Springe zum Inhalt verqueert…

Mi, 2. November 2016, im Pavillon, kleiner Saal,
Desertion und Kriegsdienstverweigerung in Vergangenheit und Gegenwart
Referenten: Friedhelm Schneider (Ev. Friedensarbeit; Büro für Kriegsdienstverweigerung, Europäisches Büro für Kriegsdienstverweigerung -EBCO) und Klaus Falk, Hannover, (DFG-VK; langjähriger Berater für KDV), Moderation Lutz Krügener, Referent für  Friedensarbeit der Ev. luth. Kirche Hannovers
Veranstaltung im Rahmen der Friedensdekade der Evangelischen Kirche: ‚Kriegsspuren‘.
Veranstaltet von: DFG-VK und Friedensbüro Hannover in Kooperation mit dem Haus kirchlicher Dienste Hannover – Friedensarbeit

Im Rahmen internationaler Kriege kommt der Kriegsdienstverweigerung und der Desertion eine große Bedeutung zu. Dies gilt weltweit, aber durchaus auch für Deutschland, obwohl wir gegenwärtig eine Freiwilligenarmee haben. Wir thematisieren die Vergangenheit - vor allem in Deutschland - aber der Schwerpunkt liegt auf der Gegenwart, insbesondere, wie die Situation  der KDV international aussieht. Welche Schlussfolgerungen kön­nen wir ziehen? Welche Rolle spielen KDV und Desertion für die Vermeidung und Beendigung von Kriegen?

auch von mir herzlichen Glückwunsch  zur Verleihung des Menschenrechtspreises 2015 durch PRO ASYL an André Shepherd. Schön wäre es nun nur noch, wenn Desertion endlich als Asylgrund anerkannt würde...

 

PRO ASYL verleiht Menschenrechtspreis an den US-Deserteur

Weitere Infos unter www.Connection-eV.org/article-2140

 

Am 12. September 2015 wird die Stiftung PRO ASYL den diesjährigen Menschenrechtspreis in Frankfurt/M. an den US-Deserteur André Shepherd vergeben, der in Deutschland Asyl beantragt hat. Das internationale Kriegsdienstverweigerungsnetzwerk Connection e.V., das seit fast acht Jahren André Shepherd in seinem Asylverfahren begleitet, begrüßt die Entscheidung.

"Es gehört großer Mut dazu, sich wie André Shepherd gegen den Irakkrieg zu stellen", erklärte heute Rudi Friedrich für Connection e.V. "André Shepherd hofft bislang vergeblich auf eine positive Entscheidung in seinem Asylverfahren. Dabei ist klar, dass er mit seiner Verweigerung, sich an völkerrechtswidrigen Handlungen zu beteiligen, nicht nur den Irakkrieg an sich in Frage stellt, sondern auch eine rechtlich legitime Entscheidung gegen eine Kriegsteilnahme getroffen hat, die durch eine Asylgewährung zu unterstützen ist."

In der Einladung zur Preisverleihung schreibt PRO ASYL: "Mit seinem Asylverfahren trägt er die Last des Präzedenzfalls. Durch seinen beharrlichen Widerstand hat er seine bürgerliche Existenz in den Vereinigten Staaten aufs Spiel gesetzt. Fast acht Jahre nach seinem Entschluss streitet André Shepherd unbeirrt weiter vor Gericht, weil es ihm auch um das Schicksal anderer geht, die sich völkerrechtswidrigen Kriegen entziehen. Dies macht ihn zu einem Vorbild für Unbeugsamkeit und Humanität. Die Stiftung PRO ASYL würdigt ihn mit der PRO ASYL-Hand 2015."

Die Preisverleihung wird stattfinden am 12. Setpember 2015 um 14 Uhr im Haus am Dom, Domplatz 3 in 60311 Frankfurt. Weitere Informationen zur Preisverleihung finden Sie unter www.proasyl.de/de/news/detail/news/andre_shepherd_erhaelt_menschenrechtspreis_der_stiftung_pro_asyl. Für die Teilnahme an der Preisverleihung bitten wir um eine Voranmeldung an Connection e.V.

„ lch bin glücklich, in diesem Kriege und in meinem Leben keinen Menschen getötet oder ein Leid zugefügt zu haben.“ Mit diesen Worten verabschiedet sich der Pazifist Felix Kaszemeik in einem Abschiedsbrief von seiner Mutter

Heute vor 70 Jahren – am 27.November 1944 – wurde Felix Kaszemeik als Deserteur hingerichtet. Er wurde 30 Jahre alt. Kaszemeik war Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft, die 1892 unter anderem von der Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner gegründet wurde.

