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Heute tagte der Kulturausschuss, für mich leider nur von sehr kurzzeitiger Relevanz. Bereit 14:05 waren das Thema Deserteursdenkmal erledigt.

Auf Antrag der CDU-Fraktion wurde die Entscheidzng über das Denkmal auf dem Stadtteilfriedhof Fössefeld vertagt. Die CDU begründete dies damit, das zum Text der Tafel noch Diskussionsbedarf in der Fraktion bestünde. Der Text der Tafel  im Antrag ist hier dokumentiert.

Nun wird der Antrag im September erneut zur Abstimmung stehen. Ich bin gespannt, was für Kritikpunkte die Konservativen finden werden.

 

 

Heute tagt der Stadtbezirksbeirat Linden Limmer (19.00 Uhr im Freizeitheim Linden) und am Freitag wird sich der Kulturausschuss damit befassen (ab 14.00 Uhr Kestner-Museum). Beide Veranstaltungen sind öffentlich.

Die Verwaltung hat vorgeschlagen, auf dem Stadtteilfriedhof Fössefeld eine Breuste-Statue aufzustellen (siehe Anlage) und den Friedhof zu einem Schwerpunkt der Erinnerungskultur für wegen Desertion, Fahnenfluch oder "Kriegsverrat" Verurteilte herzurichten. Eine verbindliche Aussage wie mit den alten - inzwichen entfernten Denkmal umgegagen werden soll fehlt weiterhin. Der BV der Opfer der NS-Militärjustiz hat die Ratsdokumente gespiegelt. ich verlinke sie hier, sie können aber auch auf den Seitend er Stadtverwaltung eingesehen werden.

Sitzung des Kulturausschusses Hannover am 18. Juli 2014: Info zum Top "Denkmal für Deserteure", Beschlussdrucksache 1645/2014, Anlage 1 (Tafeltext), Anlage2-1 Skulptur und Anlage 2-2 Skizze

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Erfreuliche Nachrichten aus Hamburg. Wie vielfach berichtet wird (Quelle für die Links)

Deserteurdenkmal in Hamburg
Bremer Nachrichten/Weser-Kurier vom 6. Juni 2014, Seite 20 (Kultur)

Im Wegsehen läge die Schande - Das Deserteurdenkmal verdient Anerkennung
Hamburger Abendblatt vom 6. Juni 2014 (Kommentar)

So soll das Hamburger Deserteurdenkmal aussehen  - Zeichen für Zivilcourage
NDR-Info vom 5. Juni 2014

Hamburger Künstler Volker Lang soll Deserteurdenkmal bauen
Hamburger Abendblatt vom 5. Juni 2014

Gestaltungswettbewerb für Deserteurdenkmal am Stephansplatz entschieden
Pressemitteilung der Kulturbehörde Hamburg vom 4./5. Juni 2014

bekommt Hamburg jetzt endlich ein neues Derteursdenkmal.

Für Hannover sieht es schlechter aus. Ein Beschluss für einen Ersatz auf dem Fössefeldfriedhof (dazu kritisch hier) ist noch nicht gefasst, ein Umgang mit dem voahndenen Denkmal auf den Fösselfeldfriedhof ist noch nicht gefunden, da wird es bereits abmontiert. nach Aussage der Stadt soll es sicher zwischengelagert werden. Eines scheint - zumindest für die Stadt - sicher: Auf dem Trammplatz wird es keinen Platz mehr finden. Hannover verliert sein Deserteursdenkmal (vorerst).

20140607desertationsdenkmal-trammplatz-ist-weg

 

 

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(Text als flyer)
Hannover war einer der fünf größten Rüstungsproduzenten des Dritten Reiches und beherbergte zahlreiche Militäreinheiten. Hier wurden gehorsamsverweigernde Soldaten im Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis am Waterlooplatz verurteilt, auf dem Schießplatz in Vahrenwald hingerichtet und auf dem Soldaten- und Garnisionsfriedhof Fössefeld begraben.
Noch hat Hannover ein Deserteursdenkmal. Während in anderen Städten über die Aufstellung neuer Orte der Erinnerung und Auseinandersetzung mit Desertion öffentlich gestritten und gerungen wird, werden in Hannover, von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, gegenteilige Fakten geschaffen. Es droht die politische Auseinandersetzung mit Desertion aus dem Stadtbild zu verschwinden.
Das 1990 errichtete und aktuell vor dem Rathaus an den unbekannten Deserteur erinnernde Denkmal wurde mehr oder minder spontan im Rahmen einer Kriegsdienstverweigererinitiative erstellt und der Stadt als Schenkung übergeben. Es sollte noch bis 1995 dauern, bis die Stadt in einem Ratsbeschluss diese Schenkung annahm. Seitdem liegt das Denkmal, abgesehen von verschiedenen Gedenkfeiern, weitgehend unbeachtet am Rand des Trammplatzes. Es verfällt zunehmend und ist nach nunmehr 20 Jahren, auch aufgrund der verwendeten Baumaterialien, kaum noch als solches zu erkennen. Mit der Umgestaltung des Trammplatzes soll das Denkmal endgültig von diesem Ort verschwinden. Ein neuer Ort zur Aufstellung wird von Seiten der Stadtverwaltung nicht thematisiert.Weiterlesen » » » »

