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Heute wurde auf dem Stadtteilfriedhof Fössefeld das vom Ehepaar Breuste geschaffene Denkmal "Ungehorsam 1933-1945" eingeweiht, sowie eine Informationstafel aufgestellt. Damit wird der Ort auch nach außen sichtbar eine Ort des Gedenkens und Mahnens an Deserteure. Offen ist jedoch weiterhin das Schicksal des alten Deserteursenkmals auf dem Trammplatz, welches im Sommer 2014 entfernt wurde. Hier muss dringend die Auseinandersetzung erfolgen. Erfreulicherweise machte Hansjoachim Kreter von der städtischen Erinnerungskultur zwei weitere Punkte deutlich. Dringend müssen, so Kreter auch am Waterlooplatz - dem Ort an dem das Wehrmachtuntersuchungsgefängnis stand - und an der Emmich-Cambrai-Kaserne - dem Ort der Erschiessung - Hinweistafeln oder andere Formen des Erinnerns angebracht werden.

Besonders bewegend an der Veranstaltung war die Anwesenheit der Tochter des wegen Wehrkraftzersetzung in Hannover hingerichteten Soldaten und Lehrers Hubert Breitschaft, Elizabeth Wiehr.

Im ersten Teil wurde ausführlich über die Geschichte des vorhandenen hannoverschen Denkmals für den unbekannten Deserteur geschrieben. Aktuell ist es in einem bedauernswerten Zustand und einem angemessenen Gedenken unwürdig. Seit mehreren Jahren versucht daher eine Initiative für ein Deserteursdenkmal in Hannover, diesen Zustand zu ändern und eine öffentliche Debatte über ein Deserteursdenkmal herbeizuführen.

Im Januar 2012 kam endlich Bewegung in die Debatte.

Der Kulturausschuss der Stadt Hannover beschloss eine Ausschreibung für ein Denkmal für den unbekannten Deserteur in Hannover. Konkret wurde beschlossen: „Die Verwaltung wird beauftragt, die Neugestaltung eines Denkmals für den unbekannten Deserteur in das Rahmenkonzept zur Gedenk- und Erinnerungskultur der Landeshauptstadt Hannover aufzunehmen. Die Auslobung eines entsprechenden Wettbewerbes ist vorzusehen.“

Die Verwaltung muss nun diesen Beschluss umzusetzen und wird voraussichtlich zum Ende der Sommerpause einen entsprechenden Vorschlag veröffentlichen. Grund genug, sich ein paar Gedanken zu einem solchen Projekt zu machen.

Die Frage nach der Notwendigkeit eines würdigen Gedenkens sollte sich - auch in Hannover – nicht mehr stellen. Hannover als einer der führenden Rüstungs- und Militärstandorte des Zweiten Weltkrieges hat eine besondere Verantwortung. Soldaten, die sich der militärischen Logik und damit auch dem verbrecherischen Angriffskrieg Hitlerdeutschlands entziehen wollten, wurden in Hannover verurteilt und hingerichtet. Für mindestens 15 Soldaten ist dies belegt.[1] Eine Auseinandersetzung fand bisher dazu in viel zu geringem Maße statt. Daher ist es zu begrüßen, dass die politischen Entscheidungsträger_innen im Kulturausschuss für einen Wettbewerb votierten, bewirkt er doch eine gesellschaftliche Auseinandersetzung und geht damit weit über ein bloßes Gedenken hinaus. ->weiterlesen “ein Deserteursdenkmal für Hannover – Ansätze für eine Debatte” »

endlich ist es soweit: Neu erschienen und im gut sortierten Buchhandel (alternativ auch versandkostenfrei direkt beim Verlag ak-regionalgeschichte.de) ist das Deserteursbuch erhältlich. Hier gibt es einen Teaser.

Buchcover

Aus dem Klappentext:„Schade, dass es ihn nicht erwischt hat!“ Diese spontane Reaktion auf die Meldung über das misslungene Attentat auf Adolf Hitler kostet Hubert Breitschaft das Leben. Der Lehrer aus dem bayrischen Cham wird vom Feldgericht verurteilt und in Hannover-Vahrenwald erschossen.
Der Hannoveraner Robert Gauweiler, dem zur Last gelegt wurde, im Kameradenkreis gesagt zu haben: „Diesen Krieg verlieren wir“, wird von der Wehrmachtsjustiz in Dänemark zum Tode verurteilt und in Hamburg erschossen. So wie Breitschaft und Gauweiler erging es vielen. Die NS-Militärjustiz verhängte etwa 30.000 Todesurteile gegen Soldaten, die den Gehorsam verweigerten; mindestens 21.000 wurden vollstreckt.
Für Hannover – einen der fünf wichtigsten Rüstungsstandorte – hat dieses Kapitel der deutschen Geschichte besondere Relevanz. Am Waterlooplatz wurden Soldaten durch die Militärgerichtsbarkeit verurteilt, in Hannover-Vahrenwald, auf dem Gelände, wo sich heute die Emmich-Cambrai-Kaserne befindet, wurden sie hingerichtet und auf dem Fössefeldfriedhof in Hannover-Linden begraben. In jahrelanger Recherche wurden die Daten von 51 gehorsamsverweigernden Soldaten ermittelt, die aus Hannover kamen oder dort hingerichtet wurden. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Diese Soldaten sind die Hauptpersonen des vorliegenden Buches.
Statt sie anzuerkennen, wurden sie nach dem Zweiten Weltkrieg verunglimpft, ihr Schicksal verschwiegen und verdrängt. Bis zum Jahr 2009 hat es gedauert, dass der Bundestag auch wegen Kriegsverrats Verurteilte rehabilitierte. In den Jahren zuvor wurden bereits Verurteilungen durch die Wehrmachtsjustiz wegen Desertion und Wehrkraftzersetzung für nichtig erklärt.
Eingereiht in eine Beschreibung der gesellschaftlichen und politischen Situation und im Anschluss auch an neuere Erkenntnisse der Geschlechter- und Männlichkeitsforschung wird nach den individuellen Beweggründen der Gehorsamsverweigerung gesucht. Herausgekommen ist eine facettenreiche Darstellung eines viel zu gern vergessenen Stücks deutscher Geschichte.
In Hannover erinnert heute nur ein fast nicht mehr kenntlicher Stein an das Schicksal der Deserteure.

Paperback, 178 Seiten, 13,90 €, ISBN: 978-3-930726-16-5

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