Ein Ruf aus Krumpa. – Forderungen der Geflüchteten in Sachsen-Anhalt

gern verbreite ich die Forderungen der Geflüchteten aus Krumpa/Merseburg weiter. Die Geflüchteten übergaben und erläuterten ihre Forderungen Mitte März dem Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts (english version below).

Ein Ruf aus Krumpa

Die Geflüchteten in Krumpa erheben die folgenden Forderungen an die Zuständigen im Land Sachsen-Anhalt:
1. Dezentrale Unterbringung
Die Isolation im Lager und das andauernde Warten machen das Leben für uns hier sehr schwer. Wir sind in einem Dorf und leben isoliert von der örtlichen Bevölkerung. Es gibt wenig bis keine Möglichkeiten, uns hier zu integrieren.
Die Situation in Krumpa ist schlecht, wir fühlen uns hier wie Gefangene. Drei Personen teilen sich einen Raum und es gibt nur einen Schrank und eine Lampe für alle pro Zimmer. Wenn einer schlafen möchte, die anderen aber nicht, dann muss derjenige warten, bis alle anderen auch müde werden. Die Räume, die der Betreuungs- und Integrationshilfeverein (BIH) im Auftrag des Landkreises bereitstellt, sind kleiner, als es die Bestimmungen des Landes Sachsen-Anhalt vorsehen. Diesen Bestimmungen entsprechend, muss eine Person mindestens 6 m² und soll mindestens 7 m² zur Verfügung haben, in Krumpa sind es lediglich 5 m².
Wir haben nicht genug Kontakt zu den hier lebenden Menschen und viel zu wenig Kontakt zur deutschen Sprache. Die Möbel, die der BIH zur Verfügung stellt sind nicht gut und gehen leicht kaputt.
2. Gemeinschaftsunterkunft – eine Steuergeldverschwendung
Der Saalekreis gibt ca. 700 € für jeden Raum in Krumpa, einschließlich Wasser, Elektrizität und Heizkosten aus (235 € pro Person, drei Menschen teilen sich normalerweise einen Raum). Warum gibt der Saalekreis so viel Geld für ein isoliertes Lager in einem kleinen Dorf aus und nicht in der Stadt, wo es mehr Möglichkeiten gibt? Wir fordern einen besseren Ort zum Leben, wie zum Beispiel in Merseburg. Wir fordern die Behörden auf, dringend Maßnahmen zu ergreifen und uns, die Flüchtlinge aus Krumpa, dezentralisiert in Orten wie Merseburg unterzubringen.
3. Arbeitserlaubnis für Alle
Im Saalekreis dauert es sehr lange eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. Es vergehen meist drei Monate, bis eine Arbeitserlaubnis nach Beantragung erteilt wird. In anderen Regionen in Deutschland bekommen Flüchtlinge die Arbeitserlaubnis viel leichter.
Im Saalekreis müssen wir zuerst Arbeit finden und dann bekommen wir die Erlaubnis von der Ausländerbehörde. Wie soll man ohne Arbeitserlaubnis Arbeit finden? Das ist unmöglich.
Wir fordern eine sofortige Arbeitserlaubnis für alle Flüchtlinge mit einem legalen Aufenthaltstitel im Saalekreis.
4. Bildung
Wir haben nicht genügend Zugang zu Bildung. Die 4,5 Stunden Deutschkurs für insgesamt 265 Flüchtlinge in Krumpa im kleinen Clubraum der Gemeinschaftsunterkunft sind zu wenig.
Damit wir uns in die Gesellschaft integrieren können, brauchen wir die Möglichkeit Deutsch zu lernen. Der Sprachkurs, der von BIH angeboten wird ist nicht ausreichend. Wir brauchen bessere Bedingungen, als wir sie in Krumpa vorfinden. Wir brauchen Lehrer, die ausgebildet sind, Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten, damit wir unsere Fähigkeiten verbessern Deutsch zu sprechen.
Wir fordern den vollen Zugang zum deutschen Bildungssystem für alle Flüchtlinge im Saalekreis.
Wir sind hier als Flüchtlinge. Wir wollen in diesem Land leben. Wir warten darauf, nicht mehr in Krumpa leben zu müssen, sondern in dezentralen Unterkünften. Wir warten auf die Möglichkeit zu arbeiten und wir wollen arbeiten, damit wir für unseren Lebensunterhalt selbst aufkommen können. Wir warten darauf, den vollen Zugang zu Bildung zu bekommen, denn Bildung ist der Schlüssel zum Erfolg! Wir kämpfen dafür vollständig in diese Gesellschaft integriert zu werden.

A Call from Krumpa.

The Refugees from Krumpa would like to make the following demands to the authorities of Sachsen-Anhalt.
1. Dezentralized Accomodation
Isolation in camps and constant waiting makes life very tough for us here. We are being isolated in a village with very little possibilities and almost no opportunities for integration.
The situation in Krumpa is bad for us, we are like prisoners here. Three people are sharing a room and there is only one wardrobe or cupboard in each room for three people, one lightbulb for three. If one person wants to sleep and the others do not than he is obligated to wait to wait until they also get tired so that he can sleep. The rooms that Betreuungs- und Integrationshilfeverein (BIH) are providing by order of the Saalekreis authorities are smaller than they should be according to the regulations set in place by the State of Saxony-Anhalt. According
to the directives, there has to be an absolute minimum of 6 m² for each person, normally 7 m², but in Krumpa there is only around 5 m².
We also do not have enough contact to the people and not enough contact to the language, which is making life very difficult for us here. The furniture that the operators are providing is not good and gets spoiled very easy .
2. Centralized Accommodation – A waste of Taxpayers Money
Saalekreis is spending around 700 € for each room in Krumpa including water, electricity and heating costs (235 € per person, three people are regularly sharing one room). Why do they spend so much money on an isolated camp in a small village and not in a city where people are more likely to have more opportunities? We demand a better place for living like Merseburg. We demand the authorities to take an urgent action to accomodate the refugees in Krumpa dezentralized in places like Merseburg.
3. Work permits for everybody
Work permits take a very long time in Saalekreis. Before we are being offered the permission to work, we do apply and 3 months pass. In other places in Germany refugees are receiving these offers easily. But here in Saalekreis it is not like that. In Saalekreis we have to find work first before we get the permission from the migration office. How can we find work without the permission? That is a total blockage. We demand work permits for all Refugees in Saalekreis that are legally entitled.
4. Education
We do not have enough access to education. The four and a half hours of German lessons a week for more than 265 people in a small room like the clubroom in Krumpa is very little.
In order to integrate refugees in society, they must be given the opportunity to learn German. We do need much better conditions to do that. The language classes the that BIH are providing is not enough. We want to learn in a better place than Krumpa with teachers trained in German as a foreign language in order to help us to improve our ability to speak German. We do demand full access to the German education system for all the refugees in Saalekreis.
We are here as refugees. We do want to live in this country. We are waiting to be accommodated not in Krumpa but decentralized. We are waiting for the opportunity to work and we want to work to pay for ourselves. We are waiting to be given full access to education, because education is the key to prosperity. We are fighting to be fully integrated in this society.

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