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Wie mehreren Artikeln hier im Blog zu entnehmen ist, beschäftige ich mich intensiv mit Gernika und der Bombardierung am 26.4. 1937 auch durch Einheiten aus Wunstorf. Seit Jahren arbeitet der AK Regionalgeschichte, auch (aber noch viel zu wenig) unterstützt von der hannoverschen Friedensbewegung, gegen das Vergessen und die Traditionspflege der Bundeswehr gerade in Wunstorf. Dort gibt es eine komplett unkritische JU52-Ausstellung. Auf zentralem Wege gelegen erinnert immer noch Boelcke-Strasse an das Nazi-Geschwader (wie übrigens auch in Hannover). Nun hat die Bundeswehr dem jahrelangen Druck scheinbar nachgegeben und will auf dem Gelände der Bundeswehr einen Findling aufstellen, der an die Bombardierung erinnert. Soweit so gut, das wäre ein erster Schritt, könnte man sagen. Die Stadt Wunstorf und das Militär verstehen es endlich. Dem ist leider nicht so. Die Symbolik macht es deutlich:

  • Sich zu weigern endlich die Straßenumbenennung durchzusetzen (und vielleicht eine Straße nach Gernika zu benennen
  • Überhaupt ein Gedenken im öffentlichen Raum zu ermöglichen (der Stein soll ja auf dem Bundeswehrgelände, also nichtöffentlich stehen)
  • Die JU-52 Halle nicht in die Aufarbeitung mit einzubeziehen
  • In dem Zusammenhang auch das Denkmal (was es offensichtlich schon länger gibt), welches an die Luftbrücke erinnert, neben den neuen Stein zusetzen und ihn damit quasi dagegen zu setzen („Es war ja nicht alles schlecht.“)
  • Einen Findling zu verwenden, den „deutschesten aller Steine“, der insbesondere als Kriegskultstein für deutsche Gefallene eine hohe Bedeutung besaß und besitzt ist mindestens geschmacklos.

Es wird deutlich, dass das Aufstellen des Gernikasteins nur der eigenen Selbstrechtfertigung dient und damit zur Selbstlegitimierung und zur Legitimierung neuer Kampfeinsätze. Das ist Missbrauch und verhöhnt die Opfer und instrumentalisiert sie. Das mit massiver grüner Unterstützung und ohne die Transparenz über die politische Dimension dieses Projektes deutlich zu machen, auch noch baskische Vertreter_innen und Schüler_innen explizit eingeladen werden, setzt dem Ganzen die Krone auf.

Ich dokumentiere im Folgenden eine Pressemitteilung des baskischen Vereins Baskale und eine PM der ver.di Bildungswerkes Hannover und des AK Regionalgeschichte.

Polemik um die Aufstellung eines „Guernica"-Gedenksteins in Wunstorf
Dieser Kommentar ist ein Beitrag des baskisch-deutschen Kulturvereins BASKALE mit Sitz in Bilbao, Baskenland zur der Diskussion um einen Guernica-Gedenkstein am Bundeswehrgelände in Wunstorf und zum 80. Jahrestag der Vernichtung der baskischen Stadt Gernika (spanisch: Guernica) durch die zu weiten Teilen aus Wunstorf stammende Legion Condor (Kampfgeschwader Boelcke). Dazu möchten wir aus baskischer Sicht Folgendes kommentieren:

Wir halten es für politisch sehr fragwürdig, wenn in Wunstorf der Name Gernika für einen Gedenkstein an einer Einrichtung der Bundeswehr benutzt werden soll, während gleichzeitig die Geschichte von Gernika und des dort verübten Kriegsverbrechens an derselben Stelle bewusst im Dunkeln gelassen wird. Wir halten es für einen politischen Skandal, dass bei der geplanten Einweihung dieses Gedenksteins baskische Schüler/innen und ihr Begleitpersonal anwesend sein sollen. Umso gravierender ist die Tatsache, dass wir in Erfahrung bringen konnten, dass die baskischen Gäste nicht informiert sind über die gesamte politische Dimension des Gedenkstein-Projekts.