Über Felix Kaszemeik wissen wir sehr wenig. Alle Informationen aus seinem Leben können wir nur den Urteilen der Kriegsrichter entnehmen, die ihn zweimal – zunächst am 8.9.1942 (aufgehoben durch ein Urteil des Reichskriegsgerichtes vom 18.5.1943) und dann am 27.11.1944 – zum Tode verurteilten. Diese Urteile sind die Wortmeldungen der Henker, die mit ihren Begründungen ihre Taten rechtfertigen wollten. Grundlage dieses Beitrages sind diese beiden Urteile( Reichskriegsgericht vom 18.5.1943 (Quelle: Haase 1993) und Gericht der 263. Inf.Division vom 27.11.1944 (Quelle: Wüllner 1997))
Kaszemeik wird am 19.9.1914 in Erfurt geboren. Während der Schulzeit – im Alter von 15 Jahren – fand er zur Deutschen Friedensgesellschaft (DFG), der er bis zu ihrer Zerschlagung 1933 angehörte. Er war begeistert von den pazifistischen Ideen, was ihn auch immun gegen NS-Propaganda machte. Nach Besuch der Volkshochschule ging er bis 1931 auf die kaufmännische Berufsschule. Danach arbeitet er unter anderem bei der Stadt Erfurt und bei Opel im kaufmännischen Bereich – bis zu seiner Einberufung am 6.7.1942. Bereits 1935 wurde Felix Kaszemeik gemustert. Bei der Musterung erklärte er sich zum Gegner des Dritten Reiches und äußerte – so die Urteilsbegründung aus dem Jahre 1943 – dass er einem Einberufungsbefehl keine Folge leisten würde, da er für den heutigen Staat mit der Waffe nicht kämpfen könne. ->weiterlesen “Ein vergessener Deserteur – vor 70 Jahren wurde Felix Kaszemeik hingerichtet” »

1

Freitag, 16.5.2014, 19 Uhr, Freizeitheim Linden, Geschichtskabinett
Vortrag von Ralf Buchterkirchen

Deserteure sind „Feiglinge“ „Drückeberger“ und „Weiber“. Deserteure sind Helden im antifaschistischen Kampf. Diese Bilder derjenigen, die sich den Krieg entzogen, herrschten – je nach Sichtweise - uneingeschränkt bis in die 1980er Jahre vor. Der Autor Ralf Buchterkirchen geht, ausgehend von Männlichkeitsbildern und der Militärjustiz als willfähriger Repressionsstruktur der Nazis, der Frage nach, wie und warum Soldaten den Kriegsdienst verweigerten. Er kommt dabei zu ganz individuellen Beweggründen. Eingebunden in konkrete hannoversche Geschichte wird deutlich, wie Männlichkeitsforschung neue Ansätze liefern kann, Desertion als individuelle Entscheidung vor dem Hintergrund von Repression zu verstehen und Deserteuren angemessen zu gedenken.

„Weine Dich nur richtig aus und behalte mich in guten Angedenken und dann fange wieder an zu leben, denn das Leben hat das Recht.“ (Robert Gauweiler im Abschiedsbrief an seine Familie, aus dem
Wehrmachts-Untersuchungsgefängnis Hannover)

Am 9.Mai gedachten auf dem Friedhof Fössefeld in Hannover-Linden ca 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Opfer der NS-Militärjustiz. Ausgehend von wahrscheinlich 42 auf dem Friedhof beigesetzten Hingerichteten - wobei von 15 bisher eindeutig als Hinrichtungsgrund Wehrkraftzersetzung oder Desertion bekannt ist - ist der Friedhof ein fester Bestandteil der städtischen Erinnerungskultur.

Seit vielen Jahren schon lädt die Otto-Brenner-Akademie rings um den 8.Mai zu diesem Ort zum Gedenken ein.
Hauptredner 2013 waren Rolf Wernstedt (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge) und Hartmut Tölle (DGB).
Rolf Wernstedt begann ausgehend von Gedenkfeierlichkeiten für britische Soldaten darüber zu referieren, wie unterschiedlich Bilder von Vaterland und Kampf für Freiheit wahrgenommen und verstanden werden. Dabei machte er deutlich, das ein Kämpfen fürs Vaterland nicht per se negativ sei und nur die Verdrehung durch die NS-Führung dieses Bild negativ färbe. Insbesondere bezog er sich auf einen Vaterlandsbegriff von 1848 und schrieb den positiv fort.