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Freitag, 16.5.2014, 19 Uhr, Freizeitheim Linden, Geschichtskabinett
Vortrag von Ralf Buchterkirchen

Deserteure sind „Feiglinge“ „Drückeberger“ und „Weiber“. Deserteure sind Helden im antifaschistischen Kampf. Diese Bilder derjenigen, die sich den Krieg entzogen, herrschten – je nach Sichtweise - uneingeschränkt bis in die 1980er Jahre vor. Der Autor Ralf Buchterkirchen geht, ausgehend von Männlichkeitsbildern und der Militärjustiz als willfähriger Repressionsstruktur der Nazis, der Frage nach, wie und warum Soldaten den Kriegsdienst verweigerten. Er kommt dabei zu ganz individuellen Beweggründen. Eingebunden in konkrete hannoversche Geschichte wird deutlich, wie Männlichkeitsforschung neue Ansätze liefern kann, Desertion als individuelle Entscheidung vor dem Hintergrund von Repression zu verstehen und Deserteuren angemessen zu gedenken.

„Weine Dich nur richtig aus und behalte mich in guten Angedenken und dann fange wieder an zu leben, denn das Leben hat das Recht.“ (Robert Gauweiler im Abschiedsbrief an seine Familie, aus dem
Wehrmachts-Untersuchungsgefängnis Hannover)

Das aus 22 Gruppen bestehende "Bündnis für ein Hamburger Deserteursdenkmal" lädt wie jedes Jahr zum Klotzfest. Rings um den sogenannten Kriegsklotz in der Nähe des Bahnhofs Dammtor werden vom 1.5. bis zum 4.5. Künstler_innen, Autor_innen und Aktive sich dem Thema Desertion widmen. Es lohnt auf jeden Fall vorbeizuschauen: Auf www.feindbeguenstigung.de findet sich ein umfangreiches Programm.

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erschienen in Forum Pazifismus Heft 37 1/2013

Für alle Beteiligten überraschend hat Hannover seit Januar 2012 eine Deserteursdebatte. Der Kulturauschuss des Rates beauftragte die Stadtverwaltung mit der konzeptionellen (Neu-)Gestaltung des „Denkmal für den unbekannten Deserteur“. Nachdem die Initiative für ein Deserteursdenkmal jahrelang versuchte das Thema auf die politische Agenda zu bringen,  eine angemessene Würdigung der wegen Desertion, Wehrkraftzersetzung bzw. Kriegsverrat verurteilten Soldaten zu erreichen und vor allem ihre  individuellen Motive für die Gehorsamsverweigerung in den Blick zu rücken, kam nun von offizieller Seite ein Anstoß zum Diskurs.

Allerdings: Der darauf folgende Vorschlag der Stadtverwaltung war ernüchternd. Aber der Reihe nach:

Die Rolle Hannovers im Zweiten Weltkrieg

Hannover gehörte während des Zweiten Weltkrieges zu den 5 bedeutendsten Rüstungsstandorten. Auch militärisch spielte die Stadt als Heimat zahlreicher Einheiten und Kommandostrukturen eine wesentliche Rolle. Auf dem Schießplatz in Vahrenwald (dem heutigem Gelände der Feldjägerschule der Bundeswehr, der Emmich-Cambrai-Kaserne) wurden Soldaten wegen Desertion hingerichtet, im Wehrmachtuntersuchungsgefängnis Am Waterlooplatz warteten sie auf ihre Hinrichtung, begraben liegen die meisten auf dem Fössefeldfriedhof in Linden. Für mindestens 15 Soldaten ist dies belegt.[1] Aktuelle Zahlen Schätzungen gehen von mindestens 43 Hinrichtungen aus.[2] Nicht vergessen werden sollen unter diesem Gesichtspunkt aber auch jene Soldaten, die aus Hannover kommend, im Verlaufe des Krieges ihrem Gewissen den Vorrang vor Befehlstreue gaben. Für 36 Soldaten liegen entsprechende Nachweise vor.

Ein erstes Denkmal

Bis zum Ende der 80er Jahre war dieses Stück hannoverscher Geschichte kein Thema, welches größere Kreise interessierte. Im Rahmen einer „Initiative für totale Kriegsdienstverweigerung/ Kriegsdienstverweigerung“, welche sich neben praktische KDV-Arbeit auch mit Desertion beschäftigte wurde im Sommer 1990 am Rande eines ASTA-Universitäts-Sommerfestes in einer Nacht- und Nebel-Aktion ein Denkmal für den unbekannten Deserteur erstellt. Unabhängig von politischen Organisationen, doch unterstützt von Friedensgruppen, dem ASTA und später den Grünen fertigten die Künstler um Arne Witt ein Denkmal. Es zeigt, auf dem Boden abgelegt, einen Stahlhelm und Militärstiefel. Stiefelabdrücke führen zu dieser Stelle hin und Fußspuren – barfuß – von ihr weg. Der Weg der Desertion – die Entscheidung, dem Militär zu entsagen – sollte so plastisch aufgezeigt werden. Ziel war es, eine Debatte um die individuelle Verweigerung des Kriegsdienstes anzuregen.Weiterlesen » » » »

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