Solange die Stadtverwaltung von Wunstorf den Namen „Boelcke“ in ihrem Straßenverzeichnis hat, solange die Bundeswehr nicht darüber informiert, welche Kriegs-Verbrechen mit der im Museum ausgestellten Junkers 52 im Baskenland, in Spanien, in Polen und England angerichtet wurden, auch solange es in Berlin eine Spanien-Allee gibt, mit der an die mörderische Legion Condor gedacht bzw. sie verherrlicht wird – solange empfehlen wir der Stadtverwaltung Wunstorf und den Verantwortlichen der Bundeswehr am selben Ort dringend, auf den Namen Gernika (Guernica) auf Gedenksteinen zu verzichten. Die direkte Nachbarschaft der Namen „Boelcke“ und „Gernika“ ist eine Beleidigung für die Opfer der Nazi-Luftwaffe im Baskenland. Wir halten es für notwendig, dass zur Gedenkstein-Geschichte auch Stimmen aus dem Baskenland und aus Gernika selbst zu Gehör gebracht werden.

Klaus Armbruster, Geschäftsführer des gemeinnützigen Kulturvereins Baskale (Bilbao / Baskenland)

Der aktuelle Skandal in der Bundeswehr und die militärische Traditionspflege auf dem Fliegerhorst Wunstorf und in der Stadt Wunstorf - Presseerklärung
Die Öffentlichkeit ist zur Zeit darüber entsetzt, dass in der Bundeswehr ein rechtes Netzwerk aktiv ist, das sich positiv auf die Traditionen der Wehrmacht bezieht. Einzelne Soldaten scheinen auch nicht mehr davor zurückzuschrecken, Anschläge vorzubereiten. Seitdem die Bundeswehr in internationale Kriegseinsätze geschickt wurde, häuften sich darüber hinaus Berichte über Soldatenmisshandlungen. Auch die auf dem Fliegerhorst Wunstorf (Region Hannover) betriebene Traditionspflege gab immer wieder Anlass zu Beschwerden und öffentlichen Diskussionen. Kritisiert wird die Ausstellung in der Ju-52-Halle, ein Militärmuseum auf dem Gelände des Fliegerhorstes, für das das Lufttransportgeschwader 62 die Verantwortung trägt. Obwohl die schlimmsten Nazi-Devotionalien wie Hakenkreuze, NS-Literatur etc. nach einer Beschwerde des Arbeitskreises Regionalgeschichte an das Verteidigungsministerium bereits 1998 beseitigt wurden, blieben die verheerenden Einsätze der Junkersmaschinen und der Angehörigen des in Wunstorf stationierten NS-Traditionsgeschwaders Boelcke während des Spanischen (Bürger-) Krieges und des Zweiten Weltkrieges ausgeblendet.

Zu nennen sind hier insbesondere:

  • die Luftbrücke von „Spanisch-Marokko“ auf die iberische Halbinsel mit Ju-52-Transportmaschinen im Juli und August 1936 für die Fremdenlegionäre des Generals Franco, Anführer eines Putsches gegen die spanische Republik. Ohne diese Luftbrücke wäre der Putsch gleich in den ersten Tagen gescheitert.
  • Die Zerstörung von spanischen Städten und Dörfern durch Ju-52-Behelfsbomber und Personal von den Fliegerhorsten Wunstorf und Langenhagen – darunter der verheerende Angriff auf die baskische Stadt Guernica/Gernika am 26.4.1937.
  • Die Angriffe auf Warschau im September 1939, bei der JU-52-Transportflugzeuge aus denen Brandbomben geschaufelt wurden, eine verhängnisvolle Rolle spielten. Warschau stand tagelang in Flammen.
  • Die Zerstörung der englischen Stadt Coventry durch das Boelcke-Geschwader im September 1940.

Dies sind nur einige Beispiele für Einsätze der „guten alten Tante Ju“ und des Boelckegeschwaders, die in der Ju-52-Halle verschwiegen und vertuscht werden.

Auch die Stadt Wundtorf beteiligt sich an der Verharmlosung der Kriegsverbrechen der NS-Luftwaffe.

Anfang der 1950er Jahre ließ sie eine Straße zu Ehren des Traditionsgeschwaders, das Gernika und Coventry in Schutt und Asche legte, wieder – wie zu Nazizeiten – „Oswald-Boelcke-Straße“ nennen. Seit den 1980er Jahren wird immer wieder gefordert, diese Straße endlich umzubenennen – bis heute vergeblich.