Auffällig war, das beide Redner nur indirekt auf Opfer der NS-Militärjustiz zu reden kamen und dies ausschliesslich in Abgrenzung zu "normalen" Soldaten. Kein Wort über Motive zu desertieren, über die Angst, die Verurteilungsdrohung oder gar ein Nachdenken über die Frage, was die Courage Einzelner, die sich - aus welchen Gründen auch immer - der Militärmaschinerie verweigerten, für die Gesellschaft heute bedeuten kann.

Dass über Soldaten, die wegen Wehrkraftzersetzung oder gar Kriegsverrat verurteilt wurden und ermordet wurden, überhaupt kein Wort verloren wurde, bleibt dann eine der 'Denkwürdigkeiten' der Veranstaltung auf dem Fössefeldfriedhof. Was bleibt ist ein Gedenken, das die Menschen, derer gedacht wird, faktisch ausklammert und sich allein auf die Rechtfertigungsnöte der nichtverweigernden Soldaten bezieht: Welche
Rechtfertigung können sie finden für ihr Tun, für ihr Töten? Ein langer Weg scheint noch notwendig, bis wegen Desertion, Wehrkraftzersetzung oder Kriegsverrat hingerichtete Soldaten auch in den Köpfen rehabilitiert sind.

Informationen zu Desertion, Wehrkraftzersetzung und Kriegsverrat findet sich auf www.deserteure-hannover.de.

Freitag, 31. August 2012, 19.30 Uhr
Zum Antikriegstag 1. September im Antikriegshaus Sievershausen
... und wenn sie mich an die Wand stellen ...
Lesung mit Ralf Buchterkirchen

Der hannoversche Autor Ralf Buchterkirchen hat unter dem Titel „… und wenn sie mich an die Wand stellen“ ein Buch über Desertion, Wehrkraftzersetzung und „Kriegsverrat“ von Soldaten in und aus Hannover in den Jahren 1933 bis 1945 geschrieben. Ralf Buchterkirchen ist seit vielen Jahren in der Friedensbewegung sowie queer-feministischen Initiativen aktiv. Die Idee zum Buch entstand aus dem Wunsch heraus, die von Klaus Falk in jahrelanger Kleinarbeit gesammelten
Informationen zu Kriegs- und Gehorsamsverweigerern in Hannover zu ordnen und einer allgemeinen Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Zum Einen soll damit an eine gern vergessene und auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges lange nicht rehabilitierte Opfergruppe nicht nur aus regionalhistorischer Sicht erinnert werden, andererseits soll mit diesem Buch die Debatte um ein Deserteurdenkmal in Hannover Aufschwung bekommen. Als Ausgangspunkt zum Verständnis der individuellen Beweggründe für Desertion, Wehrkraftzersetzung oder „Kriegsverrat“ wurde gezielt der Umgang mit „heroischen Männlichkeitsbildern“ beschrieben. Männlichkeit wurde im Nationalsozialismus – im Vergleich zur preußischen
Tradition – weiter überhöht und „Bestrafung der Deserteure hieß im NS-Staat auch symbolische Entmännlichung“, so Buchterkirchen. In diesem Sinne verspricht dieser Zugang neue Sichtweisen und verbinden sich friedens- und gesellschaftspolitische Interessen des Autors. Enthalten sind in „.. und wenn sie mich an die Wand stellen…“ unter anderen die Geschichten von Hubert Breitschaft und Robert Gauweiler. Breitschaft, Lehrer aus Bayern, kostete
die spontane Reaktion auf das misslungene Hitler -Attentat vom 20. Juli 1944 - „Schade, dass es ihn nicht erwischt hat!“ - das Leben. Er wurde zum Tode verurteilt und in Hannover hingerichtet. Der Hannoveraner Robert Gauweiler hatte im Kameradenkreis die Befürchtung geäußert: „Diesen Krieg verlieren wir.“ Dafür verurteile ihn die Wehrmachtsjustiz in Dänemark zum Tode. Für diese und andere Opfer der NS-Militärjustiz hat das Antikriegshaus vor fünfzehn Jahren das Deserteurdenkmal in Sievershausen errichtet.

1

Bis in die 80er Jahre hinein galten Deserteure des Zweiten Weltkrieges  in der Mehrheitsgesellschaft als „Schädlinge“,  „Feiglinge“ und „Vaterlandsverräter“. Ein Erinnern fand kaum statt. Der Diskurs wurde wesentlich geprägt von ehemaligen Wehrmachtsrichtern wie Erich Schwinge.

Ihre These von der sauberen Wehrmacht und der antinazionalsozialistischen Enklave Wehrmachtsjustiz fand in der Bundesrepublik der 50er und 60 einen fruchtbaren Boden. Sozialgerichte wiesen Entschädigungen ab, Deserteure – aber auch wegen Wehrkraftzersetzung oder „Kriegsverrat“ Verurteilte fanden sich in schamvollem Schweigen. Die richte machten dafür weiter Karriere.

