NS-Militärjustiz rehabilitierte, sind die Forschung und das diesbezügliche öffentliche Wissen noch immer lückenhaft. Zwar wurden überregional einzelne Forschungsfortschritte erzielt, regional verringerte sich der Forschungsbedarf hingegen kaum. Das gilt auch für Hamburg, obschon dort mindestens 13 Kriegsgerichte tätig waren. In Altona befand sich eines der vier auf dem Reichsgebiet gelegenen Wehrmachtuntersuchungsgefängnisse. Im Untersuchungsgefängnis Holstenglacis wurden Dutzende kriegsgerichtlich Verurteilte hingerichtet und auf dem Schießplatz in Rahlstedt mehrere hunder Soldaten erschossen. Die von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme veranstaltete Tagung zog Bilanz der bisherigen Forschung und erörterte Möglichkeiten für eine den Deserteuren würdige Gedenkkultur in Hamburg. ->weiterlesen “‘Jeden Drückeberger trifft ohne Gnade das gleiche Schicksal’. Hamburger Kriegsgerichte und die Deserteure des Zweiten Weltkrieges – Erinnerung noch immer unerwünscht?” »