Zwar wollen das Lufttransportgeschwader 62 und die Stadt Wunstorf im Herbst 2017 am Fliegerhorst einen Gernikagedenkstein aufstellen. Dieses Gedenken muss aber unglaubwürdig bleiben, wenn in der Ju-52-Halle die Wehrmachtsverbrechen weiter verschwiegen und in Wunstorf die Täter von Gernika immer noch geehrt werden.

Der aktuelle Skandal in der Bundeswehr sollte endlich auch in Wunstorf zum Anlass genommen werden, die bislang betriebene Traditionspflege zu beenden.

Hubert Brieden,Historiker, Arbeitskreis Regionalgeschichte
Michael Dunst Pädagogischer Leiter, Bildungswerk ver.di Niedersachsen

Eine intensive Woche in Gernika ist vorbei. Klar ist: Viele Fragen bleiben offen, viele Probleme und Konflikte, werden sie nur aus einer deutschen Sicht betrachtet müssen unverstanden sein.

Ein Beispiel: Während unseres Aufenthaltes kam es immer wieder zu Debatten über die Fangquoten für Fisch. Aus gesamteuropäischer oder deutscher Perspektive mögen pauschale Quoten, die eine Überfischung des Meeres verhindern sollen Sinn machen. Für das Baskenland, oder konkret Bermeo, den Küstenort unweit von Gernika bedeutet das, das große internationale Fangflotten die Meere leerfischen und Quoten, die dem baskischen Teil Spaniens zuzurechnen wären, von der spanischen Regierung absichtlich anderswo vergeben werden. Konkretes Ergebnis ist die Arbeitslosigkeit der Fischer_innen, deren Schuld wohl kaum das Artensterben im Atlantik ist.

Eine Stand der Autonomie des Baskenlandes, die das Papier nicht wert ist, auf dem sie zugesagt ist (und die bei weitem hinter den föderalen Rechten der Bundesrepublik hinterherbleibt) tut ein Übriges.

Nach sieben Tagen beginnen wir zu verstehen, was die Forderung nach Unabhängigkeit für das Baskenland bedeutet. Es geht nicht um einen neuen kleinen kapitalistischen Staat, sondern um Gerechtigkeit und Selbstverwaltung, insbesondere auch unter dem Blickwinkel einer dauernden Demütigung durch den spanischen Zentralstaat. Es geht weniger bis gar nicht um nationalistische Konzepte, wie wir sie hier kennen und von Rechtsaußen erleben. Eher ist das Gegenteil der Fall. Hinzu kommt das extrem schwierige Thema der Nichtaufarbeitung der Franco-Zeit, das Schweigen und Nichtanerkennen bis heute.
Das Thema Unabhängigkeit, welches bei allen Gesprächen mitschwingt, ist sehr facettenreich und nicht mit einem einfachen ja oder nein zu beantworten.

Noch ein Satz zum Gedenken: Gegenwärtig ist zu spüren, beispielsweise in der Tageschau vom 26.4., die kurz über Gernika berichtete, das eine Gleichsetzung der Täter mit den Opfern versucht wird. Für diese These spricht, das Orte wie Dresden und Rostock, die von alliierten Bomben in der Endphase des Zweiten Weltkrieges getroffen wurden, mit den Angriffen auf Gernika gleichgesetzt werden. Dieses „Wir sind doch alle Opfer von Bomben“ blendet die Täterseite aus und macht sie unsichtbar (Unter diesem Blickwinkel ist auch die Wahl Pforzheims und nicht Wunstorfs zur Partnerstadt Gerniks zu sehen). Hier ist Wiederstand und Offenheit geboten. Ich hoffe, ich konnte mit diesem Reiseblog ein klein wenig dazu beitragen.

Schließen möchte ich daher die Reihe mit bisher nicht gezeigten Beiträgen von den Gedenkfeierlichkeiten rings um den 80. Jahrestag der Bombardierung Gernikas.

Im Rahmen von Strassentheater (Bilder gibt es hier) wurde das Lied „Gernikan“ der baskischen Band Ken Zazpi neu interpretiert. Außerdem Bilder der starken Abschlussdemonstration zum 26.4. 2017.

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Dies war der letzte Teil meines Videoblogs zur Fahrt nach Gernika 2017.

Die Einleitung findet sich hier.

Teil 1 – Die Begrüßung

Teil 2 – Treffen mit der Gewerkschaft LAB

Teil 3 – 15.45: 4 Minuten

Teil 4 - Die Zeit des Schweigens durchbrechen

Teil 5 - Die Lügen sind bis heute aktuell

Die Comisión de Bombardero ( Kommission zur Aufarbeitung der Bomardierung) wurde 1977, 2 Jahre nach dem Tode Francos formell gegründet. Erste Treffen und Initiativen gab es ab 1976 (Franco starb 1975).

Xabier Onaindia, Junjo Ixaguierre und Carmelo Landa (von links nach rechts im Video) erzählten uns vom Beginn der Arbeiten, dem langen – immer noch andauernden Schweigen, dem Vertuschen, neuen Erkenntnissen und der Zusammenarbeit mit anderen Initiativen, aber auch von Folter und Verhaftungen in der post-franquistischen Ära, von der sie teilweise selber betroffen waren. „Die Lüge ist bis heute aktuell.“, so Carmelo Landa zum Umgang des spanischen Staates mit Gernika.

Hier das vollständige Video, wie auch schon beim Besuch bei der Gewerkschaft LAB übersetzt und hilfreich kommentiert von Andreas und Klaus von Baskale. Vielen Dank dafür.

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Auch hier möchte ich zudem schriftlich auf Kernpunkte der zweistündigen Debatte eingehen und diese wiedergeben.

Auch über 40 Jahre nach dem Tod Francos, 80 Jahre nach der Bombardierung Gernikas sind viele grundlegende Fragen ungeklärt. Das betrifft vor allem die Zahl der Opfer, aber auch die Klärung von Verantwortlichkeiten. Noch immer sind Archive unter Verschluss. Noch immer hat die spanische Regierung die Bombardierung Gernikas nicht als Fakt anerkannt.

Nach der Bombardierung Gernikas wurden mit hohem Aufwand Beweise der Bombardierung beseitigt und wurden Scheinbeweise installiert, die nachweisen sollten, dass die Linke, die Basken selbst Gernika in Brand gesetzt hätten. Diese Lüge wurde brachial verteidigt. Eine Rede über das was wirklich in Gernika geschah, führte 40 Jahre lang zu Verhaftung oder schlimmerem.

Ab 1976 wurden durch Aktive, aus denen die Comisión de Bombardero hervorging Augenzeug_innenberichte gesucht und Journalist_innen eingeladen. Die Reaktion war enorm. Vor allem die ausländische Presse war sehr interessiert. Seitdem gibt es regelmäßige Veranstaltungen, wurden Kontakte aufgebaut. Erste wissenschaftliche Abhandlungen erschienen und erscheinen fortlaufend, die immer detaillierte und genauer die Täter benennen. Nichtdestotrotz gibt es auch heute noch Berichte in spanischen Zeitungen, die die Lüge der Selbstzerstörung verbreiten.

Gerade frisch erschienen ist (leider bisher nur in spanisch) eine Arbeit von Xabier Irujo, der neue Fakten nennt: Demnach muss von ca. 2000 durch die Bombardierung umgekommenen Menschen ausgegangen werden. Der Oberbefehl über den Angriff kam nachweislich von Franco persönlich (bisher hat die spanische Rechte immer argumentiert, das Gernika ein bedauerlicher deutscher Einzelgang gewesen sei). Die Bomben wurden sehr tief abgeworfen. Teilweise nur 60 Meter über dem Boden flogen die Mordmaschinen. Sie wussten genau was sie taten. Ziel war die Zerstörung Gernikas, nicht die Zerstörung der Brücke (wie vielfach behauptet; Die Brücke wurde im brigen auch nicht zertört.). Ziel war, so viele Menschen wie möglich zu ermorden. Zuerst flogen Maschinen, die 250-Kilo Bombenabwarfen und das Ziel hatten, die Dächer und Mauern der Häuser zu zerstören. Dann folgten Brandbomben und Jagdflieger, die gezielt auf Flüchtende schossen.

Als die Comisión de Bombardero geründet wurde, hatte sie drei Forderungen, die bis heute nicht erfüllt sind:

  • Die historische Wahrheit der Bombardierung wird anerkannt und die Verantwortung dafür entsprechend zugewiesen.
  • Gernika wird Stadt der Kultur und des Friedens.
  • Das Picassobild „Guernica“ wird nach Gernika überführt (Guernica Gernikara).

Haupthindernis einer Aufarbeitung ist bis heute das Amnestiegesetz, welches mit dem Übergang Spaniens nach Franco verabschiedet wurde. Es verhindert jegliche Aufarbeitung und verstößt gegen das Völkerrecht, konkret die Menschenrechtskonvention. Dieser Völkerrechtsverstoss führt jedoch dazu, das in jedem Land weltweit Anklagen erhoben werden können. Das ist nun geschehenen. Ein Bürger mit argentinischem Pass hat in Argentinien Klage eingereicht. Die ermittelnde Staatsanwältin ist nun häufig in Spanien unterwegs, massiv behindert vom spanischen Staat. Nichtsdestotrotz haben sich zahlreiche Kommunen, wie Barcelona und demnächst Madrid der Klage angeschlossen. Der erste Versuch einer juristischen Aufarbeitung ist nicht mehr aufzuhalten. Allein das reicht nicht.

Konkret ist jetzt notwendig:

  • Abschaffung des Amnestiegesetzes, um die Verfolgung der Täter der Franco-Diktatur endlich zu verfolgen und aufzuarbeiten.
  • Öffnung aller Archive
  • Unterstützung der argentinischen Klage auf allen Ebenen

Aber auch nach Franco hörten die Repressalien nicht auf. 40.000 Menschen (bei nur 3 Millionen Einwohner_innen wurden in den letzten 40 Jahren aus politischen Gründen verhaftet, davon 7.000 nachgewiesenermaßen gefoltert. Eine Demokratie ist Spanien nicht.

Daher bleibt nur abschließend das Statement von Carmelo Landa zu wiederholen:
"Wenn es einen Krieg gibt, und wenn auf den Krieg Lügen folgen und wenn ein vierzigjähriges eisernes Schweigen verordnet wird über alles, was in der Zeit passierte, dann ist ein langsamer Prozess hin zu einer Demokratie nicht möglich, sondern es erfordert einen Bruch. Ein Bruch ist notwendig mit dem Vergessen, mit dem Schweigen und ein Beginn der Aufarbeitung der Wahrheit.[...] Wenn dieser Bruch nicht erfolgt, bleibt alles mehr oder weniger beim Alten" Carmelo Landa, Gernikan Batzordea

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Zum Weiterlesen sei die im AK Regionalgeschichte erschienene Broschüre Kriegsfolgen empfohlen.

Dies war Teil Fünf meines Videoblogs zu Gernika 2017.

Die Einleitung findet sich hier.

Teil 1 – Die Begrüßung

Teil 2 – Treffen mit der Gewerkschaft LAB

Teil 3 – 15.45: 4 Minuten

Teil 4 - Die Zeit des Schweigens durchbrechen

Teil 5 - Die Lügen sind bis heute aktuell

Teil 6 - Abschluss independentzia - Unabhängigkeit

 

 

Am Freitag morgen waren wir zu Gast bei der Comisión de Bombardero, Gernikan Batzordea. Sie beschäftigt sich seit ihrer Gründung 1976/77 mit der Aufarbeitung der Bombardierung Gernikas. 2 Stunden sprachen Sie mit uns. Das Video und eine Zusammenfassung folgt noch, hier erst einmal das Schlußstatement von Carmelo Landa und Junjo Ixaguierre zur spanischen Politik und dem Umgang mit der Franco-Dikatur, übersetzt von Klaus Armbruster von Baskale.