Erst mit den Arbeiten Manfred Messerschmidts, Fritz Wüllners und der von Jörg Kammler durchegführten Studie zu Kasseler Soldaten brach das Schweigen und eine Debatte setzte ein. Aus der Friedensbewegung heraus entstanden Deserteursdenkmale, die mit verschiedenem Hintergrund denjenigen Gedenken sollten und sollen, die sich dem Krieg entzogen haben. Dabei wurden und werden häufig auch aktuelle politische Bezüge und die Frage nach Krieg als Mittel der Politik in den Vordergrund gerückt. Dabei ist jedoch zu beobachten, dass dieser Blick sich im Laufe der Jahre – auch mit der zunehmenden Akzeptanz von Gehorsamsverweigern veränderte. Festzustellen bleibt. Auch und gerade nach den Entscheidung des Bundestages 2004 bis 2009 alle Opfer der NS-Militärjustiz zu rehabilitieren entstehen neue Formen des Gedenkens und rücken dies gern vergessene Thema in ein neues Rampenlicht.
Trotz aller Rehabilitation ist das aktive Gedenken und Erinnern ein Gebot der Zeit, denn die fortlaufende Auseinandersetzung damit verhindert eine Mumifizierung des Gedenkens, welches am Ende kein Gedenken mehr ist. Das Wissen um Gehorsamsverweigerer hat sich verändert. Die allgemeine Sicht des „Helden“ oder des „Feiglings“ ist weitgehend einer differenzierteren Betrachtung gewichen. Die Suche nach Motiven steht dabei erst am Anfang.
Verurteilungen und Hinrichtungen fanden nicht irgendwo statt. Die Orte lassen sich benennen. Diesen Orten kann und muss auch eine Geschichte zugeordnet werden.

In einer losen Folge werden Denkmale für Deserteure vorgestellt und ggf. mit ihren Besonderheiten und Entwicklungen thematisiert.

 

Bisher sind erschienen:

 

Hannover       ein neues Deserteursdenkmal für Hannover?

Leipzig             der Leipziger Deserteur Fritz Wehrmann

 

Hintergründe zu Gehorsamsverweigern und eine Übersicht zu Deserteursdenkmalen – sowohl einführend, als auch mit Schwerpunkt Hannover – sind in: Ralf Buchterkirchen „und wenn sie mich an die Wand stellen“ – Gehorsamsverweigerung von Soldaten in und aus Hannover, Neustadt 2011 zu finden. Ausführlichere Informationen hier.

Sollten Sie/ solltest du gerade „dein“ Denkmal hier vermissen oder Informationen ergänzen: Dann mail mir.

4

Seit vielen Jahren beschäftigen sich Aktive des Friedensbüros Hannover und der DFG-VK mit der Geschichte der hannöverschen Deserteure. Im September 2011 erschien dazu ein Sachbuch, welches die Forschungsergebnisse zusammenfasste. Belegt ist danach für mindestens 15 Soldaten, die wegen Wehrkraftzersetzung, Kriegsverrat oder Desertion durch die NS-Militärjustiz zum Tode verurteilt wurden - der Ort der Hinrichtung. Hannover - genauer der alte Schießstand auf dem Kasernengelände in Hannover Vahrenheide, auf dem sich heute die Emmich-Cambrai-Kaserne befindet (damals geteilt in Kriegsschule, Emmich-Kaserne und Cambrai-Kaserne). Inzwischen ist der Ort an der Kugelfangtrift die zentrale Ausbildungsstätte der Feldjäger der Bundeswehr.

Naheliegend, das als Ort des Gedenkens an dieses Unrecht  auch dieser Ort zentrale Bedeutung haben müsste. Daher fragten Friedensbüro Hannover und die Initiative für ein Deserteursdenkmal in Hannover im März bei der Bundeswehr an, um für den 15. Mai, den internationalen Tag des Kriegsdienstverweigerers - welcher weltweit auch für Erinnern an hingerichtete Deserteure genutzt wird, auf dem Kasernengelände der Bundeswehr eine kleine Gedenkveranstaltung – mit dem Ziel eines  würdigen Gedenkens an diese Opfer der NS-Militärjustiz -  abzuhalten (brief_bw_20120305). ->weiterlesen “…mit der Traditionspflege der Bundeswehr unvereinbar – Deserteursgedenken am 15.Mai in Hannover” »

erschienen bei HSOZKULT am 16.01.2012
Veranstalter:
KZ-Gedenkstätte Neuengamme; Evangelischen Akademie Hamburg; Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg; Bundesvereinigung Opfer des NS-Militärjustiz Bremen, Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge Hamburg; Willi Bredel Geschichtswerkstatt Hamburg
Datum, Ort: 17.11.2011-19.11.2011, Hamburg

