Fußball als Mittel der Militarisierung der Gesellschaft und Hannover 96 als deren Handlanger_in

Wer glaubte, dass sich mit der Aussetzung der Wehrpflicht und der Verkleinerung der die Präsenz der Bundeswehr im öffentlichen Raum verringern würde, wird mittlerweile krass eines Besseren belehrt. Immer aggressiver wirbt die Bundeswehr um Nachwuchs, dabei macht sie nicht deutlich, dass er rekrutiert wird, um das Töten zu erlernen und das eigene Leben zu riskieren. Bewusst verbindet die Bundeswehr klassische Werbung mit einer Imagekampagne: Sie will das eigene Image aufpolieren und sich als vermeintlich normale Arbeitgeberin präsentieren. Und das nun auch in unserem Verein – im Stadion von Hannover 96!

Das Problem für die Bundeswehr ist: Kaum jemand möchte sich freiwillig Befehl und Gehorsam unterwerfen und das eigene Leben aufs Spiel setzen. Klar ist jeder und jedem, die_der zur Bundeswehr geht, dass eine „freiwillige Verpflichtung“ auch bedeutet, in Militäreinsätzen im Ausland eingesetzt zu werden. Das passt nicht zu den persönlichen Entscheidungen junger Menschen, die lieber ihr Leben offen und bunt gestalten wollen. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung schrieb etwa 2011 zu den auffallend hohen Abbrecherzahlen (in den ersten sechs Monaten kann eine Selbstverpflichtung noch zurückgenommen werden!): “Viele junge Männer und Frauen, die sich zum freiwilligen Dienst in der Armee entschlossen haben, nutzen ihre sechsmonatige Probezeit und kehren der Truppe Knall auf Fall den Rücken. [… Es gab] auffällig häufig Kündigungen aus persönlichen Gründen: Rekruten fühlten sich überfordert und mochten sich nicht an das Leben in der Kaserne und die soldatische Ordnung gewöhnen. Andere erhielten doch noch einen Studienplatz oder eine Zusage für eine Ausbildung in einem zivilen Beruf.” (HAZ, 21.7.2011) Menschen leben eben lieber bunt als soldatisch.

An Schulen versucht es die Bundeswehr immer wieder, veranstaltet als Sponsor mit einem Aufwand von 250.000 EUR Schul-Fußballturniere, wie eine Anfrage der Linken ergab und sie schaltet Werbung in Stadien und stadiennahen Publikationen. Bei Hannover 96 scheint dieser Weg der Werbung einen neuen Höchststand erreicht zu haben. Nicht nur, dass die Bundeswehr in ganzseitigen Anzeigen im offiziellen Stadionmagazin für sich werben darf, vielmehr schaltet sie auch Werbebanden vor und nach dem Spiel sowie in der Halbzeitpause. So geschehen beim Spiel um die Qualifikation für den Europapokal gegen den irischen Verein St.Patricks Athletics. Ausgenutzt werden soll die hohe Popularität des Fußballs. Gezielt wirbt das Militär bei Jugendlichen – dabei ist die Rekrutierung von Jugendlichen in internationalen Abkommen untersagt. Hauptziel der Kampagne dürfte aber sein, dass Image der Bundeswehr aufzubessern. Es ist erschreckend, dass unser Verein Hannover 96 sich für die Zwecke der Bundeswehr ausnutzen lässt. Statt Spaß und Spiel, statt Freizeitvergnügen, statt Offenheit und Vielfalt, statt Miteinander und Gemeinsamkeit positioniert sich der Verein damit einseitig. Er leistet damit dem Freizeitvergnügen Fußball keinen gefallen, sondern spaltet und leistet direkt der Militarisierung der Gesellschaft Vorschub!

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