"Wenn es einen Krieg gibt, und wenn auf den Krieg Lügen folgen und wenn ein vierzigjähriges eisernes Schweigen verordnet wird über alles, was in der Zeit passierte, dann ist ein langsamer Prozess hin zu einer Demokratie nicht möglich, sondern es erfordert einen Bruch. Ein Bruch ist notwendig mit dem Vergessen, mit dem Schweigen und ein Beginn der Aufarbeitung der Wahrheit.[...] Wenn dieser Bruch nicht erfolgt, bleibt alles mehr oder weniger beim Alten"
Carmelo Landa, Gernikan Batzordea

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Dies war Teil Vier meines Videoblogs zu Gernika 2017.

Die Einleitung findet sich hier.

Teil 1 – Die Begrüßung

Teil 2 – Treffen mit der Gewerkschaft LAB

Teil 3 – 15.45: 4 Minuten

Teil 4 - Die Zeit des Schweigens durchbrechen

Teil 5 - Die Lügen sind bis heute aktuell

Teil 6 - Abschluss independentzia - Unabhängigkeit

 

Am 26.April 1937 um 15.45 dröhnten die Sirenen durch Gernika. Es war Montag. Marktag. Es war kein  normaler Bombenangriff. Der Angriff galt dem kulturellem Zentrum, der Moral der baskischen Bevölkerung. Der Angriff der franquistischen Flieger, unter ihnen die deutsche Legion Condor war eines der ersten Flächenbombardements der Menschheitsgeschichte. Heute vor 80 Jahren. Jährlich erklingen erneut die Sirenen für 4 Minuten. Exakt um 15.45 steht weitgehend das öffentliche Leben still. So auch heute. Zeit für Trauer.

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Dies war Teil Drei meines Videoblogs zu Gernika 2017.

Die Einleitung findet sich hier.

Teil 1 – Die Begrüßung

Teil 2 – Treffen mit der Gewerkschaft LAB

Teil 3 – 15.45: 4 Minuten

Teil 4 - Die Zeit des Schweigens durchbrechen

Teil 5 - Die Lügen sind bis heute aktuell

Teil 6 - Abschluss independentzia - Unabhängigkeit

 

Am Montag waren wir zu Gast bei der baskischen Gewerkschaft LAB.

Die Gewerkschaft Langile Abertzaleen Bartzordeak (LAB) ist die zweitgrößte baskische Gewerkschaft, nach der ebenfalls nur im Baskenland vertretenen ELA. Sie ist als Einzige im gesamten Baskenland aktiv (also dem französischen und dem spanischen Teil).

Wir sprachen mit der Gewerkschaftlerin Aitziber Barandika, ergänzt und übersetzt durch Klaus und Andrea von Baskale dem baskisch deutschen Kulturverein. Sie sprach über neue Ansätze für Gewerkschaftspolitik, dem politischen Ansatz und den Prozess der Unabhängigkeit des Baskenlandes, den LAB unterstützt, feministische Gewerkschaftsarbeit, die Schwierigkeiten von emanzipativer Gewerkschaftsarbeit in Spanien und insbesondere im Baskenland, Generalstreiks und das Verhältnis zu anderen Gewerkschaften, wie ELA.

Das leicht gekürzte Video der Veranstaltung findet sich hier.

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Ich möchte aber nicht versäumen, auf einige angesprochene Punkte unabhängig davon direkt einzugehen, ausführlichere Infos dazu finden sich dann im Video.

Das Recht auf Unabhängigkeit verbunden mit einer sozialen Umgestaltung hin zu mehr Gerechtigkeit ist die inhaltliche Hauptstütze von LAB, dabei wird, so Aitziber Barandika, Unabhängigkeit nicht mit dem Ziel einen neuen kapitalistischen Staat in einem neoliberalen Europa verstanden, sondern es gelte neue Konzepte zu entwickeln.

Die Gewerkschaften befinden sich, so die Gewerkschaftlerin in einem gewaltigen Umbruch. Immer noch ist das Gewerkschaftsmodell des 19. Jahrhunderts prägend, welches sich fast ausschließlich an Arbeitende, insbesondere an Weiße und Männer richtet. Klassische spanische Gewerkschaften sind zu sehr von staatlicher Unterstützung abhängig und damit zu stark auf Partnerschaften angewiesen, was zu schlechten Kompromissen führt. LAB ist dagegen unabhängig und versteht sich als konfrontative Gewerkschaft. Allerdings besteht das prinzipielle Problem der Vertretungsmacht abseits betrieblicher Bündnisse. Neben Industrie, öffentlichen Diensten und privaten Diensten wird sich LAB auf ihrem nächsten Gewerkschaftstreffen mit einer vierten Arbeitsbereich beschäftigen und (hoffentlich) deren Aufbau beschließen. Dieser vierte Bereich – soziale Mobilisierung genannt, soll territoriale Aktivierungen auch außerhalb klassischer Unternehmensstrukturen entwickeln. Gewerkschaftliche Vertretung soll nicht am Betriebstor aufhören. Hauptproblem ist derzeit, das ein hoher Grad an Scheinselbständigkeit und Kleinstunternehmen vorherrscht und für diese keine direkte Vertretung möglich ist. Über regionale Bündnisse und regionale Tarifverträge (und nicht nur rein betriebliche) sollen auch diese – von klassischer Gewerkschaftsarbeit Ausgeschlossenen – unterstützt werden. Zielgruppen sind Zuwanderer und prekär Beschäftigte, bzw. eine Sozialgesellschaft über rein betriebliche Bündnisse hinaus. Der Ansatz, der hier nur mit wenigen Worten beschrieben werden kann, verdient sicher mehr Beachtung.

LAB versteht sich als baskisch, als feministisch, konfrontative und als politische Gewerkschaft. Damit wird sie zum Hautangriffspunkt nicht nur der großen etablierten spanischen Gewerkschaften, sondern auch der politischen Rechten. Inhaltlich versucht LAB gesellschaftliche Entwicklungen emanzipatorisch aufzugreifen, so fließt beispielsweise die Erkenntnis, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt bereits in ihre Arbeit ein und es wird entsprechend versucht passende Angebote zu schaffen.

Politisch sein, heißt für LAB auch, sich für die Rechte der politischen Gefangenen einzusetzen. Mit der Kampagne #ireki (bask. für öffnen) setzt sie sich beispielsweise für heimatnahe Haft der ETA-Gefangenen ein.

Dies war Teil Zwei meines Videoblogs zu Gernika 2017.

Die Einleitung findet sich hier.

Teil 1 – Die Begrüßung

Teil 2 – Treffen mit der Gewerkschaft LAB

Teil 3 – 15.45: 4 Minuten

Teil 4 - Die Zeit des Schweigens durchbrechen

Teil 5 - Die Lügen sind bis heute aktuell

Teil 6 - Abschluss independentzia - Unabhängigkeit

 

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Nach einem langen Flug (oder besser langen Wartezeiten) sind ca 20 Aktivist_innen aus Wunstorf, Neustadt und Hannover am späten Nachmittag des 22.4. in Gernika (span. Guernica) angekommen. Wir werden in der kommenden Woche mehr über Gernika und die Situation im Baskenand erfahren, werden mit Gewerkschafter_innen reden und uns an den Gedenkfeierlickeiten zum 80 Jahrestag der Bombardierung Gernikas beteiligen.

Eine sehr positive Überraschung gab es gleich am ersten Abend. Ohne Planung, erfuhr der baskische Chor Urdaibai Kantagunea (Bild oben) aus Gernika durch Zufall von unserer Ankunft. Seit Jahren git es Kontakte und gemeinsame Veranstaltungen, so 2013 in Wunstorf. Obwohl der Chor bereits den ganzen Tag in San Sebastian unterwegs war, entschied er sich zu einem spontanen Auftritt zu unserer Begrüssung. So funktioniert Freundschaft. Ich freue mich, hier den Auftritt zeigen zu dürfen.

Der Chor Urdaibai Kantagunea singt singt ein altes baskisches Freiheitslied, hier und heute für Mechthild.

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Dies war der erste Teil meines Videoblogs zu Gernika 2017

Die Einleitung findet sich hier.

Teil 1 – Die Begrüßung

Teil 2 – Treffen mit der Gewerkschaft LAB

Teil 3 – 15.45: 4 Minuten

Teil 4 - Die Zeit des Schweigens durchbrechen

Teil 5 - Die Lügen sind bis heute aktuell

Teil 6 - Abschluss independentzia - Unabhängigkeit

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