Bericht von:
Ralf Buchterkirchen, Initiative Deserteure Hannover; Heinz-Jürgen Voß, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Halle an der Saale

Zwei Jahre nachdem der Bundestag die letzten Opfer der NS-Militärjustiz rehabilitierte, sind die Forschung und das diesbezügliche öffentliche Wissen noch immer lückenhaft. Zwar wurden überregional einzelne Forschungsfortschritte erzielt, regional verringerte sich der Forschungsbedarf hingegen kaum. Das gilt auch für Hamburg, obschon dort mindestens 13 Kriegsgerichte tätig waren. In Altona befand sich eines der vier auf dem Reichsgebiet gelegenen Wehrmachtuntersuchungsgefängnisse. Im Untersuchungsgefängnis Holstenglacis wurden Dutzende kriegsgerichtlich Verurteilte hingerichtet und auf dem Schießplatz in Rahlstedt mehrere hunder Soldaten erschossen. Die von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme veranstaltete Tagung zog Bilanz der bisherigen Forschung und erörterte Möglichkeiten für eine den Deserteuren würdige Gedenkkultur in Hamburg. ->weiterlesen “‘Jeden Drückeberger trifft ohne Gnade das gleiche Schicksal’. Hamburger Kriegsgerichte und die Deserteure des Zweiten Weltkrieges – Erinnerung noch immer unerwünscht?” »

endlich ist es soweit: Neu erschienen und im gut sortierten Buchhandel (alternativ auch versandkostenfrei direkt beim Verlag ak-regionalgeschichte.de) ist das Deserteursbuch erhältlich. Hier gibt es einen Teaser.

Buchcover

Aus dem Klappentext:„Schade, dass es ihn nicht erwischt hat!“ Diese spontane Reaktion auf die Meldung über das misslungene Attentat auf Adolf Hitler kostet Hubert Breitschaft das Leben. Der Lehrer aus dem bayrischen Cham wird vom Feldgericht verurteilt und in Hannover-Vahrenwald erschossen.
Der Hannoveraner Robert Gauweiler, dem zur Last gelegt wurde, im Kameradenkreis gesagt zu haben: „Diesen Krieg verlieren wir“, wird von der Wehrmachtsjustiz in Dänemark zum Tode verurteilt und in Hamburg erschossen. So wie Breitschaft und Gauweiler erging es vielen. Die NS-Militärjustiz verhängte etwa 30.000 Todesurteile gegen Soldaten, die den Gehorsam verweigerten; mindestens 21.000 wurden vollstreckt.
Für Hannover – einen der fünf wichtigsten Rüstungsstandorte – hat dieses Kapitel der deutschen Geschichte besondere Relevanz. Am Waterlooplatz wurden Soldaten durch die Militärgerichtsbarkeit verurteilt, in Hannover-Vahrenwald, auf dem Gelände, wo sich heute die Emmich-Cambrai-Kaserne befindet, wurden sie hingerichtet und auf dem Fössefeldfriedhof in Hannover-Linden begraben. In jahrelanger Recherche wurden die Daten von 51 gehorsamsverweigernden Soldaten ermittelt, die aus Hannover kamen oder dort hingerichtet wurden. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Diese Soldaten sind die Hauptpersonen des vorliegenden Buches.
Statt sie anzuerkennen, wurden sie nach dem Zweiten Weltkrieg verunglimpft, ihr Schicksal verschwiegen und verdrängt. Bis zum Jahr 2009 hat es gedauert, dass der Bundestag auch wegen Kriegsverrats Verurteilte rehabilitierte. In den Jahren zuvor wurden bereits Verurteilungen durch die Wehrmachtsjustiz wegen Desertion und Wehrkraftzersetzung für nichtig erklärt.
Eingereiht in eine Beschreibung der gesellschaftlichen und politischen Situation und im Anschluss auch an neuere Erkenntnisse der Geschlechter- und Männlichkeitsforschung wird nach den individuellen Beweggründen der Gehorsamsverweigerung gesucht. Herausgekommen ist eine facettenreiche Darstellung eines viel zu gern vergessenen Stücks deutscher Geschichte.
In Hannover erinnert heute nur ein fast nicht mehr kenntlicher Stein an das Schicksal der Deserteure.

Paperback, 178 Seiten, 13,90 €, ISBN: 978-3-930726-16-5

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen