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Queer bedeutet – aus dem Englischsprachigen kommend – mehr als lesbisch oder schwul. Es steht für Unbestimmtheit, Vielfalt, Individualität und Selbstbestimmung insbesondere bezüglich sexueller Identität und Lebensweise.
Queer bildet den Hintergrund für vier Veranstaltungen, die zwischen dem 11. und 20. August in Hannover stattfinden. Sie widmen sich Fragen der Möglichkeit oder Unmöglichkeit politischer Aktivität vor dem Hintergrund individualisierter Lebensweisen, nehmen die gewalttätigen Operationen an intersexuellen Menschen (Menschen, die sowohl als ‚weiblich‘ als auch als ‚männlich‘ betrachtete Geschlechtsmerkmale aufweisen) in der Bundesrepublik Deutschland in den Blick und wenden sich dem Ursprung von Theorien zu, homosexuelle Menschen als pathologisch zu betrachten und sowohl Heterosexualität als auch Homosexualität als Identitäten zu beschreiben. Für alle Veranstaltungen konnten wir namhafte Referent/innen gewinnen.

Weitere und aktuelle Informationen direkt vor den Veranstaltungen finden sich auf: http://queerlabor.blogsport.de/ .
Veranstaltet wird die Reihe von der Initiative Queer Labor in Kooperation mit der Stiftung Leben & Umwelt – Heinrich Böll Stiftung Niedersachsen, der Rosa Luxemburg Stiftung Niedersachsen e.V., dem Veranstaltungszentrum Schwule Sau, dem Annabee Buchladen und dem Kino im Sprengel.

Die Veranstaltungen im Einzelnen:

Queer politics – eine Einführung
 Termin / Ort:             Dienstag, 11. August 2009, 19.30 Uhr, Schwule Sau (Schaufelder Str. 30a)

„Queer“ ist im Rahmen von queer theory, politics und praxis nicht gleichbedeutend mit lesbisch oder schwul zu verstehen, wie es in Wörterbüchern häufig zu finden ist. Vielmehr wurde der Begriff „queer“ durch die Gruppe „Queer Nation“ selbstbewusst umgedeutet, hin zu einer übergreifenden Bezeichnung, die Menschen aller Identitäten und Lebensweisen einschließt und sich für eine Gleichberechtigung aller Menschen einsetzt. Offensiv werden Geschlecht, Patriarchat und Normierungen angegriffen – und werden Alternativen für eine Gesellschaft aufgezeigt.

Queer fordert sehr viel: kann Politik im parlamentarischen Sinne das leisten? In einem Input stellt Heinz-Jürgen Voß mögliche Ansätze für Queer politics und deren Problematiken vor. Es schließt sich eine breite Diskussion an.

 Input von Heinz-Jürgen Voß. Voß ist queer-politisch aktiv, promoviert derzeit an der Universität Bremen zu „Geschlechterdekonstruktion aus biologisch-medizinischer Perspektive“.

Queer politics – radikaler politischer Ansatz und individuelle L(i)ebensweise

 Referent_innen:        Dr. Antke Engel, Robin Bauer

Termin / Ort:             Mittwoch, 19. August 2009, 19.30 Uhr, Schwule Sau (Schaufelder Str. 30a)

Queer fasziniert mit der Magie der Offenheit, Unbestimmtheit und raschen Veränderung. Mit der Ablehnung von Hierarchien, Abhängigkeitsverhältnissen, von Bevorteiligungen und Benachteiligungen von Menschen stellt queer eine Theorie dar, die zu einer radikalen Gesellschaftskritik taugt. Die Umsetzung queerer Theorien in die Praxis bleibt dagegen eine kritische Streitfrage. Ist dies mit dem Bürgerinnenrechtsansatz in einer parlamentarischen Demokratie möglich – oder bedarf es weit radikalerer, pluralistischerer Ansätze?

Gleichzeitig leben, lieben, sexen Menschen zunehmend so wie sie selbst es wollen. In Großstädten haben sich Subkulturen herausgebildet, in denen sich Menschen zusammenfinden, die sich selbst als queer bezeichnen. Dort werden Geschlechterstereotype betont oder radikal abgelehnt, parodiert und hinterfragt. Ist dies nur Lifestyle, mit dem Menschen ihre „Freizeit“ verbringen oder geht hiermit eine Veruneindeutigung einher, werden Grenzen gesprengt, werden staatliche Kartierungs- und Zugriffsweisen unterminiert und Kapitalismus in Grundfesten erschüttert?

Öffentlichkeit und Privatheit, Bürgerinnenrechtspolitik und radikale Politikansätze, Sichtbarmachen und Verundeutigen, Dekonstruktion und Konstruktion werden hier zusammengebracht. Es wird umgerührt und geschaut, was könnte eigentlich dabei rauskommen. Inputs kommen von Dr. Antke Engel und Robin Bauer; es schließt sich eine breite Diskussion an.

Dr. Antke Engel ist freie Wissenschaftler_in und Philosoph_in im Bereich feministischer und queerer Theorie; thematisch arbeitet Engel an der Verschränkung sozial- und kulturwissenschaftlicher, akademischer und aktivistischer, philosophischer und künstlerischer Felder. Gerade ist ihr neues Buch "Bilder von Sexualität und Ökonomie" (transcript 2009) erschienen.

Robin Bauer unterrichtet Queer Studies an der Universität Hamburg und der Universität Göttingen und arbeitet derzeit an einer Promotion in der Soziologie zu queeren BDSM Praktiken und Communitys.

„Die Vertreibung aus dem Serail. Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt.“ Lesung und Diskussion.

 Referent_in:              Georg Klauda

Termin / Ort:             Montag, 17. August 2009, 19.30 Uhr, Annabee Buchladen   (Stephanusstraße 12-14)

Islamische Staaten geraten durch die Verfolgung „Homosexueller“ immer wieder in den Blickpunkt der Medien, und wenn sich hierzulande deklassierte Halbstarke aggressiv gegenüber Schwulen zeigen, fragt man reflexhaft nach ihrem „kulturellen Hintergrund“. Dabei ist die klassische türkische und arabische Liebeslyrik voll von gleichgeschlechtlichen Motiven, die man in der Literatur des „aufgeklärten“ Abendlands vergeblich sucht.

Angesichts dieses Widerspruchs zeichnet Georg Klauda bei einer Lesung aus seinem neu erschienenem Buch die Konzepte mann-männlicher Liebe und Lust in christlichen und muslimischen Gesellschaften vergleichend nach. Er zeigt den historischen Anteil des Westens an der Formierung antihomosexueller Diskurse in der islamischen Welt, und belegt, dass auch in Deutschland – trotz aller gegenwärtigen Liberalität – von einer Auflösung des heteronormativen Korsetts keine Rede sein kann.

Es bietet sich Raum für Nachfragen und eine breite Diskussion.

Georg Klauda studierte Soziologie, Neuere Geschichte und Linguistik in Erlangen und Berlin. Er publiziert in Zeitschriften wie "Phase 2", "Arranca", "Inamo" und "MRZine" über die Themen Homophobie, Rassismus und Islamophobie.

„Das verordnete Geschlecht“ – Film und Diskussion zu Intersexualität

Referent_innen:        Elisabeth Müller, Bertram Rotermund

Termin / Ort:             Donnerstag, 20. August 2009, 20.30 Uhr, Kino im Sprengel (Klaus-Müller-Kilian-Weg 1)

Wird ein Kind mit „uneindeutigen“ Geschlechtsmerkmalen geboren, schließen sich noch immer in nicht wenigen Fällen geschlechtsangleichende Operationen im Kindesalter an. Dies obwohl sich Initiativen von intersexuellen Menschen seit Jahren gegen solche oftmals selbst erlebten und als schmerzhaft und traumatisierend empfundenen gynäkologischen und hormonellen Behandlungen wehren. Änderungen der Behandlungspraxis werden zwar mittlerweile auch in der Medizin diskutiert, noch immer ist aber kein grundsätzliches Abgehen von geschlechtszuweisenden Operationen im Kindesalter in Sicht.

Eingeleitet durch den Film „Das verordnete Geschlecht“ von Oliver Tolmein und Bertram Rotermund (Regie) und Michel Reiter und Elisabeth Müller (Hauptdarsteller_innen) werden die Situation und Möglichkeiten der Verbesserung der Situation von Intersexuellen diskutiert. Elisabeth Müller und Bertram Rotermund haben ihre Teilnahme an der Veranstaltung und der Diskussion zugesagt.

Elisabeth Müller ist Kirchenmusikerin und Sängerin in Schenefeld bei Hamburg. Sie ist eine XY-Frau und Mitglied im Verein Intersexuelle Menschen e.V.

Bertram Rotermund ist Dokumentarfilmemacher, Mitglied im Abbildungszentrum Hamburg und Dozent für Video in Hamburg.

