… am besten auch noch Marschmusik – CSD in Berlin jetzt auch militärisch bereit

Als die Kämpfe in der Christopher Street – getragen von People of Color der Arbeiterklasse und Drag queens (und eben nicht dem weißem bürgerlich schwulen Mainstream) in New York ausbrachen,die später zur Initalzündung einer lesbisch-schwulen – teilweise queeren – Bewegung werden sollten, ahnte noch niemand, was sich nun – einige Jahrzehnte später unter dem Label der Kämpfe abspielen sollte. OK seit Jahren ist der CSD in vielen Ländern zur weitgehend unpolitischen Parade verkommen, bestenfalls geht es um Gleichheitsrechte zur bürgerlichen Ehe. Wirksame Antidiskriminierungsmassnahmen, die Rechte von Trans* und Intergeschlechtlichen Menschen spielen seit Jahren eine untergeordnete Rolle, wie alle Forderungen, die nicht einen weißen bürgerlichen Mittelklassemainstream betreffen.

Für die Bundesrepublik hat Berlin hat jetzt eine neue Stufe der Anpassung an diejenigen gefunden, die es einst zu bekämpfen galt – staatliche Institutionen und ihre Repressionsorgane. Eröffnet von Botschaftern (also den Vertretern der jeweiligen Regierungen) verschiedener Länder und begleitet von einem Truck der niederländischen Armee(!) ging es diesmal auf die Route. Militärische Einheiten (seien sie schwul oder nicht) als Demonstrationsteilnehmer auf einem Christopher Street Day –  wie tief ist diese einstmals so wichtige politische Veranstaltung gesunken? Die Anwesenheit der Militärs ruft keinen Protest hervor. “Mein Land war im Juli 1995 zuständig für den Schutz der UN-Sicherheitszone in Srebrenica, als dort 8.000 Menschen ermordet wurden. Aber jetzt heult mal nicht so rum. Wir waren halt da, was ich dort gemacht habe, ist nicht von Interesse” so ein Kommentar der Militärischen – unkritisiert und positiv begleitet im Tagesspiegel. Offensichtlich gar kein Problem, das auf einer lesbisch-schwulen Demonstration fürs Morden geworben werden darf.

Der Berliner CSD ist da nicht einmal Vorreiter. Beim Gay Pride in Amsterdam fahren seit Jahren niederländische Soldaten mit.  In den USA wurde ein Drohnenhersteller zum größten Geldgeber einer LGBT-Kampagne und der CSD Verein in San  Francisco bekräftigt seine Treue zum amerikanischen Militär und  erklärt den schwulen Whistleblower Bradley Manning zum Verräter.

All das reiht sich ein in ein Konzept des Homonationalismus, der Integration von Homorechten in nationalistische Diskurse. Rechte von Lesben und Schwulen werden für weltweite Interventionen missbraucht und als Argumentation herangezogen – auch von Politiker_innen denen die Rechte gleichgeschlechtlich Liebender bestenfalls egal sind. Mit Homo- und Frauenrechten soll so eine moralische Überlegenheit demonstriert werden um weltweite Interventionsinteressen zu festigen.

Der Berliner CSD hat damit offensichtlich kein Problem. Wird Zeit, das sich dafür Gegenpositionen finden.

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