 

Friedensbiwak 2009
am: 15. August 2009, ab 17 Uhr, Pavillon (Lister Meile 4, Hannover)

Das Grundgesetz stellt klar: die Würde eines jeden Menschen ist unantastbar. Dieses grundlegende Recht wird schon lange angegriffen. So wird in der Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland in zunehmendem Maße auf militärische Auseinandersetzungen gesetzt. Ob im Kosovo, in Afghanistan oder vor der Küste Somalias: Nicht Gewaltfreiheit und Anerkennung der Würde von Menschen stehen im Mittelpunkt der Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland, sondern Waffen und Gewalt. Im Jahr 2008 sind die Ausgaben hierfür um 20% auf knapp 50 Milliarden Euro gestiegen. Diese 50 Milliarden Euro werden dringend für zivile Investitionen gebraucht: nicht zuletzt für eine zukunftsfähige  Bildung der jungen Generation. Wir fordern: 50 Milliarden für den Frieden!Weiterlesen » » » »

Um einer Kriegsverwendung zu entgehen und das eigene Gewissen über militärische Logik zu stellen existiert in der Bundesrepublik das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung (KDV). Auch wenn das Verfahren zur Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer einfacher als noch vor einigen Jahren ist, gibt es doch einiges zu beachten. Prinzipiell empfiehlt es sich erst nach der Musterung zu verweigern, da die Wahrscheinlichkeit untauglich gemustert zu werden, als potentiell Wehrpflichtiger massiv steigt. Schließlich werden nur 50% aller Wehrpflichtigen auch wirklich eingezogen. Auf diesem Weg soll die Diskrepanz stärker vertuscht werden. Auch Zivildienst ist ein Zwangsdienst. Daher empfehlen wir alle Möglichkeiten zu nutzen, über die Tauglichkeitsprüfung oder die Überschreitung von Altersgrenzen, bzw. über Rückstellungsgründe jeglichen Zwangsdienst zu vermeiden. Infos dazu gibt es auf unserer Linkliste oder bei der Beratung vor Ort.Weiterlesen » » » »

Nach den Protesten im November 07 in der Marktkirche Hannover hat die Kirche nun reagiert.. und die Bundeswehr ausgeladen. Begründet wird dies offiziell damit, das die BW personenkontrollen gefordert habe und sich dies mit dem Verständnis der Kirche nicht vereinbaren liese. Zusätzlich wird mit Sicherheit auch kircheninterner Druck sowie die öffentliche Diskussion zu diesem erfreulichen Ergebnis beigetragen haben. Eindeutig ein Erfolg antimilitaristischer Arbeit in Hannover. Offen ist nun nur noch die Rücknahme der Klagen des Superintendenten Puschmann gegen die Protestierer vom November...

Der folgende Artikel erschien in der Zivilcourage (Mai2008), der zeitschrift der Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinige KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK).

Im Sommer übernimmt die Bundeswehr neue Aufgaben in Afghanistan. 250 SoldatInnen sollen als Bestandteil der „quick reaction force“ der ISAF die bisher dafür eingesetzten norwegischen Streitkräfte ersetzen. Kampfeinsatz wahrscheinlich. Kommen sollen diese Truppen aus dem niedersächsischen Städtchen Augustorf. Sie gehören der 1. Panzerdivision mit Sitz in Hannover an.Weiterlesen » » » »

(dieser Flyer entstand im Vorfeld einer veranstaltung des Lilje-Forums Hannover am 31.01.08, zum Thema frieden neu denken mit Peter Struck)

Marschbefehl für bis zu 4000 Soldaten der 1. Panzerdivision aus Hannover

Heute ist der frühere Verteidigungsminister Struck eingeladen, im Rahmen des Hanns-Lilje-Forums in der Neustädter Hof- und Stadtkirche zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr zu referieren. Er prägte den Satz: Es gelte „Deutschland am Hindukusch zu verteidigen“. Dazu möchten wir als Organisationen der Friedensbewegung in Hannover Stellung nehmen.Weiterlesen » » » »

Ein Konzert und seine Folgen

Am 28.11. 2007 fand in der Marktkirche zum siebten mal das Adventskonzert der 1. Panzerdivision, Eingreifdivision der Bundeswehr, statt. Zum ersten mal wurde dieses Konzert von Protesten friedensbewegter und antimilitaristischer Gruppengestört. Ein Polizeieinsatz und eine ausführliche Medienberichterstattung folgten.

3 Monate später wollen nun VertreterInnen der Marktkirche, u.a. PastorinHanna Kreisel-Liebermann und Stadtsuperintendent Puschmann mit den VertreterInnen der Protestierenden Brunhild Müller-Reiss (Friedensbüro)Dirk Wittenberg (Rote Aktion Kornstraße) und Lukas Ladewig (Antimilitaristische Initiative Hannover)über das Adventskonzert, die Protestaktion und die Folgen diskutieren. Eine rege Beteiligung der interessierten Öffentlichkeit ist erwünscht.

4. März im Pavillon  - 19.00 Uhr, Raum 8.

 

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